DAX Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 13.280,50+0,39% TecDAX Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.104,75+0,81% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.530,00+0,63% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 30.076,00+0,34% Gold: 1.844,97+0,28% EUR/USD: 1,2169+0,20%
Redaktion

Dax rutscht um 4 Prozent ab - Ausfälle in Autoproduktion rücken näher - Zahl der Infektionen in Italien steigt

arp/cru/kjo Frankfurt - Die verstärkte Ausbreitung des Coronavirus hat die Akteure an den internationalen Finanzmärkten zum Wochenauftakt in Alarmstimmung versetzt. Risiko-Assets wie Aktien wurden verkauft. Beim Dax, dem Euro Stoxx 50 und dem italienischen Leitindex FTSE Mib gab es die größten Tagesverluste seit dreieinhalb Jahren.

In Italien wurde der sechste Todesfall durch das Coronavirus gemeldet, ganze Ortschaften wurden abgeriegelt, der Karneval in Venedig wurde abgesagt. Derweil bereitet sich auch das Nachbarland Frankreich darauf vor, dass sich das Virus stärker ausbreitet. In anderen Ländern wurden ebenfalls Corona-Fälle gemeldet. Die ersten Infektionen gab es unter anderem in Kuwait, Bahrain und Afghanistan.

Der Dax sackte bis auf das Tagestief von 12 982 Zählern ab und beendete den Handel bei 13 035 Punkten mit einem kräftigen Abschlag von 4 %. Der Euro Stoxx 50 Index rutschte um ebenfalls 4 % auf 3 648 Zähler deutlich ab. Heftige Verluste gab es auch an der Mailänder Börse. Der FTSE Mib brach um 5,4 % auf 23 427 Punkte ein. Sicherheit wurde in diesem Marktumfeld groß geschrieben. So steuerten die Anleger Gold an. Der Preis für die Feinunze befestigte sich um 1,8 % auf 1 672 Dollar. Gefragt waren zudem Bundesanleihen entlang der gesamten Laufzeitenkurve, so dass die Renditen fielen. Die gesamte Bundkurve, das heißt bis hin zu 30 Jahren Laufzeit, lag tagsüber komplett im Minus. Die zehnjährige US-Rendite fiel derweil auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Zum Druck auf die Renditen trug bei, dass immer mehr Marktteilnehmer Schützenhilfe von den Notenbanken erwarten. So setzen Anleger darauf, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen nochmals senkt. Italiens Notenbankchef Ignazio Visco sieht indes die Politik in der Pflicht: "Wir müssen die Fiskalpolitik nutzen, denn die Geldpolitik ist weltweit bereits sehr, sehr akkommodierend - und es ist ungewiss, ob wir noch mehr tun können."

Die deutsche Industrie fordert die Bundesregierung angesichts der Ausbreitung des Virus zum Handeln auf. "Neben dem Gesundheitsschutz muss die Politik ab sofort das wirtschaftliche Krisenmanagement in den Fokus nehmen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang.

Zu den besonders betroffenen Branchen zählt die Autoindustrie. "In nahezu jedem Auto sind Elektronikbauteile aus China verbaut", warnt LBBW-Chefanalyst Uwe Burkert. "Sollten chinesische Zulieferer von Komponenten länger ausfallen, wird dies über die Unterlieferanten sowie über die Tier-1-Lieferanten auf die Produktion der Hersteller in China und den übrigen Weltregionen durchschlagen." Die Zwischenlager der Zulieferer reichen laut LBBW für zwei bis sechs Wochen. "Ab März dürfte es zu ersten Produktionsausfällen bei den Herstellern kommen", prognostiziert Burkert. "Auf dem größten Absatzmarkt China werden die Fahrzeuge meist lokal gefertigt sowie High-End-Modelle importiert." Vor allem VW, BMW und Daimler wären stark von einem Absatzrückgang betroffen. Da die Margen in China höher sind, ist das Ertragsrisiko durch sinkende Fahrzeugverkäufe überproportional. Geschätzte Ergebnisanteile des China-Geschäfts liegen für VW bei 50 % und für BMW und Daimler bei 40 %. Folgen sind zudem in der Konsumentenelektronik absehbar. Trendforce schätzt, dass die Auslieferungen von Smartwatches wegen der Nachschubprobleme, die das Virus verursacht, im ersten Quartal um 16 % zurückgehen. Auch bei Notebooks, Smart Speakers, Videospielkonsolen und Smartphones wird das Minus wohl jeweils mehr als 10 % betragen.

Auswirkungen hat das Virus auch auf den deutschen Messekalender. Gestern Abend wurde die Fachmesse "Light and Building" in Frankfurt auf den Herbst verschoben.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex spiegelt die möglichen Wirkungen des Coronavirus noch nicht wider. Er legte im Februar leicht zu.

- Nebenstehender Kommentar

Schwerpunkt Seite 5

Berichte Seiten 7 und 20

Börsen-Zeitung, 25.02.2020, Autor arp/cru/kjo Frankfurt, Nummer 38, Seite 1, 557 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020038003&titel=Ausbreitung-des-Coronavirus-versetzt-Maerkte-in-Alarmstimmung
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Konjunktur & Politik
Themendossiers zu Konjunktur & Politik
Länderratings


Termine des Tages
Freitag, 4.12.2020

Presse- und Analystenkonferenzen
Glencore: Investor Update