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Redaktion

KOMMENTAR - ITALIEN
Die Coronavirus-Epidemie hat Italien immer fester im Griff. Die Zahl der Infizierten und der Todesfälle nimmt in dramatischem Tempo zu. Das Gesundheitssystem steht am Rand des Zusammenbruchs. Immer mehr Länder schotten sich gegen das Bel Paese ab. Und die Regierung in Rom reagiert immer panischer: jeden Tag ein neues Hilfsprogramm, jeden Tag eine weitere Ausweitung der Sperrzonen. Jetzt ist das ganze Land "zona rossa". Die Regierung wirkt hilflos.

Die Epidemie hat ausgerechnet das schwächste Glied Europas getroffen. Italien ist seit vielen Jahren Wachstumsschlusslicht in Europa, hat enorme strukturelle Probleme, eine geringe Produktivität. Die Verschuldung von 135 % des Bruttoinlandsprodukts ist gigantisch. Und der Anteil alter Menschen, die jetzt besonders gefährdet sind, an der Gesamtbevölkerung ist nirgendwo sonst so hoch.

Doch die Regierung kann sich nicht durchsetzen. Inhalte neuer Dekrete sickern durch, bevor sie veröffentlicht werden, und lösen Fluchtwellen in den Süden aus, der bisher weitgehend vom Coronavirus verschont ist, aber auf ein Übergreifen der Epidemie überhaupt nicht vorbereitet ist und davon völlig überfordert wäre. Junge Leute ignorieren die Warnungen und feiern in den Ausgehvierteln Roms wie eh und je. Vor den Supermärkten bilden sich aus Angst vor Versorgungsengpässen lange Schlangen.

Nun helfen nur noch drastische Maßnahmen. Die rechte Opposition und die wirtschaftsstarken Regionen des Nordens rebellieren zu Recht. Sie fordern noch strengere Regulierungen, sogar einen vorübergehenden Stopp auch des Wirtschaftslebens und verweisen auf China.

Die Situation ist brandgefährlich, und wahrscheinlich braucht es jetzt ein solch hartes Vorgehen. Betroffenen Unternehmen muss mit der Aussetzung von Steuerzahlungen, Liquiditätshilfen, der Aussetzung von Kreditrückzahlungen und staatlichen Hilfen unter die Arme gegriffen werden - auch mit europäischer Hilfe. Andernfalls droht der Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems des Landes. Italien ist allein zu schwach, sich aus dem Sumpf zu ziehen. Ein Übergreifen der Epidemie auf die Nachbarländer ist kaum zu verhindern, und auch die wirtschaftliche Ansteckungsgefahr ist riesig. Denn Italien ist immer noch das zweitgrößte Industrieland der Eurozone und eng mit Europa verflochten. Wenn die Wirtschaft dort zusammenbräche, stünden schnell auch die Bänder in Frankreich, Deutschland und anderswo still. Schnelles und entschlossenes Handeln tut jetzt dringend not.


Börsen-Zeitung, 11.03.2020, Autor Gerhard Bläske, Nummer 49, Seite 1, 338 Wörter

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