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Redaktion

KOMMENTAR - LIEFERKETTEN
In immer mehr Filialen der großen deutschen Lebensmittelketten - Edeka, Rewe, Aldi und Lidl - füllen sich die Regale wieder. Der große Ansturm auf Konserven und Nudeln aller Art sowie Hygieneprodukte wie Toilettenpapier scheint fürs Erste vorbei. Die weitgehend intakten Lieferketten sorgen kontinuierlich für Warennachschub, selbst wenn es bei stark nachgefragten Produkten um Sendungen in bisher ungekanntem Volumen geht. Hätten die Supermärkte nach der Verschärfung der Vorschriften für den Einzelhandel nicht vielerorts damit begonnen, den Einlass zu reglementieren, man könnte von einer spürbaren Entspannung sprechen. Das gilt jedoch nur für die Verbrauchernachfrage und das Angebot in den Lebensmittelläden.

Was für Außenstehende scheinbar so gut funktioniert hat, nämlich die Anlieferung neuer Waren in großer Zahl, hat hinter den Kulissen in vielen Fällen für böses Blut zwischen Handel und Konsumgüterproduzenten gesorgt. Denn während die Hamsterkäufe dem Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) zumindest kurzfristig einen erheblichen Umsatzschub gebracht haben, mussten die Produzenten mit großem Aufwand auf die Nachfragespitze reagieren - auch weil Handelsgruppen mit teils harschen Formulierungen verlangten, zusätzlich Produkte im Umfang einer mehrfachen Monatsmenge auf Abruf bereitzuhalten. Aus der Industrie heißt es, für den Fall von Unregelmäßigkeiten, etwa nachrangiger Bedienung, wurde mit ernsten Konsequenzen gedroht.

Das Verhältnis zwischen dem LEH und den Markenherstellern ist seit jeher angespannt. Grund sind die harten Verhandlungen über Preise und Konditionen, die in den vergangenen Jahren an Schärfe zunahmen. Unvergessen ist der Streit zwischen Nestlé und Edeka, der von September 2017 bis Mai 2018 dauerte. Damals nahm Deutschlands größter Lebensmittelhändler peu à peu Produkte des Lebensmittelkonzerns (Maggi, Thomy, Wagner-Pizza, Kitkat u. a.) aus den Regalen. Bevor es zur Einigung kam, boykottierte Edeka rund 200 Markenartikel der Schweizer.

Beide Seiten, Handel und Konsumgüterindustrie, schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu: Markenartikler argumentieren mit den ungleichen Kräfteverhältnissen, wonach dem kleinteiligen Anbietermarkt ein Nachfrageoligopol gegenüberstehe, Händler mit ihren im Vergleich zu den Herstellern knappen Margen. Dass der Handel den Produzenten nun die Pistole auf die Brust setzte und diese vorerst auf den Zusatzkosten sitzenbleiben, wird das Verhältnis nicht verbessern.


Börsen-Zeitung, 27.03.2020, Autor Martin Dunzendorfer, Nummer 61, Seite 1, 324 Wörter

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