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Redaktion

KOMMENTAR - PENSIONSKASSEN
Es wird immer enger. Die Pensionskassen in Deutschland leiden noch stärker als die Lebensversicherer unter dem Dauerzinstief. Sie gehen fast immer Verträge über Jahrzehnte ein. Zu der Dauer ihrer Verpflichtungen können sie am Kapitalmarkt aber kaum Wertpapiere mit entsprechender Laufzeit einkaufen. Der Mismatch zwischen Aktiv- und Passivseite stresst die Branche. Jede vierte Kasse hat bereits bei der Finanzaufsicht BaFin beantragt, den Rechnungszins für die Zukunft zu senken. Das führt dazu, dass Hunderttausende künftiger Betriebsrentner nicht die Leistungen erhalten werden, die ihnen einst versprochen wurden.

Die Situation wird durch die Coronakrise nicht besser. Den Pensionskassen drohen nach einem ersten kleinen Schock durch den Preisverfall an den Aktienmärkten mittelfristig weitere Probleme, wenn vermehrt Wertpapiere durch Insolvenzen ausfallen oder Kurse festverzinslicher Papiere durch Ratingherabstufungen ins Trudeln geraten. Der Druck auf diverse finanziell schwächer gepolsterte Pensionskassen wird steigen.

Die Dummen würden - wenn alles so bliebe, wie es ist - am Ende die künftigen Betriebsrentner sein. Eigentlich müssen in den meisten Fällen, in denen der Rechnungszins jetzt reduziert wird, die Arbeitgeber dafür geradestehen, die künftige Betriebsrente auf das ursprünglich versprochene Niveau zu heben und im Zweifel eine Lücke auszugleichen. Doch was passiert, wenn durch die Pandemie die Zahl der Insolvenzen steigt und viele Arbeitgeber irgendwann nicht mehr existieren? Für die künftigen Betriebsrentner gäbe es tatsächlich nur noch die reduzierte Leistung und nichts weiter.

Das zeigt, wie überfällig eine zusätzliche Insolvenzsicherung ist. Am 7. Mai hat der Bundestag endlich die Lücke geschlossen. Arbeitgeber, die ihre betriebliche Altersvorsorge über eine Pensionskasse anbieten, müssen von Januar 2022 an Pflichtbeiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein zahlen. Der PSV springt ein, wenn der Arbeitgeber pleitegeht. Die Einbindung der Pensionskassen in das bewährte System des PSV, das bereits die Renten aus Direktzusagen und Pensionsfonds schützt, ist angesichts der Coronakrise dringender denn je. Im Juni muss der Bundesrat der neuen Regel noch zustimmen. Es bleibt zu hoffen, dass sie angesichts der sich zuspitzenden Lage durch die Pandemie für nicht allzu viele künftige Betriebsrentner zu spät kommt. Denn geht ihr Arbeitgeber vor dem 1. Januar 2022 pleite, müssen sie zumindest teilweise Einbußen hinnehmen.


Börsen-Zeitung, 27.05.2020, Autor Antje Kullrich, Nummer 100, Seite 1, 338 Wörter

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