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Redaktion

Banken in Nordrhein-Westfalen unterstützen Unternehmen in der Coronakrise
Dr. Michael H. Wiedmann

Vorsitzender des Vorstands der IKB Deutsche Industriebank AG

Die Coronakrise bringt schwerwiegende Konsequenzen für unsere Wirtschaft und wird die Auswirkungen der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 sicherlich in den Schatten stellen. Während die deutsche Exportindustrie unter dem global synchron verlaufenden Abschwung leidet - dem verarbeitenden Gewerbe sind die Absatzmärkte weggebrochen und ein deutlicher Nachfrageschub aus dem In- und Ausland lässt noch auf sich warten -, ist der Dienstleistungssektor vor allem vom lokalen Shutdown betroffen. Außerdem gingen viele Unternehmen bereits geschwächt in diese Krise. Denn dem Einbruch im Frühjahr 2020 ist eine Rezession im produzierenden Gewerbe im Jahr 2019 vorausgegangen. Für viele Unternehmen sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen damit bereits das zweite Jahr in Folge besonders herausfordernd. So gab es noch nie eine so hohe Anzahl von Anträgen auf Kurzarbeit wie in der Coronakrise, und die Arbeitslosenquote wird in den kommenden Monaten sicherlich spürbar ansteigen. Die durch die Bundesregierung initiierten finanziellen Hilfen zur Stützung von Unternehmen können deshalb entscheidend dazu beitragen, dass sich die Konjunktur relativ schnell erholt.

Die Bundesregierung hat ein weitreichendes Rettungsprogramm aufgelegt, das in seinem Ausmaß rund 60% des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Dieses Programm heißt es nun effektiv "auf die Straße" zu bringen. Es beinhaltet nicht nur Finanzhilfen, Garantien und Bürgschaften, sondern auch die direkte Stützung der Realwirtschaft durch Kurzarbeitergeld. Auch Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals sowie angepasste Insolvenzvorschriften gehören zum Rettungspaket. Die Banken beraten Unternehmen dabei, das richtige Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenmitteln zu finden und ergänzende Maßnahmen auszuwählen. Dies wird deshalb von Bedeutung sein, da viele Unternehmen nach der Krise höhere Schulden aufweisen werden, was mit einer Bonitätsverschlechterung einhergehen kann und so den Zugang zu Kapital erschwert bzw. verteuert. Das Geld muss allerdings zeitig da ankommen, wo es benötigt wird. So stammen bis dato über 25% aller Anträge für die KfW-Corona-Hilfsprogramme von Unternehmen aus NRW. Dies ist eine Verantwortung, der sich die Finanzinstitute in Deutschland im Allgemeinen und die Banken in Nordrhein-Westfalen im Besonderen stellen müssen, um den Industriestandort NRW nicht nur zu stützen, sondern nachhaltig zu stärken.

Ausreichend Liquidität wird ein entscheidender Faktor sein, um die Konjunktur wieder anzuschieben. Sind Unternehmen handlungsfähig, kann die Produktion zügig hochgefahren werden und Arbeitnehmer können wieder von Kurz- auf Vollarbeit wechseln. Beides führt zu einer Stimmungsaufhellung und stärkt das Vertrauen in die Wirtschaft; das haben Konjunktur- und Stützungsmaßnahmen während der Finanzkrise gezeigt. Die EZB kommt ihrer Verantwortung nach und hat in der aktuellen Situation relativ schnell reagiert, indem sie den Banken zusätzlich und ausreichend Liquidität bereitgestellt hat. Liquiditätsengpässe unter Banken infolge eines angespannten Interbankenmarktes sind demnach, anders als in der Finanzkrise, nicht zu erwarten.

Die Nachfrage von Unternehmen nach kurzfristiger Liquidität ist durch die Coronakrise deutlich angestiegen. Gleichzeitig führt die schwere Rezession zu notwendigen Neubewertungen von Risiken durch die Banken. Diese gilt es weiterhin konsequent zu kontrollieren, um ein systematisches Überschwappen von realwirtschaftlichen Problemen auf die Bilanzen der Banken zu verhindern. Trotzdem können die Finanzinstitute dank der Bundesregierung ihrer Verpflichtung nachkommen, Liquidität für die Realwirtschaft und vor allem für die Unternehmen sicherzustellen. Dies gilt insbesondere für Banken, die bereits im Vorfeld der Krise eng mit den Förderbanken zusammengearbeitet haben, intensive Beziehungen zu ihren Unternehmenskunden pflegen und deshalb schnell handeln können.

Als Finanzinstitut, das sich auf Fördermittel spezialisiert hat, kommt auch der IKB eine besondere Verantwortung zu, dem deutschen Mittelstand mit Hilfe der Hilfsprogramme zeitnah und ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Neben der staatlichen KfW haben alle 16 Landesförderinstitute sowie spezielle Förderbanken eigene Maßnahmen im Angebot. Zu diesem Kreis gehört auch die NRW.Bank. Neben dem wegen der Coronakrise umgewidmeten Universalkredit, der Unternehmen mit einem Gruppenumsatz bis max. 500 Mill. Euro Liquiditätsdarlehen mit einer Haftungsfreistellung von 80% ohne festgelegten Höchstbetrag zur Verfügung stellt, bietet die NRW.Bank insbesondere jungen, kleinen und mittelständischen Unternehmen auch eine breite Palette eigenkapitalstärkender Instrumente an. Die KfW deckt hingegen die gesamte Bandbreite an Unternehmensgrößen ab, inklusive Konzernen, deren Gruppenumsatz oberhalb der 500-Mill.-Euro-Schwelle liegt.

Die KfW bietet im Wesentlichen drei Bausteine für die finanzielle Unterstützung von gewerblichen Unternehmen an:

den sogenannten Schnellkredit mit einem Antragsvolumen bis zu 800000 Euro und einer 100-prozentigen Ausfallbürgschaft,

den modifizierten Unternehmerkredit bzw. den weitgehend inhaltsgleichen ERP-Gründerkredit mit einer Ausfallbürgschaft von 90% für kleine und mittlere Unternehmen bzw. 80% für größere Unternehmen

sowie das neu geschaffene Individualprogramm "KfW-Konsortialfinanzierung" für größere Unternehmen, ebenfalls mit einer 80-Prozent-Haftungsfreistellung.

Die aktuellen Programme haben Banken in den letzten Wochen vor große Herausforderungen gestellt. Sie mussten nicht nur die eigenen Prozesse und die IT entsprechend anpassen, sondern hatten auch den Kunden immer wieder veränderte Rahmenbedingungen zu erläutern. Inzwischen haben sich die Prozesse glücklicherweise etabliert, so dass mehr und mehr eine routinemäßige und effiziente Umsetzung gewährleistet ist, um die Wirtschaft in NRW wieder anzukurbeln. Sowohl bei der NRW.Bank als auch bei der KfW werden alle übrigen Programme unverändert weiter angeboten.

Von allen staatlichen Stützungsaktionen haben wahrscheinlich die mit einer Haftungsübernahme des Bundes kombinierten Förderkredite die größte Breitenwirkung für die Wirtschaft. Die Verantwortung der Banken kann hierbei nicht überbetont werden. Förderbanken brauchen eine Durchleitungsbank, die einen engen Draht zum Kunden hat und dessen Geschäftsmodell kennt. Um die Konsequenzen der Krise erfolgreich zu überwinden, ist also eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Förder- und Durchleitungsbanken erforderlich sowie ein tiefes Kunden- und Branchenverständnis.

Eine enge Partnerschaft zwischen der Realwirtschaft und Finanzinstituten ist im aktuellen Umfeld absolut notwendig, um den zu erwartenden Produktionsanstieg in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu finanzieren und so die Konjunktur wieder in normales Fahrwasser zu leiten. Hierfür bedarf es allerdings nicht nur entsprechender Garantien, sondern auch einer flexiblen Ausgestaltung von Konditionen. Gerade hier können Banken eine entscheidende intermediäre Rolle zwischen Kundenbedürfnissen und staatlichen Vorgaben spielen.

Börsen-Zeitung, 24.06.2020, Autor Michael H. Wiedmann, Vorsitzender des Vorstands der IKB Deutsche Industriebank AG, Nummer 118, Seite B 4, 917 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020118800&titel=Der-Verantwortung-stellen
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