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Redaktion

KOMMENTAR - AKTIENMARKT
Am deutschen Aktienmarkt ist das erste Halbjahr ungewöhnlich turbulent verlaufen. Erst hat der Dax im Februar ein Allzeithoch markiert, dann erreichte Corona auch Europa und der Leitindex brach um rund 40 % ein. Danach hat sich der deutsche Aktienmarkt aber zur Überraschung fast aller Marktbeobachter wieder markant erholt. Etliche Titel, darunter die Aktie der Deutschen Bank, liegen gar deutlich im Plus (siehe Bericht Seite 13).

Beim Blick in den Rückspiegel fällt natürlich der Bilanzskandal um Wirecard auf, der an Neuer-Markt-Zeiten und Comroad erinnert. Und dass Lufthansa in die zweite Börsenliga abgestiegen ist, während Deutsche Wohnen jetzt dem Dax angehört.

Beim Blick nach vorn stellen sich zwei Fragen: Ist die Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate Folge einer Blase? Und wie wird es am deutschen Aktienmarkt weitergehen?

Die Antwort auf die erste Frage fällt leicht: Nein, es liegt keine Blase vor, die massive Erholung der Weltaktienmärkte und des deutschen Markts ist gerechtfertigt. Denn einerseits haben Notenbanken und Regierungen mit "Whatever it takes"-Maßnahmen die Finanzmärkte beflügelt. Die Zentralbanken weltweit, insbesondere die EZB, haben ihr Füllhorn weitaus mehr als erwartet geöffnet und pumpen Liquidität in die Märkte. Auch die Regierungen, und vor allem die deutsche, haben wesentlich mehr unternommen als von vielen Beobachtern erwartet. Von einer schwarzen Null ist hierzulande schon lange keine Rede mehr.

Auch die Europäische Union ist im Begriff, richtig Geld in die Hand zu nehmen. Hinzu kommt, dass es in Europa bisher vergleichsweise gut gelungen ist, die Pandemie in Zaum zu halten, die Fallzahlen sind zurückgegangen und haben das langsame Wiederhochfahren der Wirtschaft ermöglicht.

Schwieriger ist die Frage, wie es weitergeht. Denn nachdem der deutsche Aktienmarkt einiges vorweggenommen hat, erscheint eine Konsolidierung in den ohnehin schwierigen Sommermonaten gut möglich. Auch können Rückschläge bei der Bekämpfung der Pandemie stets den Aktienmarkt treffen.

Auf der anderen Seite wird von internationalen Vermögensverwaltern wie BlackRock der europäische und der deutsche Aktienmarkt gerade übergewichtet. Neben Erfolgen bei der Bekämpfung des Virus sprechen die massiven staatlichen Maßnahmen und die europäische Einigkeit dafür, dass die reichlich vorhandene Liquidität bevorzugt in den deutschen Aktienmarkt fließt. Kurzum: Angela Merkel beflügelt den Dax.


Börsen-Zeitung, 01.07.2020, Autor Werner Rüppel, Nummer 123, Seite 1, 338 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020123008&titel=Merkel-befluegelt
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