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Redaktion

KOMMENTAR - GROßBRITANNIEN
Viele haben erwartet, dass Großbritannien nach dem EU-Austritt eine ganz und gar opportunistische Außenpolitik verfolgen würde. Doch nachdem sich China zur Niederschlagung jeglicher Opposition in Hongkong entschieden hatte, eröffnete Premierminister Boris Johnson knapp drei Millionen Einwohnern der ehemaligen Kronkolonie die Möglichkeit zur Einreise mit der Option auf eine spätere Einbürgerung. Das Land verhängte zudem im Alleingang Sanktionen gegen russische und saudische Einzelpersonen, denen schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Das spricht dafür, dass sich London künftig an Prinzipien orientieren will, die andere nur noch in Sonntagsreden hochhalten.

Während aus Saudi-Arabien keine wütenden Reaktionen zu erwarten waren, weil man solche Probleme mit Verbündeten nichtöffentlich klärt, erlegte sich der chinesische Drache keinerlei Zurückhaltung auf. Wer sich dem Willen von 1,4 Milliarden Chinesen in den Weg stellen wolle, sei zum Scheitern verurteilt, polterte der Botschafter der Volksrepublik in London und verbat sich jegliche Einmischung in die internen Angelegenheiten seines Landes. Die britische Seite bluffe nur, hieß es in der Parteipresse. Großbritannien habe genug Probleme. Drei Millionen Zuwanderer, die weder vermögend noch talentiert seien, wolle man sich dort nicht auch noch aufhalsen. Auch mit einem Ausschluss von Huawei vom Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes schade sich das Land nur selbst, sei es doch auf die chinesische Technologie angewiesen.

Doch offenbar orientiert sich der britische Außenminister Dominic Raab mehr an St. Georg, dem als Drachentöter bekannten Schutzheiligen Englands, als am ehemaligen Schatzkanzler George Osborne, der das Vereinigte Königreich zum besten Freund Chinas in der Welt machen wollte. Man wolle zwar ein positives Verhältnis mit der Volksrepublik, sagte Raab, doch sei die Frage, ob man China vertrauen könne, dass es seinen internationalen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten nachkomme. Die anfängliche Vertuschung des Covid-19-Ausbruchs in Wuhan und der klare Bruch der gemeinsamen chinesisch-britischen Erklärung zu Hongkong sprechen ebenso wenig dafür wie die Übergriffe an der chinesisch-indischen Grenze und das Säbelrasseln im Südchinesischen Meer.

Will man mit solchen Partnern Geschäfte machen, muss man klare Kante zeigen. Dann lassen sich auch Drachen zähmen. In London hat man das erkannt.

Börsen-Zeitung, 08.07.2020, Autor Andreas Hippin, Nummer 128, Seite 1, 323 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020128003&titel=Wie-man-Drachen-zaehmt
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