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Redaktion

Experte für Wirtschaftsstrafsachen erkennt Anfänge einer Klageindustrie
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Quelle: wirecard

swa Frankfurt - Geschädigte Aktionäre von Wirecard erhoffen sich eine Kompensation ihrer Verluste auf dem Klageweg. Steffen Salvenmoser, Anwalt und viele Jahre Experte für forensische Untersuchungen beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen PwC, sieht indes wenig Chancen für hohe Entschädigungen.

Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung brandmarkt er die Mandantensuche mancher Anwälte im Fall Wirecard als unseriös. Viele Kanzleien sind aus seiner Sicht vor allem aus Marketinggründen mit Anlegerklagen "wie im Windhundrennen" losgeprescht, um möglichst viele Mandanten anzuwerben und Gebühren einzusammeln. Die Situation sei zwar nicht vergleichbar mit den USA, denn dort würden Anwälte in Sammelklagen erfolgsabhängig vergütet, es seien aber auch hierzulande Anfänge einer "Klageindustrie" zu erkennen, meint er. "Es macht auch in Deutschland einen Unterschied, ob ich 100 Mandanten eine Rechnung schicke oder 2 000."

Der Experte für Wirtschaftsstrafsachen appelliert an geschädigte Wirecard-Anleger, sich ausreichend zu munitionieren. Im Zivilprozess seien die Kläger gezwungen, ihren Anspruch selbst zu beweisen. Dies ist aus Sicht Salvenmosers beim jetzigen Kenntnisstand über die Vorkommnisse bei Wirecard noch nicht möglich. Er rät, zunächst die Akten aus dem Strafverfahren einzusehen. Daraus ergäben sich vermutlich zahlreiche neue Informationen, um die Anspruchsgrundlage zu unterlegen.

Salvenmoser macht den Klägern in Zivilverfahren nicht viel Hoffnung. "Von wem soll das Geld kommen?", fragt er. Von der Gesellschaft und den handelnden Personen werde kaum etwas zu holen sein. Auch Schadenersatzklagen von Anlegern gegen den Wirecard-Abschlussprüfer EY hält er für wenig erfolgversprechend und verweist auf zwei Entscheidungen des Bundesgerichtshofs, wonach eine Haftung des Wirtschaftsprüfers gegenüber Dritten für das Ergebnis einer Pflichtprüfung im Normalfall ausscheide. Eine andere Situation könne sich ergeben, wenn der Prüfer nachweislich an dem mutmaßlichen Betrug mitgewirkt habe.

Nach Einschätzung von Anwalt Bernd Geier, Partner der Kanzlei Bryan Cave Leighton Paisner, dürfte auch bei der BaFin kaum etwas einzufordern sein. Der Rahmen für ein amtshaftungsrechtlich relevantes Fehlverhalten der Aufsichtsbehörde sei eher begrenzt. Zum einen verfüge die BaFin aktuell gegenüber Industrieunternehmen nur über sehr begrenzte Befugnisse, erörtert Geier. Zum anderen nehme sie ihre Tätigkeiten kraft gesetzlicher Regelung lediglich im öffentlichen Interesse wahr. Voraussetzung für Amtshaftungsansprüche sei jedoch die Verletzung drittbezogener Amtspflichten. Erst jüngst sei gerichtlich bestätigt worden, dass es auch weiterhin an dieser Drittbezogenheit fehle. "Das sollte trotz vereinzelt abweichender Literaturmeinungen auch für den Bereich der Bilanzkontrolle gelten."

- Im Gespräch Seite 7

Gastbeitrag Seite 9

Börsen-Zeitung, 01.08.2020, Autor Sabine Wadewitz, Frankfurt, Nummer 146, Seite 1, 368 Wörter

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