Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 12.698,00-0,73% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.102,25-0,99% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.214,00-0,29% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 28.276,00+0,01% Gold: 1.918,60+0,42% EUR/USD: 1,1849+0,17%
Redaktion

Bildungsangebote, einfache Zugänge zu Investments und staatliche Förderung können den positiven Trend unterstützen und die Anlagekultur stärken

Drei Dax-Konzerne, sieben MDax-Unternehmen und 81 weitere Aktiengesellschaften - insgesamt sind an der Börse Stuttgart Aktien von 91 baden-württembergischen Unternehmen gelistet. Dies entspricht rund 14 % aller in Stuttgart handelbaren deutschen Aktien. Und auch im Hinblick auf die Aktionärsquote steht Baden-Württemberg unter den Bundesländern gut da: Laut den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) für das Jahr 2019 sind hier 19,6 % der Bevölkerung Aktien- oder Aktienfondsbesitzer. Damit liegt Baden-Württemberg hinter Bayern auf dem zweiten Rang und deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 15,2 %.

Noch viel Luft nach oben

Natürlich gibt es bei dieser Aktionärsquote noch viel Luft nach oben, gerade im internationalen Vergleich. Umso wichtiger ist es, den Aktionärsnachwuchs und damit die langfristige Perspektive der Aktienkultur hierzulande in den Blick zu nehmen. Laut DAI investiert in der Altersgruppe von 14 bis 39 Jahren nur etwa jeder Zehnte in Aktien oder Aktienfonds - halb so viele wie bei den 40- bis 49-Jährigen. Es ist also eine Zukunftsfrage, wie sich die Beteiligung der jüngeren Generation stärken lässt. Denn eine auf lange Sicht verankerte Aktienkultur brächte auch positive Impulse für Unternehmen und den Kapitalmarkt insgesamt.

Fehlendes Kapital, mangelnde Finanzkenntnisse, komplizierte Abläufe - diese drei Gründe werden von jungen Menschen am häufigsten genannt, wenn es um die geringen Investments in Wertpapiere geht. Hier liegen die Ansatzpunkte für nachhaltige Verbesserungen. Man muss wohl noch deutlicher machen: Regelmäßiges Investieren in Wertpapiere trägt schon mit geringen Beträgen zu einer soliden Vermögensbildung und Altersvorsorge bei. Das gilt insbesondere dann, wenn man früh damit beginnt. Mit Sparplänen steht dafür auch eine geeignete Anlageform bereit.

Und in der Tat deutet sich hier ein Sinneswandel an, wie eine aktuelle Studie der ING Deutschland zeigt: Insbesondere die junge Generation schließt derzeit viele Wertpapier-sparpläne ab. Erfreulich ist auch, dass viele jüngere Anleger durch die Kurseinbrüche infolge der Corona-Pandemie nicht abgeschreckt wurden, sondern sie zum Einstieg nutzten. Dies belegt die hohe Zahl von neuen Depoteröffnungen durch unter 30-Jährige, die verschiedene Online-Broker im Frühjahr 2020 vermeldeten. So tragen auch junge Menschen zum zuletzt generell gestiegenen Interesse an Börse und Wertpapieren bei.

Trotz dieser positiven Entwicklung: Mangelnde Finanzbildung bleibt ein Dauerthema, wenn es um Aktienkultur in Deutschland geht. Hier ist kontinuierlicher Einsatz gefragt, damit aus interessierten jungen Menschen selbstbestimmte Anleger werden. Das beginnt in der Schule, schließlich sind solide Kenntnisse zu wirtschaftlichen Zusammenhängen eine Grundvoraussetzung für Aktivitäten am Kapitalmarkt. Baden-Württemberg hat hier mit der Einführung des eigenständigen Schulfachs "Wirtschaft" an Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien seit dem Jahr 2016 Pionierarbeit geleistet.

Auch die Börse Stuttgart engagiert sich seit langem im Bereich der Schulbildung. Ein Beispiel ist die Erstellung von Lernmaterialien für Realschulen und allgemeinbildende Gymnasien, die am Bildungsplan von Baden-Württemberg ausgerichtet sind. Diese vermitteln Börsenwissen praxisnah und nutzen auch spielerische Methoden, um Schülern den Zugang zu Finanzthemen zu eröffnen.

Wissensvermittlung zu Geldanlage ist jedoch nicht nur Sache der Schulen. So zeigte eine gemeinsame Studie des DAI und der Börse Stuttgart, dass die jüngere Generation bei Finanzfragen besonders stark auf Empfehlungen von Freunden, Kollegen und Familie setzt. Das ist ein positives Signal: Finanzen und Geldanlage scheinen inzwischen Themen zu sein, über die man offen spricht. Zudem finden gerade jüngere Menschen über soziale Medien und Blogs einen Zugang zu fundiertem Finanzwissen - Austausch mit Gleichgesinnten inklusive. Die Börse Stuttgart hat hierfür vielfältige digitale und sehr beliebte Formate etabliert. So können Interessierte auf Youtube ihre Fragen rund um den Wertpapierhandel stellen, die dann von Experten der Börse in kurzen Videos beantwortet werden. Daneben fördert die Finanzplatzinitiative Stuttgart Financial mit ihren Bildungsangeboten die Vernetzung von Interessierten und den Austausch zu Finanzthemen.

Mit wenigen Klicks

Besseres Wissen ist wichtig, es muss aber auch in die Tat umgesetzt werden. In der Smartphone-Ära fordert der Kapitalanleger einen unkomplizierten und schnellen Zugang. Hier schafft die Digitalisierung neue Möglichkeiten, nicht nur im klassischen Online-Banking. Ein Beispiel ist die Bison-App der Gruppe Börse Stuttgart: Sie setzt konsequent den Anspruch um, mit wenigen Klicks den Handel mit Kryptowährungen möglich zu machen. Mit Blick auf Wertpapiere sind Informationen und Kursdaten als Grundlage für Investmententscheidungen überall, immer und in Echtzeit per Smartphone verfügbar. So sorgt die Börse Stuttgart durch ihre Website und ihre App für die Transparenz und Übersichtlichkeit, die junge Anleger brauchen.

Für eine nachhaltige Stärkung der Anlagekultur bedarf es nicht zuletzt auch der Unterstützung der Politik. Über 60 % der Befragten ohne Wertpapiere gaben in der Studie des DAI und der Börse Stuttgart an, sie wünschten sich eine bessere staatliche Förderung, um ihr Interesse zu steigern. Das gilt insbesondere für die Altersvorsorge. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die richtigen Anreize zu setzen und die Rente über Wertpapiere insbesondere für Jüngere attraktiv zu gestalten. Aktuelle politische Vorhaben wie die Einführung einer Finanztransaktionssteuer oder die erschwerte Verrechnung von Verlusten bei bestimmten Anlageprodukten stehen diesen Wünschen kontraproduktiv entgegen.

Eine gestärkte Aktienkultur in der jüngeren Generation würde nicht nur entscheidend zur notwendigen Verbesserung einer zukunftsfesten Altersvorsorge beitragen. Wenn sich mehr junge Menschen für Wertpapiere begeistern und zu aktiven, gut informierten Anlegern werden, wird sich das auch positiv auf den Kapitalmarkt und die Wirtschaft insgesamt auswirken. Die jungen Aktionäre werden Miteigentümer von Unternehmen, im Rahmen ihrer Altersvorsorge auch mit langfristiger Perspektive. Dadurch haben die Aktiengesellschaften Kapital für Forschung und Wachstum zur Verfügung. Das stärkt den Wirtschaftsstandort und sichert Arbeitsplätze - auch in Baden-Württemberg.

Schritt in Deutschland gehen

Zudem wird eine ausgeprägte Anlagekultur auch die Attraktivität der Kapitalbeschaffung in Deutschland für Unternehmen erhöhen. Wie wünschenswert das ist, zeigen die aktuellen Beispiele Curevac und Immatics: Die beiden Tübinger Biotech-Unternehmen wählten für ihren Börsengang statt eines heimischen Handelsplatzes die US-Technologiebörse Nasdaq - nicht zuletzt aufgrund der risikofreudigeren Investmentkultur in den USA. Mit diesen spannenden Unternehmen werden daher ausländische Kapitalmärkte gestärkt, und auch deutsches Investmentkapital fließt in andere Märkte ab. Das ist nicht im Interesse unserer lokalen Wirtschaft. Es gibt eine Vielzahl weiterer Unternehmen aus Baden-Württemberg, die noch nicht an der Börse sind, aber den Kapitalmarkt zur Finanzierung nutzen könnten.

Ein starkes und breites Anlegerinteresse hierzulande, gepaart mit kapitalmarktfreundlichen Gesetzen, sind die Argumente für den Unternehmer, diesen Schritt künftig in Deutschland zu gehen. Die Interessen von lokalen Kunden und Kapitalgebern gehen hier Hand in Hand. Auch die Börse Stuttgart steht hierfür als Partner bereit: Mit ihrer bundesweiten Start-up-Plattform Startbase unterstützt sie junge Unternehmen, sich Kapitalgebern zu präsentieren und damit Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung zu erschließen. Das gilt aus Börsensicht auch nicht nur für den klassischen Finanzierungspfad über private Risikokapitalgeber zum Aktien-IPO (Initial Public Offering). Gerade die Ausgabe digitaler Token auf Basis der Blockchain-Technologie ist interessant: Sie ist im Vergleich zum klassischen Börsengang kostengünstiger und erhöht die Flexibilität, etwa zur Finanzierung einzelner Projekte oder Produkte.

Nicht nur für eine Börse ist die Feststellung erfreulich: Die Anleger von morgen sind im Jahr 2020 aktiver geworden und wenden sich verstärkt Wertpapieren zu. Viele junge Menschen haben die Corona-Kurseinbrüche im Frühjahr als günstige Einstiegsmöglichkeit erkannt und genutzt. Damit sich diese positive Entwicklung für die Aktienkultur verstetigt, sind geeignete Bildungsangebote, einfache und transparente Zugänge zu Investments und eine attraktive staatliche Förderung notwendig. Davon profitieren nicht nur die jungen Anleger, sondern auch junge baden-württembergische Unternehmen. Sie können künftig hierzulande den Weg an die Börse gehen, weil die Anleger von morgen ihnen folgen und über Chancen und Risiken Bescheid wissen.

Michael Völter, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Baden- Württembergische Wertpapierbörse e.V.

Börsen-Zeitung, 17.10.2020, Autor Michael Völter, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Baden- Württembergische Wertpapierbörse e.V., Nummer 200, Seite B 4, 1176 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020200805&titel=Anleger-von-morgen-sind-2020-aktiver-geworden
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Banken & Finanzen
Themendossiers zu Banken & Finanzen


Termine des Tages
Mittwoch, 21.10.2020

Ergebnisse
Abbott Laboratories: 3. Quartal
Akzo Nobel: 3. Quartal
Align Technology: 3. Quartal
Biogen: 3. Quartal
Canon: 3. Quartal
Chipotle: 3. Quartal
Novozymes: 3. Quartal
Ericsson: 3. Quartal
Hannover Rück: Investorentag (online)
Iberdrola: 3. Quartal
Lam Research: 3. Quartal
Nasdaq: 3. Quartal
Nestlé: 3. Quartal
Randstad: 3. Quartal
Software AG: 3. Quartal
Storebrand: 3. Quartal
Svenska Handelsbanken: 3. Quartal
Telenor: 3. Quartal
Telia Company: 3. Quartal
Tesla: 3. Quartal
Under Armour: 3. Quartal
Verizon Communications: 3. Quartal
Whirlpool: 3. Quartal
Xilinx: 2. Quartal
Zur Rose: 3. Quartal












21

0.085565 s