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EZB-Direktoriumsmitglied Mersch sieht Mängel bei Offenlegung von Klimarisiken

kjo Frankfurt - Auf dem Weg zu einem grüneren und nachhaltigeren Finanzsektor und Finanzmärkten ist für Yves Mersch, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der EZB, noch einiges zu tun. Das gilt insbesondere für Banken: "Da sehe ich in der Tat noch Handlungsbedarf. Zwar hat sich die Offenlegung von klimabezogenen Risiken verbessert, aber meist sind die Angaben schlicht nicht detailliert genug und nur selten mit quantitativen Daten unterlegt", sagt Mersch im Interview der Börsen-Zeitung.

Mersch kündigt hierzu einen Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken an. Dieser Leitfaden stelle dar, wie Institute Klima- und Umweltrisiken in ihren Geschäftsstrategien, ihrer Governance und ihren Risikomanagementsystemen berücksichtigen sollten, und auch, wie diese offenzulegen sind. "Wir haben uns die Offenlegung für das vergangene Jahr für eine Stichprobe der von uns beaufsichtigten Institute angeschaut - mehr als die Hälfte erfüllt noch nicht einmal die minimalen Anforderungen, die in dem Leitfaden dargestellt sind", sagt Mersch. Erste Lehren habe die EZB bereits daraus gezogen: "Deshalb werden wir unseren Stresstest 2022 dem Thema Klimawandel widmen."

Der Luxemburger glaubt nicht, dass irgendwann der gesamte Finanzsektor grün sein wird: " Es gibt viele Branchen, die weder sauber noch schmutzig sind, und auch die nehmen an den Märkten Geld auf. Übrigens denke ich auch nicht, dass wir den Klimawandel stoppen, indem wir ganze Wirtschaftszweige abwürgen", sagt er. Vielmehr könnten etwa fiskalpolitische Maßnahmen wie CO2-Preise und andere regulatorische Instrumente die richtigen Anreize schaffen. "Und schließlich kann der Finanzsektor zwar helfen, aber er wird den Planeten nicht alleine retten können."

Greenwashing sei ein Thema. Die Europäische Kommission werde demnächst einen Legislativvorschlag für einen EU-Standard speziell für grüne Anleihen vorlegen. Allerdings sage eine grüne Anleihe nicht unbedingt etwas darüber aus, wie grün ein Unternehmen als Ganzes sei. "Für eine grünere Realwirtschaft reichen grüne Anleihen alleine nicht aus."

- Interview Seite 17

Börsen-Zeitung, 21.11.2020, Autor Kai Johannsen, Frankfurt, Nummer 225, Seite 1, 298 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020225002&titel=Gruene-Anleihen-alleine-reichen-nicht
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