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Redaktion


Vorschau (18:55)

Die Kritik von Carlos Ghosn an Japans Justiz ist teilweise übermäßig hart ausgefallen: So bezeichnete der Automanager, der quasi in einem Privatjet lebte, die drei Wochen in einer fünf Quadratmeter großen, fensterlosen Haftzelle etwas übertrieben als „Menschenrechtsverletzung". Im Kern der Sache haben seine Vorwürfe jedoch ihre Berechtigung. Schließlich fordern auch Anwälte, pensionierte Richter und Ex-Staatsanwälte in Japan seit Langem eine Reform der Strafjustiz, weil ihr die Balance fehlt. Eine vorläufige Festnahme dauert bis zu 72 Stunden, danach lässt der Haftrichter die Polizei in der Regel weitere 20 Tage gewähren. Erst dann muss eine Anklage stehen. Bei keinem Verhör ist ein Anwalt zugegen. Gesteht der Beschuldigte nicht, wird er oft wegen eines ähnlichen Vorwurfs erneut festgenommen, die Untersuchungshaft beginnt von vorn. Diese „Geiseljustiz" dient dem Ziel, ein Geständnis zu erpressen, was Unschuldige unnötig bestraft. Dass die Justizministerin trotzdem behauptet, Ghosn habe mit seinen Anschuldigungen dem Ruf der japanischen Justiz geschadet, zeigt die geringe Bereitschaft in Japan, aus dem Fall zu lernen und die Habeas-Corpus-Rechte zu stärken.
Mehr dazu lesen Sie in der Börsen-Zeitung vom 15.01.2020: Leitartikel von Martin Fritz auf Seite 8

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=32320&titel=Leitartikel-zur-Causa-Ghosn:-Schuld-und-Suehne
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