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Redaktion

Corporate Finance Awards der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Awards 2019 – Aktuell

SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (4)

Teamviewer-Börsengang überstrahlt maues IPO-Jahr

Mehr als 2 Mrd. Euro Emissionserlös - Permira vervielfacht Einsatz - Vor allem ausländische Institutionelle zeichnen - Aufstieg in den MDax im Eiltempo

Börsennotierte Softwaregesellschaften sind in Deutschland schon selten. Börsengänge von wachstumsstarken Softwarehäusern noch seltener. Vergangenes Jahr hat Teamviewer gleich beide Kategorien bereichert und zugleich die schwache Bilanz am deutschen Aktienprimärmarkt aufpoliert. Mit einem Emissionsvolumen von knapp 2 Mrd. Euro schaffte es das Göppinger Unternehmen als größtes IPO des Jahres an die Frankfurter Börse. Nach wenigen Wochen folgte dann noch die Aufnahme in den MDax.Teamviewer

Von Sebastian Schmid Frankfurt

Liegt ein Unternehmen in Private-Equity-Hand, bedeutet das nicht selten, dass ein Verkauf einem Börsengang als Exit-Option vorgezogen wird. Schon allein, weil man sich nur so unmittelbar komplett aus dem Investment zurückziehen kann. Bei Teamviewer hatte der Finanzinvestor Permira indes schon früh nach dem Erwerb 2014 das Going Public im Blick. Gut 150 Mill. Euro Jahresumsatz und unter 100 Mill. Euro operativen Ertrag (Ebitda) wies die Göppinger Softwareschmiede damals auf. Mittlerweile hat sich der Umsatz fast schon verdreifacht und der operative Ertrag nahezu verdoppelt - mit prozentual klar zweistelligen Wachstumsraten und einem von Lizenz- und Wartungserlösen zu Cloud-Diensten transformiertem Geschäftsmodell.

Dabei stößt das Unternehmen in eine Lücke im Softwaregeschäft, die sich mit der wachsenden Automatisierung und dem Internet der Dinge auftut. Der Bedarf an Überwachung und Steuerung entfernter Geräte nimmt stetig zu. Auch die globale Zusammenarbeit in Entwicklungsteams vieler Firmen erfordert einen Fernzugang der Mitarbeiter zu ihrem digitalen Arbeitsumfeld.

Virtuelle Zusammentreffen ersetzen zunehmend die Geschäftsreise - auch aus Zeit- und Kostengründen und nicht erst seit der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus. Schon vor dem Auftreten der neuen Viruserkrankung hatte McKinsey in einer Studie ermittelt, dass sich der adressierbare Markt für Teamviewer bis 2023 auf gut 30 Mrd. Euro rund verdreifachen dürfte.

Das Gros dieses Marktes besteht indes aus dem Enterprise-Geschäft mit großen Konzernen (59 %). Teamviewer, deren Software in der Basisversion als kostenloser Download zur Verfügung steht, war bislang aber vor allem bei Privatanwendern sowie kleinen und mittelgroßen Firmenkunden gut vertreten. Die Unternehmensführung um CEO Oliver Steil und CFO Stefan Gaiser zielte für das Wachstum in den kommenden Jahren daher neben der regionalen Expansion in Asien auf den Ausbau des Enterprise-Geschäfts. Gerade für Letzteres sollte die neue Bekanntheit als börsennotiertes Unternehmen ein wesentlicher Treiber sein. Und auch die Expansion nach Fernost geht das Unternehmen nach dem IPO forciert an (siehe separater Bericht).

Kein Selbstläufer

Trotzdem war der Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse alles andere als ein Selbstläufer. Zwar gab es auf der internationalen Roadshow der schwäbischen Software-Schmiede ein "sehr positives Echo" von den Investoren, die das Aktienangebot auch mehrfach überzeichneten. Am Ende lag der Ausgabepreis mit 26,25 Euro aber nur leicht oberhalb der Mitte der Angebotsspanne von 23,50 bis 27,50 Euro. Der Tag der Erstnotiz fiel dann auch holprig aus und der Kurs der Aktie um bis zu 6 % unter den Emissionspreis, so dass Morgan Stanley als Stabilisierungsmanager zunächst noch eingreifen musste.

Für Permira, die Teamviewer vor sechs Jahren zu einer Unternehmensbewertung (Enterprise Value) von rund 870 Mill. Euro übernommen hatte, hat sich der Börsengang dennoch unmittelbar ausgezahlt. Als Eigentümer strich die Beteiligungsgesellschaft den gesamten Emissionserlös von knapp 2 Mrd. Euro ein und hält auch so noch eine Beteiligung von 62,5 %. Laut Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser hat Permira dann auch "keine Eile" mit dem Verkauf der restlichen Anteile, sondern will das Unternehmen weiter begleiten.

Der Teamgedanke hat sich für Permira bislang ausgezahlt. Nach dem temporären Zurückfallen unter den Ausgabepreis hat sich die Aktie längst wieder erholt. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 6,0 Mrd. Euro ist das Unternehmen fast schon dreimal so schwer wie die Darmstädter Software AG, die bereits mehr als zwei Jahrzehnte an der Börse notiert ist und auf mehr als den doppelten Umsatz kommt - aber eben auf deutlich geringeres Wachstum. Im Dezember glückte dem Börsenneuling bereits der Aufstieg in den MDax.

Teamviewer ist indes auch ein Beispiel dafür, dass man das richtige Timing für einen Börsengang braucht. Noch vor einigen Jahren wäre selbst bei vergleichbaren Geschäftszahlen nur eine deutlich niedrigere Bewertung realistisch gewesen. Als Permira Teamviewer 2014 erwarb, entsprach der Preis dem 9,1-fachen operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda). Zwar freute man sich damals über das "Schnäppchen". Der Finanzinvestor klagte allerdings bereits über das Hochpreisumfeld im Softwaresektor mit globalen Multiples von durchschnittlich 16 bis 17. Aktuell ist das Unternehmen sogar mit dem gut 24-fachen Ebitda auf Basis des Ausblicks für 2020 bewertet.

Die hohe Bewertung hat die ausschließlich institutionellen Anleger indes im September 2019 keinesfalls vom Zeichnen der Aktie abgehalten. Deutsche Institutionelle haben bei dem Aktienangebot von Teamviewer zwar nur mäßig zugegriffen. Insgesamt nahmen deutsche Anleger 15 % der Teamviewer-Aktien in ihre Bücher, rund 50 % wurden in den USA platziert, mehr als 30 % in Großbritannien. Teamviewer setzte sowohl bei den Investoren als auch den begleitenden Finanzinstituten auf internationale Erfahrung und Kompetenz bei Software-IPOs, unabhängig davon, dass man sich als einheimisches Unternehmen für die Frankfurter Börse entschied. Als Joint Global Coordinators waren Goldman Sachs und Morgan Stanley mandatiert. Auch Bank of America, Barclays und RBC Capital waren an Bord. Als unabhängige Berater engagierte man Lilja & Co., als Rechtsbeistand Freshfields Bruckhaus Deringer.

Bisher erschienen:

- RWE (8.2.)
- AMS (14.2.)
- Merck (21.2.

Börsen-Zeitung, 28.02.2020, Nummer 41, Seite 11, 821 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020041065


JAPAN

Als Wachstumsmarkt identifiziert

Spezifische Lösungen für Industriekunden - Ehrgeizige Ziele

mf - Teamviewer aus Göppingen setzt verstärkt auf Japan als neuen Wachstumsmarkt. "Wir erwarten, dass Japan deutlich schneller wächst als das Unternehmen insgesamt", sagte Finanzvorstand Stefan Gaiser. Zuletzt habe das Japan-Geschäft um 70 bis 80 % zugelegt, während die Gruppe derzeit mit über 30 % wachse. Die Tochtergesellschaft in Tokio ging im Frühsommer 2018 an den Start. Damals sagte Teamviewer-CEO Oliver Steil der Börsen-Zeitung, man strebe einen japanischen Umsatzanteil von 5 bis 10 % an. Inzwischen beschäftigt der deutsche Softwarespezialist zehn Mitarbeiter in der Hauptstadt. Weitere fünf sollen im Jahresverlauf dazukommen.
Japan gehört zu den Industrienationen mit einem hohen Produktionsanteil an der nationalen Wertschöpfung. Daher liegt der Fokus auf IoT-Lösungen für große Industriekunden. "Dafür brauchen wir ein lokales Team", sagte Gaiser, der in dieser Woche mit Chief Technology Officer Mike Eissele mehrere potenzielle Abnehmer besuchte. Viele Unternehmen wollten digitalisieren, ohne ihre Prozesse komplett umzustellen. "Wir haben dafür die passenden Lösungen", erläuterte Japan-Chefin Noriko Nishio. Nach ihren Angaben setzt Teamviewer beim Vertrieb sowohl auf Distributoren als auch Systemintegratoren sowie Eigenkontakte.

Eine Grundlage für die Expansion existiert schon: In den sechs Jahren zwischen 2012 und 2018 deckte Teamviewer den japanischen Markt mit Hilfe von Muttersprachlern in der australischen Niederlassung ab und sammelte 14 000 zahlende Kunden ein. Seitdem wurden es 2 000 mehr. Private Anwender aus Japan luden die deutsche Software 13 Millionen Mal herunter. Inzwischen decken die Anwendungen aus Göppingen ein viel breiteres Spektrum ab. Daher will man nun an Industriekunden herantreten. "Unsere Strategie zielt auf das produzierende Gewerbe, weil es spezifische Lösungen braucht", erläuterte Nishio. Die früher erzkonservativen IT-Abteilungen der Unternehmen seien inzwischen offen für Neues. "Man hat erkannt, dass man die Infrastruktur erneuern muss", bestätigte Gaiser.

Die Zuversicht von Teamviewer hängt auch mit dem starken Personalmangel in Japan zusammen - eine Folge der alternden Gesellschaft im Land der aufgehenden Sonne. Die Software aus Schwaben ermöglicht die Ferndiagnose und -wartung von Computern und Maschinen und eignet sich für den Aufbau des Internets über 5G-Verbindungen. Das spart Aufwand und Zeit und damit Personal. Mit Hilfe der Teamviewer-Plattform können die Firmen zudem ihren Mitarbeitern Homeoffice-Arbeitsplätze anbieten und dadurch als Arbeitgeber attraktiver werden.

Börsen-Zeitung, 28.02.2020, Nummer 41, Seite 11, 348 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020041066
 












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