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Redaktion

Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Award – Gewinner

Corporate Finance Award der Börsen-ZeitungCORPORATE FINANCE AWARD (7): KATEGORIE MID/SMALL CAPS



Stada im Medizinschrank von Private Equity

Finanzinvestoren Bain und Cinven wollen Pharmakonzern nach spektakulärer Übernahme effizienter und größer machen

Das Pharmaunternehmen Stada galt lange Zeit als hoffnungsloses Übernahmeziel. In einem aufsehenerregenden Coup ist es den Finanzinvestoren Bain und Cinven am Ende aber doch gelungen, die Bastion einzunehmen. Die Transaktion ist ein Fall für die M & A-Geschichtsbücher und für die Auszeichnung mit dem Corporate Finance Award.

Von Sabine Wadewitz, Frankfurt

Wer kauft Stada? Diese Frage hatte viele Jahre unbeantwortet im Raum gestanden. Die beiden großen deutschen Wettbewerber Ratiopharm und Hexal waren längst unter der Haube. Und auch der Bad Vilbeler Generikahersteller galt schon lange als Übernahmekandidat, doch erst der Einstieg aktivistischer Investoren ebnete den Weg. Finanzinvestoren lieferten sich einen Bieterwettstreit, aus dem Bain und Cinven als Sieger hervorgingen. Erstmals wagten sich Private-Equity-Häuser an ein deutsches Unternehmen, das zu 100 % in Streubesitz liegt. Der Krimi hielt den Markt über Monate in Atem. Hedgefonds sorgten für ein Scheitern der öffentlichen Offerte im ersten Anlauf und trieben den Preis hoch. Im zweiten Versuch konnten die Beteiligungsgesellschaften die tiefer angesetzte Annahmeschwelle knapp übertreffen. Für den aufsehenerregenden Coup im MDax sind Bain und Cinven Gewinner des von der Börsen-Zeitung vergebenen Corporate Finance Award in der Kategorie Mid/Small Caps.

Anstoß von Aktivisten

Im Frühjahr 2015 schlägt die Stunde für das vor mehr als 120 Jahren von Apothekern gegründete Traditionsunternehmen, das mit bekannten Marken wie Ladival-Sonnenschutz, Mobilat oder Grippostad im Markt ist. Der Investor Active Ownership Capital legt mehr als 5 % am Kapital offen und macht fortan seinem Namen alle Ehre. Als Erstes wird die Neubesetzung des Aufsichtsrats eingefordert. Stada hatte sich mit mangelhaften Governance-Strukturen und schwacher Börsenperformance angreifbar gemacht für aktivistische Aktionäre. Der Aufsichtsrat des Herstellers von rezeptfreien Gesundheitsprodukten und patentfreien Nachahmermedikamenten war auf der Anteilseignerseite traditionell mit Vertretern aus Pharmazie und Medizin besetzt. Schutz bietet damals noch die Kapitalstruktur aus vinkulierten Namensaktien.

Stada-Management und -Aufsichtsrat versuchen nach der Attacke der Aktivisten die Fäden in der Hand zu behalten, verschieben kurzerhand das Aktionärstreffen und schicken eigene Kandidaten für das Kontrollgremium ins Rennen. Schon zu der Zeit keimen Spekulationen, wonach Übernahmegespräche mit der britischen Beteiligungsgesellschaft CVC geführt würden. Noch vor dem neuen Hauptversammlungstermin nimmt der langjährige Vorstandschef Hartmut Retzlaff ("Mr. Stada") eine krankheitsbedingte Auszeit, einige Wochen später muss sich der hoch vergütete Manager verabschieden, dem große Verdienste um den Aufbau des Unternehmens zugesprochen werden, dem aber auch ein selbstherrlicher Führungsstil angekreidet wird. Zum neuen CEO rückt aus dem Vorstand der ehemalige Ashurst-Anwalt Matthias Wiedenfels auf, der mit neuen Mittelfristzielen versucht, gut Wetter zu machen.

Bei der Hauptversammlung wird der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Abend, Rechtsanwalt aus Dresden, abberufen, sein Stellvertreter Carl Ferdinand Oetker rückt nach, fünf von sechs Stühlen der Kapitalseite werden neu besetzt. Die Kampfabstimmung um den Umbau des Gremiums geht als erster Proxy Fight hierzulande in die Annalen ein. Man fragt sich seitdem in vielen Unternehmen, ob man für einen Aktivistenangriff gewappnet wäre.

Nach der aufsehenerregenden Hauptversammlung setzt sich das Ringen um die Zukunft des Unternehmens fort. Finanzinvestoren fühlen vor, der Vorstand lässt mit Hilfe von Investmentbankern strategische Optionen prüfen. Auch die Namen von möglichen Interessenten aus der Pharmabranche kursieren. Im Februar 2017 geht der britische Finanzinvestor Cinven, der seit mehr als 20 Jahren in europäische Healthcare-Anbieter investiert, mit einer unverbindlichen Offerte von 56 Euro je Aktie in Verhandlungen, was damals bei einer Nettoverschuldung der Stada von 1,2 Mrd. einen Transaktionswert von 4,7 Mrd. Euro bedeutet. Auch Advent wirft den Hut in den Ring, ohne eine Preisvorstellung zu nennen. Am Pokertisch nehmen auch CVC und Bain Capital Platz. Alle unter Anlagedruck aus neuen Mittelzusagen in ihren Fonds. Allerdings ist eine Transaktionsgröße wie Stada mit dem dafür erforderlichen Eigenkapitalanteil für Private Equity kein Spaziergang.

Ein Novum im deutschen Kapitalmarkt ist, dass der Stada-Vorstand den einsetzenden Bieterkampf unter Einschluss der Öffentlichkeit begleitet. So werden jeder neue Bieter und jede höhere Offerte in einer Mitteilung ans Licht gebracht. Neue Wege geht dann auch Advent, die verbindlich 58 Euro je Aktie auf den Tisch legt, dieses Angebot aber unter den Vorbehalt stellt, dass der Stada-Vorstand in einer gesetzten Frist zustimmt. Das bringt alle beteiligten Parteien unter Zugzwang. Das Pharmaunternehmen lässt sich das Heft indes nicht aus der Hand nehmen, das Management leitet kurzerhand einen strukturierten Verkaufsprozess ein, um allen Interessenten die gleiche Chance zu geben - und die Bewertung hochzutreiben.

Am Ende des Ringens stehen sich die Duos Advent/Permira und Bain/Cinven gegenüber. Der Vorstand, der dem Deal den Codenamen Antinori anheftet, lässt sich von Deutscher Bank und Perella Weinberg beraten, Evercore unterstützt den Aufsichtsrat. Nach einer letzten langen Nachtsitzung erhalten Bain und Cinven im April 2017 mit 66 Euro je Aktie (einschließlich 72 Cent Dividende) den Zuschlag - bei 5,3 Mrd. Euro Unternehmenswert. Bei ihnen läuft das Projekt unter dem Codenamen Saturn. Der Preis, fast 50 % über dem Aktienkurs beim Aufflammen von Übernahmegerüchten, scheint ausgereizt.

Die Transaktion kann sich - ohne Immobilien - als größter Buy-out eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland seit der Übernahme von Altana feiern, die zu der Zeit allerdings schon mehr als zehn Jahre zurückliegt. Begleitet wird das Bieterduo von Rothschild, J.P. Morgan und Macquarie.

Viele PrivataktionäreStada noch nicht in der Top-Gruppe

In der Gerüchteküche brodelt es weiter. Bain und Cinven starten die Offerte und setzten eine Mindestannahmeschwelle von 75 % - die magische Grenze für den Beherrschungsvertrag, der Zugriff auf den Cash-flow ermöglicht. Advent und Permira wird erneut Interesse nachgesagt, angeblich gemeinsam mit Shanghai Pharmaceuticals. Eine Offerte von 70 Euro macht die Runde. Der Arzneimittelkonzern aus China, beraten von Lazard, bestätigt Sondierungen über ein gemeinsames Gegengebot. Das sorgt für Aufsehen, kommt doch ein Hineingrätschen in eine laufende Offerte in der Praxis eher selten vor. Die potenziellen Angreifer drehen denn auch bei, die Aktion sorgt gleichwohl für erhebliche Verunsicherung.

Als hohes Risiko für ein Gelingen einer Offerte für Stada gilt von Anfang an der hohe Anteil an schwer zu mobilisierenden Privatanlegern im Aktionärskreis, der auf mehr als 25 % geschätzt wurde. Problematisch ist zudem das Engagement von passiv verwalteten Indexfonds, denen mehr als 12 % zugeschrieben wurden. Denn diese Adressen dürfen Aktien nach eigenen Regularien meist nicht in der Angebotsfrist andienen. Wie üblich kaufen sich Hedgefonds ein, die auf einen Nachschlag bis zum Squeeze-out setzen. Bain und Cinven senken die Mindestannahmeschwelle von 75 % zwar noch auf 67,5 %, sammeln aber doch nur 65,52 % des Kapitals ein. Die Transaktion scheitert im ersten Anlauf.

Der zweite Versuch lässt nicht lange auf sich warten. Vorher werden über Nacht CEO und CFO von Stada ausgetauscht. Hedgefonds Elliott schnürt seine Pakete größer und lässt durchsickern, er arbeite an einer neuen Transaktionsstruktur.

Zweiter Anlauf klappt

Bain und Cinven wagen die zweite Offerte zu 66,25 Euro, reduzieren die Annahmeschwelle auf 63 % und sichern sich vorab ein Fünftel des Stada-Aktienkapitals durch Zusagen. Elliott stockt weiter auf, und der neue Stada-CEO äußert die Hoffnung, dass am Ende "nicht wieder gezockt wird". Nach einer Zitterpartie bis zur letzten Minute kommen die beiden Private-Equity-Häuser bei einem Transaktionswert von 5,4 Mrd. Euro ins Ziel. Es geht knapp aus, werden doch gerade mal 63,85 % des Kapitals angedient. Die Bastion Stada ist eingenommen.

Der Krimi ist nicht zu Ende. Elliott baut auf 15 % aus, was die Abstimmung über einen Beherrschungsvertrag in Gefahr bringt. Der Minderheitenschutz im deutschen Gesellschaftsrecht sorgt nicht das erste Mal für Erpressungspotenzial. Fünf von sechs Aufsichtsräten auf der Anteilseignerbank, darunter der Vorsitzende des Gremiums, kündigten ihren Abschied an. Mit dem Pharmamanager Claudio Albrecht geht der dritte neue Vorstandsvorsitzende ans Werk, wieder als Interimschef. Er hatte Bain und Cinven während der Übernahme zur Seite gestanden und bringt als CFO seinen ehemaligen Actavis-Kollegen Mark Keatley mit.

Elliott setzt den neuen Eignern die Pistole auf die Brust und verlangt eine Abfindung von 74,40 Euro für die Unterstützung beim Beherrschungsvertrag. Bain und Cinven schlagen ein. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 2. Februar 2018 wird der Unternehmensvertrag nach zermürbender Debatte abgesegnet, seit 20. März ist er im Handelsregister eingetragen. Einen Tag vor dem turbulenten Aktionärstreffen ist der vierte CEO angekündigt: Am 1. September übernimmt der ehemalige Sandoz/Novartis-Manager Peter Goldschmidt den Stab.

Schwer kalkulierbar

Inzwischen haben die neuen Herren im Haus den Wechsel vom Prime Standard in den General Standard der Frankfurter Börse beantragt, womit die Tage für den Abstieg der Stada-Aktie vom MDax in den SDax gezählt sind. Der Hedgefonds Elliott ist nach wie vor an Bord. Squeeze-out und Delisting sind in der Eignerstruktur erstmal nicht möglich. Die Stada-Aktie notiert weiterhin deutlich über dem Übernahme- und Abfindungspreis.

Die Stada-Story zeigt exemplarisch, dass Übernahmen in Deutschland zur Spielwiese von Hedgefonds werden können. Deals sind damit nicht nur zeitlich schwer kalkulierbar, sondern vor allem in der Kaufpreissumme schwer einzuschätzen. Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben. Doch die neue Unternehmensstrategie, um Stada international voranzubringen und die Profitabilität zu steigern, ist auf den Weg gebracht und wird durch die Aktionärsstruktur nicht behindert. Innerhalb von fünf Jahren will der Konzern im globalen Ranking nach Umsatz von Platz 13 auf Platz 5 hochklettern.

Bisher erschienen:
- Der smarte Weg zur "vierten Kraft" (13. April)
- ICE und TGV fahren künftig gemeinsam (10. April)
- Grüner Schuldschein für saubere Luft (4. April)
- Wie CVC von Energiedienstleistungen profitiert (30. März)
- Delivery Hero liefert Delikatesse für die Börse (24. März)
- Daimler startet den digitalen Angriff (17. März)

Börsen-Zeitung, 18.04.2018, Autor Sabine Wadewitz, Frankfurt, Nummer 74, Seite 10, 1497 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018074080


DER PREIS

Finanzierung und Strategie

cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr zum achten Mal die Corporate Finance Awards. Ausgezeichnet werden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2017. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz.
Erstmals wird der Preis in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, um den Besonderheiten der Unternehmen und der einzelnen Fälle noch besser Rechnung zu tragen. Die Gewinner sind: Daimler (Digital), Siemens (Large Caps), Bain & Cinven/Stada (Mid/Small Caps), United Internet (M & A), Delivery Hero (IPO), Mann + Hummel (Debt) und CVC/Ista (Private Equity). Die von der Jury aus der Vielzahl von Transaktionen des Jahres 2017 ausgewählten Sieger und Transaktionen werden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt.

Die feierliche Preisübergabe ist am 23. April 2018 im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" unseres Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht aller bis zur Verleihung erscheinenden Porträts der Sieger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 18.04.2018, Autor Claus Döring, Nummer 74, Seite 10, 170 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018074078



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23.08.17 Dekoration Stadas Zukunft im MDax ist ungewiss
22.08.17 Dekoration Stada-Management drückt auf die Tube
19.08.17 Dekoration Bain und Cinven glückt Kauf von Stada
19.08.17 Dekoration LEITARTIKEL: Bastion Stada fällt
19.08.17 Dekoration Private Equity schafft es doch noch
18.08.17 Dekoration Elliott unterstützt Stada-Offerte
16.08.17 Dekoration Spannung vor Ende der Stada-Offerte
10.08.17 Dekoration Stada-Übernahme wird erneut zur Zitterpartie
04.08.17 Dekoration "Hoffe, dass Hedgefonds keine Spielchen machen"
20.07.17 Dekoration Countdown für Übernahme von Stada läuft


Corporate Finance Award der Börsen-ZeitungCORPORATE FINANCE AWARD (6): KATEGORIE M&A



Der smarte Weg zur "vierten Kraft"

United Internet steigt mit Drillisch-Übernahme als Telekomanbieter in neue Liga auf

Der Erwerb des kleineren Wettbewerbers Drillisch wurde von United Internet nicht nur lautlos vorbereitet, sondern auch praktisch geräuschlos durchgezogen, in einer komplexen Transaktion, die ein klassisches Übernahmeangebot vermied. Dieses wäre um ein Vielfaches kostspieliger gewesen, nicht zuletzt, weil es die stets auf der Lauer liegenden Hedgefonds angelockt hätte. Nun geht die "vierte Kraft" im Telekommarkt mit gut gefüllter Kasse ans Werk.

hei Frankfurt - Als United Internet und Drillisch im Mai vergangenen Jahres ihren geplanten Schulterschluss verkündeten, zeigten sich die Aktionäre beider Unternehmen begeistert. Die Bündelung der Telekomaktivitäten versprach nicht nur erhebliche Synergien, die sich 2020 auf 150 Mill. und 2025 auf 250 Mill. Euro summieren sollen, sondern auch erhöhte Wachstumschancen für beide. Denn die nach Kundenzahl und Umsatz deutlich größere 1 & 1 Telecommunications erschließt sich durch den Zusammenschluss mit Drillisch ein Asset, das ihr im ersten Anlauf durch die Lappen gegangen war. Der kleinere Wettbewerber aus Maintal hatte den Zuschlag für 30 % der Netzkapazitäten von Telefónica Deutschland erhalten, die diese im Zuge der Übernahme von E-Plus abtrat. Drillisch hatte damit ein Pfund, mit dem sie wuchern konnte, was sich auch in der relativ höheren Bewertung der Gesellschaft in der Transaktion verglichen mit United Internet niederschlug (vgl. BZ vom 18.5.2017).

Zugleich war damit klar, dass der wachstumsstarke und hochprofitable Discount-Anbieter auf dem Telekommarkt zum Objekt der Begierde wurde. Mit dem Erwerb von 20 % an Drillisch kam United Internet bereits 2015 anderen Interessierten zuvor. Der Konzern aus Montabaur warb für den Zusammenschluss schließlich mit dem Argument, dass beide Unternehmen zusammen besser als Drillisch allein in der Lage sein würden, die erworbenen Kapazitäten möglichst bald voll auszuschöpfen.

Satte Mehrheit

Die Argumentation verfing bei den Aktionären, die auf einer außerordentlichen Hauptversammlung mit der ausdrucksvollen Mehrheit von 97,8 % der komplexen zweistufigen Transaktion ihr Plazet erteilten. Nachdem die 1 & 1 Telecommunications im Wege von zwei Sachkapitalerhöhungen in die Drillisch eingebracht wurde, hält United Internet nun gut 73 % an der neuen Drillisch AG, die damit eigenständig börsennotiert bleibt. Der neue Großaktionär hatte eine Komplettübernahme ausgeschlossen.

Die Deal-Konstruktion bot daher Investoren wie Hedgefonds keine Angriffsfläche. United Internet konnte ihre alternative Barofferte an die Drillisch-Aktionäre so gestalten, dass das Interesse daran naturgemäß äußerst gering ausfiel. Der von einem Bankenkonsortium bereitgestellte Kredit über 2,5 Mrd. Euro blieb somit unangetastet, eine elegante Lösung, die auch die Jury des Corporate Finance Awards überzeugt hat und dem Internet-Konzern aus Montabaur den Preis in der Kategorie M & A einträgt. Für den Durchgriff bei 1 & 1 Drillisch sorgt nicht nur eine Fast-Dreiviertelmehrheit, sondern auch die personelle Neuaufstellung. Denn United-Internet-CEO Ralph Dommermuth, der noch 40 % an dem von ihm selbst gegründeten Unternehmen hält, hat den Chefposten der neuen größeren Telekomtochter übernommen.

Drillisch unter der HaubeWährend die Experten noch Beifall klatschen, ist allerdings bei den Anlegern Ernüchterung eingekehrt. Nach einer beeindruckenden Kursrally, bei der die Titel von Drillisch bis zu 40 % und die von United Internet bis zu 35 % gewannen, hat der frisch gestärkte Player im Telekommarkt der Börse kürzlich eine Schocktherapie verabreicht. In Montabaur will man nämlich - eigentlich wenig überraschend - nicht auf der nach wie vor gut gefüllten Kasse sitzenbleiben, sondern das geplante Wachstum mit einem üppigen Marketingbudget aggressiv vorantreiben. Die 1 & 1 Drillisch, die mit einem Umsatz von 2,81 Mrd. Euro nun für zwei Drittel vom Gesamtkonzern steht, will im laufenden Jahr rund 1,2 Millionen neue DSL- und Mobile-Internet-Verträge gewinnen. Einer Straffung des Markenportfolios und Synergien im Einkauf, die Ersparnisse von 50 Mill. Euro bringen sollen, stehen höhere Marketingausgaben, insbesondere der verstärkte Einsatz subventionierter Smartphones gegenüber, die sich auf 300 Mill. Euro summieren sollen.

Discount-Segment im Fokus

Damit fällt die operative Ergebniszielsetzung von United Internet mit rund 1,2 Mrd. Euro nach 908 Mill. Euro im Vorjahr um rund 40 % geringer aus als von Analysten zuvor im Mittel geschätzt. Eine Kröte, an der die Börse schwer zu schlucken hat. Der Konzern setzt indes in der primär auf das Discount-Segment von Drillisch sowie auf die eigenen Kanäle Web.de und GMX fokussierten Wachstumsinitiative mit subventionierten Smartphones ein vielversprechendes Instrument ein. Denn die preissensitive Klientel dürfte ohne dieses Mittel schwerlich von der Konkurrenz wegzulocken sein. Der deutsche Mobilfunkmarkt gilt ohnehin als relativ festgefügt. Die weitere Ausdehnung der Kundenbasis trägt indes nicht nur die Wachstumsstrategie der Telekommunikationssparte von United Internet, sondern auch die des Gesamtkonzerns. Denn dabei setzt das Unternehmen auch verstärkt auf Cross-Selling-Effekte mit dem Bereich Applications. Die Sparte, die E-Mail-, Hosting- und Cloudlösungen für Privat- und für Geschäftskunden anbietet, hat auf dem M & A-Parkett im vergangenen Jahr ebenfalls nichts anbrennen lassen. Der in zwei Gesellschaften gegliederte Bereich wächst vor allem bei den Business Applications, der 1 & 1 Internet SE, an der Warburg Pincus zu einem Drittel beteiligt ist. Bei der Tochter, die über kurz oder lang an die Börse gehen soll, hat United Internet 2017 ebenfalls zwei Akquisitionen durchgezogen: den Erwerb des Webhosters Strato und den Kauf des Berliner Cloudanbieters Profitbricks. Für den Kapitalmarkt hat der Internetkonzern aus Montabaur also noch weitere Pfeile im Köcher.Die großen Player im deutschen Mobilfunkmarkt

Zuletzt erschienen:
- ICE und TGV fahren künftig gemeinsam (10. April)
- Grüner Schuldschein für saubere Luft (4. April)
- Wie CVC von Energiedienst- leistungen profitiert (30. März)

Börsen-Zeitung, 13.04.2018, Autor , Nummer 71, Seite 12, 847 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018071118


DER PREIS

Finanzierung und Strategie

cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr zum achten Mal die Corporate Finance Awards. Ausgezeichnet werden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2017. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz.
Erstmals wird der Preis in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, um den Besonderheiten der Unternehmen und der einzelnen Fälle noch besser Rechnung zu tragen. Die Gewinner sind: Daimler (Digital), Siemens (Large Caps), Bain & Cinven/Stada (Mid/Small Caps), United Internet (M & A), Delivery Hero (IPO), Mann + Hummel (Debt) und CVC/Ista (Private Equity). Die von der Jury aus der Vielzahl von Transaktionen des Jahres 2017 ausgewählten Sieger und Transaktionen werden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt.

Die feierliche Preisübergabe ist am 23. April 2018 im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" unseres Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht aller bis zur Verleihung erscheinenden Porträts der Sieger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 13.04.2018, Autor Claus Döring, Nummer 71, Seite 12, 170 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018071117



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17.05.17 Dekoration "Ich will ein wachsendes Unternehmen führen"
13.05.17 Dekoration United Internet schluckt Drillisch
13.05.17 Dekoration Lieber die Taube auf dem Dach
13.05.17 Dekoration United Internet mischt Telekombranche auf


Corporate Finance Award der Börsen-ZeitungCORPORATE FINANCE AWARD (5): KATEGORIE LARGE CAPS



ICE und TGV fahren künftig gemeinsam

Siemens und Alstom basteln an einem europäischen Bahntechnik-Giganten - Deutscher Mehrheitsaktionär, aber Hauptsitz in Paris
Die Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV aus einer Hand? Undenkbar noch vor wenigen Jahren. Ende 2018 aber könnte die Kombination deutscher und französischer Züge Realität werden. Siemens und Alstom basteln an einem europäischen Giganten der Bahnindustrie. Die Transaktion erhält viel Beifall. Nun gewinnt Siemens infolge des Deals auch den Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung in der Kategorie Large Caps.

Von Michael Flämig, München

Selten hat die industrielle und strategische Logik einer Fusion so viel Zustimmung erhalten wie der geplante Zusammenschluss von Siemens und Alstom in der Bahntechnik. Als die europäischen Konkurrenten das Vorhaben im vergangenen September vorstellten, ernteten sie Lob von allen Seiten. Der Kapitalmarkt zeigte sich angetan, dass eine Gegenposition zu dem chinesischen Weltmarktführer CRRC aufgebaut wird. Die Politiker lobten den Schulterschluss zwischen Deutschland und Frankreich - damit münzten sie das Lob teils auf sich selbst. So wertete die Bundesregierung die Entscheidung als klares Signal, dass der europäische Binnenmarkt auch in der Realität der Unternehmen zusammenwachse.

Lob vom Großkunden

Die Deutsche Bahn als Großkunde, obgleich nun mit einem mächtigeren Lieferanten konfrontiert, bewertete die Fusion ebenfalls positiv. Sie bringe neuen Schwung in den Markt, so das Urteil. Sogar die Gewerkschaften zeigten sich angetan. Die IG Metall ortete gute Erfolgschancen im harten globalen Wettbewerb und strich heraus, aufgrund von Siemens-Zusicherungen gebe es keine Nachteile für die Beschäftigten.

Die Fusion in der Liga der Large Caps setzt in Europa einen Höhepunkt in der zurückliegenden Konsolidierungsrally. Dort waren auch die heutigen Partner bereits aktiv. Schon im Jahr 2012 verleibte sich Siemens die britische Invensys Rail ein, und zwei Jahre später folgte Alstom mit dem Kauf der amerikanischen GE Signalling.

Doch dies erwies sich in dem Moment als Sandkasten-Spielerei, als China auf den Plan trat: Im Jahr 2014 fusionierte der Staat die Unternehmen CNR und CSR zu einem derart mächtigen Weltmarkt-Herrscher, dass der Zweitplatzierte nur ein Viertel des CRRC-Umsatzes auf die Waage brachte (siehe Grafik).

Fortan drehte sich zwar das Karussell weiter: Die japanische Hitachi übernahm die italienische Finmeccanica-Eisenbahnsparte Ansaldo STS & Breda (2015), die Schweizer Stadler im selben Jahr das spanische Lokomotivengeschäft von Vossloh Lokomotiven und die US-Firma Wabtec den Konkurrenten Faiveley aus Frankreich (2016). Doch ein echter Konkurrent für den Giganten aus China entstand dadurch nicht.

Währenddessen blieb Siemens nicht untätig. In einem ersten Schritt brachten die Münchner ihre Division Mobility auf Vordermann, nachdem Joe Kaeser den Vorstandsvorsitz übernommen hatte. Während sich vor dem Jahr 2013 die Deutsche Bahn und der Konzern noch einen Krieg der Worte über die Pannen neuer ICE-Züge geliefert hatten, gab es seitdem nicht einmal mehr Scharmützel.

Wichtiger noch: Die Geschäftsergebnisse und damit der Wert der Aktivitäten stiegen unter der Federführung von Siemens-Vorstand Roland Busch. Die Division Mobility meldete - rückgerechnet - im Geschäftsjahr 2012/2013 (30. September) noch einen Verlust: Die Marge betrug - 4,0 %. Bis zum vergangenen Geschäftsjahr dagegen wurde die Marge nicht nur auf 9,2 % gesteigert, sondern sogar die langfristig gültige Zielmarge von 6 % bis 9 % übertroffen.

Knackpunkt Kartellrecht

In einem zweiten Schritt bearbeitete Siemens Politik, Behörden und öffentliche Meinung. Das Mantra: Das Kartellrecht sollte Bahntechnik-Fusionen nicht untersagen, nur weil in bestimmten Regionen eine dominierende Marktmacht entsteht. Vielmehr sei der Weltmarkt und das absehbare Vordringen der Chinesen auch nach Europa sowie in andere Schwellenländer zu berücksichtigen. Diese Dauerberieselung zeigte - soweit erkennbar - Wirkung.

Der dritte Schritt: Siemens verhandelte und verhandelte. Während in der Öffentlichkeit wiederholt über Bombardier als Partner spekuliert wurde, hielt Siemens sich auch Alstom warm. Letztlich fiel die Wahl auf die Franzosen, zumal dies besser in die politische Großwetterlage zu passen schien. Als die Partner ihre Zusammenlegung im September verkündeten, brachten sie es auf ein Auftragsbuch von 61 Mrd. Euro (davon 26 Mrd. Euro von Siemens). Gemeinsam erlösten sie 15,3 Mrd. Euro (davon 8 Mrd. Euro Siemens) und kamen mit 62 300 Beschäftigten (davon 29 500 von Siemens) auf ein operatives Ergebnis von 1,2 Mrd. Euro (davon 0,8 Mrd. Euro von Siemens).

Die weiteren Schritte sind klar definiert: Nach der Unterzeichnung des Business Combination Agreement vor wenigen Wochen sollen auf einer Hauptversammlung die Alstom-Aktionäre der Transaktion zustimmen und Doppelstimmrechte aufheben. Spätestens zum dritten Quartal des Kalenderjahres wird die Siemens-Sparte Mobility selbständig aufgestellt werden - und nach diesem Carve-out fehlt nur noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter. Ein anspruchsvolles Unterfangen, die Kartellbehörden zu überzeugen. Siemens aber ist außerordentlich zuversichtlich, die Freigabe wie vorgesehen bis zum Jahresende unter Dach und Fach zu haben - oder sogar früher.

Die personellen Fragen sind schon geklärt: Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge wird Vorstandschef, und Siemens-Vorstand Roland Busch - der noch in der Pressemitteilung zur Absichtserklärung nicht erwähnt wurde - übernimmt den Vorsitz des Verwaltungsrates.

Der Charme der gesamten Konstruktion: Siemens muss wie in den Fällen Medizintechnik und Windkraft kein Geld in die Hand nehmen, um eine größere geschäftliche Reichweite und mehr strategische Optionen zu gewinnen. Denn die eigene Mobility-Sparte einschließlich der Bahnantriebssparte wird als Sacheinlage gegen neu ausgegebene Alstom-Aktien in das französische Unternehmen integriert.

Wer hat die Führung?Der Weltmarkt der Bahnindustrie

Dieser Kniff hat allerdings Folgen: Siemens Alstom wird ein französisches Unternehmen mit einem französischen Chef, der Konzern hat seinen Hauptsitz im Großraum Paris und ist an einer französischen Börse notiert - aber wird von einem deutschen Mehrheitsaktionär beherrscht, der Selbstbewusstsein mitbringt. Dass ein Gerangel um die Führung vorprogrammiert ist, verdeutlichten bereits die Präsentationen zur Fusionsankündigung: In der Alstom-Version wird der Siemens-Anteil am neuen Unternehmen unter Nutzung einer Fußnote mit 50 % angegeben, während das Siemens-Pendant in einem ansonsten baugleichen Orga-Chart 50,7 % nennt.

Technologie statt Skaleneffekt

Sobald die Fusion ein Fait accompli sein wird, bleibt ein Problem: Siemens Alstom ist als Weltmarktzweiter trotzdem nur halb so groß wie CRRC. Der Skalenvorteil liegt damit immer noch auf Seite der Chinesen. Der strategische Ansatz wird daher nicht sein, den Konkurrenten beim Zusammenschrauben von Loks preislich zu übertreffen. Vielmehr setzt das Unternehmen darauf, sich als Champion für Mobilitätslösungen zu positionieren.

Effizienz dank Daten

Hinter dem Schlagwort steckt mehr als nur Marketing. Denn Mobilitätslösungen - der Hauptsitz dieser Sparte ist übrigens Berlin - werden künftig eine wichtiges Mittel für Verkehrsunternehmen sein, ihre Kapazität effizient und eben nicht nur durch Zukauf neuer Loks zu erhöhen. Je dichter mit Hilfe aufwendiger Elektronik der Takt auf einer vorhandenen Strecke ist, desto effizienter können Fahrgäste transportiert werden.

Vielleicht noch wichtiger: Wer im Voraus weiß, wie viele Fahrgäste einen Streckenabschnitt zu einer bestimmten Zeit nutzen, der kann jede Menge Kosten sparen - weil er keine leeren Waggons durch die Gegend kutschiert. Wetterprognosen müssen hierfür ebenso berücksichtigt werden wie allerlei sonstige Daten über das Nutzerverhalten.

Nicht umsonst hat Siemens sich erst im vergangenen Jahr mit dem Hannoveraner Unternehmen Hacon einen Anbieter von Fahrplansoftware gekauft, den mehr als 100 Verkehrsanbieter in 25 Ländern nutzen. Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas schwärmt gerne über diesen Zukauf. Er sei zwar klein, habe aber seinen Kundenkreis im ersten Jahr der Siemens-Zugehörigkeit verdoppelt, berichtete er Ende März vor Investoren in London. Der Zukunftstraum: Softwarelösungen für Zug- und Trassenplanung anzubieten sowie Fahrplaninformationssysteme mit zeitgemäßen Bezahlsystemen zu verbinden.


Zuletzt erschienen:
- Grüner Schuldschein für saubere Luft (4. April)
- Wie CVC von Energiedienst- leistungen profitiert (30. März)
- Delivery Hero liefert Delikatesse für die Börse (24. März)
- Daimler startet den digitalen Angriff (17. März)

Börsen-Zeitung, 10.04.2018, Autor Von Michael Flämig, München, Nummer 68, Seite 13, 1173 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018068088


DER PREIS

Finanzierung und Strategie

cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr zum achten Mal die Corporate Finance Awards. Ausgezeichnet werden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2017. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz.
Erstmals wird der Preis in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, um den Besonderheiten der Unternehmen und der einzelnen Fälle noch besser Rechnung zu tragen. Die Gewinner sind: Daimler (Digital), Siemens (Large Caps), Bain & Cinven/Stada (Mid/Small Caps), United Internet (M & A), Delivery Hero (IPO), Mann + Hummel (Debt) und CVC/Ista (Private Equity). Die von der Jury aus der Vielzahl von Transaktionen des Jahres 2017 ausgewählten Sieger und Transaktionen werden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt.

Die feierliche Preisübergabe ist am 23. April 2018 im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" unseres Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht aller bis zur Verleihung erscheinenden Porträts der Sieger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 10.04.2018, Autor Claus Döring, Nummer 68, Seite 13, 172 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018068089



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27.09.17 Dekoration Siemens und Alstom beraten Zugsparten-Fusion
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27.07.17 Dekoration IM BLICKFELD: Siemens wandelt sich in eine Tauschbörse


Corporate Finance Award der Börsen-ZeitungCORPORATE FINANCE AWARD: KATEGORIE DEBT (4)



Grüner Schuldschein für saubere Luft

Filterhersteller Mann + Hummel platziert das Instrument als erster Zulieferkonzern zur Refinanzierung

Mit der Platzierung eines grünen Schuldscheins hat der Filtrationskonzern Mann + Hummel im vergangenen Jahr einen Meilenstein gesetzt: Erstmals refinanzierte sich ein Autozulieferer über das junge Instrument - auch weil ein Teil des Erlöses in nachhaltige Projekte außerhalb des Kerngeschäfts fließen soll.
 

Von Isabel Gomez, Stuttgart

Schon 2015 hatte Mann + Hummel (M + H), auf Filter spezialisierter Zulieferkonzern in Familienbesitz, am Kapitalmarkt auf sich aufmerksam gemacht. Damals begab M+H einen Schuldschein über 1,1 Mrd. Euro, um den 1,4 Mrd. Dollar schweren Kauf des Filtrationsgeschäfts der Affinia Group zu finanzieren (vgl. BZ vom 18.8. und 24.10.2015). Die Platzierung war nicht nur der Einstand am Schuldscheinmarkt, sondern nach den Emissionen von ZF Friedrichshafen (2,2 Mrd. Euro) und BMW (1,35 Mrd. Euro) die bis dato drittgrößte Schuldscheintransaktion.

Im Oktober 2017 zog M + H nach und setzte mit der Platzierung des ersten grünen Schuldscheins durch einen Zulieferkonzern ein Ausrufezeichen. Während der Markt für grüne Anleihen kräftig wächst (siehe Grafik), wurde der Markt für grüne Schuldscheine erst 2016 vom Windturbinenhersteller Nordex begründet (vgl. BZ vom 1.4.2016).

Ursprünglich wollten Finanzchefin Emese Weissenbacher und Treasurer Christian Aue 250 Mill. Euro einsammeln, um die variablen Tranchen des 2015 begebenen Schuldscheins abzulösen und Spielraum für Investitionen in nachhaltige Filtrationsprojekte zu erhalten. Wegen der hohen Nachfrage - vor allem aus Asien - erhöhten der Konzern und die begleitenden Banken das Volumen auf 400 Mill. Euro. Es verteilt sich gleichmäßig auf die acht Tranchen mit Laufzeiten von sechs, sieben, acht und zehn Jahren und jeweils fester und variabler Verzinsung. Die lag Aue zufolge jeweils am unteren Ende der Vermarktungsspanne. Für die Transaktion setzte M + H auf Partner, die bereits 2015 dabei waren: BNP Paribas, ING und LBBW strukturierten und platzierten den Schuldschein, die Kanzlei Latham & Watkins beriet rechtlich.

Im Oktober 2016 hatten Weissenbacher und Aue begonnen, sich nach der Affinia-Übernahme mit der künftigen Finanzierung der Konzernstrategie zu beschäftigen. Bei der Bewertung der Möglichkeiten half die Neuaufstellung des Bereichs Treasury, bei der M + H unter anderem ein internes Rating-Impact-Modell aufstellte. Es basiert auf dem Ratingmodell für Autozulieferer von Moody's und soll dazu beitragen, die Schulden nach der Übernahme schnell abzubauen, ohne die finanzielle Unabhängigkeit zu gefährden. Ziel ist es, stets ein Investment-Grade-Rating zu halten. Veröffentlicht wird das interne Rating nicht. Im Frühjahr 2017 legte sich M + H erneut auf das Instrument Schuldschein fest. Es passe zu einem Konzern, der sich laut Aue als "Hybrid zwischen Kapitalmarkt- und Familienunternehmen" sieht.

Hinzu kam, dass die Geschäftsführung Nachhaltigkeit als einen künftigen Treiber identifizierte. "Nachhaltigkeit ist eine wichtige Säule unserer Strategie. Mit der Elektromobilität steht die Autoindustrie vor einer größeren Herausforderung", sagte Weissenbacher der Börsen-Zeitung dazu (vgl. BZ vom 12.12.2017). Darüber hinaus will der Konzern vermehrt andere Branchen beliefern: Bis 2030 soll ein Drittel des Konzernumsatzes von rund 3,5 Mrd. Euro außerhalb der Autoindustrie - etwa mit Gebäude- und Wasserfiltration - erlöst werden. Derzeit sind es 15 %. Entsprechend wurde Mitte 2017 die grüne Komponente in die Finanzierungsüberlegungen einbezogen.

Damit begann für sein Team die Arbeit an einem Rahmenwerk, das Investoren von der Platzierung überzeugen sollte. Dazu gehörte die Zertifizierung durch eine unabhängige Ratingagentur, da es für grüne Instrumente noch keine festen Standards gibt. Im Fall von M + H bestätigte die Agentur Sustainalytics, dass das Vorhaben den Green Bond Principles der International Capital Markets Association (ICMA) entspricht. Neben Aue beschäftigten sich vier Mitarbeiter mit der Ausarbeitung - eine Person mehr als bei bisherigen Transaktionen, was dem zusätzlichen Aufwand durch die grüne Komponente geschuldet war. Hinzu kamen rund 20 involvierte Mitarbeiter aus den Bereichen Forschung, Liegenschaftsmanagement und Vertrieb.



Um möglichst effizient zu sein, arbeiteten M + H, die Banken und Sustainalytics parallel und in Abstimmung an der Umsetzung: Nach knapp drei Monaten war das Rahmenwerk fertig und geprüft. Bei der folgenden Investorenansprache fokussierten sich die Beteiligten auf Asien - physische Konferenzen fanden nur in Taipeh und Hongkong statt, um deutsche Investoren wurde telefonisch geworben.

Die beteiligte LBBW geht davon aus, dass der Markt für grüne Schuldscheine, der Schätzungen zufolge rund einem Zehntel des Marktes für grüne Bonds entspricht, im Zuge strengerer EU-Richtlinien zur Erreichung der Umwelt- und Klimaziele an Fahrt gewinnt. Zumindest dann, wenn größere Fonds ähnlich darauf anspringen, wie es bei grünen Bonds der Fall ist, und sich durch den Nachhaltigkeitsaspekt der Anlage der finanzielle Mehraufwand für den Emittenten in besseren Konditionen niederschlägt. Bei grünen Bonds beobachten Banken dies schon. Für M + H war die Transaktion den größeren Aufwand in jedem Fall wert. So lange der zusätzliche Aufwand nicht zu groß sei, sagt Aue, würde er das Instrument jederzeit wieder wählen.

 

Bisher erschienen:

Daimler startet den digitalen Angriff (17. März)

Delivery Hero liefert Delikatesse für die Börse (24. März)

Wie CVC von Energiedienst leistungen profitiert (30. März)

 

Börsen-Zeitung, 04.04.2018, Autor Isabel Gomez, Stuttgart, Nummer 64, Seite 9, 770 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018064085&titel=Gruener-Schuldschein-fuer-saubere-Luft

 

DER PREIS
Finanzierung und Strategie

cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr zum achten Mal die Corporate Finance Awards. Ausgezeichnet werden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2017. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz.
Erstmals wird der Preis in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, um den Besonderheiten der Unternehmen und der einzelnen Fälle noch besser Rechnung zu tragen. Die Gewinner sind: Daimler (Digital), Siemens (Large Caps), Bain & Cinven/Stada (Mid/Small Caps), United Internet (M & A), Delivery Hero (IPO), Mann+Hummel (Debt) und CVC/Ista (Private Equity). Die von der Jury aus der Vielzahl von Transaktionen des Jahres 2017 ausgewählten Sieger und Transaktionen werden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt.

Die feierliche Preisübergabe ist am 23. April 2018 im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" unseres Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht aller bis zur Verleihung erscheinenden Porträts der Sieger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 24.03.2018, Autor Claus Döring, Nummer 59, Seite 11, 170 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018059070&titel=Finanzierung-und-Strategie



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Corporate Finance Award der Börsen-ZeitungCORPORATE FINANCE AWARD: KATEGORIE PRIVATE EQUITY (3)



Wie CVC von Energiedienstleistungen profitiert

Ista beim Verkauf nach Hongkong mit 5,8 Mrd. Euro größter Exit von Finanzinvestoren in Deutschland - Zweimal gekauft und jetzt am Rivalen Techem dran

Mit dem Verkauf des Submetering-Spezialisten Ista an den Milliardär Li Ka-shing aus Hongkong für 5,8 Mrd. Euro ist dem Finanzinvestor CVC der bisher größte Exit eines Private-Equity-Hauses in Deutschland gelungen. Dabei hatte der Finanzinvestor die ehemalige Eon-Beteiligung gleich zweimal gekauft. Und jetzt ist CVC mit dem inzwischen größten Buy-out-Fonds in Europa am Ista-Rivalen Techem dran.

Von Walther Becker, Frankfurt

Inhaltlich noch dürrer hätte die Mitteilung zum Verkauf von Ista am 27. Juli 2017 kaum ausfallen dürfen. Und sie sorgte mangels Angaben zur Bewertung für Verwirrung, denn bis heute geistern Bewertungsangaben von 3,7 Mrd. (dem Equity Value) bis 5,8 Mrd. Euro herum - festgesetzt haben sich öffentlich 4,5 Mrd. Euro. Doch der Enterprise Value liegt ausweislich der Dokumente des Erwerbers mit 5,8 Mrd. Euro deutlich höher. Und damit ist es der größte Exit, den eine Beteiligungsgesellschaft in Deutschland bisher je über die Bühne gebracht hat - und das mit einer interessanten Story und womöglich einer Fortsetzung beim Ista-Rivalen Techem. Die Auktion für dieses Portfoliounternehmen von Macquarie läuft in die heiße Phase; und CVC, die inzwischen aus dem mit rund 16 Mrd. Euro gefüllten, größten Buy-out-Fonds in Europa investiert, gehört zum Kreis der Interessenten.

 

Hohe Konzentration

 

Ista tummelt sich in ihrem oligopolistischen Markt als Energie- und Immobiliendienstleister, der daran verdient, mit seinen Produkten und Dienstleistungen Vermietern und Mietern in Mehrfamilienhäusern Energie, Kosten und CO2 einzusparen. Dazu hat sich das Unternehmen aus Essen (ebenso wie Techem) auf "Submetering" spezialisiert, also die individuelle Erfassung, Abrechnung und transparente Visualisierung von Wärmeverbräuchen. Funkbasierte Heizkostenverteiler, Wasser- und Wärmezähler sowie entsprechende Montagesysteme gehören zum Instrumentarium.

Beschäftigt werden 5 300 Leute in 24 Ländern, die für rund 12 Millionen "Nutzeinheiten" tätig sind. Kunden von Ista sind allerdings die 450 000 Wohnungseigentümer. Stets gilt: der Mieter zahlt, der Eigentümer bestellt die Dienstleistung. Hinzugekommen sind funkbasierte Rauchwarnmeldern sowie Trinkwasseranalyse. In den zwölf Monaten vor Ende März vorigen Jahres, also vor dem Verkauf durch CVC, wurden 879 Mill. Euro umgesetzt und operativ (Ebitda) 384 Mill. Euro verdient, was einer stolzen Marge von 44 % entspricht.

Unterstützung findet das Submetering in der Politik, denn mit Transparenz über den Wärmeverbrauch ändert der durchschnittliche Bewohner sein Verbrauchsverhalten und spart selbstständig Energie ein - im Schnitt 15 % pro Haushalt im Jahr.

Ista sieht sich längst nicht mehr als klassischer Ableser, sondern hat die Submetering-Infrastruktur digitalisiert: über 20 Millionen "Connected Devices" sind im Einsatz, jeden Monat kommen 400 000 hinzu, heißt es in Essen. Die IT-, Wohnungs- und Energiewirtschaft macht den Submetering-Markt für Investoren interessant. Darunter auch solche, die wie Eon einst aus dem Geschäft ausstiegen. Ohne den Exit von Eon wäre CVC gar nicht zu der Erfolgsstory gekommen.

Vor 15 Jahren kauft CVC einen Teil der damaligen Viterra (die später für 7 Mrd. Euro an Terra Firma veräußert wird und aus der die heutige Vonovia maßgeblich hervorgeht) Eon für 930 Mill. Euro inklusive Schulden von 85 Mill. Euro ab.

 

Mit Goldman Sachs

 

Schon damals ist Goldman Sachs (für Eon) als Berater tätig - die Investmentbank ist, vielfach zusammen mit der Deutschen Bank, auch in den M & A-Folgeschritten mit an Bord. Beweggrund für den Einstieg war laut Marc Strobel, dem Co-Geschäftsführer von CVC in Deutschland, das "stabile Geschäftsmodell mit hohem Cash-flow, zunehmende Bedeutung von Energieeffizienz in Deutschland und Europa" und operatives Verbesserungspotenzial. Er begleitete das Ista-Investment von Anfang an.

2005 werden Börsenpläne für Ista gewälzt, womit die damals noch gelistete Techem einen Konkurrenten auch auf dem Parkett erhalten hätte. Das Management präferiert das IPO, doch CVC entscheidet anders. Den Zuschlag erhält 2007 der britische Finanzinvestor Charterhouse, doch CVC behält mit einem Anteil von knapp einem Viertel den Fuß in der Tür. 2013 dann der nächste Deal und wieder kein Börsengang: Nicht BC Partners kommt zum Zug, sondern CVC erwirbt Ista in einem ganz speziellen "Secondary Buy-out" zurück, diesmal mit einer Bewertung von 3,1 Mrd. Euro samt Schulden. Rein technisch verkauft eine ältere Fondsgeneration von CVC an die jüngere, die sich auch die Charterhouse-Mehrheit zulegt. Im Herbst 2016 rückt Ista mit Goldman Sachs erneut auf den Block.

 

Kartellamt hilft

 

Schützenhilfe gibt (ungewollt) das Bundeskartellamt. Die Wettbewerbshüter monieren zwar in einer Sektoruntersuchung die Macht der Ableser, aber sie schlagen dem Gesetzgeber keine Einschnitte vor.

Die Kartellamtsuntersuchung belegt, dass die Anbieterseite hochkonzentriert ist. Auf die Marktführer Techem und Ista entfallen zusammen über 50 % und auf die größten fünf Anbieter über 70 %. Es bestünden "erhebliche Anhaltspunkte für das Vorliegen eines wettbewerbslosen Oligopols", dem zumindest die beiden Marktführer, möglicherweise aber auch weitere der größten fünf angehören, stellt die Behörde fest.

Damit ist der Weg frei für den neuerlichen Verkauf, denn eine unklare Situation in der Regulierung des infrastrukturnahen und auf stabilen Cash-flow ausgerichteten Geschäfts hätte den Prozess wohl aufgehalten. Ista-Chef Thomas Zinnöcker wünscht sich einen langfristigen Investor: "Ich denke an einen Zeitraum von zehn oder 15 Jahren."




Kanadier am Ball

 

Infrastrukturinvestoren halten ihre Beteiligungen oft mehr als ein Jahrzehnt, während Private-Equity-Fonds nach drei Jahren schon wieder an den Ausstieg denken. Als potenzielle Käufer hat CVC Beteiligungsfonds und Infrastrukturinvestoren wie Allianz Capital Partners oder die kanadische Borealis ausgemacht. Die chinesische CK Infrastructure, ein Vehikel des Milliardärs Li Ka-Shing, gibt eine Offerte ab; der Pensionsfonds Canada Pension Plan Investment Board, der schon Minderheitseigentümer von Ista ist, tut sich mit Blackstone für ein Angebot zusammen. Auch der Pensionsfonds Ontario Teachers` Pension Plan (OTPP) sowie der kanadische Assetmanager Brookfield sind im Rennen. Und Li Ka-shing geht durch die Ziellinie.
 

Börsengang kein Thema
 

"Ein IPO war 2017 kein Thema", sagt Strobel von CVC. "Ein Trade Sale ermöglicht einen schnellen Exit. Bei einem IPO hätten wir uns sukzessive von unserer Beteiligung trennen müssen." Und es gebe kein gelistetes Unternehmen mit vergleichbarem Geschäftsmodell. Er räumt ein: "Wir sind vielleicht auch manchmal etwas zu skeptisch, ob die hohen Bewertungen der IPO-Banker realistisch sind." Zur Rendite für seine Investoren will er sich nicht äußern. Nur so viel: "Recaps" hätten keine Rolle gespielt. Es habe eine starke Nachfrage von Langfristfonds gegeben, die "es uns ermöglichte, die Bewertungsunsicherheit beim IPO zu umgehen".

Seine Schlussfolgerung aus dem Ista-Deal: "Ein Ratschlag wäre sicherlich, die langfristig denkenden Pensionskassen und Langfristfonds nicht aus dem Auge zu verlieren, denn die können gut mit Renditen unter 20 % leben."

Für die in die heiße Phase gehende Auktion für die ebenfalls renditestarke und frühe notierte Techem sollen sich die kanadischen Pensionsfonds Caisse de depot et Placement du Quebec und OTPP zusammengetan haben. Sie treten an gegen das Team aus der Schweizer Partners Group - und niemand anderem als CVC.

 

Bisher erschienen:

- Daimler startet den digitalen Angriff (17. März)

- Delivery Hero liefert Delikatesse für die Börse (24. März)
 

Börsen-Zeitung, 30.03.2018, Autor Walther Becker, Frankfurt, Nummer 63, Seite 9, 1082 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018063072&titel=Wie-CVC-von-Energiedienstleistungen-profitiert

 

DER PREIS
Finanzierung und Strategie

cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr zum achten Mal die Corporate Finance Awards. Ausgezeichnet werden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2017. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz.
Erstmals wird der Preis in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, um den Besonderheiten der Unternehmen und der einzelnen Fälle noch besser Rechnung zu tragen. Die Gewinner sind: Daimler (Digital), Siemens (Large Caps), Bain & Cinven/Stada (Mid/Small Caps), United Internet (M & A), Delivery Hero (IPO), Mann+Hummel (Debt) und CVC/Ista (Private Equity). Die von der Jury aus der Vielzahl von Transaktionen des Jahres 2017 ausgewählten Sieger und Transaktionen werden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt.

Die feierliche Preisübergabe ist am 23. April 2018 im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" unseres Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht aller bis zur Verleihung erscheinenden Porträts der Sieger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 24.03.2018, Autor Claus Döring, Nummer 59, Seite 11, 170 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018059070&titel=Finanzierung-und-Strategie



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Corporate Finance Award der Börsen-ZeitungCORPORATE FINANCE AWARD: KATEGORIE IPO (2)



Delivery Hero liefert Delikatesse für die Börse

Berliner Essenlieferant 2017 mit Abstand größter Börsengang - Mit Erlös teure Kredite zurückgezahlt - Aktie auf Höhenflug

Mit dem Essenlieferanten Delivery Hero kam das erste Unternehmen aus dem Reich der Start-up-Schmiede Rocket Internet an die Börse. Es wurde das bei weitem größte IPO des vergangenen Jahres - und die Aktie haussiert weiter. Auf die Anteilscheine der einstigen Mutter färbt dieser Erfolg allerdings nicht ab.

Von Ulli Gericke, Berlin

Eigentlich war das Fenster schon zu. Normalerweise stehen die "Windows of Opportunity" für Börsengänge nur im Frühjahr und im September sperrangelweit offen, während dann gen Jahresende die Bücher - und damit auch die Fenster - geschlossen werden. Ähnliches gilt, nur nicht ganz so strikt, im Sommer, wenn Investoren ihre Koffer packen und in Urlaub fahren. Die Fenster für Börsengänge sind in dieser Zeit maximal noch angelehnt.

Doch Niklas Östberg wollte unbedingt noch im ersten Halbjahr 2017 aufs Parkett. Der Schwede, der vor zehn Jahren in seinem Heimatland mit einem Pizza-Lieferservice seine ersten Start-up-Sporen verdient hatte und später in Berlin den Lieferdienst Delivery Hero mitgründete und seitdem als CEO amtiert, wollte "sein" Unternehmen partout noch bis Ende Juni an den Kapitalmarkt bringen - aller Skepsis der begleitenden Investmentbanken zum Trotz, wussten doch Goldman Sachs, Citi und Morgan Stanley von dem inzwischen nur noch leicht angekippten Window of Opportunity.

Verschärfend kam hinzu, dass mit dem IPO-Kandidaten Delivery Hero ein Schwergewicht an den Markt drängte, das kurz vor dem Sommerloch noch schnell mal 1 Mrd. Euro einsammeln wollte - bei Anlegern, die sich eigentlich schon in den Urlaub verabschiedet hatten.

Neues Einhorn an der Börse

Das Berliner Start-up ist im Grunde Östbergs Pizza-Dienst in groß, in sehr groß. Pizza.de heißt eine Tochter hierzulande, Lieferheld eine andere, und die Fahrradkuriere von Foodora liefern die bestellten Essen auch aus. Doch Delivery Hero ist nicht nur in Deutschland aktiv, sondern auch in weiteren gut 40 Ländern, weshalb sich das 2011 gegründete Unternehmen stolz als Weltmarktführer bezeichnet. Werden die Anzahl der Bestellungen zum Maß genommen und die Menge von Partnerrestaurants, bei denen das gewünschte Essen geordert werden kann, ist Delivery Hero tatsächlich der global Größte. Bei Umsatz und Bruttowarenvolumen, also dem Wert aller bestellten Essen, sind andere Anbieter noch größer.

Um das zu ändern und noch einen Gang beim Wachstumstempo zuzulegen, wurde der Börsengang passend zum Unternehmen groß geschneidert - auch wenn dieses immer noch tiefrote Zahlen schrieb. Bis zu 996 Mill. Euro peilten Östberg, die Banken und Großaktionär Rocket Internet mit einer Bookbuilding-Spanne von 22,00 bis 25,50 Euro für jede der angebotenen 39 Millionen Aktien als Bruttoerlös an, womit der hochdefizitäre Essenlieferdienst mit knapp 4,4 Mrd. Euro bewertet wurde. Ein neues Einhorn war geboren.

Zehnfach überzeichnetDie Delivery-Hero-Aktie

Dabei war die Vaterschaft der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet nicht unbedingt eine Empfehlung. Fast drei Jahre zuvor war der von den Samwer-Brüdern gegründete Inkubator im Windschatten des gehypten Alibaba-Börsengangs zum Höchstpreis und - dank überragender Nachfrage - mit verkürzter Zeichnungsfrist an die Börse gestürmt. Zum Zeitpunkt des Delivery-IPO kostete die Rocket-Internet-Aktie nicht einmal den halben Emissionspreis. Kein Wunder, dass das Rocket-Management bei einer anderen Beteiligung - dem Kochboxversender Hellofresh - versuchte, ein IPO zum Höchstpreis durchzusetzen - was prompt in die Hose ging.

Jetzt sollte dies also den Lieferhelden gelingen. Trotz tiefroter Zahlen. Trotz stattlicher Schulden, die mit dem Erlös aus dem Börsengang zurückgezahlt werden sollten. Trotz des schon fast geschlossenen IPO-Fensters. Und? Die Emission war elffach überzeichnet. Statt 1 Mrd. Euro zu vereinnahmen, hätten Unternehmen und Altaktionäre - die sich den Erlös nahezu hälftig untereinander aufteilten - gut 10 Mrd. erlösen können. Doch auch mit der 1 Mrd. war das "Helden"-IPO die mit Abstand größte Emission 2017. Die zweitgrößte Erstplatzierung fiel nicht einmal halb so umfangreich aus, als der Umweltdienstleister Befesa Anfang November 461 Mill. Euro erlöste.

Für die Berliner reichte der 1 Mrd. Euro schwere Börsengang - bzw. die (brutto) selbst erlösten 483 Mill. Euro -, um die gut 300 Mill. umfassenden Schulden ablösen zu können. Aus heutiger Sicht in Zeiten von Niedrig- und Nullzinsen bleibt die Dringlichkeit dessen unerklärlich. Nur standen die Helden eben nicht bei einer Bank in der Kreide, sondern bei ihrer Mutter, bei Rocket Internet. Und die verlangte nicht 0,5 oder 2 % Zinsen, sondern an-fangs 20 %, später dann immer noch 15, 16 % für ihr ausgereichtes Venture Capital. Da addiert sich so einiges an Zinszahlungen, das gespart werden kann. Eine erste Tranche über 90 Mill. Euro wurde schon wenige Wochen vor dem Börsengang zurückgezahlt, nachdem der südafrikanische Internet-Investor Naspers für 387 Mill. Euro 10 % an Delivery Hero erworben hatte. Einige Monate nach dem IPO übernahm Naspers weitere gut 13 % von Rocket zum Preis von 29,50 Euro je Aktie, 4 Euro mehr, als die Scheine beim Börsengang gekostet hatten. Rocket vereinnahmte dabei weitere 660 Mill. Euro. Nun kann Rocket endlich zeigen, dass das eigene Geschäftsmodell - das Gründen von Firmen, diese hochpäppeln und anschließend teuer oder über die Börse verkaufen - tatsächlich funktioniert.

Break-even in Sicht

Der Naspers-Einstieg und das an-schließende IPO sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Berlin zuletzt im europäischen Ranking nach oben schoss. Laut Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY rangierte die deutsche Hauptstadt hinter London als Europas Vize-Hauptstadt mit fast 3 Mrd. Euro an eingeworbenen Geldern, nach 1,1 Mrd. im Turnus zuvor. Londoner Jungunternehmen sammelten im europaweiten Rekordjahr fast 4,9 Mrd. Euro ein, Pariser Start-ups nahezu 2 Mrd. Euro.

Für die einstige Mutter Rocket zeitigten das IPO der Lieferdienst-Beteiligung sowie der Verkauf weiterer Anteile an Naspers kaum Wirkung. Der seit langem schwindsüchtige Aktienkurs reagierte auf die Erfolgsmeldungen der einstigen Tochter wenig, so dass der aktuelle Kurs mit deutlich unter 25 Euro immer noch meilenweit entfernt ist vom Ausgabepreis 42,50 Euro.

Im Gegensatz dazu hat das Helden-Papier einen guten Lauf. Beflügelt von Östbergs Versprechen, zumindest beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) Ende 2018 eine schwarze Null zeigen zu können und 2019 sogar ganzjährig profitabel zu arbeiten, kratzt die DHER-Aktie nach knapp neun Monaten an der Börse an der 40-Euro-Marke - was einem gut 50-prozentigen Plus entspricht. Das Unternehmen nutzte diesen Höhenflug, um kurz vor dem Jahreswechsel - und wieder war das Fenster nur noch angelehnt - fast 20 Millionen Aktien auf den Markt zu werfen. Die 10,5 Millionen neuen Aktien gingen glatt über die Bühne, und brachten 362 Mill. Euro ein. Der Kursabschlag von 3 Euro nach Ankündigung der rund 6-prozentigen Kapitalerhöhung bremste jedoch den Verkaufswillen einiger Altaktionäre. Statt ursprünglich beabsichtigt 7,8 Millionen Papieren wurden letztlich nur zwei Millionen veräußert, woraus zu schließen ist, dass zumindest die Erstaktionäre noch deutliches Kurspotenzial sehen - übereinstimmend mit den meisten Bankanalysten, die das Kursziel zwischen 38 und 59 Euro verorten.

Delivery Hero nutzt die Erlöse, um hier und da kleinere Zukäufe zu tätigen, immer unter dem Motto, dass in diesem Geschäft Größe zählt. Vor allem, seit auch Amazon und Uber in das Liefergeschäft einsteigen, ausgestattet mit einer riesigen Kundenbasis. Gleichwohl weist Östberg das jüngst aufgetauchte Gerücht zurück, dass sich die Berliner "Helden" mit dem Amsterdamer Foodora-Konkurrenten Takeaway.com zusammenschließen könnten - "kurzfristig ist das sehr unwahrscheinlich".

Bisher erschienen:

- Daimler startet den digitalen Angriff (17. März)

Börsen-Zeitung, 24.03.2018, Autor Ulli Gericke, Berlin, Nummer 59, Seite 11, 1136 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018059073&titel=Delivery-Hero-liefert-Delikatesse-fuer-die-Boerse
 

DER PREIS
Finanzierung und Strategie

cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr zum achten Mal die Corporate Finance Awards. Ausgezeichnet werden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2017. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz.
Erstmals wird der Preis in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, um den Besonderheiten der Unternehmen und der einzelnen Fälle noch besser Rechnung zu tragen. Die Gewinner sind: Daimler (Digital), Siemens (Large Caps), Bain & Cinven/Stada (Mid/Small Caps), United Internet (M & A), Delivery Hero (IPO), Mann+Hummel (Debt) und CVC/Ista (Private Equity). Die von der Jury aus der Vielzahl von Transaktionen des Jahres 2017 ausgewählten Sieger und Transaktionen werden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt.

Die feierliche Preisübergabe ist am 23. April 2018 im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" unseres Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht aller bis zur Verleihung erscheinenden Porträts der Sieger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 24.03.2018, Autor Claus Döring, Nummer 59, Seite 11, 170 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018059070&titel=Finanzierung-und-Strategie



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CORPORATE FINANCE AWARD: DIE GEWINNER (1)



Daimler startet den digitalen Angriff

Der Stuttgarter Autokonzern bereitet sich mit einer Investitionsoffensive auf die Mobilität der Zukunft vor

Auf dem Weg vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter kauft Daimler sich jung und frisch. Ein Tech-M & A-Team, ein Inkubator, Venture Capital und Start-ups sollen helfen, auf die richtigen Zukunftstechnologien und Geschäftsmodelle zu setzen. Für diese Strategie und die damit zusammenhängenden Transaktionen erhält Daimler den Corporate Finance Award in der Kategorie Digital.

Von Isabel Gomez, Stuttgart
Börsen-Zeitung, 17.3.2018

Wie Dieter Zetsche auf IT-Konferenzen die hippe Zukunft Daimlers zu bewerben: Das ist nicht Bodo Uebbers Ding. Daimlers Finanzvorstand ist kein sichtbarer Repräsentant der angestrebten Wandlung zum Mobilitätskonzern. Aber er orchestriert ihn mit. Nicht weil er die Kontrolle über die M & A-Aktivitäten hat. Sondern weil er sie ab und zu abgibt. Etwa an Christian Hermann, Susanne Hahn oder Klaus Entenmann.
Hermann, Hahn und Entenmann sind mit verantwortlich für den Aufbau eines mittlerweile beachtlichen Portfolios an Beteiligungen, Zukäufen und Kooperationen im Hause Daimler. Allein im vergangenen Jahr waren es insgesamt gut 15 Deals. Vereinzelt berieten externe Anwälte, Banken waren indes nicht beteiligt worden. Die Zielobjekte kamen aus den Bereichen Payment, Batterietechnologie, Ridesharing, künstliche Intelligenz oder Logistik. Die Transaktionen orientieren sich an den prognostizierten Eskalationsstufen der Mobilität: von Elektroautos über autonome Taxis zu Flugtaxis in vernetzten Städten.

Beschleunigt wird der Umbruch vom Diesel-Skandal, schärferen Emissionsvorschriften, verändertem Nutzerverhalten und neuen Wettbewerbern aus der IT-Welt. Sie bieten bislang die erfolgreichsten digitalen Geschäftsmodelle und machen vor, dass es kein wirtschaftlicher Nachteil sein muss, vom Kunden her zu denken. Traditionelle Autohersteller müssen in diese Welt vordringen. Das erfordert neue Wege und Denkweisen – und Investitionen.

Den Rivalen voraus

Mitte 2016 hatte Daimler bereits gut 500 Mill. Euro in neue Technologien und darauf basierende investiert, inklusive intern entstandener Ideen. Seither hat sich das Volumen, abgeleitet von Konzernangaben, den Marktbewertungen der Ziele sowie deren Reifegrad, wohl auf etwas mehr als 1 Mrd. Euro verdoppelt. Der Konzern gibt aus Wettbewerbsgründen keine detaillierte Auskunft dazu. Zum Vergleich: General Motors nahm Anfang 2016 für 9 % am Uber-Rivalen Lyft 500 Mill. Dollar in die Hand und hält über GM Ventures etwa 15 Beteiligungen. Volkswagen zahlte 300 Mill. Dollar für Gett. BMW will mit dem 2011 aufgesetzten VC-Fonds iVentures in zehn Jahren bis zu 500 Mill. Dollar investieren und hält etwa 25 strategische und finanzielle Beteiligungen. Daimler kommt auf etwa 30 Beteiligungen und Übernahmen.

Wenn es um Innovation geht, beruft sich Daimler gerne auf die Geschichte des schwäbischen Tüftlers Gottlieb Daimler und seiner Cannstatter Gartenlaube, in der er das erste „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ entwickelte und 1886 zum Patent anmeldete. Quasi die erste Start-up-Garage. Allerdings sind die Unterschiede zwischen Start-ups und dem heutigen Daimler-Konzern immens: klein gegen groß, flexibel gegen schwerfällig, innovativ gegen eingespielt. Daimler fertigt problemlos tausende S-Klassen mit engsten Spaltmaßen und ewig laufenden Motoren. Aber digitale und datenbasierte Geschäftsmodelle entwickeln, mit denen der Konzern übermorgen vielleicht Geld verdienen kann, das steckt nicht in der DNA.

Das zu ändern, fällt in Uebbers Verantwortung und ist Aufgabe von Leuten wie Hahn, Entenmann und Hermann. Daimlers Bereitschaft, Ideen eigener Mitarbeiter, Start-ups und Technologien zu fördern und zu finanzieren, wird von einem strukturellen Unterbau gestützt. Und der nötigt selbst Mitgliedern der Start-up- und Venture-Capital-Szene hinter vorgehaltener Hand Respekt ab.

Unter Daimler Financial Services (DFS) mit Vorstandschef Klaus Entenmann sind die Mobility Services gebündelt: Car2go und Moovel (entsprangen der eigenen Ideenschmiede Lab1886) sowie die App MyTaxi (2014 zugekauft) sind die bekanntesten Dienste und bilden das Gerüst der Mobilitätsangebote – ein Gerüst, das stets erweitert wird.

Abseits der Konzernstruktur

Federführend ist dabei M & A Tech Invest, das Team von Christian Hermann zwei Ebenen unter Uebber mit Sitzen auf drei Kontinenten. Die Gruppe investiert weltweit in Start-ups und 15 Venture-Capital-Fonds und koordiniert die Tech-Investitionen aller Konzernsparten. Auch mit dem Inkubator Lab1886 unter Susanne Hahn arbeitet das Team eng zusammen. Beide Gruppen agieren weitgehend losgelöst von der Konzernstruktur, in flachen Hierarchien und mit agilen Arbeitsmethoden.

M & A Tech investiert nur in Fonds, die sich auf eine enge Kooperation einlassen. Die Investitionen sollen Rendite bringen. Wichtiger ist aber der Input der VC-Investoren bei regelmäßigen Treffen, etwa frühe Hinweise auf ein möglicherweise interessantes Start-up. Über das Netzwerk kommt Daimler auch an Start-ups, die nie zu einem Corporate-VC-Fonds gehen würden, da sie Konzernstrukturen fürchten. Im Gegensatz zu vielen VC-Fonds hat M & A Tech kein fixes Budget, jede Investition ist letztlich Verhandlungssache mit Uebber. Investiert wird, wo es strategisch Sinn ergibt. Egal wie jung oder alt eine Firma ist.
Durch die zentrale Koordination der Tech-Investments können diese dort angesiedelt werden, wo sie am meisten auf die Zukunftsstrategie einzahlen können. Die Idee, sich das israelische Batterie-Start-up Store Dot anzuschauen, entsprang dem Entwicklungsbereich. Die Technologie für schnellladende Batterien ist theoretisch für Pkw und Nutzfahrzeuge interessant. Bei der internen Suche nach einem konkreten Anwendungsfall wurde der eCanter der japanischen Lkw-Tochter Fuso identifiziert, also stemmte Daimler Trucks das Investment und die Entwicklungsabteilung hat Zugang zur Technologie.

Den umgekehrten Weg ging Via, ein US-Start-up mit einem Ridesharing-Algorithmus, der zu den Fahrzeugen der Transportersparte passt. Die trug die Idee an M & A Tech heran, die letztlich ein zweigeteiltes Investment arrangierte: Vans brachte 50 Mill. Dollar in ein Joint Venture mit Via ein. DFS beteiligte sich über Mobility Services als Lead Investor einer 200 Mill. Dollar schweren Finanzierungsrunde.
Manchmal sucht M & A Tech auch gezielt, etwa einen Zahlungsdienst für DFS. Gewünscht war ein System mit elektronischer Geldbörse, das gleichzeitig den Kauf einer S-Klasse und die Abbuchung dreier Car2go-Mieten am Tag abbilden kann. Fündig wurde das Team in der Mensa der Uni Düsseldorf, deren Bezahlvorgänge Pay Cash abwickelt. Daimler übernahm Pay Cash, nannte es Mercedes Pay und sicherte sich neben Technologie und Team auch eine E-Cash-Lizenz. Damit wären künftig Bezahlvorgänge mit Kryptowährungen möglich. Irgendwann soll Daimlers gesamtes Finanzierungsgeschäft über Mercedes Pay laufen.

2018 geht es weiter . . .

Mit dem Jahreswechsel ebbte die Investitionstätigkeit nicht ab. Im Februar beteiligte sich Daimler etwa an Anagog aus Tel Aviv. Deren Software analysiert und prognostiziert das Nutzerverhalten von Smartphone-Besitzern mit künstlicher Intelligenz. Das Investment tätigte M & A Tech mit dem auf Isreal spezialisierten VC-Fonds MizMaa Ventures, nachdem Anagog ein von Daimler unterstütztes Start-up-Programm durchlaufen hatte. Die Technologie wird bereits eingesetzt: in der Applikation EQ Ready, die aufgrund des Fahrverhaltens analysiert, ob es sich lohnt, auf ein Elektro- oder Hybridfahrzeug umzusatteln.



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