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Redaktion

Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Award – Kandidaten

Corporate Finance Award geht an die Merckle-Gruppe
Erstmalige Auszeichnung durch die Börsen-Zeitung würdigt Restrukturierung
 
Börsen-Zeitung, 27.5.2011
wb Frankfurt - Der Gewinner ist: die Merckle-Gruppe. Die Restrukturierungsstory des Verbundes mit dem Dax-Konzern Heidelberg Cement ist Sieger beim ersten Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung. Ausgezeichnet wird damit eine unternehmensstrategisch wie finanzierungstechnisch herausragende Transaktion des vergangenen Jahres. Für den laufenden Turnus ist sicherlich die Commerzbank mit ihrer Kapitalerhöhung und den damit zusammenhängenden Finanzierungsinstrumenten ein Kandidat für den nächsten Award, der 2012 verliehen werden soll.

Zur Wahl standen diesmal fünf Transaktionen, die in den zurückliegenden Wochen in der Börsen-Zeitung präsentiert wurden: Deutsche Bank (Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Postbank-Kaufs), Merckle-Gruppe (Portfolioumbau und finanzielle Restrukturierung), die Schweizer Oerlikon (Sanierung via Kapitalschnitt und Kapitalerhöhungen), Schaeffler/Conti (diverse Kapitalmaßnahmen und Beteiligungsveränderungen) sowie Zeiss Vision (Rückerwerb und Restrukturierung durch Carl Zeiss).

Roland Berger, Ehrenvorsitzender Roland Berger Strategy Consultants, Andreas Cahn, Institute for Law and Finance der Goethe-Universität Frankfurt, Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung und Jury-Vorsitzender, Reinhard Marsch-Barner, Of Counsel Linklaters, sowie Lutz Raettig, Aufsichtsratschef Morgan Stanley Bank, gehörten der Fachjury an. Fachjury und Leserjury kamen zum selben Ergebnis: Bei Ersterer war das Ergebnis einstimmig, bei der Leserjury kam der Sieger auf 40 % der Stimmen vor der nächstplatzierten Deutschen Bank, mit 33 %. Henner Böttcher, Group Treasurer von Heidelberg Cement, nahm die Auszeichnung entgegen. Er bestätigte, dass "Chuzpe, Timing und Fortune" die ausschlaggebenden Faktoren in der Restrukturierung waren. Wer wirtschaftlich schlechten Zeiten entgegensehe, sollte sich bemühen, so sein Rat, den Kreis der Gläubiger einzuengen. In seiner Laudatio sagte Cahn, in schwierigster Lage habe eine Reihe von Beteiligten in abgestimmter Weise eine Vielzahl schon für sich genommen komplexer Maßnahmen in die Wege geleitet, "die in ihrer Gesamtheit dazu geführt haben, dass eine große Unternehmensgruppe nicht liquidiert, sondern zum großen Teil erhalten und wieder auf Erfolgskurs gebracht werden konnte." Cahn bescheinigte den Beteiligten unternehmerischen Weitblick sowie "außerordentliches Verhandlungsgeschick und Zähigkeit".
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- Schwerpunkt
- Seite 11

Börsen-Zeitung, 27.05.2011, Autor wb Frankfurt, Nummer 102, Seite 1, 296 Worte 
 
 

CORPORATE FINANCE SUMMIT 2011:

Merckle-Gruppe macht das Rennen
Corporate Finance Award 2010 geht an die verschwiegene schwäbische Familienholding
 
Von Andreas Hippin, Frankfurt
Börsen-Zeitung, 27.5.2011
Die Konkurrenz war groß: Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank im Zuge des Postbank-Erwerbs, die bei Oerlikon mit Kapitalschnitt und -erhöhungen gestemmte Sanierung, die Kapitalmaßnahmen bei Schaeffler/Continental und schließlich der Rückerwerb und die Restrukturierung bei Zeiss Vision. Dennoch hat sich die Refinanzierung der Merckle-Gruppe im Rennen um den Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung, der in diesem Jahr erstmals verliehen wurde, sowohl bei der Fach- als auch bei der Leserjury durchgesetzt.
 
Henner Böttcher, der Group Treasurer von Heidelberg Cement, nahm den Preis für die Familie entgegen. Die Rettung des steueroptimiert verschachtelten Familienimperiums ist ein Lehrstück in Sachen Unternehmensfinanzierung. Viele Aspekte werden wohl nie bekannt werden, weil sich nur der kurpfälzische Baustoffhersteller strengen Veröffentlichungspflichten unterwerfen muss. Den Heidelberger Weltmarktführer bei Zuschlagstoffen, der wegen der Zukäufe des Großaktionärs Merckle zeitweise als Squeeze-out-Kandidat galt, im Herbst 2009 gewissermaßen ein zweites Mal an die Börse zu bringen, war allerdings ein Geniestreich. Hätte es sich um einen echten Börsengang gehandelt, wäre es der größte seit dem der Deutschen Post im Jahr 2000 gewesen (vgl. BZ vom 30. April).

Zerschlagung abgewendet

Bis dahin war es ein weiter Weg. Anfang 2009 sah es noch so aus, als würde die Merckle-Gruppe in ihre Bestandteile zerlegt und Stück für Stück verkauft. Vor dem Freitod Adolf Merckles im Januar hatten sich die Gläubigerbanken mit ihm darauf verständigt, dass der Ulmer Generikahersteller Ratiopharm auf jeden Fall versetzt werden muss, um Schulden zu tilgen. Der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix stand dem Vernehmen nach ebenfalls auf der Verkaufsliste. Dass die Kreditinstitute Wertberichtigungen oder gar Abschreibungen auf die an Merckle ausgereichten Kredite unbedingt vermeiden wollten, verbesserte die Verhandlungsposition des Schuldners.

Ludwig Merckle ging es darum, möglichst viel von dem, was sein Vater aufgebaut hatte, zu erhalten. Neben zahllosen Anwälten und Beratern half Bernd Scheifele, der Vorstandschef von Heidelberg Cement. Adolf Merckle hatte Scheifele im März 2008 an der Spitze der Familienholding installiert. Zuvor hatte der badische Jurist Phoenix zum deutschen Marktführer geformt und durch zahlreiche Akquisitionen international aufgestellt. Umgesetzt wurde die neue Führungsstruktur der Merckle-Gruppe nicht mehr. Aber Scheifeles Expertise dürfte viel zur Rettung der Gruppe beigetragen haben. Auch Lorenz Näger, der Finanzvorstand von Heidelberg Cement, kommt von Phoenix. Henner Böttcher wurde auf eigenen Wunsch nach Mannheim entsandt, um sein Fachwissen bei der Restrukturierung der Verbindlichkeiten des Celesio-Rivalen einzubringen. Für den reibungslosen Ablauf der Restrukturierung war das Timing ganz entscheidend. Im Juni 2009 stimmten die Gläubigerbanken der Umwandlung eines ausgelaufenen kurzfristigen Überbrückungskredits für die VEM über rund 400 Mill. Euro in eine bis 2011 laufende Finanzierung zu. Die Banken stundeten ihre Forderungen bis Ende 2010. Damit war Zeit für eine geordnete Abwicklung des Merckle-Imperiums gewonnen. Wenig später meldete Heidelberg Cement die Refinanzierung der Fremdkapitalseite durch einen syndizierten Kredit über 8,7 Mrd. Euro.

Die Einsicht, dass der Fortbestand der Gruppe allen Beteiligten mehr bringt als der Verkauf der Einzelteile, setzte sich schließlich durch. "Dabei hatten es die Protagonisten - jedenfalls zunächst - mit einer großen Zahl von Gläubigerbanken mit durchaus sehr unterschiedlichen Interessen zu tun, die erst einmal unter einen Hut gebracht werden mussten", sagte Prof. Dr. Andreas Cahn vom Institute for Law and Finance der Goethe-Universität Frankfurt in seiner Laudatio. "Die Beteiligten haben also nicht nur unternehmerischen Weitblick, sondern auch außerordentliches Verhandlungsgeschick und Zähigkeit bewiesen."

Börsen-Zeitung, 27.05.2011, Autor Andreas Hippin, Frankfurt, Nummer 102, Seite 11, 529 Worte 
 

Am 26. Mai 2011:

And the winner is . . .
Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung - Fünf Kandidaten für die Transaktion des Jahres 2010
 
Von Claus Döring, Frankfurt
 
Am Donnerstag, dem 26. Mai, ist es so weit: Die Börsen-Zeitung wird zum ersten Mal den Corporate Finance Award verleihen. Ausgezeichnet wird damit eine unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktion des Jahres 2010. Zur Wahl stehen fünf Transaktionen oder Restrukturierungsfälle, die in den zurückliegenden Wochen ausführlich in der Börsen-Zeitung präsentiert wurden: die Deutsche Bank (Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Postbank-Kaufs), die Merckle-Gruppe (Portfolioumbau und finanzielle Restrukturierung), das schweizerische Industriekonglomerat Oerlikon (Sanierung via Kapitalschnitt und Kapitalerhöhungen), Schaeffler/Conti (diverse Kapitalmaßnahmen und Beteiligungsveränderungen) sowie Zeiss Vision (Rückerwerb und die Restrukturierung durch Carl Zeiss). Alle Serienbeiträge sind im Internet nachzulesen im Bereich Kandidaten.
 
Ausgewählt wird der Award-Gewinner von einer Expertenjury, der Prof. Dr. h. c. Roland Berger, Ehrenvorsitzender Roland Berger Strategy Consultants, Prof. Dr. Andreas Cahn, Institute for Law and Finance, Goethe-Universität Frankfurt, Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung und Jury-Vorsitzender, Prof. Dr. Reinhard Marsch-Barner, Of Counsel Linklaters, sowie Dr. Lutz Raettig, Aufsichtsratsvorsitzender Morgan Stanley Bank, angehören. Die Juroren haben aus der Vielzahl der Transaktionen des Jahres 2010 die Shortlist der fünf Kandidaten erstellt. Ihr Votum wird von einer Leserjury aus 200 ausgewählten, fachkundigen Börsen-Zeitung-Lesern ergänzt.

Überreicht wird der Preis am 26. Mai im Rahmen des Corporate Finance Summit in Frankfurt, der vom Institute for Law and Finance (ILF) an der Goethe-Universität und der Commerzbank gemeinsam veranstaltet wird und sich zur zentralen Veranstaltung der Finanzierungsexperten in Industrie, Banken und Anwaltskanzleien entwickelt hat. Nach der Eröffnung des Summit durch Prof. Dr. Andreas Cahn vom ILF, der auch der Jury angehört, sowie Markus Beumer, Vorstandsmitglied der Commerzbank, treten als Referenten und Panelteilnehmer u.a. Torsten Hinrichs (Deutschland-Chef von Standard & Poor's), EU-Kommissarin Viviane Reding und Prof. Theodor Baums (Regierungskommission Corporate Governance Kodex) auf.

Für den Gewinn des Award spielen die Größe, die Komplexität, die Geschwindigkeit und die Originalität der Transaktion eine Rolle. Außerdem gehört der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz zu den Beurteilungskriterien. Als Kandidaten für den Award kommen deshalb reine Akquisitionen ebenso in Frage wie komplexe Restrukturierungen.

Börsen-Zeitung, 20.05.2011, Autor Claus Döring, Frankfurt, Nummer 97, Seite 19, 320 Worte
 




KANDIDAT 5: Die Carl Zeiss AG


Carl Zeiss allein im Haus
EQT verabschiedet sich im Zuge einer komplexen Refinanzierung aus Brillenglas-Venture
 
Vision Care: So bezeichnet die Carl Zeiss AG den Geschäftsbereich Brillengläser, der rund 890 Mill. Euro Jahresumsatz erzielt. Inzwischen hält das stiftungsgeführte Unternehmen dort die Fäden allein in der Hand, nachdem 2010 die Private-Equity-Gesellschaft EQT das Gemeinschaftsunternehmen Carl Zeiss Vision GmbH im Zuge einer schwierigen Refinanzierung verließ. Begonnen hatte alles mit der gemeinsamen Übernahme des börsennotierten US-Brillenglasherstellers Sola vor einigen Jahren.
Von Bernd Weber, Stuttgart
 
Börsen-Zeitung, 19.5.2011
Noch ist Carl-Zeiss-Vorstandschef Michael Kaschke, der sowohl den Sola-Deal beim Erwerb als Finanzvorstand betreute als auch die vollständige Übernahme in gleicher Funktion verantwortete, bevor er zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz übernahm, bei Vision Care nicht ganz am Ziel. Zwar hat Carl Zeiss inzwischen allein das Sagen bei der nun unter Carl Zeiss Vision International GmbH firmierenden Tochter. Doch bei dem Refinanzierungsverhandlungen des vergangenen Jahres, in deren Zuge EQT ihre Stimmrechte am Brillenglas-Venture auf Carl Zeiss übertrug, blieben einige Kreditklauseln, die der neuen Vision das Leben schwer machen.
Störende Nebenbedingungen
Deshalb verhandelt der neue Zeiss-Finanzchef und auf diesem Posten Kaschke-Nachfolger, Thomas Spitzenfeil, gerade über eine mögliche vorzeitige Tilgung der Senior-Tranche der jüngsten Refinanzierung. Mit einer Bruttoliquidität von 1,3 Mrd. Euro zum Ende des ersten Geschäftshalbjahres am 31. März 2011 hat Zeiss alle Möglichkeiten, die verbleibenden Nebenbedingungsthemen der Finanzierung zu lösen. Beispielsweise können Assets der Vision nur mit Zustimmung der Gläubiger auf die AG übertragen werden, Synergien sind damit nur erschwert zu heben.
Um in den Verhandlungen an diesen Punkt zu kommen, waren im Jahr 2010 über mehrere Monate laufende Gespräche notwendig. Zuvor hatte sich die Lage zugespitzt, weil Zeiss Vision 2009 zum zweiten Mal Gläubigerschutzklauseln verletzte und das Brillenglas-Venture mit knapp 900 Mill. Euro Verbindlichkeiten dem Vernehmen nach an der Überschuldung entlangschlitterte. Die Situation war vertrackt. Nicht nur saßen auf Seiten der Gläubiger etwa 60 bis 70 Parteien mit unterschiedlichsten Vorstellungen, auch war lange nicht klar, ob es sich nur um einen weiteren "Leverage Finance"-Deal für Carl Zeiss Vision handeln sollte, bei dem es schlussendlich für die Anteilseigner nur um einen erneuten Sanierungsbeitrag gegangen wäre, oder ob nicht auch die Aktionärsstruktur zur Diskussion gestellt werden sollte.
Zeiss führt Verhandlungen
Die Konstellation bei Zeiss Vision war angesichts der schwierigen Situation nicht mehr zielführend, um die Interessen von Private Equity und industriellem Partner in Einklang zu bringen. In einer relativ frühen Phase konnte sich Zeiss mit EQT darauf einigen, dass Kaschke und sein Team die Verhandlungen mit den Gläubigerbanken führt und im Falle erfolgreicher Gespräche Zeiss die notwendigen Eigenkapitalbeiträge leistet, während EQT sich zurückzieht. Damit war der Bann gebrochen, und die Verhandlungen mit dem Gläubigerausschuss unter Leitung der Deutschen Bank London und beraten von Blackstone nahmen einen anderen Verlauf. Auf Seiten von Zeiss waren Hengeler Mueller und Leonardo & Co. wesentliche Berater.
Damit war aber auch vorgezeichnet, dass eine Lösung mit Eigenkapitalbeiträgen durch Carl Zeiss ein auf einen industriellen Partner zugeschnittenes neues Finanzierungspaket notwendig machte, das sich von den typischen Strukturen des Leverage Finance eines Private-Equity-Partners unterscheidet.
Die Folge war, dass stark an Ausleihungen für Private Equity interessierte Geldgeber aus der Refinanzierung ausstiegen. Aus diesem Grund wurde eine Finanzierungsstruktur verhandelt, die dem Bankenkonsortium je nach Interessenlage zwei Wahlmöglichkeiten ließ und gleichzeitig den Bedürfnissen von Zeiss entsprach.
Nominal 15 Prozent Abschlag
Den Geldgebern, die nicht an der Refinanzierung teilnehmen wollten, wurde eine Barofferte mit einem Abschlag von nominal 15 % auf ihre Forderungen angeboten. Den an der neuen Finanzierungsrunde beteiligten Altgläubigern wurde offeriert, ihre Forderungen zu 100 % in einen zweiteiligen Kredit umzuwandeln, 90 % davon erstrangig ("Senior Facility") und 10 % nachgeordnet. Bei gleichbleibenden Laufzeiten akzeptierten die Gläubiger außerdem einen niedrigen Zinssatz für die Senior Facility.
Aus der Annahme der Barofferte resultierend wurden bei Zeiss Vision rund 300 Mill. Euro Darlehen abgelöst, die aus dem Cash der Carl Zeiss AG stammten und in Eigenkapital der Carl Zeiss Vision umgewandelt wurden. Außerdem schoss die Carl Zeiss AG weitere 90 Mill. Euro frisches Eigenkapital ein.
Heute liegen auf der Vision noch rund 480 Mill. Euro Restverschuldung, von denen wiederum etwa 400 Mill. Euro auf die Senior Facility entfallen, die sich im Mittel mit 135 Basispunkten über Euribor verzinst und eine Laufzeit bis 2014 hat. Der nachrangige Kredit wird 2019 fällig und ist als sogenanntes "Pay in kind"-Darlehen konzipiert, bei dem die Zinsen zunächst auflaufen und zu einem späteren Zeitpunkt gezahlt werden. Zudem wurde die Fälligkeit einer existierenden Nachrang-Tranche auf 2020/21 verschoben. Mit der Refinanzierung hat sich der Spielraum von Carl Zeiss Vision bei den Covenants deutlich erhöht.
Optionsstruktur für Aktien
EQT hat inzwischen sämtliche Stimmrechte an Zeiss abgetreten, hält aber noch die Aktien, für die eine Earn-out-Klausel existiert, womit also ein Teil des Kaufpreises zu einem späteren Zeitpunkt erfolgsabhängig von der Entwicklung des Brillenglasgeschäfts bezahlt wird. Für die Aktien existiert eine Put/Call-Optionsvereinbarung, sodass diese bis 2013 übertragen werden.
Nicht nur die Restrukturierung von Zeiss Vision im vergangenen Jahr war komplex, das galt auch schon für den Einstieg in der Geschichte im Jahr 2004, als die stiftungsgeführte Carl Zeiss AG in Oberkochen mit finanzieller Unterstützung von EQT den börsennotierten US-Brillenglashersteller Sola erwarb, komplett von der Börse nahm und ihn mit dem zuvor in eine GmbH umgewandelten Zeiss-Geschäftsbereich Augenoptik zur Carl Zeiss Vision GmbH verschmolz.
Insgesamt kostete der Erwerb einschließlich der Übernahme von 285 Mill. Dollar Schulden rund 1,1 Mrd. Dollar. Das Finanzierungspaket bestand aus fünf Liquiditätsinstrumenten: einem erstrangigen und einem nachrangigen Kredit, einer revolvierenden Linie sowie Drittpartei- und Gesellschafterdarlehen von Zeiss. An dieser neuen GmbH waren Zeiss und EQT bis zum vergangenen Jahr dann mit je 50 % beteiligt.
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Bisher erschienen:
- Deutsche Bank (22.4.)
- Merckle-Gruppe (30.4.)
- Oerlikon (7.5.)
- Continental/Schaeffler (14.5.)
Börsen-Zeitung, 19.05.2011, Autor Bernd Weber, Nummer 96, Seite 13, 901 Worte



Vision bleibt Vision
Einer muss das Sagen haben: Fifty-fifty-Investment von Konzern und Private Equity kein tragfähiges Modell
 
Von Walther, Becker, Frankfurt
Börsen-Zeitung, 19.5.2011
"Joint Bid" lautete die Zauberformel: Private Equity investiert Hand in Hand mit einem industriellen Unternehmen, um eine Gesellschaft zu akquirieren, die dann in eine neue, von Fonds und strategischem Investor je hälftig gehaltene Gesellschaft eingebracht wird. Die zum Wallenberg-Imperium zählende EQT war hierzulande Vorreiter mit diesem Konzept. Ende Dezember 2004 kündigte sie mit Carl Zeiss an, für 1,1 Mrd. Dollar inklusive Schuldenübernahme den US-Brillenglashersteller Sola International zu erwerben. Das Resultat: EQT und Zeiss marschierten vereint, der Finanzinvestor wurde 50 %-Gesellschafter am kompletten Brillenglas-Geschäft. Carl Zeiss Vision wurden, wie bei Buy-outs üblich, hohe Schulden aufgebürdet.
Doch das Konzept erwies sich als nicht tragfähig. Nach komplexen Verhandlungen mit Gläubigern ist Zeiss Vision 2010 wieder ganz bei Zeiss angekommen. EQT hält zwar noch Anteile, die Stimmrechte sind aber abgegeben, denn man wollte keine neuerliche Kapitalspitze setzen.
Der - außer gegenüber den eigenen Investoren - nicht zu Transparenz verpflichtete Finanzinvestor schweigt zu der Frage, wie sich die "Vision" für ihn gerechnet hat. Doch dürfte klar sein, dass es sich nicht gerade um ein Highlight des EQT-III-Fonds handelt. Udo Philipp, der Partner, der diesen Deal und später auch Tognum für EQT gemanagt hat, betrachtete sein Haus bei der Zusammenführung 2005 als Katalysator. Doch die Reaktionsgeschwindigkeit wurde nicht erhöht - Nachfolger hat das Modell nicht gefunden.
Keine Nachfolger
Selbst das Zusammengehen von KKR mit Bertelsmann im Musikrechtegeschäft besteht aus einer knappen Mehrheit des Finanzinvestors; CVC hat sich nur minderheitlich am Börsenaspiranten Evonik beteiligt. Beim avisierten Verkauf von NSN sollen Unternehmen und Private-Equity-Fonds ein gemeinsames Gebot an die Gesellschafter Nokia und Siemens ventiliert haben. Für das zum Verkauf stehende zweitgrößte polnische Mobilfunkunternehmen Polkomtel (Bewertung der Vodafone-Tochter: 4,5 Mrd. Euro) soll unter anderem ein Joint Venture aus der norwegischen Telenor und Bain Capital im Rennen sein. Ansonsten ist nach Zeiss Vision bei größeren Buy-outs wenig bei Joint Bids passiert, Fonds machen eher mit anderen Fonds, die ähnlich "ticken", in Club Deals gemeinsame Sache.
- Strategische Investoren und Private Equity haben unterschiedliche Vorstellungen von Verschuldungshöhen. Fonds setzen üblicherweise auf höheren "Leverage",
- Die Haltedauern sind unterschiedlich: Finanzinvestoren ziehen gerne einen "Quick Flip" durch, wenn die Marktkonditionen es erlauben, Unternehmen bleiben länger an Bord.
- Geht es um Übernahmen, können strategische Investoren höhere Prämien zahlen, da sie Synergien realisieren können.
- Auch in der Besetzung von Bei- und Aufsichtsräten ist vielfach unklar, wer das passendere Netzwerk hat.
- Üblicherweise wollen Fonds die Mehrheit, um ohne Rücksichtnahmen durchgreifen zu können.
- So hat es entgegen den von Investmentbanken geschürten Hoffnungen nach dem Zeiss-Deal keine Welle von Joint Bids gegeben. Es klingt eben zu schön, um wahr zu sein, dass sich Unternehmen mit Finanzinvestoren verbünden, um extern zu wachsen, gleichzeitig Liquidität zu schonen und Risiken zu teilen.

Börsen-Zeitung, 19.05.2011, Autor Walther, Becker, Frankfurt, Nummer 96, Seite 13, 441 Worte



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KANDIDAT 4: Schaeffler/Continental


Conti/Schaeffler, die Unvollendete
Hängepartie auch drei Jahre nach Anschleichen - Familie auf dem Weg zum Kapitalmarkt - Dax-Revival in Sicht
 
So wenig Conti wie möglich ist gut für Schaeffler, so wenig Schaeffler wie möglich gut für Conti: So stellt sich die Situation der Übernahmeschlacht heute dar, die vor gut drei Jahren mit dem "Anschleichen" der familieneigenen Gruppe an den damals schon hoch verschuldeten Dax-Konzern begann. Seitdem winden sich beide Seiten langsam aus dem Schuldenturm - Conti dank Kapitalmarktzugangs schneller als der Großaktionär, der sich aber auch auf den Weg an den Kapitalmarkt begibt.
Von Walther Becker, Frankfurt
 
Börsen-Zeitung, 14.5.2011
Die "industrielle Logik" eines Zusammengehens von Continental und Schaeffler ist nach wie vor nicht herleitbar. Außer Spesen nichts gewesen? Im Vergleich zu dem, was Schaeffler 2008 anstrebte, nämlich eine Beteiligung um 50 %, sieht es so aus. Am Ende wäre Schaeffler ein Ankeraktionär einer wieder im Dax enthaltenen Conti und damit vergleichbar der Situation von Quandts bei BMW.
Zur Erinnerung: Conti stand infolge der Übernahme von VDO für stolze 11 Mrd. Euro tief in der Kreide; der damalige Konzernchef Manfred Wennemer glaubte, der Konzern sei mit dieser Belastung vor einer feindlichen Übernahme gefeit. Doch er täuschte sich. Schaeffler begann im März 2008 das "Anschleichen" mit Merrill Lynch, legte im Juli ein Paket offen und ging in den Übernahmeprozess.
Eine enge Zusammenarbeit ist bis heute nicht in Sicht, der zuvor für 2011 avisierte Schulterschluss auf Eis gelegt, wenn er denn überhaupt jemals kommt. Was bleibt bei dieser unvollendeten Geschichte bislang? Die familieneigene Gruppe steht nach wie vor tief in der Kreide. Die Banken haben die Zitterpartie, die neben den Industrieunternehmen auch die Darlehensgeber in den Abgrund hätte reißen können, ohne große Verluste hinter sich gelassen. Die stärker als erwartet anziehende Autokonjunktur hat maßgeblich aus der Patsche geholfen.
Conti, die seit drei Jahren im Mittelpunkt eines der größten Übernahmespektakel der deutschen Firmengeschichte steht und seit 2009 von Schaeffler dominiert wird, ist nicht nur operativ profitabel wie Schaeffler, sondern auch bilanziell zu stabilen Verhältnissen zurückgekehrt. Dabei hilft Conti der Zugang zum Kapitalmarkt ungemein - Schaeffler ist der Weg noch verschlossen, doch hat man sich auf den für Schaeffler geradezu revolutionären Weg in diese Richtung gemacht.
Die Niedersachsen schreiben wieder schwarze Zahlen, stellen ihren Aktionären, seit neuestem wieder fast 40 % Streubesitz, von 2012 an nach drei Jahren Durststrecke eine Dividende in Aussicht - und haben gute Chancen, zum dritten Mal in den Dax einzuziehen. Spätestens 2012 will Conti in der Bonitätseinstufung wieder Investment Grade vorweisen können.
Schaeffler soll noch 2011 in eine AG gewandelt werden - in der Finanzkommunikation haben die Franken 2010 damit begonnen, etwas mehr Offenheit und Transparenz an den Tag zu legen. Doch einen Börsengang hat das Unternehmen, das Georg Schaeffler (zu 80 %) und seiner Mutter Maria-Elisabeth (20 %) gehört, nicht im Blick. Die Transformation in eine AG solle "neue Finanzierungsquellen" erschließen, auf der Fremd- und Eigenkapitalseite. Das hat Finanzchef Klaus Rosenfeld angekündigt. Die Emission von Anleihen könnte dazu zählen - zunächst soll es eine Bonitätsbewertung von Ratingagenturen geben.
Hauptakteure des Komplexes Conti/Schaeffler sind Mutter und Sohn Schaeffler. Zur Befriedung in Hannover war im Herbst 2009 als Aufsichtsratschef Linde-Leiter Wolfgang Reitzle geholt worden - zuvor hatte Schaeffler mit ihrem Rechtsberater Rolf Koerfer viel Porzellan zerschlagen. In den Conti-Aufsichtsratssitzungen sorgte er zunächst dafür, dass Blackberrys und Handys vorher abgeliefert werden mussten - nachdem er erlebt hatte, dass Interna schon während der AR-Sitzung online zu lesen waren. Und Rosenfeld zählt zum Kreis der maßgeblichen Akteure, der im Zuge der Restrukturierung Konzernchef Jürgen Geißinger in den Hintergrund hat treten lassen. Nach den Abgängen von Manfred Wennemer, der sich vehement gegen Schaeffler gestellt hatte, und Karl-Thomas Neumann (heute VW-China-Chef), der bei Conti auf gute Corporate Governance geachtet hatte, führt seit Sommer 2009 der von Schaeffler nach Hannover entsandte Elmar Degenhart - und das ganz unspektakulär. Die Zeit der Machtkämpfe ist vorüber.

Finanzierung ausbalanciert

Conti balanciert die Finanzierung zwischen Banken und Kapitalmarkt:
- Es wurde Ende 2009 (mit Goldman Sachs, Deutscher Bank und J.P. Morgan) eine Kapitalerhöhung im Schnellverfahren durchgezogen, die 1,1 Mrd. Euro zur Entschuldung brachte.
- Dies diente als Basis für die Verbesserung der Fälligkeitenstruktur über drei Hochzinsanleihen (zweimal mit Citi und RBS, einmal mit sechs Adressen) über alles in allem 3 Mrd. Euro
- und eines neuen Finanzierungsrahmens über 6 Mrd. Euro mit 35 (statt zuvor 50) Banken unter Führung von Citi und Deutscher.
Schaeffler hat, ohne Zugang zum Kapitalmarkt, zwei Schritte getan:
- Die Aufteilung der hohen Verschuldung, womit man sich zu horrenden Kosten Zeit kaufte,
- und eine teilweise Entschuldung Ende März 2011 inklusive Teilverkauf des Conti-Aktienpakets.
Conti baute die Netto-Finanzschulden in zwei Jahren um mehr als 3 Mrd. Euro ab, Ende 2010 standen 2010 noch 7,3 Mrd. Euro zu Buche. Das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital lag bei 118 % nach 219 % Ende 2009 und soll 2011 auf 70 % sinken. Conti zahlte über alles etwa 8 % p. a.

Schuldenabbau ohne Abbau

Rosenfeld hatte Ende 2009 die Verschuldung von 11 Mrd. Euro aufgeteilt und 5 Mrd. Euro aufs "Oberdeck", also die Familienholding, gepackt und den Rest der operativ tätigen, profitablen Gesellschaft aufgebürdet. Über dem, was auf Familienebene passiert, lag lange der Schleier des Geheimnisses - klar war aber, dass "oben" nur getilgt werden konnte, was von "unten" abgeliefert wurde. Die Holding als GmbH-Eignerin hält einen Teil der Beteiligung an Conti; laufende Zins- und Tilgungszahlungen kann sie nicht leisten. Vor wenigen Wochen gelang Schaeffler ein erster Befreiungsschlag, der gerade bei Hauptgläubiger Commerzbank gut ankam. 2,2 Mrd. Euro wurden an Banken gezahlt. Dem Stillhalten der Darlehensgeber infolge der Not des Hauses Blessing in der Krise ist es zu danken, dass es Schaeffler noch gibt - die "Gelben" hatten nach der Übernahme der Dresdner Bank Schaeffler-Darlehen auf den Büchern, die die eigene Marktkapitalisierung über lange Zeit hinweg weit übertrafen. Dieses Risiko ließen sich die Banken - zu den 2008 angeheuerten Instituten zählen des Weiteren Royal Bank of Scotland (RBS), LBBW, UBS und Unicredit - mit Zinsen bis 17 % p. a. entgelten (UBS verkaufte später mit Abschlägen an Goldman).
Trotz Milliardenzahlung und Neuordnung der Schulden, wozu der Teilverkauf eines Conti-Pakets maßgeblich beitrug, baute Schaeffler den Schuldenberg nicht ab. Und die Chance, an den Cash-flow von Conti zu kommen, ist mit dem Verkauf eines Aktienpakets vertan.
2008 hatte Schaeffler mit einer aus Sicht von Conti zunächst niedrig erscheinenden feindlichen Übernahmeofferte 50 % einsammeln wollen, war aber im Zuge der Krise mit 90 % überschüttet worden.

Banken kassieren

Im Vergleich zu der aus der Not geborenen Struktur von 2009 hat sich Schaeffler 2011 in heftigen Verhandlungen Luft verschafft. So gab es auf Holding-Ebene einen endfälligen Kredit mit 7 % p. a. und Zinsstundung sowie zwei Instrumente, mit denen sich die Banken ihr hohes Risiko entgelten ließen: ein "Contingent Remuneration Payment", das die Verzinsung auf 17 % hochzog, und ein "Contingent Upside Instrument", eine Zusatzvergütung, die den Banken 25 % einer kalkulatorischen Wertsteigerung (einschließlich Conti) gewährte.
" Das war der einzige Weg, die Gruppe zusammenzuhalten", verdeutlicht Rosenfeld die prekäre Lage 2009. Die Zusatzvergütung wurde 2011 zurückgekauft. Dazu diente erstens eine 1,8 Mrd. Euro schwere Conti-Aktienplatzierung (knapp 15 % aus dem Bestand der "Parkbanken" M.M. Warburg und Metzler) mit Verlust. Zweitens musste die GmbH der Mutter 400 Mill. Euro überweisen und drittens gab es eine Schuldenverlagerung von der Holding auf die GmbH von 600 Mill. Euro.
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Finanziers und wesentliche Berater
- Banken für Continental: Goldman Sachs, Deutsche Bank J.P. Morgan, ING, HSBC, Morgan Stanley, Citi, BNP Paribas, Perella Weinberg
- Banken für Schaeffler: BoA Merrill Lynch, Houlihan Lokey, Commerzbank, Royal Bank of Scotland, LBBW, UBS, Unicredit
- "Parkbanken": Metzler, M.M. Warburg; zuvor Sal. Oppenheim
- Anwälte von Continental und deren Banken: Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance, Skadden Arps, Sullivan & Cromwell
- Anwälte von Schaefflerund deren Banken: Allen & Overy, Linklaters, Hengeler Mueller
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Angesichts der Vielzahl von Transaktionen von Swaps über öffentlichem Angebot über Kartellfragen, Finanzierung und Restrukturierung erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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Bisher erschienen:
- Deutsche Bank (22.4.)
- Merckle-Gruppe (30.4.)
- Oerlikon (7.5.)
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Börsen-Zeitung, 14.05.2011, Autor Walther Becker, Frankfurt, Nummer 93, Seite 13, 1276 Worte




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02.09.10 Dekoration Familienunternehmen auf dem Weg zum Kapitalmarkt - Interview mit Klaus Rosenfeld: "Verhältnis zu unseren Banken ist gut"
02.09.10 Dekoration Familienunternehmen auf dem Weg zum Kapitalmarkt: Schaeffler-Gruppe hakt die Krise ab
02.09.10 Dekoration Familienunternehmen auf dem Weg zum Kapitalmarkt: Schaeffler verdreifacht Erlös in zehn Jahren
31.08.10 Dekoration Personen: Eine Premiere für Jürgen Geißinger - Schaeffler-Chef legt Quartalszahlen vor
29.07.10 Dekoration Schaeffler peilt Fusion mit Conti Ende 2011 an
29.06.10 Dekoration Schaeffler tastet sich in Richtung Kapitalmarkt vor
24.02.10 Dekoration Continental zieht Bilanz - Schaeffler: Keine Eile
22.01.10 Dekoration Schaeffler ist Last für Conti-Rating
11.02.10 Dekoration Schaeffler nimmt Faden mit Belegschaft auf
19.01.10 Dekoration Schaeffler-Gruppe schafft neue Hülle


KANDIDAT 3: DIE OC OERLIKON AG 


Russen, Raider und Rasuren
Oerlikon auf dem Weg zum Comeback - Großaktionär Vekselberg muss bluten, Hedgefonds steigen über Debt-to-Equity Swap ein
 
Die Aktionäre der Schweizer OC Oerlikon haben das Konglomerat aus dem Sumpf gezogen. Die Bilanz ist zügig repariert worden, sodass der Mischkonzern in der anziehenden Konjunktur auf dem Weg zu alter Stärke ist.
Von Walther Becker, Frankfurt
 
Börsen-Zeitung, 7.5.2011
Ein russischer Oligarch, der mit Hedgefonds und Kreditgebern rangelt, faktisch enteignete Altaktionäre, die zum Unternehmen stehen und das Kapital wieder aufpolstern, ein Debt-to-Equity Swap, der Abbau hoher Schulden als Folge einer teuren Übernahme und die Finanz- und Wirtschaftskrise: Die Restrukturierungsstory von Oerlikon hat eine Menge spannender Elemente und eine interessante Mischung von Akteuren, inklusive einer, wenn auch kleinen, "Rasur" der Banken. Die Geschichte ist, Stand heute, gut ausgegangen.
Oerlikon ist so durchfinanziert, dass dem Konzern so schnell nicht wieder das Wasser bis zum Hals steht. Es ist anzunehmen, dass auf Basis der gedrückten Schulden, der operativen Erfolge und des sprudelnden Cash-flow derjenige Teil der Kreditfazilität, der endfällig in Zins und Tilgung nach der Bilanzsanierung vereinbart worden war, vor 2014 zurückgezahlt wird.

Knapp am Konkurs
 
Die Gruppe, die ihren Ursprung auf die 1906 gegründete Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon zurückführt, ist 2009 knapp am Konkurs vorbeigeschrammt und hat sich mit rasch umgesetzten Schritten dem Exitus entziehen können. Im abgelaufenen Turnus ist ein Minigewinn herausgesprungen, doch auch 2011 werden Investoren noch als Übergangsjahr abhaken müssen. Nach Abschuss der Neuordnung stand 2010 eine Eigenkapitalquote von 32 (2009: 11) % zu Buche, die Nettoverschuldung wurde von 1,6 Mrd. auf 274 Mill. sfr verringert.
Der "Technologiekonzern" versteht sich als Hightech-Verbund mit Fokus auf Maschinen- und Anlagenbau. Im Portfolio sind Industrielösungen und Technologien für Textilherstellung, Antriebe, Vakuum-, Dünnfilm- und Beschichtungstechnologien sowie Advanced Nanotechnologie - Aktivitäten, die nicht viel miteinander zu tun haben und deren Verbleib nicht in Stein gemeißelt ist.

Renova bleibt treu
 
Großaktionär war und ist Renova, ein Vehikel des russischen Milliardärs Victor Vekselberg, der auch maßgeblich an der eidgenössischen Industrie-Ikone Sulzer beteiligt ist. Er hat die Hauptlast der bilanziellen Restrukturierung geschultert, zu der auch die freien Aktionäre ihr Scherflein betrugen. Allerdings soll Vekselberg sein Engagement maßgeblich fremdfinanziert haben.
Und das war die Ausgangslage: Oerlikon hatte sich 2006 mit der Übernahme des Textilmaschinenherstellers Saurer verhoben. Die Gruppe stand mit 2,5 Mrd. sfr in der Kreide. Nach dem Rekordjahr 2007 sackten die Umsätze ab, es folgten hohe Verluste. Das Brechen von Kreditvereinbarungen (Covenants) drohte. 2009 wurde Oerlikon mit voller Wucht von der Rezession getroffen. Der Umsatz sank um 29 % auf 3 Mrd. sfr, das Betriebsergebnis brach um über 1 Mrd. sfr weg. Die Werthaltigkeit der ehemaligen Saurer-Tochter Textile musste um über 400 Mill. sfr berichtigt werden. Der Verlust ließ die Eigenkapitalquote auf 11,4 % zusammenschnurren.
Im August 2009 zog der Verwaltungsrat die Notbremse. Hans Ziegler wurde als Nachfolger Uwe Krügers, der seit 2007 als CEO amtierte, als Sanierer eingesetzt. 2009 war der Konkurs eines der Szenarien.
Um die Probleme in den Griff zu bekommen, wurde der Verkauf einzelner Sparten evaluiert. Das Ergebnis: Keine Devestition hätte die Bilanz wirklich entlastet, denn der Markt war kaputt. Daraufhin ging es ans Eingemachte: Mit den Kreditgebern sowie Großaktionär Vekselberg, der über Renova 45 % hielt, wurde über eine Kapitalrestrukturierung verhandelt. Auf Bankseite waren 23 Adressen anfänglich involviert, die von Citi, Commerzbank, Deutscher Bank, ING und Royal Bank of Scotland angeführt wurden.

Banken steigen aus
Oerlikon-Kreditlinien
Erstaunlicherweise stieg Citi, die die Führungsrolle im Steering Committee hatte, als Erste aus und verkaufte Darlehen mit Abschlägen an Hedgefonds. Diese Investoren erwarben nach und nach mit Discounts von 20 bis 30 % zum Nennwert weitere Kredite und kamen schließlich auf etwa 50 % des Darlehenvolumens - womit neue Spieler am Tisch saßen, die keineswegs mit sich spaßen lassen. Beteiligte beschreiben die Kooperation mit den Banken aber als professionell und gut - der spätere Wandel in Eigenkapital stieß bei Vekselberg, der damit eine starke Verwässerung seines Anteils in Kauf nehmen musste, allerdings nicht auf Begeisterung.
Allerdings liegt die Transaktion dann doch so gut, dass nicht so viele Kredite gedreht werden mussten wie anfänglich vermutet. Commerzbank, Deutsche und RBS blieben im Verlauf in der Führungsgruppe übrig. Auf Seiten der Hedgefonds wurde allein TPG Capital, ein Fonds, an dem TPG beteiligt ist, bekannt, die weitere etwa eine Handvoll Investoren blieb unter dem Radarschirm.
Es folgte die Kapital- und Schuldenrestrukturierung, mit dem Kern einer kombinierten Sach- und Barkapitalerhöhung. Erstaunlicherweise zog der Streubesitz treu und brav mit. Erleichtert wurde der Deal dadurch, dass bei einer Sachkapitalerhöhung gegen Einbringung von Forderungen in der Eidgenossenschaft anders als hierzulande kein Gutachten zur Werthaltigkeit und keine Restrukturierungs-Opinion (wie nach IDW S6) erforderlich ist. Ein Konkurs kam wegen des Cash-Pooling über mehrere Länder und zahlreiche Banken hinweg nicht in Frage - das sorgte für eine konsensuale Lösung.

Kapitalschnitt
Die OC Oerlikon-Aktie
Ende März 2010 einigten sich dann die Kreditgeber, Renova und Oerlikon auf eine langfristige Lösung mit folgenden Eckpunkten:
- Die Gläubiger konnten sämtliche von Oerlikon gehaltenen 1,32 Millionen eigener Aktien zu je 35,40 sfr kaufen. Dies wurde voll ausgeübt. Der Erlös wurde für Schuldenabbau und Gebühren genutzt.
- Das Kapital wurde von 283 Mill. auf 14 Mill. sfr herabgesetzt, indem der Nennwert je Aktie von 20 auf 1 sfr reduziert wurde.
- Anschließend wurde das Kapital auf 283 Mill. erhöht. Hierzu wurden 268,7 Millionen neue Aktien über ein Bezugsrechtsangebot (Tranche A) zu je 3,72 sfr offeriert.
- Die neuen Aktien, die nicht gezeichnet wurden, wurden von den Gläubigern in einer separaten Kapitalerhöhung (Tranche B) unter Ausschluss des Bezugsrechts gezeichnet. Die Gläubiger verrechneten mit Darlehen über 140 Mill.
- Das Kapital wurde auf 323 Mill. sfr durch Ausgabe von 40,2 Millionen neuer Aktien der Tranche C an Gläubiger erhöht. 150 Mill. wurden verrechnet.
- An die Gläubiger wurden 17 Millionen Warrants ausgegeben. Jeder Warrant berechtigt zum Bezug einer Aktie für 6 sfr. Sie können bis Ende Juni 2014 ausgeübt werden.
- Da im Bezugsrechtsangebot nahezu 100 % der dem Publikum angebotenen neuen Aktien gezeichnet wurden (und damit mehr als 400 Mill. sfr in bar), verzichteten die Gläubiger auf 125 Mill. sfr.
- Ablösung der alten Kreditfazilität durch einen neuen Vertrag, bestehend aus drei Tranchen über insgesamt bis zu 1,48 Mrd. sfr.
Der Betrag der Kapitalerhöhungen, des Darlehensverzichts sowie der beim Kauf der eigenen Aktien verrechneten Darlehen beträgt 1,3 Mrd. sfr. Davon flossen 301 Mill. sfr an Oerlikon; 558 Mill. sfr wurden zum Schuldenabbau verwendet und 290 Mill. sind Verrechnungen sowie 125 Mill. sfr Verzicht. Die Aktionäre stimmten dem am 18. Mai zu. Die Kapitalerhöhung mit Ausübung der Bezugsrechte von über 99 % war unerwartet erfolgreich. Infolge der Rekapitalisierung änderte sich die Aktionärsstruktur, aber nicht gravierend. Nach den veröffentlichten Angaben hat sich Renova/Victory aufgelöst. Auch die Gruppe der Kreditgeber diffundierte nach der finanziellen Restrukturierung. Laut den zuletzt verfügbaren Angaben hält Renova 46 % bzw. Victory 3,5 %. Die Hedgefonds dürften ihre Anteile so verteilt haben, dass niemand über 3 % kommt.
Kompliziert wurde der Deal auch dadurch, dass Gläubiger, darunter auch Landesbanken, kein Equity nehmen wollten, sodass es in einigen Fällen einen Rücktausch von Eigenkapital für Kredite gab. Die Banken kamen mit einem blauen Auge davon. Die Hedgefonds waren daran interessiert, dass Oerlikon mit hoher Eigenkapitalquote operiert, damit der Konzern stabilisiert ist und sie die Renditeanforderungen ihrer Investoren von 30 % und mehr (im IRR) liefern können. Die Banken dagegen wollten zwar die Risiken begrenzen, legten aber nicht Wert auf hohes Equity. Und Vekselberg muste in Form einer extremen Verwässerung und des Aufziehens einer Finanzspitze von ca. 500 Mill. sfr bluten. Aber Oerlikon steht wieder gut da und wird die Kredittranche mit hochlaufenden Volumen vorzeitig tilgen.
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- Bisher erschienen:
- Deutsche Bank (22.4.)
- Merckle-Gruppe (30.4.)
 
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Die Berater

- Rothschild für Großaktionär Vekselberg
- Blackstone für Oerlikon
- Houlihan Lokey für Hedgefonds
- Commerzbank, DeutscheBank und RBS als Vertreter der anfänglich 23 Gläubigerbanken
- UBS als Koordinator der Kapitalerhöhung; Commerzbank, Deutsche Bank, Société Générale und RBS als Joint Bookrunner
- Kanzleien: Bär & Karrer, Baker & McKenzie, Cleary Gottlieb, CMS von Erlach Henrici, Homburger, Freshfields Bruckhaus Deringer, Latham & Watkins, Linklaters, Niederer Kraft & Frey und Shearman & Sterling

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Börsen-Zeitung, 07.05.2011, Autor Walter Becker, Frankfurt, Nummer 88, Seite 13, 1280 Worte

Oerlikon berappelt sich
  
 

DER PREIS: 
 
Finanzierung und Strategie zählen
 
cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr erstmalig einen Corporate Finance Award. Ausgezeichnet wird eine unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktion des Jahres 2010. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität, die Geschwindigkeit und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz. Eine Expertenjury hat aus der Vielzahl der Transaktionen des Jahres 2010 eine Shortlist von fünf Fällen für die Auszeichnung ausgewählt, die in einer Artikelserie präsentiert werden.
Der Preis wird am 26. Mai 2011 überreicht im Rahmen des Corporate Finance Summit in Frankfurt, der vom Institute for Law and Finance (ILF) an der Goethe-Universität und der Commerzbank veranstaltet wird.
Börsen-Zeitung, 07.05.2011, Autor cd, Nummer 88, Seite 13, 109 Worte
 



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05.03.09 Dekoration Oerlikon versucht zu entwarnen
27.01.09 Dekoration Oerlikon verschafft sich etwas Luft
15.01.09 Dekoration Banken haben Oerlikon im Blick
23.10.08 Dekoration Wertberichtigt: Vom Regen in die Traufe
23.10.08 Dekoration Oerlikon leidet unter Kreditkrise
05.09.08 Dekoration Geld oder Brief: Oerlikons Aktionäre brauchen viel Geduld
27.08.08 Dekoration Oerlikons Struktur steht in Frage
14.05.08 Dekoration Planspiele mit Oerlikon-Rieter-Sulzer
13.05.08 Dekoration Vekselberg kauft sich die Macht bei Oerlikon
01.05.08 Dekoration Oerlikon-Verwaltungsrat kämpft gegen Vekselberg


KANDIDAT 2: DIE MERCKLE-GRUPPE 


Chuzpe, Timing und Fortune

Treuhändermodell verhindert Zerschlagung der Merckle-Gruppe und Notverkäufe - Gläubigerbanken bremsen sich gegenseitig aus
 
Ludwig Merckle hat es geschafft. Noch vor zwei Jahren drängten ihn die Gläubigerbanken der Merckle-Gruppe aus der Geschäftsführung der familieneigenen VEM Vermögensverwaltung. Das von Adolf Merckle aufgebaute schwäbische Firmenreich stand vor der Zerschlagung. Heute ist sein ältester Sohn und Alleinerbe wieder ein gefragter Geschäftspartner.
Von Andreas Hippin, Frankfurt
 
Börsen-Zeitung, 30.4.2011
 
Die Rettung der Merckle-Gruppe ist ein Lehrstück in Sachen Unternehmensfinanzierung. Allerdings werden viele Aspekte wohl nie bekannt werden, weil sich nur der kurpfälzische Baustoffhersteller Heidelberg Cement strengen Veröffentlichungspflichten unterwerfen muss. Den Heidelberger Weltmarktführer bei Zuschlagstoffen, der wegen der Zukäufe des Großaktionärs Merckle zeitweise als Squeeze-out-Kandidat galt, im Herbst 2009 gewissermaßen ein zweites Mal an die Börse zu bringen, war ein Geniestreich (siehe separaten Bericht). Hätte es sich um einen echten Börsengang gehandelt, wäre es das größte Initial Public Offering seit dem der Deutschen Post im Jahr 2000 gewesen.
 
Bis dahin war es ein weiter Weg. Anfang 2009 sah es noch so aus, als würde die Merckle-Gruppe in ihre Bestandteile zerlegt und Stück für Stück verkauft. Vor dem Freitod Adolf Merckles im Januar hatten sich die Gläubigerbanken mit ihm darauf verständigt, dass der Ulmer Generikahersteller Ratiopharm - das Herzstück der Gruppe - auf jeden Fall versetzt werden muss, um Schulden zu tilgen. Der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix stand dem Vernehmen nach ebenfalls auf der Verkaufsliste. Auch für den Pistenraupen-Hersteller Kässbohrer Geländefahrzeug AG wurden Angebote eingeholt.
 
Die von der Finanzkrise gebeutelten Kreditinstitute wollten Wertberichtigungen oder gar Abschreibungen auf die an Merckle ausgereichten Kredite unbedingt vermeiden. Die Merckles sollen in dieser Situation die Chuzpe gehabt haben, mit Konkurs zu drohen. Abgesehen davon, dass es um Milliardenbeträge ging, war allerdings zu diesem Zeitpunkt wohl noch gar nicht klar, wie hoch die Verbindlichkeiten der Gruppe eigentlich sind. Das steueroptimierte Familienimperium war zu verschachtelt angelegt, als dass sich die Gläubiger einen schnellen Überblick über dessen finanzielle Lage verschaffen könnten. Phoenix hatte der VEM in der Krise Liquidität zur Verfügung gestellt.
 
Die Bereitschaft der Banken, gemeinsam mit der Familie Treuhänder für die Abwicklung des Firmenreichs zu bestimmen, zeigte, dass es keinen Notverkauf zu jedem Preis geben sollte. Der Insolvenzexperte Klaus Hubert Görg und Martin Stockhausen aus der Kanzlei Görg übernahmen die Treuhänderrolle für Ratiopharm. Der ehemalige Chef von KPMG Deutschland, Harald Wiedmann, wurde als Treuhänder für Phoenix Pharma benannt. Hans-Joachim Ziems von der Kölner Unternehmensberatung Ziems & Partner wurde Chief Restructuring Officer der Vermögensverwaltung VEM. Die Wirtschaftsprüfer der KPMG erstellten derweil Gutachten zur Sanierungsfähigkeit von Ratiopharm und Phoenix.
 
In der Gruppe hilft man sich
 
Ludwig Merckle ging es darum, möglichst viel von dem, was sein Vater aufgebaut hatte, zu erhalten. Juristisch standen ihm in den zermürbenden Verhandlungsrunden die Restrukturierungsexperten der Kanzlei Schultze & Braun zur Seite, die auch das Überleben des Modehauses SinnLeffers durch einen Insolvenzplan mit Eigenverwaltung ermöglichten. Daneben half Bernd Scheifele, der Vorstandsvorsitzende von Heidelberg Cement. Adolf Merckle hatte Scheifele im März 2008 an der Spitze der Familienholding installiert. Zuvor hatte der badische Jurist Phoenix zum deutschen Marktführer geformt und durch zahlreiche Akquisitionen international aufgestellt. Umgesetzt wurde die neue Führungsstruktur der Merckle-Gruppe nicht mehr. Aber Scheifeles Expertise dürfte viel zur Rettung der Gruppe beigetragen haben. Auch Lorenz Näger, der Finanzvorstand von Heidelberg Cement, kommt von Phoenix. Henner Böttcher, der Group Treasurer von Heidelberg Cement, wurde auf eigenen Wunsch nach Mannheim entsandt, um sein Fachwissen bei der Restrukturierung der Verbindlichkeiten des Celesio-Rivalen einzubringen.
 
Für den reibungslosen Ablauf der Restrukturierung war das Timing ganz entscheidend. Im Juni 2009 stimmten die Gläubigerbanken der Umwandlung eines ausgelaufenen kurzfristigen Überbrückungskredits für die VEM über rund 400 Mill. Euro in eine bis 2011 laufende Finanzierung zu. Die Banken stundeten ihre Forderungen bis Ende 2010. Damit war Zeit für eine geordnete Abwicklung des Merckle-Imperiums gewonnen. Wenig später meldete Heidelberg Cement die Refinanzierung der Fremdkapitalseite durch einen syndizierten Kredit über 8,7 Mrd. Euro. Im Vergleich zur ursprünglichen Finanzierung der Hanson-Akquisition aus dem Jahr 2007 mussten dabei zwar deutliche Mehrkosten in Kauf genommen werden (siehe Tabelle). Allerdings war man zwei Jahre später am Kapitalmarkt nicht mehr der Meinung, dass Liquidität jederzeit im Überfluss vorhanden ist. Allein der Abschluss einer solchen Vereinbarung war nach diesem Paradigmenwechsel schon ein großer Erfolg.
 
Für den Kurpfälzer Baustoffkonzern hatte Scheifele Morgan Stanley als Berater angeheuert - eine Bank, die dem Unternehmen keinen Cent geliehen hatte. Damit konnte sich keines der Gläubigerinstitute im Vergleich zu anderen Mitgliedern des Bankenkonsortiums, mit dem über die Refinanzierung des Milliardenkredits für die Übernahme der Hanson-Gruppe verhandelt wurde, benachteiligt fühlen. Der Ärger über Scheifeles Vorgehen war zwar groß, behinderte aber nicht den Fortgang der Gespräche.
 
Die Uneinigkeit der Gläubiger hätte die Verhandlungen schon eher platzen lassen können. Kleinere Institute und ausländische Adressen schössen quer, hieß es damals in Finanzkreisen. Einige Banken hatten sich offenbar mit Credit Default Swaps (CDS) gegen einen Kreditausfall abgesichert und waren damit nicht auf eine einvernehmliche Lösung angewiesen. Wer sowohl Heidelberg Cement als auch dem ebenfalls hoch verschuldeten Hauptaktionär Merckle Kredite eingeräumt hatte, war dagegen im Nachteil. Denn für die Schulden der Merckle-Gruppe gab es keine Möglichkeit, sich mit CDS abzusichern. Auch bei Phoenix waren im Wesentlichen die gleichen Banken im Boot wie bei Heidelberg Cement und Merckle, nur waren insgesamt noch mehr Institute mit von der Partie. Die Einsicht, dass der Fortbestand der Gruppe allen Beteiligten mehr bringt als der Verkauf der Einzelteile, setzte sich nur langsam durch.
 
Kässbohrer bleibt bei Merckle
 
Bereits im Oktober 2009 zeichnete sich ab, dass die Krise für Merckle ausgestanden ist. Der Kässbohrer-Verkauf, den die Commerzbank und die italienische Mediobanca sondierten, wurde von Ludwig Merckle aufgrund der "deutlichen Stabilisierung der Gesamtsituation der Merckle-Gruppe" wieder abgeblasen. Die Heidelberg Cement-Umplatzierung, bei der sich der Anteil des bisherigen Hauptaktionärs Ludwig Merckle von zuvor gemeldeten 72,4 % auf 25,1 % reduzierte, hatte rund 2 Mrd. Euro in die Familienkasse gespült. An den Aktienmärkten ging es wieder aufwärts, und auch die Realwirtschaft sendete Zeichen der Erholung - ein bisschen Fortune gehört eben auch dazu. Im Februar 2010 verkaufte Merckle den Schweizer Medikamentenhersteller Mepha für 622,5 Mill. sfr an den US-Pharmakonzern Cephalon. Dabei stand ihm als Bank Rothschild zur Seite. Cephalon wurde von der Deutschen Bank beraten.
 
Einen Monat später setzte sich die israelische Teva im Bieterstreit um Ratiopharm durch. Die Israelis stachen mit ihrem 3,6-Mrd.-Euro-Gebot die Rivalen Pfizer und Actavis aus. VEM war bei der Transaktion von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten worden. Auf Bankseite standen der Merckle-Vermögensverwaltung die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland zur Seite. Teva wurde von Goldman Sachs & Co. beraten. In Rechtsfragen unterstützte die Kanzlei Kirkland & Ellis den Weltmarktführer bei Generika.
 
Treuhänder Stockhausen wertete den Verkauf des Ulmer Pharmaunternehmens als Beleg für die Stärken des Treuhändermodells. "Es ist zu keinem Zeitpunkt die Atmosphäre eines Notverkaufs entstanden, was sich in dem bemerkenswerten Verkaufserlös widerspiegelt", sagte Stockhausen. Merckle soll der Verkauf einen dreistelligen Millionenbetrag eingebracht haben.
 
Erst im August 2010, nachdem der Kaufpreis für Ratiopharm vollständig geflossen war, ließ sich auch die Refinanzierung von Phoenix zum Abschluss bringen. Bereits im Juli hatte sich der Pharmahändler von insgesamt 17 Banken einen syndizierten Kredit über 2,6 Mrd. Euro besorgt. Damit schrumpfte die Zahl der Gläubiger auf rund ein Achtel. Der neue Kreditvertrag läuft bis Ende 2013. Merckle schoss 500 Mill. Euro Eigenkapital bei Phoenix ein und tilgte rund 450 Mill. Euro Schulden der VEM bei dem Mannheimer Unternehmen. Damit kommt Phoenix dem Vernehmen nach auf eine Eigenkapitalquote von rund 20 % und ist damit wieder "bankable". Eine unbesicherte Hochzinsanleihe spielte noch im Juli 506,2 Mill. Euro ein. Alle 17 am syndizierten Kredit beteiligten Banken begleiteten die Platzierung. Der Kupon lag bei 9,625 %.
 
Ludwig Merckle ist weiterhin Großaktionär des Heidelberger Dax-Konzerns und herrscht nach der Refinanzierung der Gruppe über ein zwar etwas kleineres, aber immer noch beachtliches Firmenreich.
 
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Zuletzt erschienen:
 
- Deutsche Bank (22.4.)
 
Börsen-Zeitung, 30.04.2011, Autor Andreas Hippin, Frankfurt, Nummer 83, Seite 13, 1252 Worte

 
Die wichtigsten Industriebeteiligungen der Familie Merckle

Die wichtigsten Industriebeteiligungen der Familie Merckle

 

HEIDELBERG CEMENT: 
 
"Die erste Chance genutzt"
 
hip - Heidelberg Cement ist im September 2009 gewissermaßen ein zweites Mal an die Börse gegangen. Anders konnte man die Ankündigung, bis zu 125 Millionen Aktien zu platzieren, nicht verstehen. Die Aktionärsstruktur hat sich durch diese Transaktion dramatisch verändert. Die Ära Merckle endete damit für den Baustoffkonzern.
Vorstandschef Bernd Scheifele darf sich auf die Schulter klopfen. Der damals noch mit 11,3 Mrd. Euro verschuldete Hersteller von Zement, Transportbeton und Zuschlagstoffen konnte die brutto 2,3 Mrd. Euro aus dem Verkauf von 62,5 Millionen neuen Aktien für den Schuldenabbau gut gebrauchen (siehe Grafik). Schön auch, dass die Papiere zu 37 Euro das Stück zugeteilt wurden - und damit am oberen Ende der Preisbildungsspanne. Private-Equity-Gesellschaften wollten Anfang des Jahres dem Vernehmen nach zu einem Preis von maximal 3 Euro in die Aktie einsteigen.
 
Zu Beginn der Roadshow war noch ein Preis zwischen 30 und 31 Euro je Aktie erwartet worden, am Ende der Investorenpräsentationen kamen 35 bis 36 Euro heraus. Durchgeführt wurde die Kapitalmaßnahme von Deutscher Bank, Morgan Stanley und BNP Paribas.
 
Platziert wurden auch 57,2 Millionen Aktien von Altaktionären. Darunter befand sich nicht nur die damals noch hochverschuldete Familie Merckle. Auch diverse Banken trennten sich bei dieser - in Deutschland so noch nicht gesehenen - Transaktion von ihren Stücken. Ihnen musste es darum gehen, dass der Bezugspreis der Platzierung nicht unter dem Wert lag, zu dem die von Merckle als Sicherheiten hinterlegten Heidelberg Cement-Aktien bei ihnen in den Büchern standen. Sonst hätten Wertberichtigungen oder Abschreibungen vorgenommen werden müssen. Das wollten die von der Finanzkrise gebeutelten Institute tunlichst vermeiden. In einer frühen Phase der Verhandlungen soll als absolute Untergrenze ein Bezugspreis von 20 Euro genannt worden sein. Dann zeichnete sich ab, dass das Anlegerinteresse auch einen deutlich höheren Preis zuließ - zur Freude der Gläubiger und der Familie gleichermaßen. "Die Risikobereitschaft des Kapitalmarkts war gestiegen", sagte Scheifele nach der Kapitalmaßnahme der Börsen-Zeitung. "Deshalb haben wir die erste Chance genutzt."
 
Und die Institute, die dem Baustoffkonzern zwei Monate zuvor bei der Refinanzierung von 8,7 Mrd. Euro zur Seite standen, nahmen durch den Designer-Deal ein hübsches Sümmchen ein.
 
Kurz nach der Kapitalerhöhung begab das Unternehmen zudem mehrere hochverzinsliche Anleihen, die weitere 2,5 Mrd. Euro in die Firmenkasse spülten. Im April 2010 handelte Scheifele eine Refinanzierung der noch ausstehenden Bankverbindlichkeiten zu günstigeren Konditionen aus. Die Zahl der beteiligten Kreditinstitute konnte dabei von zuvor 60 auf 17 reduziert werden. Der durch die Kapitalmaßnahme vom Herbst 2009 gestiegene Streubesitz verhalf dem Kurpfälzer Traditionsunternehmen im Juni 2010 zum Aufstieg in die erste Börsenliga. Zuvor galt das Unternehmen zeitweise als Squeeze-out-Kandidat.
 
Als Dax-Kandidat zog Heidelberg Cement Investoren aller Art an - vom norwegischen Staatsfonds bis zu Londoner Hedgefonds. Der Anteil des bisherigen Hauptaktionärs Ludwig Merckle schrumpfte von zuvor gemeldeten 72,4 % auf 25,1 %. Diese Sperrminorität hält er noch immer.
 
Börsen-Zeitung, 30.04.2011, Autor hip, Nummer 83, Seite 13, 456 Worte
 
HeidelbergCement handelt bessere Konditionen aus

HeidelbergCement handelt bessere Konditionen aus
 

Die HeidelbergCement-Aktie

Die HeidelbergCement-Aktie
 




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23.06.10 Dekoration Heidelberg Cement schiebt Bond nach
28.05.10 Dekoration Vom Squeeze-out-Kandidaten zum Blue Chip
07.05.10 Dekoration Wertberichtigt : Reif für die Bundesliga
07.05.10 Dekoration Eklat auf Heidelberg Cement-HV
07.05.10 Dekoration "Nach dem Sieg binde den Helm fester"
28.04.10 Dekoration Heidelberg Cement sichert sich günstigere Finanzierung
20.04.10 Dekoration Heidelberg Cement verschafft sich Handlungsspielraum
14.04.10 Dekoration Merckle-Banken machen Kasse
CF. -.s Dekoration CFO - Das Interview: Heidelberg Cement will Zinsaufwand senken
10.04.10 Dekoration Zur Person: Der Tüftler


KANDIDAT 1: DIE DEUTSCHE BANK 


Wie die Deutsche Bank ein Retail-Riese wurde

Das Institut hat sehr geräuscharm den Rekordbetrag von 10 Mrd. Euro aufgenommen - Postbank-Kauf eröffnet neue Perspektiven

Etwas Besonderes sollte eine Transaktion schon haben, wenn sie für einen Preis als beste Corporate-Finance-Transaktion 2010 in Betracht gezogen wird. Wie wäre es damit: Um die Übernahme der Deutschen Postbank zu finanzieren und sich für Basel III zu rüsten, stemmte die Deutsche Bank im vergangenen September eine Kapitalerhöhung in einem im deutschen Bankensektor bis dato nie gesehenen Ausmaß und platzierte die Aktien dennoch zu einem besseren Preis als viele Konkurrenten neue Titel.
Von Bernd Neubacher, Frankfurt
 
Börsen-Zeitung, 22.4.2011
 
Der Kauf des Bonner Instituts hat die Deutsche Bank zur Nummer 1 der Retail-Banking-Anbieter unter Deutschlands privaten Banken werden lassen, damit ihre Abhängigkeit vom volatilen Investment Banking verringert und ihr dank seiner Struktur nicht zuletzt einen Milliardenaufwand erspart. Dramaturgisch handelt es sich um eine Inszenierung in sieben Akten, die gut zwei Jahre dauert. Der Beginn war holprig.
 
1. Akt: Im September 2008, wenige Tage vor dem Zusammenbruch Lehmans, kündigt die Deutsche Bank an, der Deutschen Post 29,75 % an deren Tochter Postbank zum Preis von 2,79 Mrd. Euro oder 57,25 Euro je Aktie abzukaufen. Zur Finanzierung zieht sie wenige Tage später im beschleunigten Bookbuilding-Verfahren eine Kapitalerhöhung über brutto 2,2 Mrd. Euro durch. Das Problem: Der Preis entpuppt sich rasch als sehr sportlich, weil wegen der Eskalation der Finanzkrise die Kurse abstürzen.
 
2. Akt: Die Deutsche Bank verhandelt nach. Ergebnis: Im Januar 2009 erwirbt sie erst einmal knapp 22,9 % der Postbank, die nur mehr 1,1 Mrd. Euro wert sind und die ihr mit bereits gehaltenen Aktien zu einer Sperrminorität verhelfen. Weitere 23,4 % der Anteile sichert sie sich mit Hilfe einer 2012 fälligen Pflichtumtauschanleihe. Für nochmals 12,1 % werden Kauf- und Verkaufsoptionen vereinbart. Damit hätte sie spätestens 2013 die Postbank konsolidieren und führen können.
 
3. Akt: Im vergangenen Jahr gerät die Deutsche Bank, die ihre Beteiligung inzwischen auf 29,95 %, knapp unter der Schwelle, die zu einem Übernahmeangebot an alle Aktionäre verpflichtet, aufgestockt hat, unter Druck. Denn wie es das Wertpapierrecht vorschreibt, müsste sie ab Februar 2011, wenn sie dann ein Angebot vorlegt, allen freien Aktionären je Titel den Wandelpreis des ein Jahr später fälligen Pflichtwandlers von 45 Euro zahlen. Überschreitet sie jedoch zuvor die Schwelle von 30 % im Zuge eines freiwilligen Angebots, befreit sie dies von einem späteren Pflichtangebot zum Preis von 45 Euro je Aktie.
 
Milliardenaufwand vereitelt
 
4. Akt: Im September 2010 unterbreitet die Bank daher ein freiwilliges Angebot - zum gesetzlich vorgeschriebenen Minimum, also dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vorangegangenen drei Monate, den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf 25 Euro je Titel festlegen wird. Gegenüber einer Pflichtofferte an die freien Postbank-Aktionäre für 45 Euro je Aktie winkt ihr damit eine Kostenminderung um 1,6 Mrd. Euro. Dass die freien Postbank-Aktionäre, die rund 30 % halten, ihr die noch fehlenden 0,05 Prozentpunkte nicht andienen werden, hat sie vorzeitig zu verhindern gewusst mit Hilfe einer Monate zuvor "mit Dritten" vereinbarten Option auf eben 0,05 % der Anteile.
 
Die Gunst des rechten Zeitpunkts nutzt das Institut auch in Bezug auf ihre Aktienemission. Die Kapitalmaßnahme, mit einem Bruttoerlös von 10,2 Mrd. Euro die bis dato mit Abstand größte im deutschen Bankensektor, kündigt sie nicht zufällig an ausgerechnet demselben Tag an, an dem der Baseler Ausschuss der Bankenaufseher die neuen Kapitalvorgaben für die Branche festzurrt. Denn damit zapft die Bank den Markt vor all den anderen Finanzinstituten an, die wegen regulatorisch bedingten Mittelbedarfs noch auf den Eigenkapitalmarkt gehen werden.
 
Nicht von ungefähr kommt es auch, dass sich die Deutsche Bank einen guten Teil der Postbank-Anteile über eine Pflichtumtauschanleihe auf Termin gesichert hat, wie wenige Monate später auch die Commerzbank einen gehörigen Teil ihrer mit 11 Mrd. Euro einen neuerlichen Volumenrekord aufstellenden Kapitalerhöhung vorab platziert. Bei solchen Mega-Transaktionen sei es das A und O, den Markt zu überraschen, heißt es bei Investmentbankern: "Man muss ein Ding zünden, das alles aus dem Wasser schlägt." Der Deutschen Bank ist dies zweifelsfrei gelungen. Denn nach dem Übernahmeangebot ist die Luft draußen, zumindest, was Hoffnungen von Postbank-Aktionären auf ein besseres Angebot angeht. Der Kurs des Bonner Instituts scheint zwischen Ankündigung und Abschluss der Offerte bei 25 Euro wie festgenagelt.
 
Nicht nur was die 30 %-Schwelle angeht, hat die Bank vorgebaut: Um die aufschiebende Wirkung einer Fusionskontrolle der USA zu vereiteln, reicht die Bank Aktien, die ihren Anteil über 49,95 % steigern würden, nach einem Zwischenerwerb vorübergehend an einen nicht genannten Käufer weiter, der ihr die Titel später überträgt und dann zur Mehrheit verhilft - konsolidiert wird die Postbank freilich schon, nachdem der Anteil erstmals über 50 % gestiegen ist.
 
5. Akt: Am 6. Oktober 2010 schließt die Bank die Kapitalerhöhung ab.
 
6. Akt: Die Deutsche Bank erreicht am 26. November 2010 die Kapitalmehrheit an der Postbank.
 
Trotz aller Finessen: Wie teuer sich die Deutsche Bank ihren Aufstieg in den Kreis der deutschen Retail-Riesen erkauft hat, zeigt ihre Szenario-Rechnung vom September, derzufolge sie allein für die Konsolidierung der Postbank 7,7 Mrd. Euro an Kernkapital benötigt, das entspricht rund drei Viertel des Bruttoerlöses der Kapitalerhöhung. Nicht zuletzt muss sie im Zuge der Konsolidierung ihre bisherigen Anteile zum Zeitwert neu ansetzen, was eine Belastung von 2,4 Mrd. Euro sowie eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal 2010 nach sich zieht.
 
Überraschungen bleiben aus
 
Dass die Mega-Transaktion trotz aller Belastungen reibungslos verlief, zeigt zweierlei: So kam die Deutsche Bank beim Emissionsabschlag günstiger davon als viele Konkurrenten, die geringere Beträge aufnahmen (siehe Grafik). Dies spricht für die Deutsche Bank, aber auch für die 34 Institute, die ihr bei der Platzierung halfen. Die Strukturierung einer solchen Transaktion sei komplex, aber letztlich Handwerk, heißt es bei Bankern. Die wahre Kunst bestehe darin, die Nachfrage der Investoren und damit den Kursverlauf richtig einzuschätzen. Und der Kurs hat die Kapitalaufstockung recht gut verkraftet. Derzeit liegt die Notierung zwar knapp 14 % unter 47,70 Euro, dem Niveau vor Bekanntgabe der Transaktion, das Bezugsrecht nicht eingerechnet - Mitte Februar aber zeigte der Kurs auch schon 48,54 Euro. Zudem sind der Bank im Zuge der Konsolidierung nennenswerte Wertminderungen auf Aktiva des Instituts erspart geblieben.
 
7. Akt: Am 14. Dezember 2010 winkt die US-Kartellbehörde die Übernahme der Postbank durch.
 
Börsen-Zeitung, 22.04.2011, Autor Bernd Neubacher, Frankfurt, Nummer 79, Seite 3, 983 Worte

 

Deutsche Bank kommt günstig davon

Deutsche Bank kommt günstig davon




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 Börsen-Zeitung vergibt Corporate Finance Award

Der Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung
Fünf Kandidaten auf der Shortlist herausragender Transaktionen

Börsen-Zeitung, 22.4.2011

cd Frankfurt - Die Börsen-Zeitung wird in diesem Jahr zum ersten Mal einen Corporate Finance Award verleihen. Ausgezeichnet wird damit eine unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktion des Jahres 2010. Der Preis wird am 26. Mai 2011 überreicht im Rahmen des Corporate Finance Summit in Frankfurt, der vom Institute for Law and Finance (ILF) an der Goethe-Universität und der Commerzbank gemeinsam veranstaltet wird.

Ausgewählt wird der Award-Gewinner von einer hochkarätig besetzten Jury sowie von einer Leserjury. Das Urteil der 200 ausgewählten, fachkundigen Börsen-Zeitung-Leser fließt in das Gesamturteil ein, wobei unter anderem die Größe, die Komplexität, die Geschwindigkeit und die Originalität der Transaktion eine Rolle spielen. Außerdem soll der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz zu den Beurteilungskriterien gehören. Als Kandidaten für den Award kommen deshalb reine Akquisitionen ebenso in Frage wie komplexe Restrukturierungen. Die Transaktionen für den Award 2010 müssen im zurückliegenden Jahr im Wesentlichen abgeschlossen gewesen sein, berücksichtigt werden Gesellschaften mit Sitz im deutschsprachigen Raum. Die Expertenjury hat aus der Vielzahl der Transaktionen des Jahres 2010 eine Shortlist von fünf Fällen für die Auszeichnung ausgewählt, die in den nächsten Wochen in der Börsen-Zeitung in alphabetischer Reihenfolge in einer Artikelserie präsentiert werden.

Den Auftakt macht in dieser Ausgabe ein Beitrag über die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank im vorigen Jahr, die vor allem der Finanzierung des Postbank-Kaufs diente. Weitere Kandidaten sind die Merckle-Gruppe (Portfolioumbau und finanzielle Restrukturierung), das schweizerische Industriekonglomerat Oerlikon (Sanierung via Kapitalschnitt und Kapitalerhöhungen), Schaeffler/Conti (diverse Kapitalmaßnahmen und Beteiligungsveränderungen) sowie Zeiss Vision (Rückerwerb und die Restrukturierung durch Carl Zeiss).

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Die Jury

- Prof. Dr. h. c. Roland Berger, Ehrenvorsitzender Roland Berger Strategy Consultants
- Prof. Dr. Andreas Cahn, 
Institute for Law and Finance, Goethe-Universität Frankfurt
- Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, Jury-Vorsitzender
- Prof. Dr. Reinhard Marsch-Barner, Of Counsel Linklaters
- Dr. Lutz Raettig, Aufsichtsratsvorsitzender Morgan Stanley Bank
 
 


DER PREIS: 
 
Finanzierung und Strategie zählen
 
cd - Die Börsen-Zeitung verleiht in diesem Jahr erstmalig einen Corporate Finance Award. Ausgezeichnet wird eine unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktion des Jahres 2010. Dabei spielen unter anderem die Größe, die Komplexität, die Geschwindigkeit und die Originalität der Transaktion eine Rolle, außerdem der hinter der Transaktion stehende unternehmerische Ansatz. Eine Expertenjury hat aus der Vielzahl der Transaktionen des Jahres 2010 eine Shortlist von fünf Fällen für die Auszeichnung ausgewählt, die in einer Artikelserie präsentiert werden.
Der Preis wird am 26. Mai 2011 überreicht im Rahmen des Corporate Finance Summit in Frankfurt, der vom Institute for Law and Finance (ILF) an der Goethe-Universität und der Commerzbank veranstaltet wird.
 





























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