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Redaktion

Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Award – Kandidaten

Corporate Finance Award geht an die Commerzbank

Fresenius erhält Stetigkeitspreis für aktive Akquisitionspolitik

Börsen-Zeitung, 25.5.2012
Corporate Finance Award

cd/swa Frankfurt - Der Corporate Finance Award 2011 der Börsen-Zeitung geht an die Commerzbank. Gewürdigt wird mit dem gestern in Frankfurt verliehenen Preis die Megakapitalerhöhung der Bank im vergangenen Jahr im Volumen von 11 Mrd. Euro und die dabei eingesetzte zweistufige Struktur mit dem innovativen Instrument der Pflichtwandelanleihen ("Comen"). Commerzbank-Vorstandsmitglied Michael Reuther erinnerte bei der Preisverleihung an das bis dato ungewöhnliche Volumen mit dem 1,4fachen der seinerzeitigen Börsenkapitalisierung und das rechtliche Neuland mit dem Staat (Soffin) als Großaktionär. Der Manager räumte ein, dass die Investoren bislang noch keine "auskömmliche Rendite" aus der Transaktion erzielen konnten.

Den erstmals vergebenen Corporate Finance Stetigkeitspreis hat Fresenius erhalten für ihre aktive Akquisitionspolitik in den vergangenen Jahren, womit der Gesundheitskonzern seine Positionen im Dialysegeschäft der Tochter Fresenius Medical Care (FMC), im Markt für Infusionstherapien (Kabi) und im Kliniksegment (Helios) kontinuierlich ausgebaut hat. Aktuell unternimmt Fresenius mit der geplanten Übernahme des Rhön-Klinikums den nächsten Schritt.

Fresenius-Vorstandsvorsitzender Ulf Schneider sagte bei der Entgegennahme des Preises: "Wir sind keine M & A-Cowboys." Es werde nur akquiriert, wenn auch das organische Wachstum in bester Verfassung und das Ergebnis in Ordnung sei.

Eine hochkarätig besetzte Fachjury wie auch eine Leserjury der Börsen-Zeitung hatten sich für diese beiden Kandidaten aus einer Shortlist von fünf Fällen entschieden. Neben den Gewinnern waren noch Clariant, IVG und RWE nominiert. Der schweizerische Spezialchemiekonzern Clariant empfahl sich mit dem Erwerb der Süd-Chemie 2011 vom Finanzinvestor One Equity Partners und von Familienaktionären. IVG fiel durch die erfolgreiche Refinanzierung des Immobilienprojekts "The Squaire" und Restrukturierung auf und der Essener RWE-Konzern durch die Finanzierung der Energiewendefolgen mit Kapitalerhöhung, Hybridanleihe und Desinvestitionen.

Weitere Informationen zu den Award-Kandidaten und Preisträgern sind im Internet nachzulesen unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

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- Schwerpunkt Seite 5

Börsen-Zeitung, 25.05.2012, Autor cd/swa Frankfurt, Nummer 100, Seite 1, 277 Worte


CORPORATE FINANCE SUMMIT 2012 - COMMERZBANK:

Die Rekapitalisierung geht weiter

bn - Die Aktionäre mag es entmutigen. Doch nach der Rekordkapitalerhöhung im Volumen von 11 Mrd. Euro im Frühjahr vergangenen Jahres hat sich die Rekapitalisierung der Commerzbank und damit die Verwässerung der Anteilseigner fortgesetzt, wenn auch in ungleich kleineren Schritten. Grund war nicht eine Tilgung der verbleibenden stillen Einlagen der öffentlichen Hand von noch 1,7 Mrd. Euro oder gar eine Finanzierung des Rückkaufs der vom Staat gezeichneten Beteiligung von 25 % und einer Aktie. Vielmehr stellte die Rekapitalisierungsvorgabe der EU-Aufsicht die Commerzbank im Dezember vor die Aufgabe, ihr hartes Kernkapital im Verhältnis zu den Risikoaktiva um stolze 5,3 Mrd. Euro heraufzufahren. Nun rächte es sich, dass die Bank erst wenige Monate zuvor 3,3 Mrd. Euro vermeintlich überschüssigen Kapitals zur Tilgung stiller Einlagen des Staates aufgewendet hatte.
Um die Bank wetterfest zu machen, hat das Management per Ende März bereits das Äquivalent von 6,4 Mrd. Euro hartem Kernkapital generiert, vor allem durch radikalen Abbau von Risikoaktiva, aber auch mit sonstigem Financial Engineering und einbehaltenen Gewinnen. Und die Bank will ihre Kapitaldecke weiter stärken. Mit einem Umtausch hybrider Wertpapiere in Aktien stockte die Bank ihr hartes Kernkapital Anfang März um knapp 800 Mill. Euro auf - ein Rückkauf hybrider Eigenmittelinstrumente unter deren Nennwert hatte schon im Dezember mehr als 700 Mill. Euro Kernkapital eingebracht. Den jüngst erzielten Betrag herausgerechnet strebt die Bank einen Puffer von mehr als 1 Mrd. Euro gegenüber der EBA-Vorgabe an. Damit fehlen ihr noch 600 Mill. bis 700 Mill. Euro. Knapp 200 Mill. Euro dürfte die geplante Bezahlung variabler Vergütungen außertariflicher Mitarbeiter in Aktien beisteuern. Über dieses Programm dürfte bald mehr zu erfahren sein. Den Rest dürften eine weitere Reduktion von Bilanzrisiken oder thesaurierte Gewinne einbringen können.

Börsen-Zeitung, 25.05.2012, Autor bn, Nummer 100, Seite 5, 279 Worte











DIE KANDIDATEN (5)
RWE und das Ringen um das "A"-Rating

Atomausstieg weitgehend verarbeitet - 500 Mill. Euro Hybridkapital kommen noch 2012 - Verkaufsprogramm bleibt im Fokus

Der Atomausstieg hat den Energieversorger RWE zum Handeln gezwungen: Um den Konzern zu stabilisieren und das "A"-Rating zu sichern, schnürte der Vorstand 2011 ein umfangreiches Finanzpaket einschließlich Kapitalerhöhung, Hybridkapital und Desinvestitionen. Die gröbsten Belastungen scheinen damit vor dem anstehenden Führungswechsel überstanden zu sein.

Von Andreas Heitker, Düsseldorf

Börsen-Zeitung, 3.5.2012

Die Kapitalerhöhung von RWE hat im Dezember 2,1 Mrd. Euro in die Kassen des Dax-Konzerns gespült. Die Transaktion war eine der größten Kapitalerhöhungen in der europäischen Industrie in den vergangenen Jahren. Auf der jüngsten Hauptversammlung hatten Aktionäre zwar mehrfach das Timing kritisiert. Finanzvorstand Rolf Pohlig konterte aber mit dem Hinweis, dass es von Investorenseite eindeutige Signale gegeben habe, vor einem Einstieg erst die bereits im August angekündigten Kapitalmaßnahmen abzuwarten. Ohne die Transaktion, so ist man sich bei RWE sicher, wäre auch der diesjährige Kursanstieg von 18 % kaum vorstellbar. Aktuell liegt der Marktwert so bei 18,5 Mrd. Euro.

Der Verschuldungsfaktor - also das Verhältnis der Nettoschulden zum Ebitda - lag 2011 mit 3,5 deutlich über dem Ziel, das sich RWE zum Erhalt des "A"-Ratings gesetzt hat. Auch in diesem Jahr wird der Faktor noch über dem Zielwert von 3,0 liegen, was für das Rating noch einmal gefährlich werden könnte. Deshalb wird im Konzern auch an der weiteren Umsetzung des Maßnahmenpakets gearbeitet - unter anderem im Anleihemarkt. "Gemessen an unserer Ankündigung stehen noch rund 500 Mill. Euro neues Hybridkapital aus", sagte Markus Coenen, Leiter der RWE-Konzernfinanzen, im Gespräch der Börsen-Zeitung. Und dieses Volumen könne RWE grundsätzlich wieder im Euro-Markt platzieren. "Die vorherigen Platzierungen in Schweizer Franken, Pfund Sterling und US-Dollar haben den Investoren gezeigt, dass das potenzielle Volumen für den Euro-Markt nicht zu groß wird", sagt Coenen.

Dass es dem Essener Versorger Ende 2011 gelang, in dem schwachen Marktumfeld und dem üblicherweise ruhigen Monat Dezember eine milliardenschwere Kapitalerhöhung zu platzieren, die auch noch mehrfach überzeichnet war, wurde am Markt als Erfolg gewertet. Endgültig abgeschlossen wurde die Transaktion am 23. Dezember - RWE nutzte also das letztmögliche Zeitfenster vor Weihnachten mit der Platzierung. Damit war auch die Basis für die weitere Emission von Hybrid-Anleihen gelegt.

Dickes Paket geschnürt

Denn Kapitalerhöhung und Platzierung von Hybridkapital gehören zu dem umfangreichen Katalog, mit dem RWE im Sommer vergangenen Jahres den Folgen der Energiewende in Deutschland begegnen wollte. Wesentliches Ziel war es, das "A"-Rating, das nach dem endgültigen Abschalten des Atommeilers Biblis arg in Gefahr geraten war, zu retten. Denn die Energiewende war und ist längst nicht das einzige Problem von RWE: Im Gasgeschäft fielen hohe dreistellige Mill.-Euro-Verluste an, weil die Einkaufskosten durch den Vertrieb nicht gedeckt wurden. Und in der deutschen Stromerzeugung waren die Margen auch vor dem Unglück in Fukushima unter Druck geraten.

Hybridkapital spielt bei der Stabilisierung des Konzerns eine wichtige Rolle. 2010 hatte RWE erstmals ein solches Instrument mit einem Volumen von 1,75 Mrd. Euro getestet. Dieses Mal kommen insgesamt noch einmal rund 2 Mrd. Euro hinzu. Der Vorteil: Ratingagenturen erkennen die Hälfte des Volumens als Eigenkapital an. Zudem gibt es positive Steuereffekte. "Hybridkapital stärkt unsere Kapitalstruktur", betont auch Markus Coenen. "Für RWE hat dies unmittelbar einen positiven Effekt auf den Leverage-Faktor."

RWE operierte auf dem Hybridmarkt gleich mit vier unterschiedlichen Währungen. Einer ersten Platzierung im September über 250 Mill. sfr folgte im März der Doppelschlag mit 750 Mill. Pfund sowie der ersten Hybridanleihe eines europäischen Versorgers in Asien. Volumen dabei: 500 Mill. Dollar.

Anders als beim Hybridkapital hat RWE beim Thema Devestitionen noch nicht die wesentlichen Pflöcke eingeschlagen. Das im vergangenen Jahr zwischenzeitlich auf 11 Mrd. Euro erhöhte Verkaufsprogramm wurde zwar wieder auf 8,5 Mrd. Euro zurückgenommen. Davon sind aber gerade 1,5 Mrd. Euro abgearbeitet. Der tschechische Gasnetzbetreiber Net4Gas steht auf der Verkaufsliste, ebenso die Berlinwasser-Beteiligung und einige deutsche Vertriebs- und Netzaktivitäten. Auch sollen einzelne Assets von RWE Dea abgegeben werden. Das Devestitionsprogramm läuft bis Ende 2013. "Ich gehe aber davon aus, dass ein signifikanter Teil auch schon 2012 abgearbeitet wird", sagt Coenen.

Damit hätte RWE dann in diesem Jahr die Belastungen aus dem Atomausstieg weitgehend verarbeitet. Sollten auch die vom künftigen Konzernchef Peter Terium geplanten zusätzlichen Kostensenkungsprogramme erfolgreich sein, bestünde eine gute Chance, den Kampf ums "A"-Rating auch zu gewinnen.

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Beteiligte Banken
- Kapitalerhöhung (12/2011): Goldman Sachs (Bookrunner) Deutsche Bank (Bookrunner)
- sfr-Hybrid (09/2011): Credit Suisse (Bookrunner/Structurer) UBS (Bookrunner/Structurer)
- Pfund-Hybrid (03/2012): JP Morgan (Structuring Advisor/Leadmanager) Barclays Capital (Leadmanager) Citibank (Co-Leadmanager) Morgan Stanley (Co-Leadmanager) Royal Bank of Canada (Co-Leadmanager) Royal Bank of Scotland (Co-Leadmanager)
- Dollar-Hybrid (03/2012): Citibank (Leadmanager) BNP Paribas (Leadmanager) Nomura (Leadmanager) Credit Suisse (Co-Leadmanager) Bank of America/Merrill Lynch (Co-Leadmanager) UBS (Co-Leadmanager)

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Bisher erschienen:
- IVG befreit sich aus der Refinanzierungsfalle (26.4.)
- Fresenius hält die Fieberkurve hoch (19.4.)
- Commerzbank - Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen (12.4.)
- Clariant bläst zur Aufholjagd (5.4.)

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Börsen-Zeitung, 03.05.2012, Autor Andreas Heitker, Düsseldorf, Nummer 85, Seite 13, 762 Worte

RWE-Fälligkeitsprofil

RWE-Aktie




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05.08.11 Dekoration NÄCHSTE WOCHE: Einstürzende Neubauten
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03.08.11 Dekoration RWE prüft Verkauf von Stadtwerken
20.07.11 Dekoration Moody's senkt bei RWE den Daumen
14.07.11 Dekoration KREDITWÜRDIG: Für deutsche Versorger ist Single-A-Rating Pflicht
14.07.11 Dekoration RWE kann Investitionen kurzfristig nicht anpassen
08.07.11 Dekoration Düstere Finanzlage treibt RWE um
05.07.11 Dekoration Verkaufsspekulationen um RWE-Tochter Npower
24.06.11 Dekoration RWE vor Verkauf des Stromnetzes
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DIE KANDIDATEN (4)
IVG befreit sich aus der Refinanzierungsfalle

Engagement einzelner Gläubiger in verschiedenen Finanzierungen bringt Disziplin in Kreditverhandlungen - Aktionäre düpiert

Mit der umfangreichen Restrukturierung der Schulden ist der Immobilienkonzern IVG 2011 auf dem Weg der bilanziellen Gesundung einen großen Schritt vorangekommen. Wenn jetzt noch die Rückkehr in die Gewinnzone gelingt, haben die Bonner wieder eine echte Zukunftsperspektive. Zu den Akten gelegt wurde das auf marktgetriebenen Verkehrswertsteigerungen fußende Geschäftsmodell. Heute sind stabile Cash-flows das A und O.

Von Annette Becker, Düsseldorf

Börsen-Zeitung, 26.4.2012

Operation gelungen, Patient tot? Zumindest der Blick auf die Aktienkursentwicklung der IVG suggeriert dieses Ergebnis. Brachte die IVG Anfang 2008 noch 2,8 Mrd. Euro auf die Börsenwaage, sind es heute nur noch gut 350 Mill. Euro. Zugleich hat sich die Aktienzahl auf annähernd 208 Millionen Stück nahezu verdoppelt. IVG-Vorstandschef Wolfgang Schäfers sieht das naturgemäß anders, wenngleich er zugibt, dass das Vertrauen der Aktionäre - ganz anders als das der Gläubigerbanken - noch nicht wiederhergestellt sei.

Doch Schäfers, der seit Februar 2009 im Vorstand des Bonner Immobilienkonzerns und seit November 2011 an der Vorstandsspitze sitzt, hat in seiner IVG-Zeit schon so manche kantige Klippe umschifft. Sein unbestrittener Erfolg ist, dass es die IVG noch immer gibt. Und das ist keineswegs sarkastisch gemeint, standen die Bonner Anfang 2009 doch deutlich näher am Abgrund als heute. Damals gelang es praktisch in letzter Minute, diverse bilaterale Kredite, die im Laufe der nächsten zwölf Monate fällig wurden, zu refinanzieren. Ohne Kreditverlängerung, so die damalige Ansage des Wirtschaftsprüfers, kein Testat im Sinne des Going-Concern-Prinzips.

Neuordnung der Schulden

Aus dieser Situation hat Schäfers gleichwohl Lehren gezogen, denn eine große Refinanzierung unter Zeitdruck engt den Verhandlungsspielraum des Schuldners unnötig ein. Entsprechend verlängerte die IVG im vergangenen November und damit ein Jahr vor Fälligkeit den 2009 aus der Zusammenführung der bilateralen Kredite entstandenen syndizierten Kredit, der dank planmäßiger Tilgungen aus Immobilienverkäufen und Kavernenentwicklungen mittlerweile auf 1 Mrd. Euro abgeschmolzen war. In Summe refinanzierten die Bonner im zurückliegenden Turnus 2,6 Mrd. Euro, annähernd 60 % der ausstehenden Finanzschulden.

Was sich so einfach niederschreiben lässt, war jedoch alles andere als trivial. Denn auch wenn sich die Bankschulden der Bonner auf diverse Objekt- und Projektfinanzierungen sowie Schulden auf Konzernebene verteilen, hängt letztlich doch alles miteinander zusammen und voneinander ab. Kein Gläubiger wird seine Kredite verlängern, solange er riskiert, damit andere Fälligkeiten zu finanzieren und am Ende leer auszugehen.

Um die Managementleistung des amtierenden Vorstands richtig einordnen zu können, ist ein Blick in die Vergangenheit unerlässlich, denn zum Verhängnis wurde den Bonnern der mit dem Vorstandswechsel 2006 zusammenhängende Strategieschwenk. Binnen kürzester Zeit wurde ein Immobilienportfolio im Volumen von 3,5 Mrd. Euro zusammengekauft. Zudem gaben die Bonner in der Projektentwicklung kräftig Gas. Kostenpunkt: 2,4 Mrd. Euro. "Die IVG hat den Wahnsinn zur Perfektion mitgemacht", konstatiert Schäfers, der seit seinem Amtsantritt mit dem Zusammenfegen der Scherben beschäftigt ist, rückblickend.

Da die Banken den Immobilienboom bereitwilligst finanzierten, wurde alles auf Pump gekauft, wobei praktisch alle Finanzierungsinstrumente - angefangen vom klassischen Bankkredit über syndizierte Kredite bis hin zu Wandel- und Hybridanleihen - zum Einsatz kamen.

Die Folge: Ende 2008 standen Finanzschulden von 5,6 Mrd. Euro auf der Bilanz, davon wurden 1,3 Mrd. binnen Jahresfrist fällig. Das Verhältnis der Finanzschulden zum Verkehrswert der Immobilien (Loan to Value) war auf fast 80 % hochgelaufen, wobei der Marktpreisverfall für Immobilien noch längst nicht beendet war. Zum Glück für die IVG stand den Banken Anfang 2009 das Wasser aber ebenfalls bis zum Hals, sodass die Bereitschaft zur Refinanzierung relativ groß war. Denn am Aussortieren der 800 Immobilien mit einem Verkehrswert von 18 Mrd. Euro, in deren Finanzierung 25 Banken involviert waren, gab es auf Seiten der Gläubiger verständlicherweise kein Interesse.

Anfang 2011 hatte sich die Lage sowohl bei den Kreditinstituten als auch bei der IVG zwar spürbar entspannt, zugleich standen die Banken mit der Schuldenkrise in Euroland und den aus Basel III erwachsenden Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung vor neuen Herausforderungen. Für die Bonner kam erschwerend hinzu, dass einige Kreditgeber - namentlich Hypo Real Estate und Eurohypo - selbst vor einer ungewissen Zukunft standen.

Start mit Kapitalerhöhung

Impulsgeber für die Refinanzierungsrunde 2011 war die Ende des Jahres auslaufende Projektfinanzierung für das Prestigeobjekt "The Squaire", den Hotel- und Bürokomplex am Frankfurter Flughafen, im Volumen von 500 Mill. Euro. Der Startschuss für die Neuordnung der Bankverbindlichkeiten fiel jedoch zunächst im Februar mit einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts.

Damit bewiesen die Bonner ein nahezu perfektes Timing, lag der Ausgabekurs, der im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens ermittelt wurde, doch über dem Net Asset Value je Aktie - eine Konstellation, die die IVG-Aktie seither nicht mehr erreicht hat. Zwei Drittel des Emissionserlöses von brutto 87 Mill. Euro dienten der "Einleitung der Restrukturierung", wie es im Geschäftsbericht heißt. Ein Drittel floss in die Finanzierung des Parkhauses von The Squaire.

Damit war die Voraussetzung für den Einstieg in die Kreditverhandlungen geschaffen. Da zwei der drei in der Squaire-Projektfinanzierung engagierten Banken auch zu den Gläubigern auf Konzernebene gehörten, war der Ansatzpunkt in den Verhandlungen klar. Denn die beiden Institute - Ross und Reiter nennt die IVG wegen Vertraulichkeitsvereinbarungen nicht - hatten zwangsläufig ein hohes Eigeninteresse an der Kreditprolongation und damit am Erhalt der IVG als Ganzes. Das sorgte zweifelsohne für Disziplin in den Verhandlungen.

Ende September war es dann so weit, die neuen Kreditverträge waren unterschriftsreif, der Verlängerung der Projektfinanzierung um gut zwei Jahre zu unveränderten Finanzierungskonditionen stand nichts mehr im Wege. Geholfen hat dabei auch, dass zwischenzeitlich mit Lufthansa ein weiterer Kernmieter für The Squaire gewonnen werden konnte. Dadurch stieg die Vermietungsquote auf über 80 %, ein Punkt, der den Kreditgebern sehr am Herzen lag.

Parallel dazu arbeitete Schäfers jedoch schon an zwei anderen Baustellen: der sogenannten Core-Finanzierung für ein Immobilienportfolio im Volumen von 933 Mill. Euro mit Fälligkeit im September 2012 und dem syndizierten Kredit von gut 1 Mrd. Euro, der Ende 2012 auslief. Beide Vorhaben galt es in Einklang zu bringen, was allein aufgrund der Vielzahl der Gläubigeradressen kein leichtes Unterfangen war. Im syndizierten Kredit sind zwölf inländische Banken engagiert, die Core-Finanzierung stellen drei heimische Institute bereit.

HRE-Aufspaltung kostet Zeit

Bei der Core-Finanzierung kam erschwerend hinzu, dass die Hypo Real Estate als Kreditgeber der ersten Stunde - die Finanzierung wurde noch im Immobilienhype 2007 auf die Beine gestellt - inzwischen aufgespalten war und die Nachrangverbindlichkeiten der IVG bei der Abwicklungseinheit FMS Wertmanagement landeten. Das erhöhte den Komplexitätsgrad der Refinanzierung. Anstatt der sonst üblichen drei Monate beschäftigten sich die Bonner nach eigenen Angaben zwölf Monate mit diesem Thema, bevor Mitte November zumindest die vorläufigen Verträge sowohl für die Core-Finanzierung als auch für den syndizierten Kredit unterzeichnet werden konnten.

Ende gut, alles gut? Die Kursreaktion auf die gelungene Umschuldung legte diesen Schluss zunächst nahe, schnellte die Aktie am Tag der Bekanntgabe doch um 30 % in die Höhe. Nachhaltig war die Entwicklung jedoch nicht, zumal die IVG den Kursverfall mit der Ankündigung einer weiteren Kapitalerhöhung - das Grundkapital wurde um 50 % erhöht - im Dezember noch beschleunigte.

Anders als gelegentlich vermutet ging dieser Schritt jedoch nicht auf Forderungen der Gläubigerbanken zurück, sondern war Teil der vom Vorstand kommunizierten Strategie. Zwar musste ein signifikanter Abschlag (30 %) auf den ohnehin niedrigen Aktienkurs vorgenommen werden, doch war der Schritt nach Angaben von Schäfers erforderlich, um die für das neue Geschäftsmodell so wichtige Ausweitung des Kavernengeschäfts zu finanzieren. Denn jenseits des 2011 geglückten Financial Reengineering muss sich die IVG auch operativ ein wenig neu erfinden. Dabei steht das Erwirtschaften stabiler Cash-flows - gerne auch on Balance - im Vordergrund. Denn das Arbeiten mit markt- und nicht objektgetriebenen Verkehrswertsteigerungen, das hat die IVG schmerzlich erfahren, ist kein tragfähiges Geschäftsmodell.

Mit der 2011 gelungenen Refinanzierung haben die Bonner zumindest den Grundstein gelegt, um in ein paar Jahren auch bei den Aktieninvestoren wieder als vertrauenswürdige Adresse punkten zu können. Voraussetzung dafür bleibt jedoch, dass die IVG ihren Tilgungsverpflichtungen durch Immobilien- und Kavernenverkäufe wie geplant nachkommt.

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Bisher erschienen:
- Fresenius hält die Fieberkurve hoch (19.4.)
- Commerzbank - Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen (12.4.)
- Clariant bläst zur Aufholjagd (5.4.)

Börsen-Zeitung, 26.04.2012, Autor Annette Becker, Düsseldorf, Nummer 81, Seite 13, 1282 Worte  

Fälligkeitsprofil der IVG

IVG-Fremdkapital

IVG-Aktie




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DIE KANDIDATEN (3)
Fresenius hält die Fieberkurve hoch

Healthcare-Konzern tritt regelmäßig mit Akquisitionen ins Rampenlicht - Geschäftsmodell erlaubt stattliche Finanzverschuldung

Der Gesundheitskonzern Fresenius zeigt sich akquisitionsfreudig wie kaum ein anderes großes deutsches Unternehmen. Das Management baut die Segmente konsequent mit Übernahmen aus, worunter das organische Wachstum nicht leidet. Der stabile und starke Cash-flow ermöglicht es trotz eines Ratings in der Spekulationsklasse, zu günstigen Konditionen immer wieder am Anleihemarkt aufzutreten.


Von Sabine Wadewitz, Frankfurt

Börsen-Zeitung, 19.4.2012

Schon zum Auftakt des Jahres 2011 hatte Fresenius Muskeln gezeigt. Während andere noch im Winterurlaub weilten, übte sich die Bad Homburger Healthcare-Gruppe in einer ihrer erfolgreichsten Disziplinen und brachte im Januar eine Übernahme auf den Weg. Für 485 Mill. Euro stärkte die Dialyse-Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care (FMC) in Osteuropa ihr Kliniknetz zur Behandlung chronisch Nierenkranker mit Blutwäsche. Verkäufer war die von Finanzinvestoren gesteuerte niederländische Euromedic International.

Kaum vier Wochen später sammelte FMC 1 Mrd. Dollar am Bondmarkt ein - auch das eine gewohnte Übung für den Konzern, der auf hohes Leverage setzt. Mit den Mitteln hat das Unternehmen den Erwerb finanziert und zudem alte Verbindlichkeiten abgelöst.

Größter FMC-Deal seit 2006

Doch mit diesen Transaktionen hatte sich FMC für 2011 nur warmgelaufen. Im August schwang sich das Management zu Höchstform auf und schulterte zwei weitere Übernahmen im Volumen von mehr als 2 Mrd. Dollar. Für die Akquisition der Dialysekette des US-Wettbewerbers Liberty, die Ende Februar 2012 abgeschlossen wurde, offerierte FMC einschließlich Schuldenübernahme 1,7 Mrd. Dollar. Verkäufer waren die US-Finanzinvestoren KRG Capital Partners und Bain Capital. FMC hatte sich an Liberty zuvor - weitgehend hinter den Kulissen - eine Minderheitsbeteiligung für 300 Mill. Dollar gesichert. Nachdem sich FMC im Zuge von Kartellauflagen von 62 Kliniken in den USA trennen muss, wird der Kaufpreis netto auf 1,5 Mrd. Dollar geschätzt.

Arrondiert wurde der Deal zur gleichen Zeit mit dem Kauf der American Access Care für 385 Mill. Dollar aus den Händen des Private-Equity-Hauses TA Associates. Das Unternehmen betreibt 28 Zentren, die auf die ambulante Versorgung von Gefäßzugängen bei Dialysepatienten konzentriert sind, und ergänzt das Geschäft von FMC.

Der Erwerb von Liberty war die größte Transaktion für FMC seit 2006, als sich der Konzern im konsolidierten Markt für Dialysezentren für 3,6 Mrd. Dollar den US-Konkurrenten Renal Care einverleibte. FMC selbst war 1996 aus einem Coup entstanden. Damals legten die bis dahin eher mittelständisch geprägte Fresenius und die amerikanische W. R. Grace & Co. ihre Dialyseaktivitäten zusammen. Daraus entstand mit FMC das weltweit größte vertikal integrierte Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen für die Dialyse, wobei der größte Teil des Geschäfts seitdem in den USA generiert wird und FMC deshalb als eines der nur noch wenigen großen deutschen Unternehmen an der New York Stock Exchange notiert bleibt.

Mit der Akquisition von Liberty, dem drittgrößten Dialyseklinikbetreiber in den USA, hat FMC ihre starke Stellung in der Region weiter ausgebaut - der deutsche Konzern lag vor dem Deal im Dialyseservicemarkt mit einem Marktanteil in den USA von 33 bis 34 % knapp vor dem Wettbewerber Davita; Liberty war mit 1 Mrd. Dollar Umsatz weit abgeschlagen mit 4 % die Nummer 3. Für FMC ist es dennoch ein wichtiger strategischer Schritt, erweitert der Konzern doch sein Netz um 50 Metropolregionen, in denen er bislang nicht vertreten war. Weltweit besetzt FMC nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 11 % bei Dialysebehandlungen. Bei Dialyseprodukten ist der Konzern nach Umsatz mit 33 % globale Nummer 1 vor Baxter und Gambro. Auch in der Finanzierung setzte Fresenius 2011 Maßstäbe. Als FMC Anfang September in schwierigem Umfeld ins Rampenlicht des Bondmarktes trat, war sie das erste europäische Unternehmen, das seit Wochen mit einer Hochzinsanleihe diesen Schritt wagte. Eingesammelt wurden 950 Mill. Dollar in je einer Euro- und Dollartranche. Dem Unternehmen wurden die Türen eingerannt, sodass vier Wochen später noch mal 100 Mill. Euro platziert wurden, um weitere Investoren zu bedienen.

Während 2011 die Dialysetochter FMC bei Akquisitionen im Vordergrund stand, stärkt Fresenius in guter Regelmäßigkeit auch die anderen Konzerntöchter mit Zukäufen. Das in der Kabi gebündelte Geschäft mit Infusions- und Ernährungstherapien wurde 1998 mit der Übernahme des internationalen Infusionsgeschäfts von Pharmacia & Upjohn für geschätzt 800 Mill. DM in eine neue Dimension gebracht und zehn Jahre später mit APP Pharmaceuticals, dem Anbieter von intravenös zu verabreichenden Nachahmermedikamenten, für 4,6 Mrd. Dollar verbreitert.

Konsequent ausgebaut wurde auch das Krankenhaussegment, wofür der Teilkonzern Helios steht, wobei die Klinikträgerschaft kein traditionelles Geschäft der 1912 gegründeten Fresenius war, sondern dieses erst 2001 mit der Übernahme der Wittgensteiner Kliniken aufgenommen wurde. 2005 hat sich der Konzern dann mit dem Kauf der Helios-Kliniken für 1,5 Mrd. Euro in die Führungsriege der privaten Krankenhauskonzerne hierzulande geschoben. Das Klinikgeschäft ist auch 2011 gestärkt worden, trotz der großen Zukäufe im Dialysesegment. So bekam Helios im Herbst für geschätzt 450 Mill. Euro einschließlich Schuldenübernahme den Zuschlag für die norddeutsche Damp-Gruppe mit sieben Akut- und vier Rehakliniken. Kurze Zeit später sicherte sich der Konzern noch mehrheitlich das Katholische Klinikum Duisburg, ein 1 000-Betten-Haus, und sagte Investitionen von fast 180 Mill. Euro zu.

Rechtsformwandel

Um das dynamische Wachstum in allen Sparten zu gewährleisten und dabei den Einfluss des Großaktionärs, der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, zu garantieren, hat der Konzern sich gesellschaftsrechtlich über die Jahre erheblich gewandelt. Sowohl FMC als auch Fresenius haben die Aktiengattungen vereinheitlicht und die Vorzugs- in Stammaktien gewandelt. Beide Unternehmen haben sich außerdem in die Rechtsform der KGaA gekleidet, um bei abschmelzendem Kapitalanteil das Vermächtnis der ehemaligen Firmenlenkerin Else Kröner zu wahren - nach ihrem Testament soll die Fresenius-Firmengruppe als Ganzes erhalten und unabhängig fortgeführt werden. Fresenius hat sich zudem die Rechtsform einer Europäischen Gesellschaft (SE) gegeben, um die Internationalität auch nach außen zu demonstrieren.

Mit den rechtlichen Veränderungen und der Vereinfachung der Aktienstruktur hat das Management auch für mehr Liquidität in den Aktien gesorgt. Sowohl die Muttergesellschaft Fresenius als auch die Dialysetochter FMC sind im Dax 30 enthalten.

Auch wenn der Spielraum nach dem Rechtsformwechsel größer geworden ist, die Gruppe hat nicht vor, den Kapitalmarkt in Anspruch zu nehmen - zum Beispiel um den Verschuldungsgrad zu verringern. Allerdings bewegt sich der Konzern in sich konsolidierenden Märkten, sodass Flexibilität für Kaufgelegenheiten zu jeder Zeit gegeben sein soll und bei Meilensteinakquisitionen auch die Aktionäre zur Kasse gebeten werden könnten - wohl dosiert, wie in Bad Homburg stets betont wurde. Der hohe Cash-flow und Fremdkapital sollen der wesentliche Treibstoff für das Wachstum bleiben. Zuletzt hat Fresenius 2008 eine Kapitalerhöhung durchgezogen, um die Übernahme des US-Generikaunternehmens APP zu schultern. Der weitaus größte Teil der Finanzierung war auch damals über Fremdkapital realisiert worden.

Den in der Vergangenheit gepflegten sparsamen Umgang mit Eigenkapital hat Fresenius den Anlegern dauerhaft zugesagt. Klar ist, dass der Konzern an einer relativ hohen Verschuldung festhalten wird. Aus Sicht des Managements ermöglicht die Steuerung von Fresenius über den Verschuldungsgrad eine hohe Wertschöpfung.

Die Gruppe kann sich ein Rating am oberen Rand der Spekulationsklasse erlauben und ist dennoch gern gesehener Gast am Bondmarkt. Diese Konstellation wird ermöglicht durch eine breite Diversifikation innerhalb des Gesundheitsmarktes, die globale Verankerung des Geschäfts, die geringe Konjunkturabhängigkeit der Aktivitäten und in der Regel solvente Auftraggeber im öffentlichen Sektor. Diese Voraussetzungen würden geradezu "nach Leverage schreien", wie es Fresenius-Finanzvorstand Stephan Sturm einmal ausdrückte.

Dabei setzt das Unternehmen auf einen umfangreichen Mix aus Finanzverbindlichkeiten. Dass Fresenius auf der ganzen Klaviatur spielt, zeigt sich allein an den Schritten 2011: Nach der Anleihe der FMC zum Jahresauftakt im Februar über 650 Mill. Dollar und 300 Mill. Euro hat Fresenius im März die Konditionen eines syndizierten Kredits über 1,2 Mrd. Dollar aus dem Jahr 2008 nach Verhandlungen mit den Darlehensgebern gedrückt. Im Juni zahlte FMC genussscheinähnliche Wertpapiere aus dem Jahr 2001 über 225 Mill. Dollar und 300 Mill. Euro planmäßig zurück und nahm dafür bestehende Kreditlinien in Anspruch. Im August erhöhte FMC das Forderungsverkaufsprogramm um 100 Mill. auf 800 Mill. Dollar. Im September folgte die FMC-Anleihe über je 400 Mill. in Euro und Dollar, die im Oktober um 100 Mill. Euro ergänzt wurde.

Kapitalkosten optimiert

Fresenius verfügt noch über ein Commercial-Paper-Programm mit einem Rahmen von 250 Mill. Euro, das Ende 2011 nicht genutzt war. Im Rahmen von bilateralen und syndizierten Bankkrediten hat der Fresenius-Konzern 2011 rund 4,3 Mrd. Euro in Anspruch genommen. Zudem bestanden Ende 2011 freie Kreditlinien von 1,4 Mrd. Euro.

2012 ging es munter weiter: Im Januar startete FMC mit drei Anleihen mit einem Platzierungsvolumen von 1,8 Mrd. Dollar, die unter anderem für die Finanzierung der Liberty-Übernahme genutzt wurden. Fresenius sammelte im März 500 Mill. Euro am Bondmarkt ein, nachdem die Kartellbehörden den Erwerb der Damp-Klinikgruppe genehmigt hatten. Darüber hinaus wurde ein Schuldschein über 400 Mill. Euro begeben.

Beim Verschuldungsgrad (Nettoverschuldung zum operativen Ergebnis Ebitda) strebt Fresenius über die Jahre einen Wert in der Bandbreite zwischen 2,5 und 3 an - in dem Intervall würden die Kapitalkosten optimiert. Ende 2011 erreichte die Kennziffer 2,83. Trotz der weiteren angekündigten Akquisitionen soll der Wert am Jahresende 2012 unter 3,0 liegen.

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Bisher erschienen:

- Commerzbank - Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen (12.4.)
- Clariant bläst zur Aufholjagd (5.4.)

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Die wichtigsten Akquisitionen von Fresenius

- 1996: Übernahme des US-Dialyseanbieters National Medical Care und Gründung von Fresenius Medical Care, Kaufpreis (einschl. Schulden): 2,3 Mrd. Dollar.

- 1998: Übernahme des internationalen Infusionsgeschäfts von Pharmacia & Upjohn und Gründung von Fresenius Kabi im folgenden Jahr, Kaufpreis: geschätzt 800 Mill. DM.

- 2001: Übernahme der Wittgensteiner Kliniken und Einstieg ins Krankenhausträgergeschäft (heute Fresenius Helios), Kaufpreis: 221 Mill. Euro.

- 2005: Erwerb der Helios-Kliniken, Kaufpreis: 1,5 Mrd. Euro

- 2006: Übernahme des US-Dialyseanbieters Renal Care Group durch Fresenius Medical Care, Kaufpreis: 3,6 Mrd. Dollar.

- 2008: Erwerb der APP Pharmaceuticals durch Fresenius Kabi, Einstieg in den nordamerikanischen Pharmamarkt und Ausbau des Geschäfts mit intravenös verabreichbaren Generika, Kaufpreis: 4,6 Mrd. Dollar.

- 2011: Übernahme des US-Dialyseanbieters Liberty Dialysis durch Fresenius Medical Care, Kaufpreis: 1,5 Mrd. Dollar.

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Börsen-Zeitung, 19.04.2012, Autor Sabine Wadewitz, Frankfurt, Nummer 76, Seite 11, 1563 Worte

Fresenius-Finanzierungsmix

Fresenius vs. FMC vs. Dax 






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DIE KANDIDATEN (2)
Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen

Für ihre Milliarden-Rekapitalisierung erfindet die Commerzbank ein neues Wertpapier: die Conditional Mandatory Exchangeable Note

Für ihre Milliarden-Rekapitalisierung erfindet die Commerzbank ein neues Wertpapier: die Conditional Mandatory Exchangeable Note
Mit der bis dato größten Kapitalerhöhung einer deutschen Bank ist der Commerzbank Anfang 2011 ein Befreiungsschlag geglückt, durch den ein großer Teil der Staatshilfe zurückgegeben werden konnte. Rund 11 Mrd. Euro sammelte sie bei Investoren ein - das 1,4-Fache ihrer damaligen Marktkapitalisierung. Insbesondere die zweigeteilte Struktur macht die Transaktion interessant.

Von Bernd Neubacher, Frankfurt

Börsen-Zeitung, 12.4.2012
Seit den Geschichten des Barons von Münchhausen gilt es aus ausgemacht, dass niemand im Stande ist, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Wie aber soll man es bezeichnen, wenn eine staatlich gestützte Bank Aktionäre und Anleger davon überzeugt, ihr das 1,4-Fache ihrer Marktkapitalisierung an frischem Eigenkapital anzuvertrauen? Mit einem Volumen von rund 11 Mrd. Euro stellt die Kapitalerhöhung der Commerzbank im Frühjahr vergangenen Jahres die bis dato größte Aktienfolgeemission im deutschen Bankensektor überhaupt dar. Und nicht nur das Volumen, auch die Struktur und das Umfeld machen die Transaktion so bemerkenswert.

Schlechte Vorzeichen

Die Vorzeichen zu Beginn vergangenen Jahres schienen, vornehm gesprochen, nicht gut zu stehen. Wie Außenstehende die einzelnen Puzzle-Teile auch hin- und herschoben: So recht vermochten sie nicht zu erkennen, wie das Institut, wie angekündigt, 16,2 Mrd. Euro an stillen Einlagen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) zumindest deutlich reduzieren könnte. Das Dilemma: Eine Tilgung großer Teile der staatlichen Stütze schien eine geringe Marktkapitalisierung zu verhindern, die Tilgung eines kleinen Teils der gesunde Menschenverstand: Welcher Anleger mit ein wenig Selbstachtung ist denn bereit, einem Emittenten Eigenkapital bereitzustellen, wenn im Vorhinein klar ist, dass eine neuerliche Kapitalmaßnahme zur weiteren Rückzahlung seinen Anteil in unbekanntem Ausmaß verwässern wird?Hinzu kam: Erst wenige Monate zuvor hatte die Deutsche Bank im Vorgriff auf die neuen Kapitalregeln Basel III die bis dato größte Kapitalerhöhung im bundesdeutschen Finanzsektor mit einem Bruttovolumen von 10,2 Mrd. Euro über die Bühne gebracht. Es gab damals Investmentbanker, die unkten, für die Commerzbank sei der Primärmamarkt damit erst einmal für die nächsten Monate abgegrast.An diesem Punkt wurde es für das Equity-Capital-Markets-Team der Commerzbank, und für die Deutsche Bank, mit der das gelbe Institut kooperierte, Zeit, kreativ zu werden. Das Ergebnis war eine Kreation namens Comen (Conditional Mandatory Exchangeable Note) - eine Art Pflichtwandelanleihe, die mangels Kupon und Laufzeit aber eher wie eine Aktie daherkommt und es der Bank zudem ermöglicht hat, die Unsicherheit hinsichtlich Folgekapitalerhöhungen zu verringern.Die Bank habe ein Instrument anbieten wollen, das von Beginn an wirtschaftlich eine Aktie war, erklärte Ute Gerbaulet, die bei der Commerzbank das Aktienmarktgeschäft leitet, im Sommer 2011 das Kalkül: "Bei nur vier Wochen bis zum Umtausch, wie es ja bei den Comen der Fall war, mag man ja gar nicht von Laufzeit sprechen. Diese Dauer entsprach eigentlich nur der Einladungsfrist zur Hauptversammlung." Ein weiterer Grund, die Comen zu erfinden: "Eine Wandelanleihe mit mehrjähriger Laufzeit wäre bis zur Wandlung kein Eigenkapital gewesen." Einen Vorteil der Comen sah die Commerzbank demnach auch im Bookbuilding, das es erlaubte, auch größere Orders hereinzunehmen. Nach Platzierung der Comen und der Genehmigung durch die Hauptversammlung fand der Tausch der Wandler in Aktien im Verhältnis von eins zu eins statt. Ferner kam es zu einer herkömmlichen Kapitalerhöhung, für welche die aus den Comen entstandenen Titeln mit einem Bezugsrecht auf neue Aktien für je 2,18 Euro ausgestattet waren. Der Preis dieser neuen, schon fürs laufende Jahr voll dividendenberechtigten Aktien entsprach knapp der Hälfte des Platzierungspreises der Comen.

Emission mit Ansage

"Alle kannten die Struktur der Transkation", erläuterte Gerbaulet. "Die Investoren wussten: In einem ersten Schritt werden die Comen marktnah platziert, sie bekommen für den zweiten Schritt ein Bezugsrecht und können dann Aktien zu einem marktüblichen Abschlag beziehen." Wer sich an beiden Schritten beteiligte, zahlte im Schnitt 3,25 Euro. Dies entsprach Gerbaulet zufolge in etwa dem Niveau, auf welchem die Aktie auch nach der Kapitalmaßnahme notierte: "Die Investoren haben sich schon zu Beginn beide Schritte durchgerechnet. Entweder sie trennten das Bezugsrecht ab, oder sie bezogen die Aktie später zu 2,18 Euro. Das heißt, mit dem ersten Schritt war der zweite nicht schon vollzogen, aber nahezu schon abgearbeitet."Die Platzierung der Comen war ein Erfolg: Hatte die Bank für ihre bedingte Vorabplatzierung von Aktien ursprünglich ein Volumen zwischen 2,6 Mrd. und 3,4 Mrd. Euro angepeilt, so brachte sie letztlich Pflichtumtauschanleihen für rund 4,3 Mrd. Euro am Markt unter. Samt der vom Soffin in Comen getauschten stillen Einlagen ergab sich gar ein Erlös von 5,7 Mrd. Euro. Im zweiten Teil der Kapitalerhöhung war dann anstelle des auf maximal 7,5 Mrd. Euro bezifferten Erlöses nur mehr eine Platzierung für 5,3 Mrd. Euro notwendig, um auf ein Volumen von insgesamt 11 Mrd. Euro zu kommen. Diesmal berechtigten elf ausstehende Aktien zum Bezug von zehn neuen Dividendentiteln, und 99,94 % der Bezugsrechte wurden von den Bezugsrechtsinhabern ausgeübt.Mit Hilfe thesaurierter Gewinne von 3,3 Mrd. Euro konnte die Commerzbank also 14,3 Mrd. Euro an stillen Einlagen tilgen. Um seinen Einfluss bei der Commerzbank nicht zu verlieren, zog der Soffin bei beiden Transaktionen mit. Damit nahm allein der Staat 2,75 Mrd. Euro des frischen Materials auf. Am Kapitalmarkt musste die Bank mithin 8,25 Mrd. Euro platzieren.Bei ihrer zweigeteilten Kapitalmaßnahme griff die Commerzbank auf die Hilfe von zwei Dutzend Wettbewerbern aus den USA und Europa zurück, die rund 200 Mill. Euro an Provisionen kassierten. Mit der Rekapitalisierung erschloss sie sich neue Investoren: Lagen 2010 laut Geschäftsbericht 52 % der Anteile im Ausland, so waren es Ende vergangenen Jahres 58 %. Dies ist schon recht international, wenn man bedenkt, dass allein der Soffin nach wie vor 25 % und eine Aktie hält.Dass die Aktionäre die Kapitalmaßnahme durchwinken würden, schien von Anfang an außer Frage zu stehen. Schließlich hielten allein der Staat und die Allianz zusammen knapp 35 % der Anteile. Da hätte die Hauptversammlungs-Präsenz schon über 70 % steigen müssen, um die Zustimmung der Aktionäre zu gefährden.

Der Gesetzgeber hilft mit

Dennoch: Ohne Hilfe des Gesetzgebers wäre die Mammut-Transkation wohl kaum möglich gewesen. Just vor der zweigeteilten Kapitalerhöhung der Commerzbank hatte das Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz die Begrenzung genehmigten Kapitals auf die Hälfte des Grundkapitals aufgehoben.Ihren Aktionären verlangte die Commerzbank im Zuge der Transaktionen auch sonst einiges ab: Wem noch nicht klar gewesen sein sollte, was es bedeutet, wenn sich die Zahl der umlaufenden Aktien im Zuge einer Rekapitalisierung auf 5,1 Milliarden letztlich rund verdreifacht, der wusste spätestens beim Blick in die Einladung zur Hauptversammlung, was die Stunde geschlagen hatte. Die Anteilseigner waren aufgefordert, einer Reduktion des anteiligen Betrags des Grundkapitals je Stückaktie von 2,60 auf das absolute Minimum von 1,00 Euro zuzustimmen und das Grundkapital damit insgesamt von 3,48 Mrd. auf 1,34 Mrd. Euro zu reduzieren.

Risiko begrenzen

Dies sollte das Risiko der die Transaktion garantierenden Banken begrenzen. Die Begründung laut Einladung zur Hauptversammlung: "Dies vergrößert den Unterschied zwischen dem Börsenpreis der Aktien und dem geringsten anteiligen Betrag des Grundkapitals je Stückaktie, also dem Mindestausgabebetrag bei einer Kapitalerhöhung, und ermöglicht damit die Übernahmeverpflichtung eines Bankenkonsortiums." Neue Aktien dürfen nun einmal nicht zu einem Ausgabepreis emittiert werden, der unter ihrem rechnerischen Anteil am Grundkapital liegt. Zudem legt § 8 des Aktiengesetzes fest: "Nennbetragsaktien müssen auf mindestens einen Euro lauten."

Druck machen

Die Gesetze zur Rettung des Bankensektors machte sich die Commerzbank überdies zunutze, um die Rekapitalisierung zu beschleunigen. So wurde gemäß neuen Regelungen die Einladungsfrist vor der Hauptversammlung verkürzt und die Veranstaltung kurzerhand um knapp zwei Wochen vorverlegt. "Je kürzer die Frist ist, desto höher die Sicherheit der Transaktion", erklärte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Ohne die neugefassten Regelungen wäre demnach auch eine gemischte Sach- und Barkapitalerhöhung, wie sie mit dem Tausch von Einlagen direkt in Aktien stattfand, in dieser Form nicht möglich gewesen. Auch hatten dank des Restrukturierungsgesetzes Widersprüche keinerlei aufschiebende Wirkung. Dennoch vergällten solche Konditionen Altaktionären nicht derart die Laune, dass sie nicht noch rund 22 % ihrer Erwerbsrechte für je einen Comen pro Aktie ausgeübt hätten.Kein Zweifel: Die zweigeteilte Rekapitalisierung mit einem Wertpapier-Instrument, das der Markt noch nicht gesehen hatte, war ein Ritt über den Bodensee. Fest steht aber auch, dass die Bank ihn kaum zu früh wagte: In der zweiten Jahreshälfte sollte ein Kursverfall einsetzen, der die Notierung bis aufs Tief von 1,15 Euro führte. Noch heute bringt die Commerzbank mit rund 10 Mrd. Euro an der Börse weniger auf die Waage, als sie im Frühjahr vergangenen Jahres allein an frischem Eigenkapital einwarb.Hätte der Markt damals die Belastungen geahnt, die der Bank im Zuge der Staatsschuldenkrise blühten, aber auch die Anstrengungen, welche der Schnellstresstest der EU-Aufsicht ihr noch abverlangen sollte - das Institut hätte vermutlich lange nach Anlegern Ausschau halten müssen, die ihre Aktien zeichnen. Nach der Emission musste die Bank schließlich ihre Gewinnprognose zunächst relativieren und dann kassieren. Auch musste sie im operativen Geschäft eine Vollbremsung hinlegen, um Risikoaktiva zu reduzieren, nachdem die EU-Aufsicht ihr eine Kapitallücke von 5,3 Mrd. Euro unter die Nase gerieben hatte.

Licht am Ende des Tunnels

Während der Aktionär bluten musste, darf sich die Bank inzwischen darüber freuen, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Aus staatlichen Hilfen von 18,2 Mrd. Euro, davon 16,2 Mrd. an stillen Einlagen, sind knapp 7 Mrd. Euro an Hilfen geworden: 4,7 Mrd. Euro Eigenkapital und knapp 2 Mrd. Euro an stillen Einlagen, welche die Bank spätestens 2014 getilgt haben will. Zumindest was staatliches Hybridkapital angeht, hätte sie sich dann vollends am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen.

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Bisher erschienen:

- Clariant bläst zur Aufholjagd

- (5. April)

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Konsortium der Commerzbank-Kapitalerhöhung

- Globale Koordinatoren: Commerzbank, Deutsche Bank, J. P. Morgan, Citigroup

- Bookrunner: Goldman Sachs, HSBC, ING, UBS

- Co-Bookrunner: Banca IMI, Merrill Lynch, Morgan Stanley

- Co-Leads: Banco Santander, Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse

- Co-Manager: ABN Amro, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Caja Madrid, Danske Bank, Mediobanca, MPS, Nordea, Royal Bank of Canada, Standard Chartered, Raiffeisen Bank Int./Raiffeisen Centrobank

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Börsen-Zeitung, 12.04.2012, Autor Bernd Neubacher, Frankfurt-, Nummer 71, Seite 5, 1575 Worte

 Commerzbank-Rekapitalisierung

Commerzbank-Kapitalquoten

Commerzbank-Aktie




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07.04.11 Dekoration DER BEFREIUNGSSCHLAG DER COMMERZBANK: Bei den Konsorten klingelt die Kasse
07.04.11 Dekoration DER BEFREIUNGSSCHLAG DER COMMERZBANK: Kritik an Verwässerungseffekt
07.04.11 Dekoration DER BEFREIUNGSSCHLAG DER COMMERZBANK: Kein Einfluss auf Moody's-Rating
07.04.11 Dekoration EUROPÄISCHE AKTIEN: Kapitalmaßnahme der Commerzbank kommt gut an
30.03.11 Dekoration Blessing gelobt hohe Kapitalquote nach Soffin-Tilgung
19.03.11 Dekoration Wertberichtigt : Das Restrisiko der Commerzbank
01.03.11 Dekoration Leitartikel: Blessings Bouquet
24.02.11 Dekoration Die Commerzbank zieht Bilanz: Commerzbank lädt zum Rätselraten ein
29.01.11 Dekoration Commerzbank hat 1,34 Mrd. Aktien
14.01.11 Dekoration Commerzbank feilt an der Kapitalstruktur


DIE KANDIDATEN (1)
Clariant bläst zur Aufholjagd
Schweizer Konzern gelingt mit Erwerb der Süd-Chemie Sprung nach vorn – Großer Instrumentenkasten in der Finanzierung
 
Dem Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant ist mit dem Erwerb des deutschen Konkurrenten Süd-Chemie strategisch ein Sprung nach vorn gelungen. Die übernommenen Aktivitäten stehen für höhere Margen und geringe Zyklizität, was Stabilität in einer konjunkturabhängigen Branche bringt. In der Finanzierung nutzt der Konzern den großen Werkzeugkasten aus Fremd- und Eigenkapital.


Von Sabine Wadewitz, Frankfurt
 
Börsen-Zeitung, 5.4.2012

Im Februar 2011 hat Clariant den Schalter wieder auf Wachstum gestellt. Nach leidvollen Übernahmeabenteuern zehn Jahre zuvor und einer langen und harten Restrukturierung wurde mit der Übernahme des Konkurrenten Süd-Chemie für 2,5 Mrd. sfr die Neuausrichtung eingeleitet. Der 2008 angetretene CEO Hariolf Kottmann hat sich mit seiner Mannschaft das Ziel gesetzt, Clariant wieder ein "Geschäftsportfolio mit Perspektive" zu geben und den Konzern in der Rendite in eine höhere Liga zu hieven. Nach Jahren, des eher ziellosen Manövrierens, hat die Aufholjagd begonnen.

Der Markt wurde mit der Übernahme durchaus überrascht. Doch Clariant musste nach den verlorenen Jahren aufs Tempo drücken. Kottmann betonte in einem Interview, es gehe bei der Akquisition nicht darum, einem Industrietrend zu folgen und Wettbewerber zu kopieren. Man habe vielmehr etwas erworben, das für das langfristige Überleben von Clariant notwendig sei.

Das in Basel ansässige Unternehmen war 1995 aus dem Spin-off der Chemiesparte der Sandoz entstanden, ein Jahr bevor die ehemalige Muttergesellschaft mit Ciba zum Life-Science-Konzern Novartis fusionierte. 1997 kaufte Clariant dann das Spezialchemiegeschäft der Frankfurter Hoechst AG. Drei Jahre später kam das Geschäft der britischen BTP, eines Spezialisten für Life-Science-Chemikalien, dazu.

Mit den Aktivitäten der Süd-Chemie holt sich der ehemalige Hoechst-Manager Kottmann zwei Geschäfte, deren Profitabilität und Wachstumsdynamik große Teile des bisherigen Portfolios der Schweizer in den Schatten stellen. Das deutsche Unternehmen gehört in den Sparten Adsorbentien und Prozesskatalysatoren zu den weltweit führenden Anbietern. Im Turnus 2011 erwirtschafteten die neu erworbenen Geschäftseinheiten Functional Materials sowie Catalysis & Energy eine Rendite bezogen auf das operative Ergebnis (Ebitda) von knapp 13 % und annähernd 24 %. Zielwert für den Gesamtkonzern ist nun bis 2015 eine operative Marge von 17 %; im vergangenen Geschäftsjahr wurde die Ebitda-Rendite vor Einmaleffekten von 12,7 % auf 13,2 % ausgebaut - es liegt also noch ein Stück Wegstrecke bevor.

Hohe Bewertung
 
Mit Süd-Chemie hat Clariant den Konzernumsatz um rund ein Fünftel aufgestockt. Beim Ergebnis wird aufgrund der hohen Profitabilität eine vergleichbare Steigerung erwartet. Und die Stabilität der Aktivitäten wurde gestärkt: Der Anteil der weniger zyklischen Geschäfte im Konzern sei auf deutlich über 50 % geklettert, erklärt das Management. Süd-Chemie war es gelungen, sogar in der Rezession 2008 und 2009 noch Renditen von fast 14 % bzw. 14,7 % zu erwirtschaften.

Mit der Finanzierung des Erwerbs hat Clariant neues Terrain betreten. Dabei spielt das Management auf der gesamten Klaviatur mit Fremd- und Eigenkapitaleinsatz. Der US-Finanzinvestor One Equity Partners, der 50,4 % abgab, konnte zu einem stolzen Preis Kasse machen und erhielt gut 720 Mill. Euro in bar - in der Branche hieß es zum Exit, Ostern und Weihnachten seien für das Vehikel von J. P. Morgan auf einen Tag gefallen. Die Bewertung war mit dem Zehneinhalbfachen des operativen Ergebnisses (Ebitda) ambitioniert.

Höchststimmrecht fällt
 
One Equity hatte im Juni 2005 ein 39-prozentiges Aktienpaket der Süd-Chemie von den damaligen Großaktionären Allianz, BayernLB sowie der Familie Possehl für 35 Euro je Aktie gekauft. Nachdem eine Offerte an die außenstehenden Aktionäre zum Erwerb der Mehrheit damals nicht von Erfolg gekrönt war, stockte der Finanzinvestor dann 2007 mit der Übernahme eines Pakets von der Messerschmitt-Stiftung (9,37 %) sowie mit Käufen über den außerbörslichen Markt (2 %) auf und knackte die Schwelle von 50 %. Für diese Anteile hatte One Equity 50 Euro je Titel gezahlt, Kasse gemacht wurde beim Verkauf an Clariant zum Preis von 121 Euro je Aktie.

Die Gruppe an Familieneignern der 1857 gegründeten Süd-Chemie ließ sich indes von der strategischen Logik des Zusammenschlusses überzeugen, akzeptierte einen Aktientausch im Volumen von 700 Mill. sfr - zu einem für Clariant günstigen Umtauschkurs von 16,80 sfr je Aktie. Seit Verschärfung der Staatsschuldenkrise 2011 wurde diese Bewertung allerdings noch nicht wieder erreicht, immerhin zeigen die Titel seit November 2011 aber wieder einen Aufwärtstrend und notieren aktuell bei 12,30 sfr. Die Gruppe ehemaliger Anteilseigner der Süd-Chemie, familiär oder auf andere Weise verbunden, sind nun mit gut 15 % der größte Aktionär von Clariant. Auf der diesjährigen Generalversammlung hat das Unternehmen das bislang verankerte Höchststimmrecht von 10 % des Aktienkapitals abgeschafft, so dass die Gruppe ihre Rechte auch vollumfänglich wahrnehmen kann.

Nachdem Clariant vor der Transaktion netto nahezu schuldenfrei war, standen für die Finanzierung eigene Mittel von 525 Mill. sfr zur Verfügung. Genutzt wurde zudem eine Brückenfinanzierung über 1,1 Mrd. sfr, die in weniger als 12 Monaten nach Bekanntgabe des Erwerbs vollends refinanziert war. Gestemmt hat Clariant darüber hinaus eine Barkapitalerhöhung, die brutto 370 Mill. sfr in die Kasse spülte. Somit wurden die Eigenmittel einschließlich der Sacheinlage der Süd-Chemie-Familienaktionäre um insgesamt 1,1 Mrd. sfr erhöht - und die Eigenkapitalquote lag trotz der begleitenden Fremdfinanzierung Ende 2011 mit 33,3 % über dem Vorjahresniveau von 30,5 %.

So konnte Clariant trotz der Großtransaktion eine solide Bilanzstruktur per Ende 2011 zeigen. Die Nettofinanzverschuldung war zwar innerhalb eines Jahres von 126 Mill. auf 1,74 Mrd. sfr gesprungen. Im Verhältnis zum Eigenkapital sorgte der Verschuldungsgrad (Gearing) mit einem relativ moderaten Anstieg um 7 % auf 58 % für ruhige Nächte. 2012 und in den Folgejahren will das Management "hart daran arbeiten", die Nettofinanzschulden sehr schnell und deutlich zu senken.

Im Zuge der Refinanzierung haben sich bei Clariant die liquiden Mittel zum Jahresende 2011 auf 1,2 Mrd. Euro erhöht nach einem Wert von 716 Mill. sfr zwölf Monate zuvor. Zwischen beiden Stichtagen liegt die Ausgabe von zwei Anleihen über insgesamt 300 Mill. sfr im Mai und Juli 2011 sowie die Begebung von zwei Schuldscheindarlehen über insgesamt 365 Mill. Euro.

Brückenkredit abgelöst
 
Die Ende 2011 verbliebene Brückenfazilität von 400 Mill. sfr konnte Clariant bis 30. Januar 2012 zurückzahlen. Zuvor hat der Konzern Mitte Januar einen Bond über 500 Mill. Euro mit Laufzeit bis 2017 platziert. Im März folgte eine weitere inländische Anleihe über 235 Mill. sfr mit Fälligkeit 2019, deren Abwicklung im April geplant ist. Der jüngste Bond dient der Refinanzierung der 2012 fälligen Anleihen (vgl. Grafik) und sorgt für die Verlängerung des Fälligkeitsprofils bis 2019. Seit März 2012 hat Clariant die Option, eine Wandelanleihe im Volumen von 280 Mill. sfr in Eigenkapital zu tauschen, was den Verschuldungsgrad weiter reduzieren würde.

Gesellschaftsrechtlich hat Clariant den Squeeze-out bei Süd-Chemie Anfang Dezember 2011 vollzogen. Die Integration verläuft nach Aussage des Managements wie geplant, nun aber in einem konjunkturell anspruchsvollen Umfeld.

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Die Berater

- Morgan Stanley steht Clariant bei der Süd-Chemie-Übernahme im Februar 2011 zur Seite; die Verkäufer One Equity und Süd-Chemie schalten J. P. Morgan ein, zu der One Equity gehört.

- Morgan Stanley ist Global Coordinator der Barkapitalerhöhung im April 2011, Credit Suisse und Morgan Stanley Joint Bookrunners.

- Den im Mai und Juli 2011 in zwei Tranchen platzierten Bond in Schweizer Franken begleiten Credit Suisse und UBS als Joint Bookrunners.

- BayernLB und LB Hessen-Thüringen sind im Oktober Joint Arrangers des Schuldscheindarlehens über 365 Mill. Euro.

- BNP Paribas, Citigroup und Unicredit sind im Januar 2012 Joint Bookrunners einer 500-Mill.-Euro-Anleihe.

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Börsen-Zeitung, 05.04.2012, Autor Sabine Wadewitz, Frankfurt, Nummer 68, Seite 11, 1157 Worte

Fälligkeitsprofil von Clariant

 




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