Verlagsmitteilung:

Die Ausgabe Nr. 78 der Börsen-Zeitung erscheint am Mittwoch, dem 24. April 2019.
Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir ein frohes Osterfest.
Redaktion und Verlag

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Redaktion

Corporate Finance Awards der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Awards 2018 – Aktuell

Berichterstattung vom Corporate Finance Summit 2019

















































Impressionen von der Verleihung der Corporate Finance Awards 2018

Videoporträts der Gewinner der Corporate Finance Awards 2018
 



CORPORATE FINANCE SUMMIT

Die Wahrheit liegt im Exit

Cerberus, CVC und KKR setzen mit unterschiedlichen Strategien auf den deutschen Private-Equity-Markt

Private Equity steht bei Investoren hoch im Kurs. Das sorgt für immer höhere Mittelflüsse. Die Fonds dürfen unter dem wachsenden Investitionsdruck nicht leichtfertig werden, denn auf den Exit kommt es an. Das wurde auf dem Panel "Private Equity als Konsolidierungstreiber" des Corporate Finance Summit deutlich.

wb Frankfurt - "Jetzt mehr verkaufen als kaufen", rät Alexander Dibelius, der Deutschlandchef der europäischen Beteiligungsgesellschaft CVC. Und Private Equity solle sich hüten, die "Übernahme-Hurdles" aufzuweichen angesichts des billionenschweren Überhangs an Mittelzusagen institutioneller Investoren, sagte er auf dem von Joachim Englert, PwC, moderierten Panel des Corporate Finance Summit "Private Equity als Konsolidierungstreiber".

Mit unterschiedlichen Ansätzen finden Finanzinvestoren hier breite Betätigungsfelder. So schaut sich KKR, wie der seit September mit einem Büro in Frankfurt präsente Deutschlandchef Christian Ollig sagte, seit Ende der 1990er Jahre in Deutschland um und hat hier mehr als 30 Mrd. Euro investiert. Derzeit ist KKR mit einer Buy-and-Build-Strategie etwa im Mediengeschäft unterwegs. Nachdem die Amerikaner hier bis zur Finanzkrise mit großen Tickets und Konzernabspaltungen unterwegs waren, zieht es KKR jetzt vor allem in den oberen Mittelstand. "Der Deal-flow war und ist sehr robust", sagt Ollig und rechnet auch 2019 mit einem "aktiven Jahr".

Und David Knower, der Deutschlandchef der an Deutscher Bank und Commerzbank beteiligten Cerberus, sucht über die ganze Palette von Anlagen, die der "Höllenhund" mit Non-Performing Loans, Private Equity, Immobilien, vor- und nachrangigen Fremdfinanzierungen und mehr in Mehr- und Minderheitenpositionen betreibt, opportunistisch nach Möglichkeiten. Mit der Bawag in Wien und der HSH Nordbank, jetzt Hamburg Commercial Bank, hat Cerberus Kreditinstitute gedreht. Und er strich die Investments mit der Ströer-Gruppe in der Vergangenheit heraus, wo Cerberus in die Bresche sprang, als Banken nicht finanzieren wollten.

Bei allen Investments gelte nun mal: "The truth lies in the exit", hob Dibelius heraus. Private Equity sei als Liquiditätsbeschaffer für Corporate Control bei Unternehmen inzwischen etabliert, "das Odium der reinen Finanzkapitalisten ist weg". Beim Wettbewerb um Ziele müsse sich aber jeder Fonds fragen, wo der eigene Zusatznutzen im Werteschaffen liege, denn es gehe ja nicht einfach nur darum, dass "der größte Pool gewinnen" wird, also allein das dickste Scheckbuch den Zuschlag erhält. Dies führe auch zu neuen Wegen - etwa gemeinsam mit Familienunternehmen zu investieren, wie es CVC mit Messer bei den amerikanischen Linde-Assets für 3,3 Mrd. Dollar 2018 exerzierte oder beim Einstieg mit 20 % bei DKV Mobility Services. Der Erfolg von Private Equity liege vor allem in der Auswahl des besten Managements für die Portfoliounternehmen begründet, die auch mit einer "größeren Brutalität" als in börsennotierten Gesellschaften durchgesetzt werden könne.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Walther Becker, Frankfurt, Nummer 63, Seite 10, 413 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063062






CORPORATE FINANCE SUMMIT - PRIVATE EQUITY

Die Köpfe des Höllenhundes

cd - Besser hätte aus Sicht von Cerberus das Timing kaum sein können: Am Tag der Awardverleihung für die gelungene, erste Privatisierung einer deutschen Landesbank stellte die in Hamburg Commercial Bank (HCOB) umfirmierte ehemalige HSH Nordbank in der Bilanzpressekonferenz ihren Sozialplan für den Stellenabbau und die weiteren Pläne zur bilanziellen Gesundung vor. HCOB-Vorstandsvorsitzender Stefan Ermisch ließ es sich denn auch nicht nehmen, gleich nach der Pressekonferenz in Hamburg nach Frankfurt zur Awardverleihung zu kommen, um seinem Großaktionär Cerberus und den Gästen die Fortschritte zu erläutern. Cerberus-Partner und Deutschland-Geschäftsführer David Knower zeigte sich überzeugt, dass HCOB eine ähnliche Erfolgsstory werden könne wie die vor zwölf Jahren von Cerberus übernommene österreichische Bawag, die nach der Sanierung im Oktober 2017 an die Börse geführt worden war. Die 25-jährige Expertise des Private-Equity-Hauses bei Investitionen in den Finanzsektor weltweit werde dafür sorgen, dass der "Höllenhund" Cerberus auch in Deutschland erfolgreich sein werde. Von Cerberus` der Mythologie zufolge drei Köpfen dient laut Knowers einer dazu, auf die Investments aufzupassen, einer dazu, auf die Investoren aufzupassen, und einer dazu, auf die Mitarbeiter aufzupassen.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Claus Döring, Nummer 63, Seite 10, 177 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063063











CORPORATE FINANCE SUMMIT - M&A

Allen gezeigt

wb - Ein sichtlich zufriedener Wolfgang Reitzle (70), der es mit der Fusion "seiner" Linde mit dem US-Rivalen Praxair allen gezeigt hat: Der Chairman der neuen Linde plc hat die Verleihung des M&A-Awards dazu genutzt, aus dem Nähkästchen der Übernahme zu plaudern und früheren Gegnern der Transaktion die Leviten zu lesen und noch mal richtig Dampf abzulassen gegenüber den Kritikern, die ihm die Tour hatten vermasseln wollen. So sehen Sieger aus: In den Deal hineingegangen sei Linde mit einer Marktkapitalisierung von 23 Mrd. Euro - jetzt sind es fusioniert 85 Mrd. Natürlich sei es nicht darum gegangen, dass für sein Ego die Transaktion durchgezogen worden sei. Linde sei schon solo ein weltweit tätiges Industriegaseunternehmen gewesen mit mehr als 80 % der Aktionäre im Ausland und nur mehr knapp 10 % der Belegschaft in Deutschland. Nun sei der Konzern wirklich global, und er selbst könne als Chairman mehr bewirken als der Aufsichtsratschef einer AG. Drei Jahre soll der von Praxair gekommene Steve Angel CEO bleiben, dann könne der Amerikaner ihm als Chairman nachfolgen. Und ein Manager aus Deutschland, Indien oder einer anderen Nation CEO werden.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Walther Becker, Nummer 63, Seite 10, 185 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063064









CORPORATE FINANCE SUMMIT - LARGE CAPS

Einmalige Gelegenheit

scd - Viel Zeit hat sich SAP für die Übernahme des US-Softwareunternehmens Qualtrics nicht lassen können. Die Vorbereitungen für den Börsengang des Unternehmens aus dem Mormonenstaat Utah gingen Anfang November 2018 in die letzte Runde. Eine Woche Roadshow hatte Qualtrics-CEO Ryan Smith absolviert, ehe die SAP-Offerte das Debüt an der Nasdaq in letzter Minute verhinderte. Ein schneller Entschluss - die Gespräche dauerten nur wenige Wochen - war zwar notwendig. Entscheidend war aber die einmalige Gelegenheit, den Marktführer im Bereich Kundenerfahrungsmanagement übernehmen zu können.
Für den Walldorfer Softwarekonzern bietet Qualtrics die Möglichkeit, den Rückstand auf Rivale Salesforce im Geschäft mit Software zum Management von Kundenbeziehungen (CRM) zu verkürzen. Laut CFO Luka Mucic setzt SAP aber auch zur Verbesserung anderer Produkte - etwa Personalwirtschaftssoftware - auf die Qualtrics-Expertise. Das macht die gezahlten 8 Mrd. Dollar, die dem 20-fachen Umsatz entsprechen, schon verdaulicher. Zumal es dieses Jahr nur noch der "14-fache Umsatz" sein dürfte, wie Mucic bei der Preisübergabe erklärte.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Sebastian Schmid, Nummer 63, Seite 10, 157 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063057













CORPORATE FINANCE SUMMIT - IPO

Perfektes Timing

scd - Mit 114-jähriger Tradition ist Knorr-Bremse, Weltmarktführer für Schienen- und Nutzfahrzeugbremsen, in der deutschen Unternehmenslandschaft ein alter Hase - auf dem Börsenparkett hingegen noch ein Greenhorn. Mit dem Going Public im Herbst hat Patriarch Heinz Herrmann Thiele den Familienkonzern unabhängiger von seiner Person aufstellen wollen. "Wir haben langfristig orientierte, professionelle und industrieerfahrene Investoren für uns gewinnen können, um sozusagen 30 % Thiele durch die Schwarmintelligenz zu ersetzen", freut sich Vorstandsvorsitzender Klaus Deller.

Intelligent stellte sich der Konzern auch beim Timing des Börsengangs an. In den beiden Wochen zuvor zeigte das Börsenbarometer bereits nach unten. Trotz des herausfordernden Umfelds gelang es Knorr-Bremse, die Bücher frühzeitig zu schließen und mit 3,9 Mrd. Euro den zweitgrößten Börsengang in Europa im Jahr 2018 hinzulegen. Wenige Monate später folgte der Aufstieg in den MDax, zu dessen Schwergewichten das Unternehmen bereits zählt.

Konzernchef Deller, der zur Annahme des Corporate Finance Award mit kleiner Mannschaft anreiste, gab auch einen Einblick, was den Konzern so erfolgreich macht: "Ich hätte gerne mehr Mitarbeiter mitgenommen", erklärte er. Aber die hätten ihm gesagt, "wir müssen uns doch um das Geschäft kümmern, um unsere Ziele zu erreichen".

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Sebastian Schmid, Nummer 63, Seite 10, 186 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063061



CORPORATE FINANCE SUMMIT - DIGITAL

Gemeinsam stärker

igo - Gut zwei Jahre haben BMW und Daimler über die Zusammenlegung ihrer Mobilitätsdienste verhandelt. Für die daraus entstandenen fünf Joint Ventures geht die Arbeit nun aber erst richtig los. Sie sollen über Carsharing, Mitfahrdienste, Park- und Ladeservices bis hin zu einer Plattform für intermodales Reisen ein Ökosystem für die Mobilität der Zukunft formen. 1 Mrd. Euro haben die beiden Mütter bisher investiert, um den Grundstein für ein Angebot zu legen, das in Europa den Platz vor Uber, Didi Chuxing oder großen IT-Konzernen besetzen und sie im Rest der Welt angreifen soll. Das Verhandlungsteam um BMW-CFO Nicolas Peter und den CEO von Daimler Financial Services, Klaus Entenmann, war stets von Anwälten begleitet, um die Zusammenarbeit der beiden führenden Premiumhersteller kartellrechtlich sauber aufzustellen. Intern mussten sie die eigenen Leute davon überzeugen, dass "der Feind nicht in Stuttgart oder München sitzt, sondern wo ganz anders", so Peter. In diese Logik passt auch die jüngste Ankündigung, künftig auch in der Entwicklung des autonomen Fahrens zu kooperieren. Gemeinsam, das haben BMW und Daimler verstanden, sind sie im Rennen um die Mobilität der Zukunft stärker.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Isabel Gomez, Nummer 63, Seite 10, 182 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063059









CORPORATE FINANCE SUMMIT - MID/SMALL CAPS

Bruch mit der Vergangenheit

ak - Mit der vollständigen Trennung vom Kautschukgeschäft hat sich Lanxess 2018 endgültig neu erfunden. Das für die Auto- und Reifenindustrie wichtige Material war einst Herzstück und Cash-Kuh des 2004 aus Bayer herausgelösten Chemiekonzerns. Kautschuk stand für 40 % des Konzernumsatzes. Spätestens im Jahr 2013 jedoch war das hochvolatile Geschäft zum Problemfall geworden. Nachfrageschwäche und zu hohe Investitionen in neue Anlagen setzten Lanxess bilanziell mächtig zu. 2015 gelang es, das Kautschukgeschäft in ein Joint Venture mit dem weltgrößten Erdölproduzenten Saudi Aramco einzubringen. Die Partner vereinbarten, fünf Jahre zusammenzubleiben. Lanxess konnte mit dem notwendigen Konzernumbau in Ruhe beginnen.

Doch schon weit vor Ende der vereinbarten Laufzeit streckte Saudi Aramco im vergangenen Jahr die Finger nach den verbleibenden 50 % an dem Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo aus. Lanxess spülte der Verkauf 1,4 Mrd. Euro in die Kasse. Für den MDax-Konzern kommt die Transaktion einem endgültigen Befreiungsschlag gleich. Der Blick geht jetzt nach vorn: Lanxess will sich weiter aktiv an der Konsolidierung der Chemieindustrie beteiligen.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Antje Kullrich, Nummer 63, Seite 10, 161 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063058










CORPORATE FINANCE SUMMIT - DEBT

Grün ist Trumpf

ak - "Nachhaltigkeit hat bei Henkel schon immer einen ganz hohen Stellenwert", konstatiert Finanzvorstand Carsten Knobel. Deshalb ist es kein Wunder, dass der Persil-Hersteller auch im noch jungen Markt der Green Loans vorprescht. Als erstes Unternehmen in Deutschland hat der Dax-Konzern im Dezember eine grüne Kreditlinie vereinbart. Sie ist 1,5 Mrd. Euro schwer und wird von 15 internationalen Banken getragen. Auch in der globalen Konsumgüterbranche ist Henkel damit Vorreiter.

Die Konditionen der Kreditlinie hängen nicht nur von der Bonität des Düsseldorfer Traditionskonzerns ab, sondern auch von den Nachhaltigkeitsbewertungen der Ratingagenturen ISS-Oekom, Sustainalytics und Ecovadis. Werden die Ratings besser, zahlt Henkel weniger Zinsen und umgekehrt. Die Spannbreite des Korridors nennt der Konsumgüterhersteller nicht, doch Knobel betont, dass die potenziellen Veränderungen spürbar seien. "Das ist kein Marketinginstrument."

Für innovative Finanzinstrumente zeigte sich der Markenartikler und Klebstoff-Weltmarktführer auch in der Vergangenheit schon offen. Der Green Loan findet schon erste Nachahmer. Ende Januar hat der Anlagenbauer und Technologiekonzern Voith die Vereinbarung einer Kreditlinie mit Nachhaltigkeitskomponente bekannt gegeben.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Antje Kullrich, Nummer 63, Seite 10, 162 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063060




CORPORATE FINANCE SUMMIT - SONDERPREIS

Fresenius schreibt Rechtsgeschichte

swa - "Wir sind keine Streithansel", stellt Fresenius-Vorstandschef Stephan Sturm klar. Doch manchmal muss man eine gerichtliche Auseinandersetzung in Kauf nehmen, um die eigenen Werte zu verteidigen. Für den Gesundheitskonzern Fresenius gab es keinen anderen Ausweg, als es darum ging, sich aus einer Übernahme wieder zu verabschieden, die ein Fehlgriff zu werden drohte. Beim geplanten Erwerb des US-Pharmaunternehmens Akorn für knapp 5 Mrd. Dollar stellte sich nach Ankündigung der Transaktion heraus, dass die Braut nicht so schön war wie erhofft und dass sie zudem eine unliebsame Vergangenheit hatte. Statt einer prognostizierten Marge von 40 % zeigte das Unternehmen plötzlich einen Ertragsverfall und rote Zahlen. Zudem bestätigten sich in anonymen Schreiben geäußerte Vorwürfe, wonach Akorn Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit Produktzulassungen begangen habe.

Fresenius zog daraufhin die Notbremse und kündigte den Kaufvertrag mit der Begründung, Akorn habe mehrere Vollzugsvoraussetzungen nicht erfüllt. Sich auf einen Rechtsstreit einzulassen, war ein großes Risiko für Fresenius, denn einen Präzedenzfall gab es nicht. Zudem wurden einem deutschen Unternehmen im aktuellen politischen Umfeld wenig Chancen vor einem US-Gericht eingeräumt. Dem Management sei klar gewesen, dass es Rechtsgeschichte schreiben müsse, um vor Gericht erfolgreich zu sein, sagt Sturm. Für den Manager war der Prozess in Delaware eine "hoch interessante Erfahrung", die man allerdings nicht unbedingt machen müsse. Dass Fresenius als Sieger aus dem Gerichtssaal ging, wird mit dem Sonderpreis im Rahmen der Corporate Finance Awards gewürdigt. Das Urteil hat für Furore gesorgt, weil erstmals ein Gericht in Delaware darüber entschieden hat, in welchem Fall vertraglich vereinbarte Rücktrittsklauseln den Abbruch einer Übernahme erlauben.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Sabine Wadewitz, Nummer 63, Seite 11, 254 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063068







CORPORATE FINANCE SUMMIT

Trump ärgert Firmenkäufer

Linde-Chairman Wolfgang Reitzle beklagt Politisierung der FTC

In der kartellrechtlichen Praxis hat sich nach Ansicht von Unternehmenslenkern einiges geändert. Die US-Wettbewerbsaufsicht werde politisch beeinflusst, die EU-Kommission passe sich nicht global veränderten Größenordnungen an. Ein Jurist und M&A-Experte hält dagegen.

ak Frankfurt - Wolfgang Reitzle macht aus seiner Verärgerung keinen Hehl: Die Wettbewerbshüter vor allem in den USA haben den Linde-Chairman beim Zusammenschluss mit Praxair Nerven gekostet. Als "erratisch und willkürlich" kanzelte er das Vorgehen der amerikanischen Kartellbehörde FTC in der Spätphase der Transaktion ab. Auf einem Panel zum Thema Kartellrecht auf dem Corporate Finance Summit der Börsen-Zeitung und der Beratungsgesellschaft PwC skizzierte er die insgesamt schwierigen Verhandlungen mit den Wettbewerbshütern, die in keinem Vergleich zu der vergangenen Großübernahme von BOC in den Nullerjahren gestanden hätten: "Da hat sich ganz viel verändert."

In den USA sieht Reitzle eine Politisierung der Wettbewerbsaufsicht. Bei der Fusion von Linde und Praxair sei mit der FTC zunächst alles recht glatt gelaufen. Die Aufsicht habe zunächst weitgehend so reagiert, wie es die Linde-Strategen durchgespielt hatten. Doch ab Mai 2018 habe sich die Lage völlig verändert: "Je besser man vorbereitet ist, desto stärker trifft einen der Zufall - und der hieß Trump", konstatierte Reitzle. Der US-Präsident habe die FTC an der Spitze neu aufgestellt, den einzigen früheren Commissioner abgesetzt und durch seine Stellvertreterin sowie vier weitere neue Commissioner - nach Parteibuch je zwei Republikaner und Demokraten - besetzt. Nach einjährigen Verhandlungen sei den Unternehmen dann im August 2018 mitgeteilt worden, es werde alles neu verhandelt - "nach für uns nicht nachvollziehbaren Kriterien", wie Reitzle beklagte.

Kritik an EU-Wächtern

Auch mit der EU-Kommission habe es Probleme gegeben, ging der Linde-Chairman mit den Kartellbehörden weiter ins Gericht. Linde habe sich bestens vorbereitet gefühlt und sei mit den von früher bekannten Kriterien an die Abschätzung der Kartellthematik herangegangen. Doch das Kalkül sei nicht aufgegangen: "In Europa haben die völlig anders reagiert", sagte Reitzle. Er beklagte, dass die europäischen Kartellwächter wegen der neuen Größenordnungen und der globalen Bezüge nicht etwa großzügiger würden. Linde/Praxair sei zwar als Ganzes genehmigt worden, "aber in Europa wurde der Deal eigentlich komplett abgelehnt". Linde musste das gesamte Praxair-Geschäft auf dem Kontinent abgeben.

Der M&A-Experte Prof. Christoph Schalast widersprach Reitzle und dem Knorr-Bremse-CEO Klaus Deller, der auch die Ablehnung des Siemens/Alstom-Zusammenschlusses durch die EU-Kommission scharf kritisiert hatte. Statistisch gesehen sei die EU-Kommission in der langjährigen Betrachtung nicht strenger geworden. Schalast erläuterte, in einer Auswertung seien die rund 6 000 Kartellverfahren, über die die EU-Kommission zwischen 1990 und 2018 entschieden habe, untersucht worden. Dabei habe es lediglich 27 Untersagungen gegeben. Siemens/Alstom war ein Fall davon.

Deller gab zu, dass die EU-Kommission bei Siemens/Alstom nach geltender Gesetzeslage nicht anders habe entscheiden können. Er forderte aber: "Wir müssen europäische Champions zulassen."

Störfeuer in Kartellverfahren kommen nach Ansicht des Juristen Schalast mittlerweile eher von ganz anderer Seite. Als potenzielle Dealbreaker macht er die Wettbewerber aus. Bei Kartellverfahren seien heutzutage viel häufiger Einsprüche von Konkurrenten zu beobachten. Sie hätten ganz klar das Ziel, einen Zusammenschluss zu verhindern. "Das gab es früher nicht."

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Antje Kullrich, Frankfurt, Nummer 63, Seite 11, 490 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063065




CORPORATE FINANCE SUMMIT - DER PREIS

Strategie und Finanzierung

cd - Die Börsen-Zeitung hat zum neunten Mal die Corporate Finance Awards verliehen. Ausgezeichnet wurden unternehmensstrategisch wie auch finanzierungstechnisch herausragende Transaktionen des Jahres 2018. Bei der Auswahl bewertete die Jury unter anderem die Größe, die Komplexität und die Originalität der Transaktion, außerdem den hinter der Transaktion stehenden unternehmerischen Ansatz.
Der Preis wurde in sieben verschiedenen Kategorien verliehen, außerdem wurde für 2018 erstmals ein Sonderpreis vergeben. Die Gewinner sind: Knorr-Bremse (IPO) für den erfolgreichen zweitgrößten Börsengang des Jahres in Deutschland, Linde (M&A) für die Fusion mit Praxair, SAP (Large Caps) für die Übernahme des CRM-Softwarehauses Qualtrics, Lanxess (Mid/Small Caps) für die Trennung vom Kautschukgeschäft, BMW/Daimler (Digital) für die Zusammenlegung der Mobilitätsdienste, Henkel (Debt) für die "grüne" Kreditlinie, Cerberus (Private Equity) für den Kauf der HSH Nordbank und Fresenius (Sonderpreis) für die juristisch komplexe Rückabwicklung der Akorn-Akquisition.

Der Jury unter Vorsitz von Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, gehören Martin Scholich, PwC Europe Advisory Leader, Alexander Dibelius, Geschäftsführer CVC, Daniela Favoccia, Partnerin bei Hengeler Mueller, Martin Reitz, Deutschland-Chef von Rothschild, sowie Christoph Schalast von der Kanzlei Schalast & Partner und Professor für M&A an der Frankfurt School an.

Die Transaktionen des Jahres 2018 wurden in der Börsen-Zeitung in einer Serie vorgestellt. Die Preisübergabe erfolgte im Rahmen des Corporate Finance Summits in Frankfurt in der Sky-Lobby des "Tower 185" des Veranstaltungspartners PwC. Weitere Informationen zum Corporate Finance Award und eine Übersicht der Porträts der Sieger wie auch der Videos der Preisträger finden Sie im Internet unter www.boersen-zeitung.de/finance-award.

Börsen-Zeitung, 30.03.2019, Autor Claus Döring, Nummer 63, Seite 11, 242 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019063066
 




























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