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Redaktion

Corporate Finance Awards der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Awards – Gewinner

SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (2)

AMS siegt dank Hartnäckigkeit

Mit zweitem Übernahmeangebot für Osram gegen Finanzinvestoren durchgesetzt - Gewinner in der Kategorie Mid/Small Caps

Der Bieterwettkampf um Osram brachte einige überraschende Wendungen. Letztlich setzte sich der in der deutschen Öffentlichkeit zuvor kaum bekannte österreichische Chip- und Sensorhersteller AMS durch. Mit großem Selbstbewusstsein und Hartnäckigkeit ging das Management die Übernahme der größeren Osram Licht AG an.AMS/Osram

Von Joachim Herr, München

Die Konkurrenz war hart: AMS musste sich im Ringen um Osram gegen ausgebuffte M&A-Profis durchsetzen. Bain Capital und Carlyle hatten zuerst das Lasso nach dem Münchner Lichttechnikkonzern geworfen. Doch dann folgte das österreichische Unternehmen und ein spannender Bieterwettkampf begann.

Nach längeren Verhandlungen mit Banken hatten die Finanzinvestoren Anfang Juli des vergangenen Jahres ihr Angebot von 35 Euro je Osram-Aktie bekannt gegeben. Sechs Wochen später übertraf die Offerte von AMS diesen Preis: Der Chip- und Sensorhersteller mit Sitz in Premstätten (Steiermark) bot zunächst 38,50 Euro und letztlich 41 Euro.

Doch erst mit dem zweiten Angebot erreichte AMS die selbst gesteckte Mindestannahmeschwelle von 55 %. Am Nikolaustag war es schließlich so weit. Auch für seine Hartnäckigkeit und Durchsetzungsstärke erhält das Unternehmen den Corporate Finance Award in der Kategorie Mid/Small Caps.

Das Ziel, Osram zu übernehmen, ist zwar noch nicht erreicht, aber eine schwere Etappe hat AMS geschafft. Wenn 9 bis 18 Kartellbehörden (die Zahl hängt davon ab, ob die EU oder einzelne Länder zuständig sind) zustimmen, würde AMS 59,9 % von Osram kontrollieren. 19,99 % erwarb das Unternehmen an der Börse, knapp 40 % dienten ihm die Osram-Aktionäre an.

Der nächste Schritt wäre für AMS dann, eine Dreiviertelmehrheit in einer außerordentlichen Hauptversammlung zu erreichen, um einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Osram abschließen zu können. Dass ein solcher Vertrag angestrebt wird, gab das Unternehmen in dieser Woche bekannt. Damit gerechnet wurde jedoch schon länger. Bis zum Abschluss eines solchen Vertrags hat AMS nun sechs bis neun Monate Zeit.

Ein Champion soll entstehen

Das große Ziel für den AMS-Vorstandsvorsitzenden Alexander Everke und sein Managementteam ist, mit Osram einen Champion für Fotonik zu schaffen - einen Weltmarktführer für Licht und Sensorik. Dafür soll die Optohalbleitersparte von Osram mit dem Sensorgeschäft der Österreicher gebündelt werden. Gemeinsam könnten, so die Idee von AMS, neue Produkte entwickelt werden, mit denen das Unternehmen Vorreiter im Markt und zumindest anfangs ohne Wettbewerber wäre.

Auf der bisherigen Strecke zum großen Ziel überwand AMS schon etliche Hürden. Anfangs hatte das Unternehmen selbst für Verwirrung gesorgt: Die Mitte Juli an Osram adressierte Interessenbekundung zog das Unternehmen nur wenige Stunden später zurück. Eine Woche danach ging es wieder in die andere Richtung, und am 12. August gab AMS ein Angebot von 38,50 Euro je Aktie bekannt.

Nach der Sommerpause verschärfte sich der Wettstreit der Bieter. Bain Capital zog ein neues Angebot in Erwägung - mit Advent als Partner anstelle von Carlyle. AMS konterte acht Tage später mit einer Finte: Die Österreicher kauften eine Aktie für 41 Euro und mussten somit allen anderen Anteilseignern von Osram diesen höheren Preis bieten. Ein neues Angebot war somit nicht erforderlich. Der Münchner Konzern wird damit mit rund 4,4 Mrd. Euro bewertet, einschließlich der Nettoschulden von 350 Mill. Euro (am 30. September 2019).

AMS hatte für das Übernahmeangebot relativ rasch ein Bankenkonsortium gewonnen. UBS, HSBC und Bank of America stellen die Finanzierung mit einem Brückenkredit, der maximal 4,42 Mrd. Euro betragen kann. Einen Teil der Refinanzierung hat sich AMS vor kurzem auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Januar gesichert: Die Aktionäre stimmten einer Kapitalerhöhung im Volumen bis 1,65 Mrd. Euro zu. Das im Vergleich mit dem ersten Übernahmeversuch verbesserte Finanzierungskonzept überzeugte auch den Vorstand von Osram und zumindest die Kapitalseite im Aufsichtsrat: Seit Mitte November unterstützen sie die Übernahmepläne von AMS ohne Vorbehalte. Da einigten sich beide Seiten zudem auf eine Vereinbarung für einen Zusammenschluss.

Folgen fürs Übernahmegesetz

Dagegen konnte das Management von AMS die Arbeitnehmerseite von Osram mit Betriebsrat und IG Metall im Aufsichtsrat bisher nicht von seinem Vorhaben überzeugen. Der Konzernbetriebsrat hatte sogar versucht, mit einer Beschwerde das zweite Übernahmeangebot untersagen zu lassen. Das Oberlandesgericht Frankfurt wies diese jedoch zurück. Der Hintergrund: Für den neuen Anlauf hatte AMS eine weitere Tochtergesellschaft gegründet und so die für ein und denselben Bieter geltende Sperrfrist von einem Jahr umgangen. "Wir folgen genau dem Gesetz", betont Vorstandschef Everke, der sich seit Beginn unbeirrt und fest entschlossen zeigt. Der Nebeneffekt des Vorgehens von AMS: Auf die offensichtlich gewordenen Lücke im deutschen Übernahmegesetz hat der Gesetzgeber inzwischen reagiert und eine Änderung im Recht veranlasst.

Im Vergleich mit dem ersten Angebot ging AMS im zweiten Anlauf einige Schritte auf Osram zu: So würde die Hälfte der Verwaltungsfunktionen eines gemeinsamen Unternehmens in München angesiedelt. Zudem soll die IG Metall einen Sitz im AMS-Aufsichtsrat bekommen und auf fusionsbedingte Kündigungen an den deutschen Osram-Standorten bis Ende 2022 verzichtet werden. Flexibilität, um einer Konjunkturschwäche zu begegnen, will sich AMS jedoch auch auf der Personalseite erhalten: "Jede Firma ist gezwungen, auf Marktgegebenheiten zu reagieren", sagt der für das Operative zuständige Vorstand Thomas Stockmeier.

Die Rolle der Hedgefonds

Zu wichtigen Spielern der Übernahme-Story wurden Hedgefonds. Sie hätten sogar den zweiten Versuch von AMS platzen lassen können, denn kurz vor Ende der am 5. Dezember um Mitternacht ausgelaufenen Frist sollen fast 50 % der Osram-Aktien in ihrem Besitz gewesen sein. Everke reiste zu Gesprächen mit Hedgefondsmanagern nach New York und London, um diese nahezu in letzter Minute für sein Vorhaben zu gewinnen. Er hatte Erfolg: Die Hedgefonds verkauften zumindest einen Teil ihrer Osram-Aktien, und die Mindestannahmeschwelle von 55 % wurde überschritten.

Nun lautet eine große Frage, wie AMS die Dreiviertelmehrheit in der Hauptversammlung erreichen will und welche Rolle dabei die Hedgefonds spielen. Zunächst braucht das Unternehmen allerdings die Freigaben der Kartellbehörden. Da sich die Geschäfte von AMS und Osram wenig überschneiden, sind Schwierigkeiten nicht zu erwarten. Die Österreicher rechnen bis Mitte dieses Jahres mit den Genehmigungen und wollen dann die Übernahme abschließen.

Bisher erschienen:
- RWE (8.2.)

Börsen-Zeitung, 14.02.2020, Nummer 31, Seite 10, 940 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020031062




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Corporate Finance Awards für die besten Deals des Jahres

M&A-Award geht an Merck, IPO-Preis an Teamviewer - KKR für Axel-Springer-Transaktion ausgezeichnet

scd Frankfurt - Die Gewinner der Corporate Finance Awards 2019 der Börsen-Zeitung stehen fest: Die Preise gehen in diesem Jahr an Merck, RWE, AMS, Teamviewer, Celonis, Wintershall Dea und KKR. Die Auszeichnungen in den sieben Kategorien IPO, M&A, Large Caps, Mid/Small Caps, Digital, Debt und Private Equity werden am 2. April im Rahmen des von der Börsen-Zeitung und PwC veranstalteten Corporate Finance Summit in Frankfurt überreicht.

Der Jury unter Vorsitz von Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, gehören Martin Scholich, PwC Europe Consulting Leader, Alexander Dibelius, Geschäftsführer der Private-Equity-Gesellschaft CVC, Daniela Favoccia, Partnerin bei der Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller, Martin Reitz, Geschäftsführer und Leiter Investment Banking Rothschild Deutschland, sowie Christoph Schalast von der Kanzlei Schalast & Partner, Professor für M&A an der Frankfurt School for Finance & Management, an. Wegen Interessenkonflikten hat sich Herr Schalast bei der Abstimmung in diesem Jahr enthalten. Mit den Awards zeichnet die Börsen-Zeitung bereits zum zehnten Mal Transaktionen oder Kapitalmarktmaßnahmen aus, die unternehmensstrategisch und/oder finanzierungstechnisch herausragen. Die Transaktionen mussten im Jahr 2019 erfolgt sein oder die wesentlichen kartellrechtlichen Hürden genommen haben. Letzteres gelang beim M&A-Deal des Jahres im Eiltempo. Vom ersten, zunächst noch feindlichen Gebot für die US-amerikanische Versum bis zum Closing benötigte Merck nur 222 Tage.

Mit einem deutlich länger angebahnten 40-Mrd.-Euro-Deal setzte sich RWE in der Kategorie Large Caps durch. Mit Eon wurde die Tochter Innogy zerschlagen und der Kohle-Dinosaurier zu einem der größten Ökostromerzeuger der Welt. Bei Mid/Small Caps siegte AMS mit Hartnäckigkeit. Die Übernahme von Osram brauchte mehrere Anläufe.

In der Kategorie IPO überzeugte der Börsengang von Teamviewer die Jury. Dem Göppinger Softwareunternehmen glückte mit 2,2 Mrd. Euro Emissionsvolumen nicht nur das größte deutsche Software-IPO überhaupt. Auch in der Folge lief es an der Börse rund. Binnen weniger Monate ist das Unternehmen mit 6,5 Mrd. Euro Börsenwert bereits in den MDax aufgestiegen.

Auch in der Kategorie Digital hatte für die Jury ein Softwarehaus die Nase vorn. Celonis analysiert Daten von Betriebsabläufen zu deren Optimierung und zählt etwa ABB, BMW und Citigroup zu ihren Kunden. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde warb das deutsche Einhorn vergangenes Jahr 290 Mill. Dollar zu einer Bewertung von 2,5 Mrd. Dollar ein.

In der Kategorie Debt wird das Debüt von Wintershall Dea am Fremdkapitalmarkt prämiert. Die erfolgreiche Anleiheplatzierung im Volumen von 4 Mrd. Euro ist für die Jury ein gutes Vorzeichen für den angepeilten Börsengang. Eine ungewöhnliche Allianz brachte KKR den Preis in der Kategorie Private Equity: der Einstieg und das spätere Delisting von Axel Springer.

Die Preisträger werden in den nächsten Wochen in einer Artikelserie vorgestellt. Den Anfang macht in der heutigen Ausgabe RWE, Sieger der Kategorie Large Caps.

Börsen-Zeitung, 08.02.2020, Nummer 27, Seite 1, 428 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020027005


CORPORATE FINANCE AWARD: DIE GEWINNER (1)

Wie RWE die grüne Wende schafft

Durch clevere Deals und die Zerschlagung von Innogy wird aus dem Kohledinosaurier ein Ökostromriese

Noch 2016 galt RWE als potenzieller Pleitekandidat. Doch mit dem Börsengang der Netztochter Innogy, dem Freikauf aus der Atommüll-Verantwortung und der Zerschlagung von Innogy gelingt die Wende. Aus dem Kohlekonzern wird ein Ökostromriese. Der Börsenwert hat sich auf fast 20 Mrd. Euro verdoppelt.

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Noch 2016 galt RWE als potenzieller Pleitekandidat. Von 100 Euro Anfang 2008 war der Kurs auf 12 Euro Ende 2015 gefallen. Seither hat sich der Börsenwert des Konzerns nahezu verdreifacht auf 18 Mrd. Euro. Mit mehreren cleveren Deals in drei großen Schritten befreiten Vorstandschef Rolf Martin Schmitz und das Führungsteam den konventionellen Kraftwerkskonzern aus der existenziellen Notlage, in die er durch die Energiewende mit Atomausstieg und subventionierter Ökostromschwemme geraten war. Inzwischen sind die Weichen gestellt: Aus dem Kohledinosaurier RWE wird binnen weniger Jahre einer der größten Erzeuger erneuerbarer Energien der Welt.

Im ersten Schritt trennte RWE 2016 die Geschäfte mit den Netzen, dem Vertrieb und der Ökostromerzeugung vom konventionellen Kraftwerksgeschäft ab und brachte sie im Oktober unter dem Namen Innogy an die Börse. Mit einem Emissionserlös von 4,5 Mrd. Euro für 24 % der Anteile handelte es sich um den größten Börsengang in Deutschland der vergangenen zwei Jahrzehnte. Investoren wurden in Zeiten des Nullzinses angelockt von den verlässlich im Voraus berechenbaren Erträgen aus den staatlich regulierten Stromnetzen, die sichere Dividenden versprachen. Fast 1 Mrd. Euro schüttete Innogy Jahr für Jahr an die Aktionäre aus.

Im zweiten Schritt wurde RWE die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls zu vertretbaren Kosten an den Staat los. Rund 7 Mrd. Euro zahlte der Konzern Mitte 2017 in den insgesamt rund 25 Mrd. Euro schweren Atomfonds ein, der als Stiftung öffentlichen Rechts organisiert ist und die Ewigkeitslasten der Kernenergie tragen wird. Für Investoren fiel damit ein bedeutender Unsicherheitsfaktor weg.

Den dritten und größten Coup aber landeten RWE-Chef Schmitz und sein Team im März 2018. RWE teilte die Tochter Innogy mit dem ewigen Rivalen Eon auf - ein rund 22 Mrd. Euro Eigenkapital schwerer Deal - inklusive Schulden mehr als 40 Mrd. Euro -, bei dem jedoch wenig bares Geld fließt und stattdessen hauptsächlich Unternehmensteile getauscht werden. Eon erhält Netze und Vertrieb von Innogy. RWE bekommt im Gegenzug die Ökostromsparten von Eon und Innogy sowie einige weitere Kraftwerksbeteiligungen und eine 17-%-Beteiligung an Eon.

Grünes Licht aus Brüssel

Im September 2019 gibt Brüssel nach vertiefter Prüfung unter moderaten Auflagen grünes Licht für die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon. Aus dem Deal geht Eon als Europas größter Stromverteiler hervor und RWE als weltweit zweitgrößter Meereswindparkbetreiber. Bei Eon türmt sich der Schuldenberg mit der Übernahme auf knapp 40 Mrd. Euro auf. RWE wird größter Aktionär bei Eon.

Die Logik des Deals für RWE: Der Konzern hat die sicheren Dividenden der Netztochter Innogy gegen ein volatileres, aber zukunftsträchtiges Geschäft mit Windrädern und Solaranlagen eingetauscht, weil das Unternehmen mit den Braunkohlekraftwerken sonst über kurz oder lang zur Abwicklungsanstalt ohne Zukunft verkommen wäre. Vorläufiger Höhepunkt dieser Wandlungsgeschichte ist der beschleunigte Ausstieg aus der Kohleverstromung, für den RWE im ersten Schritt mit rund 3 Mrd. Euro von der Bundesregierung entschädigt wird.

Als Stromerzeuger ist der Konzern zu neuer Bedeutung gelangt: RWE hat nach der Analyse des Bundeskartellamts in der Stromerzeugung eine Position an der Schwelle zur Marktbeherrschung. "RWE ist derzeit zwar nicht marktbeherrschend, steht aber vergleichsweise nahe an der Beherrschungsschwelle", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt Ende 2019. Der Konzern sei erneut in einer erheblichen Anzahl von Stunden für die Deckung der Stromnachfrage unverzichtbar. "Bereits eine relativ geringfügige weitere Verknappung der Angebotskapazitäten im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs könnte dazu führen, dass RWE die Schwelle zur Marktbeherrschung überschreitet." Das wäre dann also für Ende 2022 zu erwarten.

Aufgrund der zuletzt guten Entwicklungen erwartet der Vorstand für 2019 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf der Basis "RWE stand-alone" von 1,8 Mrd. bis 2,1 Mrd. Euro anstatt 1,4 Mrd. bis 1,7 Mrd. Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda von RWE stand-alone, ohne operative Beiträge der früheren Tochter Innogy, ist in den ersten neun Monaten auf 1,5 Mrd. Euro geklettert - rund 200 Mill. Euro mehr als vor Jahresfrist. Die Zuwächse waren allerdings vor allem dem schwankenden Energiehandel zu verdanken.

Für Berater und Investmentbanker entwickelte sich der Milliardendeal der Zerschlagung von Innogy, der für RWE ein Befreiungsschlag war, zu einer Goldgrube. Mehr als 50 Mill. Euro verdienten sie schätzungsweise daran. Federführende Berater auf der Seite von Eon waren Perella Weinberg und BNP Paribas. Goldman Sachs hatte die Arbeit der Verteidigung von Eon gegen eine unerwünschte Übernahme beendet, war aber noch beim Übernahmeziel Innogy engagiert. Für RWE arbeiteten Bank of America Merrill Lynch und Citi sowie die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Der RWE-Aufsichtsrat setzte auf Rothschild. Hengeler Mueller war für Innogy tätig.

Durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung will RWE die CO2-Emissionen bis 2030 um 70 % reduzieren und bis 2040 auf null verringern. Der Konzern wandelt sich durch den Innogy-Deal zum reinen Stromerzeuger mit einem Portfolio von 46 Gigawatt, das sich von Windrädern an Land und auf See über Solaranlagen, Gaskraftwerke und Kohlemeiler bis hin zu Wasserkraft, Biomasse und Atomkraft erstreckt. Die Ökostromsparte von Eon hat RWE bereits erhalten, die Erneuerbaren von Innogy wechseln 2020 zu RWE.

Auch den Generationenwechsel an der Spitze des Stromkonzerns hat RWE-Chef Schmitz schon angekündigt. Die Neuausrichtung des Unternehmens auf erneuerbare Energien sei ein sehr internationales Geschäft. "Ich weiß nicht, ob ich dafür langfristig der richtige Manager bin."

Als Kandidat mit den größten Chancen auf die Nachfolge gilt Finanzchef Markus Krebber, der von der Commerzbank zu RWE gewechselt war.

Börsen-Zeitung, 08.02.2020, Nummer 27, Seite 8, 897 Wörter

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