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Redaktion

Corporate Finance Awards der Börsen-Zeitung

Corporate Finance Awards – Gewinner

SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (7)

Springer geht Teil der Wegstrecke mit KKR

US-Finanzinvestor steigt bei Medienkonzern ein - Delisting-Angebot endet heute - Rückzug von der Börse im Mai erwartet

Nach dem milliardenschweren Einstieg des US-Finanzinvestors KKR will der Berliner Medienkonzern Axel Springer auf dem Weg zum Digitalkonzern Tempo zulegen. Das Delisting-Angebot für die wenigen im Streubesitz verbliebenen Anteile endet um Mitternacht. Springers Rückzug von der Börse ist bereits ausgemacht.Axel Springer auf dem Weg zum Digitalkonzern

Von Stefan Paravicini, Berlin

Das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot, das der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR)im vergangenen Sommer für die Anteile des Berliner Medienkonzerns Axel Springer zu einer Bewertung von rund 8 Mrd. Euro lancierte, kam unter einem ungewöhnlichen Titel daher. Denn das Vehikel, über das die Offerte anlief, firmiert unter dem Namen "Traviata II S.a.r.l.". Beobachter hatten schnell eine Erklärung dafür. Schließlich ist Philipp Freise, Co-Chef Private Equity von KKR in Europa, der als einer der Dirigenten des Springer-Deals gilt, ein ausgewiesener Opernfreund. Eine Milliardentransaktion im Zeichen von "La Traviata", einer Oper von Giuseppe Verdi über das Schicksal einer Kurtisane, "der vom Wege Abgekommenen"? Das traut sich auch nicht jeder. Gut neun Monate später steht längst fest, dass der Deal nicht Gefahr läuft, vom Weg abzukommen.

Ganz im Gegenteil: Nach Ablauf der Annahmefrist im August hatte KKR für rund 2,9 Mrd. Euro 42,5 % des Springer-Grundkapitals eingesammelt und damit die Mindestannahmeschwelle von 20 % deutlich überschritten. Bis Anfang Dezember, als alle nötigen Freigaben für die Transaktion vorlagen, hatte der Investor weitere Anteile erworben und mit Canada Pension Plan Investment Board einen weiteren Investor bei Traviata an Bord geholt, der sich mit gut 500 Mill. Dollar beteiligt hat. Ende Januar kündigte KKR ein Delisting-Angebot für die rund 3,6 % im Streubesitz verbliebenen Anteile von Springer an. Heute um 24 Uhr endet die Frist für diese Offerte. Bis Mittwochabend wurden KKR noch einmal rund 0,8 % des Grundkapitals angedient, so dass der Finanzinvestor jetzt bei gut 45 % steht.

Axel Springer hatte bereits im Januar angekündigt, noch vor Ablauf der Offerte einen Antrag auf Delisting bei der Frankfurter Wertpapierbörse zu stellen. Unabhängig davon, ob KKR in den letzten Stunden vor Fristablauf und trotz Corona-Epidemie weitere Anteile angedient werden, wird der Medienkonzern im Mai nach knapp 35 Jahren vom Börsenzettel verschwinden.

Dass die Offerte von KKR auf ein besseres Ende als Giuseppe Verdis Oper zusteuerte, war von Anfang zu erwarten, da der Investor sich zuvor mit Verlegerwitwe Friede Springer und Konzernchef Mathias Döpfner auf die Partitur für eine strategische Zusammenarbeit geeinigt hatte. Friede Springer bleibt nach dem Einstieg von KKR mit 42,6 % beteiligt, während Döpfner 2,8 % der Anteile hält. Der CEO leitet den Aktionärsausschuss, in dem sich die Gesellschafter abstimmen. KKR ist hier mit Co-Gründer Henry Kravis, Europa-Chef Johannes Huth und Philipp Freise vertreten, was die Bedeutung des Engagements untermauert.

Anstatt vom Wege abzukommen, ist die Partnerschaft auf Zeit - KKR hat sich verpflichtet, "für einen Zeitraum von grundsätzlich fünf Jahren" keine Anteile abzugeben - darauf ausgelegt, den von Springer in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg in Richtung Digitalkonzern eine Strecke gemeinsam zu gehen und dabei noch einmal Tempo aufzunehmen. Befreit von den schrillen Tönen von Analysten und Investoren, die Springer immer wieder zu hören bekam, wenn der Konzern Investitionen in das wachsende Geschäft mit Online-Anzeigen oder digitale Nachrichtenangebote in Aussicht stellte, will Vorstandschef Döpfner den Konzern zum Weltmarktführer im digitalen Journalismus und bei digitalen Rubrikenangeboten machen, wie er vor wenigen Tagen noch einmal unterstrichen hat.

Massive Investitionen geplant

"2019 war für Axel Springer ein besonderes Jahr", sagte der Vorstandschef, der seine Karriere einst als Musikkritiker im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" startete und ohne Zweifel auch zu "La Traviata" eine eigene Meinung hat, bei der Vorstellung der Jahreszahlen. "Jetzt starten wir mit unserem Partner KKR eine neue Phase. Wir werden zukünftig massiv in digitalen Journalismus und in digitale Rubrikenangebote investieren, um in beiden Feldern weltweit führend zu werden", erklärte Döpfner.

Im vergangenen Jahr trugen die digitalen Angebote insgesamt fast drei Viertel des Konzernumsatzes und den Löwenanteil des operativen Ergebnisses bei, auch wenn der Anteil am bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), der 2018 schon oberhalb von vier Fünftel lag, nicht gesondert ausgewiesen wird (siehe Grafik). Das dürfte vor allem daran liegen, dass Restrukturierungen im nationalen Print-Geschäft mit den Flaggschiffen "Bild" und "Welt" das operative Ergebnis der nichtdigitalen Aktivitäten von Springer zuletzt in die roten Zahlen gedrückt haben.

Im letzten Akt von "La Traviata" sinkt Violetta zu Boden, nachdem sie Alfredo, ihrem Liebhaber, aufgetragen hat, ein neues Glück zu suchen. Eine italienische Oper eben. Wie das Schlussbild mit KKR, Friede Springer und Mathias Döpfner auf der Opernbühne aussehen wird, ist noch nicht absehbar. Von Beobachtern als Vorbild bemüht wird immer wieder das norwegische Verlagshaus Schibsted, das vor knapp einem Jahr sein internationales Geschäft mit Online-Kleinanzeigen in die Tochter Adevinta abgespalten und an die Börse geführt hat. Die Marktkapitalisierung von Adevinta lag zuletzt auf Augenhöhe mit Springer, und Schibsted, bei der die Verlegerfamilie knapp ein Viertel der Anteile hält, ist weiter mit 60 % beteiligt.

Bisher erschienen:
- Wintershall Dea (13.3.)
- Celonis (6.3.)
- Teamviewer (28.2.)
- Merck (21.2.)
- AMS (14.2.)
- RWE (8.2.)

Börsen-Zeitung, 20.03.2020, Nummer 56, Seite 13, 804 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020056073&t=tw




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SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (6)

Wintershall Dea gelingt glänzendes Debüt

Gas- und Ölkonzern emittiert vier Bond-Tranchen über zusammen 4 Mrd. Euro - Kosten- und Leverage-Kontrolle zugesagt - Positives Signal für angepeiltes IPO

Wintershall Dea hat ein glänzendes Debüt am Kapitalmarkt gefeiert. Die 4-Mrd.-Euro-Anleihe, die im vergangenen September emittiert wurde, war um das 2,7-Fache überzeichnet. Mit diesem Erfolg war bei einem Unternehmen, das damals nicht einmal fünf Monate alt war und zur schwankungsanfälligen Öl- und Gasbranche gehört, nicht unbedingt zu rechnen. Auch sonst setzte Wintershall Dea mit der Platzierung Zeichen: Es war die größte Erstemission eines Unternehmens mit "Baa2"-Rating (Moody's) überhaupt. Zudem wurde mit zwölf Jahren die längste Laufzeit einer Tranche bei einer Erstemission platziert.

Von Martin Dunzendorfer, Frankfurt

Noch nie hat ein Debütant am Kapitalmarkt ein solch hohes Anleihevolumen emittiert. Dass der Bondgläubiger - das größte deutsche Gas- und Ölunternehmen Wintershall Dea - so problemlos 4 Mrd. Euro einsammeln konnte, ist ein großer Vertrauensbeweis der Anleger und gleichzeitig ein Zeichen für die Wirtschaftskraft und Reputation des Konzerns.

Mitte September 2019 platzierte Wintershall Dea eine Anleihe in vier Tranchen mit einem Volumen von jeweils 1 Mrd. Euro. Die vierjährige (2023) wird jährlich mit 0,452 % verzinst, die sechsjährige (2025) mit 0,84 %, die neunjährige (2028) mit 1,332 %. Für die zwölfjährige Tranche muss der Konzern pro Jahr 1,823 % Zinsen zahlen. Moody's bewertet die Bonds mit "Baa2" und Fitch mit "BBB"; das entspricht auch den langfristigen Ratings von Wintershall Dea (vgl. BZ vom 19.9.2019).

Es war die erste Transaktion von Wintershall Dea auf den Kapitalmärkten. Das Orderbuch umfasste nach Angaben aus Finanzkreisen rund 10,6 Mrd. Euro. Gemäß Paul Smith, dem CFO von Wintershall Dea, war es damit um das 2,7-Fache überzeichnet. "Das spricht nicht nur für die Kreditqualität von Wintershall Dea, sondern validiert auch die Strategie unseres Unternehmens sowie unsere Rolle in der Energiewende", so der Finanzchef. Er verwies stolz auf die "Reihe von Meilensteinen", die Wintershall Dea mit der Transaktion erreicht habe, zum Beispiel die größte Erstemission und die längste Laufzeit einer Tranche in Euro für ein Unternehmen ohne vorherigen Zugang zum Kapitalmarkt - und das "vor dem Hintergrund unserer noch jungen Geschichte als Wintershall Dea".

Das Unternehmen entstand am 1. Mai vorigen Jahres durch den Zusammenschluss der Öl- und Gasaktivitäten des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF (Wintershall) mit denen von Letter One (Dea). Die Verschmelzung war allerdings schon Ende 2017 vereinbart worden. Wintershall war ganz überwiegend in der Exploration, Erschließung und Förderung (Upstream-Geschäft) tätig. Zudem brachte Wintershall bzw. BASF das Midstream-Geschäft mit in die "Ehe". Transport, Lagerung und Großhandel waren sogar  die Wurzel der Zusammenarbeit mit Russland, die später mit den Upstream-Aktivitäten in Russland ausgebaut wurde. Hinter dem Fusionspartner, der ehemaligen RWE-Sparte Dea, steht seit 2014 die Letter-One-Gruppe des russischen Milliardärs und Oligarchen Michail Fridman. Wintershall Dea mit Doppelsitz in Kassel und Hamburg beschäftigt weltweit rund 4 000 Mitarbeiter und sucht und fördert in weltweit 13 Ländern Gas und Öl. Upstream-Aktivitäten gebe es in Europa, Russland, Lateinamerika sowie in der Mena-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika).

Die hohe Nachfrage erlaubte es den Konsortialbanken, die Preise der vier Tranchen gegenüber den ursprünglichen Vorstellungen anzuheben, was die Renditen für die Bondgläubiger drückte. Die vierjährige Anleihe wurde nach Unternehmensangaben zu 110 BP über Swaps verkauft, die sechsjährige zu 140 BP, die neunjährige zu 170 BP und die zwölfjährige zu 200 BP über Swaps. Die Bonds sind im Euro MTF Markt der Börse Luxemburg gelistet.

Zum Erfolg der Emission trug bei, dass mittlere Laufzeiten gewählt wurden, denn diese führten bei einem Emittenten mit dem zweitniedrigsten Investment-Grade-Rating (Moody's) zu positiven Renditen. Genau danach wurde damals von Investoren gesucht, weil auf Euro lautende Kurzläufer von Emittenten, die ebenfalls Anlagequalität hatten, seinerzeit in negatives Terrain gerutscht waren.

Das Bankenkonsortium, das die Transaktion begleitete, bestand aus Bank of America, Barclays, J.P. Morgan und Société Générale als Joint Lead Managers. Joint Bookrunners waren Citigroup, Commerzbank, Crédit Agricole CIB, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC, ING, Mizuho Securities, Morgan Stanley, MUFG und Unicredit. Während Wintershall Dea von Linklaters beraten wurde, war Freshfields Bruckhaus Deringer der Lender's Legal Advisor.

Banken machen guten Job

Der Job der Lead-Banken war bei der Transaktion nicht so einfach, wie das volle Orderbuch suggeriert. Immerhin waren die starken Schwankungen des Ölpreises und die zunehmenden geopolitischen Spannungen im Spätsommer 2019 mit dem Anleihevolumen und den Kupons in Einklang zu bringen. So waren kurz vor der Emission der Bonds am 14. September im östlichen Saudi-Arabien zwei Anlagen der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco durch Drohnen und Marschflugkörper angegriffen worden, was zu Turbulenzen auf den Märkten führte. Außerdem brachte der September ein Rekordvolumen bei Anleihen, die von Investment-Grade-Schuldner emittiert wurden.

Zu Beginn sei auch an eine Emission in Dollar gedacht worden, heißt es aus Bankenkreisen. Doch aufgrund des überwältigenden Interesses von Investoren in Europa habe man sich auf eine Bondemission in Euro konzentriert. Marco Baldini, Head of European Bond Syndicate bei Barclays, hatte in einem Interview erklärt, dass 2019 für erfahrene und etablierte Bond-Emittenten ein "lockeres" Jahr gewesen sei; in Spezialfällen wie bei Debütanten sei es darauf angekommen, positiv hervorzustechen. Wintershall Dea sei "a tough credit in a tough industry" gewesen. Doch letztlich sei es ein "fantastischer Deal" geworden.

Zur Refinanzierung eingesetzt

Bleibt die Frage: Was machte Wintershall Dea eigentlich mit dem Erlös aus der Bondemission? Dieser diente in erster Linie zur vollständigen Refinanzierung der kurzfristigen Brückenfinanzierung in Höhe von 3,7 Mrd. Euro, die zum Closing der Fusion gut vier Monate vor der Anleihenausgabe aufgenommen worden war. Der Restbetrag sollte für die Finanzierung der Transaktionskosten, die in Verbindung mit dem Merger entstanden sind, und für allgemeine Unternehmenszwecke eingesetzt werden. "Der Erfolg unserer ersten Anleiheemission ist der Abschluss unserer Refinanzierung nach dem Merger", sagte Mario Mehren, Vorstandsvorsitzender von Wintershall Dea.

Zwar wäre die Brückenfinanzierung, die von 16 internationalen Banken bereitgestellt wurde, noch bis mindestens Mai 2020 gelaufen, doch der CFO wollte die Ausfinanzierung den Angaben zufolge aufgrund der "sehr guten Konditionen und der somit erreichten Sicherheit noch in diesem Jahr (2019) realisieren".

Nach Abschluss der Platzierung bleibe das Verhältnis von Nettoschulden zu Ebitdax (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationsausgaben) unverändert, versprach Wintershall Dea im September. Und wie es sich für einen weitsichtigen CEO gehört, schlug Mehren schon im Rahmen der Bondemission unüberhörbar die Werbetrommel für den im zweiten Halbjahr 2020 erwarteten Börsengang. "Mit unserer Produktion von rund 590 000 BOE (Barrels of Oil Equivalent) pro Tag im Jahr 2018, einer Reichweite der 1P-Reserven (nachgewiesene Reserven; die Red.) von 15 Jahren und der Beteiligung an einem großen europäischen Verteilerleitungsnetz sind wir das führende eigenständige Gas- und Ölunternehmen in Europa", so der Vorstandschef.

Mehren kündigte an, dass die Umsetzung des Entwicklungsportfolios in den nächsten Jahren für Wintershall Dea das zentrale Thema sein wird, "um erhebliches Produktionswachstum zu erzielen". Der Börsenkandidat plant nach früheren Angaben, bis 2023 die durchschnittliche Tagesproduktion von 590 000 Barrel Öleinheiten auf 750 000 BOE zu steigern.

Widerstandsfähigkeit erhöht

Um den Anlegern die Scheu vor Anleihen und Aktien aus der schwankungsanfälligen Öl- und Gasbranche zu nehmen, betonte Mehren: "Unser Betriebskostenniveau erhöht unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber Preisveränderungen auf dem Rohstoffmarkt." Vor allem die Personalkosten dürften durch den mit der Fusion einhergehenden Jobabbau deutlich gesunken sein. Gleichzeitig, so der CEO weiter, sorge das Portfolio von Wintershall Dea mit einem Gasanteil von etwa 70 % für "eine gute Ausgangsposition für den Übergang hin zu einer Wirtschaft mit geringeren Kohlenstoffemissionen".

Bisher erschienen:
- Celonis (6.3.)
- Teamviewer (28.2.)
- Merck (21.2.)
- AMS (14.2.)
- RWE (8.2.)

Börsen-Zeitung, 13.03.2020, Nummer 51, Seite 13, 1159 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020051073




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SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (5)

Celonis lässt Unternehmen besser werden

Software für die Optimierung von Betriebsabläufen - Stark wachsendes Einhorn mit großen Ambitionen - Sieger in der Kategorie Digital

Gerade einmal neun Jahre alt ist Celonis. Und schon hat es das Unternehmen zum klaren Weltmarktführer gebracht. Allerdings ist der Markt für Process Mining noch sehr jung. Die drei Gründer und Vorstände versprechen sich deshalb weiterhin enormes Wachstum, denn jedes Unternehmen habe Verbesserungsbedarf.Celonis auf steilem Wachstumspfad

Von Joachim Herr, München

Nein, in einer Garage haben die drei Gründer von Celonis nicht angefangen. Es war in der Wohnung von Bastian Nominacher - nicht weit von der Theresienstraße im Münchner Stadtteil Maxvorstadt und nicht weit von den Universitäten entfernt. In dieser Straße sind heute die Büros des Unternehmens verteilt auf zwei Gebäude untergebracht. 2011 war es, als sich Nominacher, Martin Klenk und Alexander Rinke zusammentaten.

Alle drei studierten an der Technischen Universität München (TUM): Klenk Informatik, Rinke Mathematik und Nominacher Wirtschaftsinformatik. Die drei, mittlerweile im Alter von Anfang bis Mitte 30, waren in einer Unternehmensberatung von Studenten der TUM aktiv. Aus einem erfolgreichen Projekt entstand die Idee für Celonis: Kurz gesagt geht es darum, eine Vielzahl von Daten in Unternehmen zu analysieren und daraus Rückschlüsse für das schnelle Verbessern von Betriebsabläufen zu ziehen. Process Mining ist der englische Fachbegriff.

90 Prozent Marktanteil

Nach Erkenntnissen des Marktforschungsinstituts Gartner ist Celonis mit ihrer Software klar der Marktführer in dem noch relativ jungen Feld. Das Unternehmen selbst beziffert seinen Anteil auf 90 bis 95 % . Für Investoren ist das wachstumsstarke Unternehmen offenbar sehr attraktiv. In der dritten und bisher letzten Finanzierungsrunde im vergangenen Herbst erhielt Celonis rund 290 Mill. Dollar. Basis war eine Bewertung des Unternehmens mit 2,5 Mrd. Dollar. Angeführt wurde die Runde von Arena Holdings in New York, Accel und 83 North beteiligten sich wie schon in den zwei vorangegangen Runden. Accel ist eine Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft mit Hauptsitz in Palo Alto (Kalifornien), die Venture-Capital-Gesellschaft 83 North (früher: Greylock) hat Büros in London und in Herzlia (Israel).

Und erst in diesen Tagen machte Celonis mit einer Personalie auf sich aufmerksam: Der Spanier Miguel Milano (51) wechselt von dem US-amerikanischen Software-Unternehmen Salesforce zu Celonis. Am 1. April wird er dort als Chief Revenue Officer Vorstand, unter anderem für den Vertrieb. Zudem wird Milano Mitinhaber. Salesforce ist einer der Technikpartner von Celonis.

Zu den Einhörnern zählt Celonis seit dem Sommer 2018, als die Bewertung die entscheidende Schwelle von 1 Mrd. Dollar erreicht hat. 50 Mill. Dollar sammelte das Gründer-Trio damals von Investoren ein. Die erste Runde im Juni vor vier Jahren hatte dem aufstrebenden Unternehmen 27,5 Mill. Dollar eingebracht.

"Daten sind akkurater"

Für diese Erfolge wird Celonis mit dem Corporate Finance Award in der Kategorie Digital ausgezeichnet. Es ist nicht das erste öffentliche Lob in jüngster Zeit: So erhielten die drei Vorstände Ende November von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Deutschen Zukunftspreis. Zum ersten Mal in den vergangenen 20 Jahren gewann ein Softwareunternehmen.

Richtig angefangen hatte die Karriere der drei Gründer mit dem Bayerischen Rundfunk als Kunden. Als Unternehmensberater an der TUM bekamen Nominacher, Klenk und Rinke den Auftrag, die IT-Prozesse des öffentlich-rechtlichen Senders zu verbessern. Anstatt Mitarbeiter zu befragen, vertrauten die drei den Daten über die Abläufe und wendeten Algorithmen an. Nominachers Begründung: "Daten sind akkurater als Interviews." Rasch folgten weitere Projekte, Siemens gehörte bald dazu. "Die Kunden waren total begeistert", erinnert sich Nominacher. Im Siemens-Konzern, einem der größten Kunden, wenden nach seinen Worten heute rund 6 000 Mitarbeiter das Verfahren an.

Auf der Liste stehen noch andere große deutsche und internationale Adressen: BMW, Lufthansa, Deutsche Telekom, RWE, Schaeffler, Edeka, Vodafone, ABB, Airbus, Uber sowie Citigroup, ABN Amro und ING. Kunden in mehr als 30 Ländern und aus 20 Branchen gehören zum Portfolio von Celonis. Process Mining funktioniert nach Meinung der drei Vorstände in jedem Unternehmen.

Die Lufthansa habe damit die Pünktlichkeit der Flüge für 8 Millionen Passagiere verbessert, indem die Arbeiten der Bodendienste besser aufeinander abgestimmt worden seien. Die Deutsche Telekom habe Millionen eingespart, da Zahlungen, Bestellungen und Lieferungen optimiert worden seien.

Die Software von Celonis kommt an. "Wir sind eines der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen der Welt", behauptet Nominacher. Um 130 % sei der Umsatz 2019 gewachsen (siehe Grafik). Absolute Zahlen nennt Celonis nicht mehr. Das sei der Wunsch der Investoren - auch mit Blick auf den Wettbewerb. Im Bundesanzeiger ist als letzter Eintrag nur die Bilanz von 2016 einzusehen. Immerhin berichtet Nominacher, der Auftragseingang sei im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. Mai endet, auf mehr als 100 Mill. Dollar gestiegen. Für den laufenden Turnus strebt das Unternehmen eine Verdopplung an. Nominacher erkennt auch für die weitere Zukunft große Wachstumschancen: "99 % des Marktes haben wir noch nicht gewonnen."

Griechischer Namensgeber

Die Ambitionen sind groß. Dazu passt der Name des Unternehmens: Taufpate war Zelos, der griechische Gott des Strebens. Um in alphabetischen Rangfolgen nicht am Ende zu stehen, tauschten die drei Gründer einfach den Anfangsbuchstaben.

Nach eigenen Angaben ist Celonis seit der Gründung profitabel. Aus dem Drei-Mann-Start-up ist ein Unternehmen mit mehr als 800 Mitarbeitern geworden. Seit Mitte 2018 hat sich die Zahl verdoppelt. Ihr Durchschnittsalter schätzt Nominacher auf 30 Jahre. Allen bietet Celonis die Teilnahme an einem Aktienoptionsprogramm an. Einen Zeitplan für einen Börsengang gebe es nicht, sagt Nominacher. Dank der Investoren könne sich Celonis mit diesem Schritt Zeit lassen.

Mehr als die Hälfte des Geschäfts macht das Unternehmen inzwischen im Ausland. Es besitzt Niederlassungen in New York und vier anderen Städten in den USA, in Tokio, London und den Niederlanden.

Mit dem in der jüngsten Finanzierungsrunde eingenommenen Geld will Celonis den globalen Vertrieb, den Service und das Marketing ausbauen, ebenso die Technologie. Für die Weiterentwicklung der Software - mittlerweile werde die fünfte Generation eingesetzt - arbeite das Unternehmen mit der Technischen Universität München und 200 anderen Hochschulen zusammen, berichtet Nominacher.

Bisher erschienen:

- Teamviewer (28.2.)
- Merck (21.2.)
- AMS (14.2.)
- RWE (8.2.)

Börsen-Zeitung, 06.03.2020, Nummer 46, Seite 13, 930 Wörter
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020046066




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SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (4)

Teamviewer-Börsengang überstrahlt maues IPO-Jahr

Mehr als 2 Mrd. Euro Emissionserlös - Permira vervielfacht Einsatz - Vor allem ausländische Institutionelle zeichnen - Aufstieg in den MDax im Eiltempo

Börsennotierte Softwaregesellschaften sind in Deutschland schon selten. Börsengänge von wachstumsstarken Softwarehäusern noch seltener. Vergangenes Jahr hat Teamviewer gleich beide Kategorien bereichert und zugleich die schwache Bilanz am deutschen Aktienprimärmarkt aufpoliert. Mit einem Emissionsvolumen von knapp 2 Mrd. Euro schaffte es das Göppinger Unternehmen als größtes IPO des Jahres an die Frankfurter Börse. Nach wenigen Wochen folgte dann noch die Aufnahme in den MDax.Teamviewer

Von Sebastian Schmid Frankfurt

Liegt ein Unternehmen in Private-Equity-Hand, bedeutet das nicht selten, dass ein Verkauf einem Börsengang als Exit-Option vorgezogen wird. Schon allein, weil man sich nur so unmittelbar komplett aus dem Investment zurückziehen kann. Bei Teamviewer hatte der Finanzinvestor Permira indes schon früh nach dem Erwerb 2014 das Going Public im Blick. Gut 150 Mill. Euro Jahresumsatz und unter 100 Mill. Euro operativen Ertrag (Ebitda) wies die Göppinger Softwareschmiede damals auf. Mittlerweile hat sich der Umsatz fast schon verdreifacht und der operative Ertrag nahezu verdoppelt - mit prozentual klar zweistelligen Wachstumsraten und einem von Lizenz- und Wartungserlösen zu Cloud-Diensten transformiertem Geschäftsmodell.

Dabei stößt das Unternehmen in eine Lücke im Softwaregeschäft, die sich mit der wachsenden Automatisierung und dem Internet der Dinge auftut. Der Bedarf an Überwachung und Steuerung entfernter Geräte nimmt stetig zu. Auch die globale Zusammenarbeit in Entwicklungsteams vieler Firmen erfordert einen Fernzugang der Mitarbeiter zu ihrem digitalen Arbeitsumfeld.

Virtuelle Zusammentreffen ersetzen zunehmend die Geschäftsreise - auch aus Zeit- und Kostengründen und nicht erst seit der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus. Schon vor dem Auftreten der neuen Viruserkrankung hatte McKinsey in einer Studie ermittelt, dass sich der adressierbare Markt für Teamviewer bis 2023 auf gut 30 Mrd. Euro rund verdreifachen dürfte.

Das Gros dieses Marktes besteht indes aus dem Enterprise-Geschäft mit großen Konzernen (59 %). Teamviewer, deren Software in der Basisversion als kostenloser Download zur Verfügung steht, war bislang aber vor allem bei Privatanwendern sowie kleinen und mittelgroßen Firmenkunden gut vertreten. Die Unternehmensführung um CEO Oliver Steil und CFO Stefan Gaiser zielte für das Wachstum in den kommenden Jahren daher neben der regionalen Expansion in Asien auf den Ausbau des Enterprise-Geschäfts. Gerade für Letzteres sollte die neue Bekanntheit als börsennotiertes Unternehmen ein wesentlicher Treiber sein. Und auch die Expansion nach Fernost geht das Unternehmen nach dem IPO forciert an (siehe separater Bericht).

Kein Selbstläufer

Trotzdem war der Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse alles andere als ein Selbstläufer. Zwar gab es auf der internationalen Roadshow der schwäbischen Software-Schmiede ein "sehr positives Echo" von den Investoren, die das Aktienangebot auch mehrfach überzeichneten. Am Ende lag der Ausgabepreis mit 26,25 Euro aber nur leicht oberhalb der Mitte der Angebotsspanne von 23,50 bis 27,50 Euro. Der Tag der Erstnotiz fiel dann auch holprig aus und der Kurs der Aktie um bis zu 6 % unter den Emissionspreis, so dass Morgan Stanley als Stabilisierungsmanager zunächst noch eingreifen musste.

Für Permira, die Teamviewer vor sechs Jahren zu einer Unternehmensbewertung (Enterprise Value) von rund 870 Mill. Euro übernommen hatte, hat sich der Börsengang dennoch unmittelbar ausgezahlt. Als Eigentümer strich die Beteiligungsgesellschaft den gesamten Emissionserlös von knapp 2 Mrd. Euro ein und hält auch so noch eine Beteiligung von 62,5 %. Laut Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser hat Permira dann auch "keine Eile" mit dem Verkauf der restlichen Anteile, sondern will das Unternehmen weiter begleiten.

Der Teamgedanke hat sich für Permira bislang ausgezahlt. Nach dem temporären Zurückfallen unter den Ausgabepreis hat sich die Aktie längst wieder erholt. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 6,0 Mrd. Euro ist das Unternehmen fast schon dreimal so schwer wie die Darmstädter Software AG, die bereits mehr als zwei Jahrzehnte an der Börse notiert ist und auf mehr als den doppelten Umsatz kommt - aber eben auf deutlich geringeres Wachstum. Im Dezember glückte dem Börsenneuling bereits der Aufstieg in den MDax.

Teamviewer ist indes auch ein Beispiel dafür, dass man das richtige Timing für einen Börsengang braucht. Noch vor einigen Jahren wäre selbst bei vergleichbaren Geschäftszahlen nur eine deutlich niedrigere Bewertung realistisch gewesen. Als Permira Teamviewer 2014 erwarb, entsprach der Preis dem 9,1-fachen operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda). Zwar freute man sich damals über das "Schnäppchen". Der Finanzinvestor klagte allerdings bereits über das Hochpreisumfeld im Softwaresektor mit globalen Multiples von durchschnittlich 16 bis 17. Aktuell ist das Unternehmen sogar mit dem gut 24-fachen Ebitda auf Basis des Ausblicks für 2020 bewertet.

Die hohe Bewertung hat die ausschließlich institutionellen Anleger indes im September 2019 keinesfalls vom Zeichnen der Aktie abgehalten. Deutsche Institutionelle haben bei dem Aktienangebot von Teamviewer zwar nur mäßig zugegriffen. Insgesamt nahmen deutsche Anleger 15 % der Teamviewer-Aktien in ihre Bücher, rund 50 % wurden in den USA platziert, mehr als 30 % in Großbritannien. Teamviewer setzte sowohl bei den Investoren als auch den begleitenden Finanzinstituten auf internationale Erfahrung und Kompetenz bei Software-IPOs, unabhängig davon, dass man sich als einheimisches Unternehmen für die Frankfurter Börse entschied. Als Joint Global Coordinators waren Goldman Sachs und Morgan Stanley mandatiert. Auch Bank of America, Barclays und RBC Capital waren an Bord. Als unabhängige Berater engagierte man Lilja & Co., als Rechtsbeistand Freshfields Bruckhaus Deringer.

Bisher erschienen:

- RWE (8.2.)
- AMS (14.2.)
- Merck (21.2.

Börsen-Zeitung, 28.02.2020, Nummer 41, Seite 11, 821 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020041065


JAPAN

Als Wachstumsmarkt identifiziert

Spezifische Lösungen für Industriekunden - Ehrgeizige Ziele

mf - Teamviewer aus Göppingen setzt verstärkt auf Japan als neuen Wachstumsmarkt. "Wir erwarten, dass Japan deutlich schneller wächst als das Unternehmen insgesamt", sagte Finanzvorstand Stefan Gaiser. Zuletzt habe das Japan-Geschäft um 70 bis 80 % zugelegt, während die Gruppe derzeit mit über 30 % wachse. Die Tochtergesellschaft in Tokio ging im Frühsommer 2018 an den Start. Damals sagte Teamviewer-CEO Oliver Steil der Börsen-Zeitung, man strebe einen japanischen Umsatzanteil von 5 bis 10 % an. Inzwischen beschäftigt der deutsche Softwarespezialist zehn Mitarbeiter in der Hauptstadt. Weitere fünf sollen im Jahresverlauf dazukommen.
Japan gehört zu den Industrienationen mit einem hohen Produktionsanteil an der nationalen Wertschöpfung. Daher liegt der Fokus auf IoT-Lösungen für große Industriekunden. "Dafür brauchen wir ein lokales Team", sagte Gaiser, der in dieser Woche mit Chief Technology Officer Mike Eissele mehrere potenzielle Abnehmer besuchte. Viele Unternehmen wollten digitalisieren, ohne ihre Prozesse komplett umzustellen. "Wir haben dafür die passenden Lösungen", erläuterte Japan-Chefin Noriko Nishio. Nach ihren Angaben setzt Teamviewer beim Vertrieb sowohl auf Distributoren als auch Systemintegratoren sowie Eigenkontakte.

Eine Grundlage für die Expansion existiert schon: In den sechs Jahren zwischen 2012 und 2018 deckte Teamviewer den japanischen Markt mit Hilfe von Muttersprachlern in der australischen Niederlassung ab und sammelte 14 000 zahlende Kunden ein. Seitdem wurden es 2 000 mehr. Private Anwender aus Japan luden die deutsche Software 13 Millionen Mal herunter. Inzwischen decken die Anwendungen aus Göppingen ein viel breiteres Spektrum ab. Daher will man nun an Industriekunden herantreten. "Unsere Strategie zielt auf das produzierende Gewerbe, weil es spezifische Lösungen braucht", erläuterte Nishio. Die früher erzkonservativen IT-Abteilungen der Unternehmen seien inzwischen offen für Neues. "Man hat erkannt, dass man die Infrastruktur erneuern muss", bestätigte Gaiser.

Die Zuversicht von Teamviewer hängt auch mit dem starken Personalmangel in Japan zusammen - eine Folge der alternden Gesellschaft im Land der aufgehenden Sonne. Die Software aus Schwaben ermöglicht die Ferndiagnose und -wartung von Computern und Maschinen und eignet sich für den Aufbau des Internets über 5G-Verbindungen. Das spart Aufwand und Zeit und damit Personal. Mit Hilfe der Teamviewer-Plattform können die Firmen zudem ihren Mitarbeitern Homeoffice-Arbeitsplätze anbieten und dadurch als Arbeitgeber attraktiver werden.

Börsen-Zeitung, 28.02.2020, Nummer 41, Seite 11, 348 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020041066
 




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SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (3)

Merck überzeugt mit M&A-Deal in den USA

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als er in eine Fusion zweier Wettbewerber hineingrätschte und das Kräftemessen um eine attraktive US-Firma für sich entschied. Für diesen M&A-Erfolg erhält das Dax-Unternehmen den Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung.

Von Sabine Wadewitz, Frankfurt

Das Familienunternehmen Merck hat sein Portfolio in den vergangenen Jahren konsequent umgestaltet, um alle Sparten systematisch zu stärken. Diese Strategie ist langfristig angelegt, um an drei Säulen festzuhalten und sie weiter aufzubauen. Dabei soll keines der Segmente dominieren, weil die Familiengesellschafter einen Risikoausgleich über die Portfoliodiversifizierung anstreben.

Seit 2007 hat der Pharma- und Chemiekonzern fast 40 Mrd. Euro für Akquisitionen ausgegeben und sich von Aktivitäten im Transaktionswert von 10 Mrd. Euro getrennt. Die beiden größten Erwerbe Sigma-Aldrich und Serono für 13,1 Mrd. und 10,3 Mrd. Euro, sorgten für Schub im Life-Science- und Pharmageschäft. Die jüngste Übernahme des Herstellers von Halbleitermaterialien Versum ist mit einem Volumen von 5,8 Mrd. Euro im internen Ranking bislang "nur" die Nummer 3, doch der Deal sorgte für große Aufmerksamkeit im Markt, wagte Merck doch anfangs einen feindlichen Zugriff in den USA, um ihr gewünschtes M&A-Ziel aus einem bereits besiegelten Merger wieder herauszuholen. Für die Transaktion wird Merck mit dem Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung als M&A-Deal des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Versum war 2016 aus dem Industriegasekonzern Air Products abgespalten worden, und Merck hatte das in Arizona beheimatete Unternehmen schon eine ganze Zeit ins Visier genommen. Das Objekt der Begierde ist ein namhafter Spieler im Markt und zudem hochrentabel. Versum gilt als einer der weltweit führenden Anbieter von Prozesschemikalien, Gasen und Ausrüstungen für die Halbleiterfertigung. Das Unternehmen setzte im Turnus 2018 rund 1,2 Mrd. Euro um und zeigte ein operatives Ergebnis (Ebitda) in Höhe von 360 Mill. Euro.

Merck betrachtet das US-Unternehmen als optimale Ergänzung, um sich in einem wachsenden Markt als einer der Top-Anbieter von Elektronikmaterialien für die Halbleiter- und Display-Industrie zu positionieren. Der Konzern deckt nun als Zulieferer von Materialien alle Stufen der Chipherstellung ab. Es ist ein zentrales Element im Umbau des Chemie-Segments Performance Materials, wo das Geschäft mit Flüssigkristallen zunehmend unter Preis- und Wettbewerbsdruck steht.

Begehrtes Ziel

Für das Merck-Management stand Versum schon 2018 weit oben auf der Einkaufsliste, für ein Gebot fehlte nach dem Erwerb des Laborausrüsters Sigma-Aldrich jedoch noch der finanzielle Spielraum. Dieser wurde mit dem Verkauf des Selbstmedikationsgeschäfts an Procter & Gamble im Dezember 2018 geschaffen. Doch Anfang 2019 wurde Merck hinterrücks davon überrascht, dass der US-Wettbewerber Entegris die Fusion mit Versum eintütete. Beide Rivalen hatten sich auf einen Merger of Equals via Aktientausch verständigt, wobei die Entegris-Eigner dominierten. Der Hauptversammlungsbeschluss stand noch aus.

Da Merck in dem Markt keine reizvolleren alternativen Akquisitionsziele erkannte, entschloss sich der deutsche Dax-Konzern, in den Deal der US-Wettbewerber hineinzugrätschen. In dem Versuch, einen bereits beschlossenen Deal zu torpedieren, musste Merck von Beginn an das Heft in der Hand halten. Das Unternehmen versuchte mit einer Barofferte zu punkten, der Investoren gemeinhin den Vorzug geben im Vergleich zu einem Zusammenschluss über Aktien. Allerdings musste der Angebotspreis ohne Einblick in die Bücher von Versum festgelegt werden und dennoch genug Anziehungskraft für die Anleger bieten. Ein spannendes Tauziehen nimmt seinen Lauf - begleitet auf Seiten von Merck von den Investmentbanken Guggenheim Securities und Goldman Sachs, während Versum auf Lazard und Citi vertraut: Zum Auftakt legt Merck 48 Dollar je Aktie oder in Summe 5,9 Mrd. Dollar auf den Tisch, was eine Prämie von 52 % auf den von der Fusion mit Entegris unbeeinflussten Aktienkurs bedeutet und einen Aufpreis von 16 % auf den letzten Schlusskurs.

Es ist relativ klar, dass Entegris mangels Größe nicht in einen Bieterwettstreit eintreten kann, gleichwohl macht Versum erst mal die Schotten dicht, zeigt keine Gesprächsbereitschaft und zieht rasch eine Poison Pill aus der Schublade: Wenn ein Käufer eine Beteiligung von 12,5% überschreitet, dürfen die übrigen Anteilseigner neue Papiere zum Vorzugspreis erwerben. Schließlich schickt das US-Management die Depesche nach Darmstadt, die Offerte von Merck sei nicht besser als die Fusion mit Entegris.


























Merck zündet nach dieser Abwehrhaltung von Versum die nächste Stufe und umgarnt in einem Brief direkt deren Aktionäre - die größten Pakete halten die Finanzinvestoren Vanguard und BlackRock sowie der Finanzdienstleister State Farm. Die Anteilseigner werden aufgefordert, dem Versum-Management Dampf zu machen und die "überlegene" Merck-Offerte zu unterstützen. Versum bleibt zickig und wirbt mit höheren Synergien für die selbst angebahnte Fusion. Merck geht auf Stimmenfang für das außerordentliche Aktionärstreffen von Versum und appelliert an die Investoren, gegen die Fusion und den goldenen Handschlag für das Management zu votieren.

Schließlich reißt dem Merck-Management der Geduldsfaden, es geht in eine feindliche Übernahme und wendet sich direkt mit seiner Offerte an die Versum-Aktionäre. Damit verschafft man sich besondere Aufmerksamkeit im Markt, denn deutsche Unternehmen haben bislang selten feindliche Zugriffe versucht. Man muss bis ins Jahr 2006 zurückgehen, als der Chemiekonzern BASF ebenfalls in den USA unerbeten beim Katalysatorhersteller Engelhard vor der Tür stand. Merck selbst hatte damals ebenfalls in der Zeit den Berliner Pharmakonzern Schering in die Zwangsehe stecken wollen, musste aber dem "Weißen Ritter" Bayer Platz machen.

Das Muskelspiel von Merck in den USA zeigt endlich Wirkung. Es gibt erste Gespräche mit dem Versum-Chairman, Seifi Ghasemi reist sogar zu einem Treffen mit Merck-Chef Stefan Oschmann nach München. Er sichert dem deutschen Bieter nichtöffentliche Informationen zu, und Merck kann ohne Gesichtsverlust ein höheres Angebot aus dem Hut ziehen. Bei 53 Dollar je Aktie oder 6,5 Mrd. Dollar einschließlich Schuldenübernahme reicht man sich die Hand. Versum kündigt den Vertrag mit Entegris, wofür der verschmähte Fusionspartner 140 Mill. Dollar Schmerzensgeld einstreicht.

Günstige Finanzierung

In der Finanzierung des Deals setzt Merck wie üblich auf eine Kombination aus Cash und Fremdkapital. Ein Term Loan über 2,3 Mrd. Dollar bringt Flexibilität, kann dieses Investorendarlehen doch ohne feste Fälligkeiten aus dem Cash-flow getilgt werden. Die Brückenfinanzierung von 4 Mrd. Dollar wird mit einem Bond in drei Tranchen über 2 Mrd. Euro abgelöst mit Laufzeiten von viereinhalb (600 Mill.), acht (600 Mill.) und zwölf Jahren (800 Mill.) und Kupons von 0,005 %, 0,375 % und 0,875 %.

Zudem wird eine Hybridanleihe in zwei Tranchen mit Laufzeiten von jeweils 60 Jahren platziert. Die erste Tranche über 500 Mill. Euro und mit einem Kupon von 1,625 % ist mit einer Rückzahlungsoption nach 5,5 Jahren ausgestattet. Die zweite Tranche über 1 Mrd. Euro hat einen Kupon in Höhe von 2,875 % und kann nach zehn Jahren vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Ratingagenturen rechnen die Hybridanleihe nur zur Hälfte als zusätzliche Verschuldung an, womit die Bonitätsbeurteilung unterstützt wird.

Finanzchef Marcus Kuhnert betont, der Konzern sei entschlossen, "weiterhin eine konservative Finanzpolitik zu verfolgen". Fürs Erste steht nun wieder die Entschuldung im Vordergrund. Doch in zwei Jahren will Merck wieder Spielraum haben, um intensiver auf mögliche M&A-Ziele zu schauen.

Bisher erschienen:
- RWE (8.2.)
- AMS (14.2.)

Börsen-Zeitung, 21.02.2020, Nummer 36, Seite 13, 1104 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020036078




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SERIE: CORPORATE FINANCE AWARD - DIE GEWINNER (2)

AMS siegt dank Hartnäckigkeit

Mit zweitem Übernahmeangebot für Osram gegen Finanzinvestoren durchgesetzt - Gewinner in der Kategorie Mid/Small Caps

Der Bieterwettkampf um Osram brachte einige überraschende Wendungen. Letztlich setzte sich der in der deutschen Öffentlichkeit zuvor kaum bekannte österreichische Chip- und Sensorhersteller AMS durch. Mit großem Selbstbewusstsein und Hartnäckigkeit ging das Management die Übernahme der größeren Osram Licht AG an.AMS/Osram

Von Joachim Herr, München

Die Konkurrenz war hart: AMS musste sich im Ringen um Osram gegen ausgebuffte M&A-Profis durchsetzen. Bain Capital und Carlyle hatten zuerst das Lasso nach dem Münchner Lichttechnikkonzern geworfen. Doch dann folgte das österreichische Unternehmen und ein spannender Bieterwettkampf begann.

Nach längeren Verhandlungen mit Banken hatten die Finanzinvestoren Anfang Juli des vergangenen Jahres ihr Angebot von 35 Euro je Osram-Aktie bekannt gegeben. Sechs Wochen später übertraf die Offerte von AMS diesen Preis: Der Chip- und Sensorhersteller mit Sitz in Premstätten (Steiermark) bot zunächst 38,50 Euro und letztlich 41 Euro.

Doch erst mit dem zweiten Angebot erreichte AMS die selbst gesteckte Mindestannahmeschwelle von 55 %. Am Nikolaustag war es schließlich so weit. Auch für seine Hartnäckigkeit und Durchsetzungsstärke erhält das Unternehmen den Corporate Finance Award in der Kategorie Mid/Small Caps.

Das Ziel, Osram zu übernehmen, ist zwar noch nicht erreicht, aber eine schwere Etappe hat AMS geschafft. Wenn 9 bis 18 Kartellbehörden (die Zahl hängt davon ab, ob die EU oder einzelne Länder zuständig sind) zustimmen, würde AMS 59,9 % von Osram kontrollieren. 19,99 % erwarb das Unternehmen an der Börse, knapp 40 % dienten ihm die Osram-Aktionäre an.

Der nächste Schritt wäre für AMS dann, eine Dreiviertelmehrheit in einer außerordentlichen Hauptversammlung zu erreichen, um einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Osram abschließen zu können. Dass ein solcher Vertrag angestrebt wird, gab das Unternehmen in dieser Woche bekannt. Damit gerechnet wurde jedoch schon länger. Bis zum Abschluss eines solchen Vertrags hat AMS nun sechs bis neun Monate Zeit.

Ein Champion soll entstehen

Das große Ziel für den AMS-Vorstandsvorsitzenden Alexander Everke und sein Managementteam ist, mit Osram einen Champion für Fotonik zu schaffen - einen Weltmarktführer für Licht und Sensorik. Dafür soll die Optohalbleitersparte von Osram mit dem Sensorgeschäft der Österreicher gebündelt werden. Gemeinsam könnten, so die Idee von AMS, neue Produkte entwickelt werden, mit denen das Unternehmen Vorreiter im Markt und zumindest anfangs ohne Wettbewerber wäre.

Auf der bisherigen Strecke zum großen Ziel überwand AMS schon etliche Hürden. Anfangs hatte das Unternehmen selbst für Verwirrung gesorgt: Die Mitte Juli an Osram adressierte Interessenbekundung zog das Unternehmen nur wenige Stunden später zurück. Eine Woche danach ging es wieder in die andere Richtung, und am 12. August gab AMS ein Angebot von 38,50 Euro je Aktie bekannt.

Nach der Sommerpause verschärfte sich der Wettstreit der Bieter. Bain Capital zog ein neues Angebot in Erwägung - mit Advent als Partner anstelle von Carlyle. AMS konterte acht Tage später mit einer Finte: Die Österreicher kauften eine Aktie für 41 Euro und mussten somit allen anderen Anteilseignern von Osram diesen höheren Preis bieten. Ein neues Angebot war somit nicht erforderlich. Der Münchner Konzern wird damit mit rund 4,4 Mrd. Euro bewertet, einschließlich der Nettoschulden von 350 Mill. Euro (am 30. September 2019).

AMS hatte für das Übernahmeangebot relativ rasch ein Bankenkonsortium gewonnen. UBS, HSBC und Bank of America stellen die Finanzierung mit einem Brückenkredit, der maximal 4,42 Mrd. Euro betragen kann. Einen Teil der Refinanzierung hat sich AMS vor kurzem auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Januar gesichert: Die Aktionäre stimmten einer Kapitalerhöhung im Volumen bis 1,65 Mrd. Euro zu. Das im Vergleich mit dem ersten Übernahmeversuch verbesserte Finanzierungskonzept überzeugte auch den Vorstand von Osram und zumindest die Kapitalseite im Aufsichtsrat: Seit Mitte November unterstützen sie die Übernahmepläne von AMS ohne Vorbehalte. Da einigten sich beide Seiten zudem auf eine Vereinbarung für einen Zusammenschluss.

Folgen fürs Übernahmegesetz

Dagegen konnte das Management von AMS die Arbeitnehmerseite von Osram mit Betriebsrat und IG Metall im Aufsichtsrat bisher nicht von seinem Vorhaben überzeugen. Der Konzernbetriebsrat hatte sogar versucht, mit einer Beschwerde das zweite Übernahmeangebot untersagen zu lassen. Das Oberlandesgericht Frankfurt wies diese jedoch zurück. Der Hintergrund: Für den neuen Anlauf hatte AMS eine weitere Tochtergesellschaft gegründet und so die für ein und denselben Bieter geltende Sperrfrist von einem Jahr umgangen. "Wir folgen genau dem Gesetz", betont Vorstandschef Everke, der sich seit Beginn unbeirrt und fest entschlossen zeigt. Der Nebeneffekt des Vorgehens von AMS: Auf die offensichtlich gewordenen Lücke im deutschen Übernahmegesetz hat der Gesetzgeber inzwischen reagiert und eine Änderung im Recht veranlasst.

Im Vergleich mit dem ersten Angebot ging AMS im zweiten Anlauf einige Schritte auf Osram zu: So würde die Hälfte der Verwaltungsfunktionen eines gemeinsamen Unternehmens in München angesiedelt. Zudem soll die IG Metall einen Sitz im AMS-Aufsichtsrat bekommen und auf fusionsbedingte Kündigungen an den deutschen Osram-Standorten bis Ende 2022 verzichtet werden. Flexibilität, um einer Konjunkturschwäche zu begegnen, will sich AMS jedoch auch auf der Personalseite erhalten: "Jede Firma ist gezwungen, auf Marktgegebenheiten zu reagieren", sagt der für das Operative zuständige Vorstand Thomas Stockmeier.

Die Rolle der Hedgefonds

Zu wichtigen Spielern der Übernahme-Story wurden Hedgefonds. Sie hätten sogar den zweiten Versuch von AMS platzen lassen können, denn kurz vor Ende der am 5. Dezember um Mitternacht ausgelaufenen Frist sollen fast 50 % der Osram-Aktien in ihrem Besitz gewesen sein. Everke reiste zu Gesprächen mit Hedgefondsmanagern nach New York und London, um diese nahezu in letzter Minute für sein Vorhaben zu gewinnen. Er hatte Erfolg: Die Hedgefonds verkauften zumindest einen Teil ihrer Osram-Aktien, und die Mindestannahmeschwelle von 55 % wurde überschritten.

Nun lautet eine große Frage, wie AMS die Dreiviertelmehrheit in der Hauptversammlung erreichen will und welche Rolle dabei die Hedgefonds spielen. Zunächst braucht das Unternehmen allerdings die Freigaben der Kartellbehörden. Da sich die Geschäfte von AMS und Osram wenig überschneiden, sind Schwierigkeiten nicht zu erwarten. Die Österreicher rechnen bis Mitte dieses Jahres mit den Genehmigungen und wollen dann die Übernahme abschließen.

Bisher erschienen:
- RWE (8.2.)

Börsen-Zeitung, 14.02.2020, Nummer 31, Seite 10, 940 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020031062




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Corporate Finance Awards für die besten Deals des Jahres

M&A-Award geht an Merck, IPO-Preis an Teamviewer - KKR für Axel-Springer-Transaktion ausgezeichnet

scd Frankfurt - Die Gewinner der Corporate Finance Awards 2019 der Börsen-Zeitung stehen fest: Die Preise gehen in diesem Jahr an Merck, RWE, AMS, Teamviewer, Celonis, Wintershall Dea und KKR. Die Auszeichnungen in den sieben Kategorien IPO, M&A, Large Caps, Mid/Small Caps, Digital, Debt und Private Equity werden am 2. April im Rahmen des von der Börsen-Zeitung und PwC veranstalteten Corporate Finance Summit in Frankfurt überreicht.

Der Jury unter Vorsitz von Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, gehören Martin Scholich, PwC Europe Consulting Leader, Alexander Dibelius, Geschäftsführer der Private-Equity-Gesellschaft CVC, Daniela Favoccia, Partnerin bei der Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller, Martin Reitz, Geschäftsführer und Leiter Investment Banking Rothschild Deutschland, sowie Christoph Schalast von der Kanzlei Schalast & Partner, Professor für M&A an der Frankfurt School for Finance & Management, an. Wegen Interessenkonflikten hat sich Herr Schalast bei der Abstimmung in diesem Jahr enthalten. Mit den Awards zeichnet die Börsen-Zeitung bereits zum zehnten Mal Transaktionen oder Kapitalmarktmaßnahmen aus, die unternehmensstrategisch und/oder finanzierungstechnisch herausragen. Die Transaktionen mussten im Jahr 2019 erfolgt sein oder die wesentlichen kartellrechtlichen Hürden genommen haben. Letzteres gelang beim M&A-Deal des Jahres im Eiltempo. Vom ersten, zunächst noch feindlichen Gebot für die US-amerikanische Versum bis zum Closing benötigte Merck nur 222 Tage.

Mit einem deutlich länger angebahnten 40-Mrd.-Euro-Deal setzte sich RWE in der Kategorie Large Caps durch. Mit Eon wurde die Tochter Innogy zerschlagen und der Kohle-Dinosaurier zu einem der größten Ökostromerzeuger der Welt. Bei Mid/Small Caps siegte AMS mit Hartnäckigkeit. Die Übernahme von Osram brauchte mehrere Anläufe.

In der Kategorie IPO überzeugte der Börsengang von Teamviewer die Jury. Dem Göppinger Softwareunternehmen glückte mit 2,2 Mrd. Euro Emissionsvolumen nicht nur das größte deutsche Software-IPO überhaupt. Auch in der Folge lief es an der Börse rund. Binnen weniger Monate ist das Unternehmen mit 6,5 Mrd. Euro Börsenwert bereits in den MDax aufgestiegen.

Auch in der Kategorie Digital hatte für die Jury ein Softwarehaus die Nase vorn. Celonis analysiert Daten von Betriebsabläufen zu deren Optimierung und zählt etwa ABB, BMW und Citigroup zu ihren Kunden. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde warb das deutsche Einhorn vergangenes Jahr 290 Mill. Dollar zu einer Bewertung von 2,5 Mrd. Dollar ein.

In der Kategorie Debt wird das Debüt von Wintershall Dea am Fremdkapitalmarkt prämiert. Die erfolgreiche Anleiheplatzierung im Volumen von 4 Mrd. Euro ist für die Jury ein gutes Vorzeichen für den angepeilten Börsengang. Eine ungewöhnliche Allianz brachte KKR den Preis in der Kategorie Private Equity: der Einstieg und das spätere Delisting von Axel Springer.

Die Preisträger werden in den nächsten Wochen in einer Artikelserie vorgestellt. Den Anfang macht in der heutigen Ausgabe RWE, Sieger der Kategorie Large Caps.

Börsen-Zeitung, 08.02.2020, Nummer 27, Seite 1, 428 Wörter

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020027005


CORPORATE FINANCE AWARD: DIE GEWINNER (1)

Wie RWE die grüne Wende schafft

Durch clevere Deals und die Zerschlagung von Innogy wird aus dem Kohledinosaurier ein Ökostromriese

Noch 2016 galt RWE als potenzieller Pleitekandidat. Doch mit dem Börsengang der Netztochter Innogy, dem Freikauf aus der Atommüll-Verantwortung und der Zerschlagung von Innogy gelingt die Wende. Aus dem Kohlekonzern wird ein Ökostromriese. Der Börsenwert hat sich auf fast 20 Mrd. Euro verdoppelt.

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Noch 2016 galt RWE als potenzieller Pleitekandidat. Von 100 Euro Anfang 2008 war der Kurs auf 12 Euro Ende 2015 gefallen. Seither hat sich der Börsenwert des Konzerns nahezu verdreifacht auf 18 Mrd. Euro. Mit mehreren cleveren Deals in drei großen Schritten befreiten Vorstandschef Rolf Martin Schmitz und das Führungsteam den konventionellen Kraftwerkskonzern aus der existenziellen Notlage, in die er durch die Energiewende mit Atomausstieg und subventionierter Ökostromschwemme geraten war. Inzwischen sind die Weichen gestellt: Aus dem Kohledinosaurier RWE wird binnen weniger Jahre einer der größten Erzeuger erneuerbarer Energien der Welt.

Im ersten Schritt trennte RWE 2016 die Geschäfte mit den Netzen, dem Vertrieb und der Ökostromerzeugung vom konventionellen Kraftwerksgeschäft ab und brachte sie im Oktober unter dem Namen Innogy an die Börse. Mit einem Emissionserlös von 4,5 Mrd. Euro für 24 % der Anteile handelte es sich um den größten Börsengang in Deutschland der vergangenen zwei Jahrzehnte. Investoren wurden in Zeiten des Nullzinses angelockt von den verlässlich im Voraus berechenbaren Erträgen aus den staatlich regulierten Stromnetzen, die sichere Dividenden versprachen. Fast 1 Mrd. Euro schüttete Innogy Jahr für Jahr an die Aktionäre aus.

Im zweiten Schritt wurde RWE die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls zu vertretbaren Kosten an den Staat los. Rund 7 Mrd. Euro zahlte der Konzern Mitte 2017 in den insgesamt rund 25 Mrd. Euro schweren Atomfonds ein, der als Stiftung öffentlichen Rechts organisiert ist und die Ewigkeitslasten der Kernenergie tragen wird. Für Investoren fiel damit ein bedeutender Unsicherheitsfaktor weg.

Den dritten und größten Coup aber landeten RWE-Chef Schmitz und sein Team im März 2018. RWE teilte die Tochter Innogy mit dem ewigen Rivalen Eon auf - ein rund 22 Mrd. Euro Eigenkapital schwerer Deal - inklusive Schulden mehr als 40 Mrd. Euro -, bei dem jedoch wenig bares Geld fließt und stattdessen hauptsächlich Unternehmensteile getauscht werden. Eon erhält Netze und Vertrieb von Innogy. RWE bekommt im Gegenzug die Ökostromsparten von Eon und Innogy sowie einige weitere Kraftwerksbeteiligungen und eine 17-%-Beteiligung an Eon.

Grünes Licht aus Brüssel

Im September 2019 gibt Brüssel nach vertiefter Prüfung unter moderaten Auflagen grünes Licht für die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon. Aus dem Deal geht Eon als Europas größter Stromverteiler hervor und RWE als weltweit zweitgrößter Meereswindparkbetreiber. Bei Eon türmt sich der Schuldenberg mit der Übernahme auf knapp 40 Mrd. Euro auf. RWE wird größter Aktionär bei Eon.

Die Logik des Deals für RWE: Der Konzern hat die sicheren Dividenden der Netztochter Innogy gegen ein volatileres, aber zukunftsträchtiges Geschäft mit Windrädern und Solaranlagen eingetauscht, weil das Unternehmen mit den Braunkohlekraftwerken sonst über kurz oder lang zur Abwicklungsanstalt ohne Zukunft verkommen wäre. Vorläufiger Höhepunkt dieser Wandlungsgeschichte ist der beschleunigte Ausstieg aus der Kohleverstromung, für den RWE im ersten Schritt mit rund 3 Mrd. Euro von der Bundesregierung entschädigt wird.

Als Stromerzeuger ist der Konzern zu neuer Bedeutung gelangt: RWE hat nach der Analyse des Bundeskartellamts in der Stromerzeugung eine Position an der Schwelle zur Marktbeherrschung. "RWE ist derzeit zwar nicht marktbeherrschend, steht aber vergleichsweise nahe an der Beherrschungsschwelle", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt Ende 2019. Der Konzern sei erneut in einer erheblichen Anzahl von Stunden für die Deckung der Stromnachfrage unverzichtbar. "Bereits eine relativ geringfügige weitere Verknappung der Angebotskapazitäten im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs könnte dazu führen, dass RWE die Schwelle zur Marktbeherrschung überschreitet." Das wäre dann also für Ende 2022 zu erwarten.

Aufgrund der zuletzt guten Entwicklungen erwartet der Vorstand für 2019 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf der Basis "RWE stand-alone" von 1,8 Mrd. bis 2,1 Mrd. Euro anstatt 1,4 Mrd. bis 1,7 Mrd. Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda von RWE stand-alone, ohne operative Beiträge der früheren Tochter Innogy, ist in den ersten neun Monaten auf 1,5 Mrd. Euro geklettert - rund 200 Mill. Euro mehr als vor Jahresfrist. Die Zuwächse waren allerdings vor allem dem schwankenden Energiehandel zu verdanken.

Für Berater und Investmentbanker entwickelte sich der Milliardendeal der Zerschlagung von Innogy, der für RWE ein Befreiungsschlag war, zu einer Goldgrube. Mehr als 50 Mill. Euro verdienten sie schätzungsweise daran. Federführende Berater auf der Seite von Eon waren Perella Weinberg und BNP Paribas. Goldman Sachs hatte die Arbeit der Verteidigung von Eon gegen eine unerwünschte Übernahme beendet, war aber noch beim Übernahmeziel Innogy engagiert. Für RWE arbeiteten Bank of America Merrill Lynch und Citi sowie die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Der RWE-Aufsichtsrat setzte auf Rothschild. Hengeler Mueller war für Innogy tätig.

Durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung will RWE die CO2-Emissionen bis 2030 um 70 % reduzieren und bis 2040 auf null verringern. Der Konzern wandelt sich durch den Innogy-Deal zum reinen Stromerzeuger mit einem Portfolio von 46 Gigawatt, das sich von Windrädern an Land und auf See über Solaranlagen, Gaskraftwerke und Kohlemeiler bis hin zu Wasserkraft, Biomasse und Atomkraft erstreckt. Die Ökostromsparte von Eon hat RWE bereits erhalten, die Erneuerbaren von Innogy wechseln 2020 zu RWE.

Auch den Generationenwechsel an der Spitze des Stromkonzerns hat RWE-Chef Schmitz schon angekündigt. Die Neuausrichtung des Unternehmens auf erneuerbare Energien sei ein sehr internationales Geschäft. "Ich weiß nicht, ob ich dafür langfristig der richtige Manager bin."

Als Kandidat mit den größten Chancen auf die Nachfolge gilt Finanzchef Markus Krebber, der von der Commerzbank zu RWE gewechselt war.

Börsen-Zeitung, 08.02.2020, Nummer 27, Seite 8, 897 Wörter

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