Airbnb-IPO wird konkreter
Airbnb-IPO wird konkreter
Der große Wohnungsvermittler Airbnb hatte seinen länger angekündigten Börsengang wegen des geschäftlichen Einbruchs der Tourismusbranche verschoben. Aber die Zahl der Buchungen erholte sich schneller als erwartet. Jetzt hat das Unternehmen Pläne für das IPO an der Wall Street vorgelegt.nok New York – Nach einer mehrmonatigen Schockstarre wegen der Corona-Pandemie ist der Markt für Börsengänge an der Wall Street wieder in Gang gekommen. Die allgemeine Erholung der Aktienkurse verstärkte auch den Appetit von Anlegern auf Börsenneulinge. Aber erst jetzt plant eines der noch zum Jahresanfang mit hoher Spannung erwarteten Riesen-Start-ups den Schritt an die Börse: Airbnb, die größte Plattform für die kurzzeitige Vermittlung von Wohnungen, die von den Reisebeschränkungen im Zuge der Pandemie hart getroffen wurde. Nach Medienberichten will Airbnb noch in diesem Monat bei der Börsenaufsicht SEC einen Antrag auf ein IPO stellen. “Alle Augen ruhen auf Airbnb”, sagte Kathleen Smith, Geschäftsführerin des Wertpapierhauses Renaissance Capital. Airbnb wurde zuletzt mit 18 Mrd. Dollar bewertet – nach 31 Mrd. Dollar am Anfang des Jahres. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 4,8 Mrd. Dollar, ist aber nicht profitabel. IPO-Variante noch unklarDer Zeitrahmen bis zur Erstnotierung ist nicht festgezurrt, aber die Aktien könnten möglicherweise noch vor Ende des Jahres erstmals gehandelt werden. In den beiden letzten Oktoberwochen wird der Markt in diesem Jahr wahrscheinlich ausdünnen, weil Anfang November die Präsidentschaftswahlen stattfinden.Es ist auch nicht klar, welchen Weg an die Börse das Unternehmen einschlagen wird. Neben einem traditionellen IPO gibt es auch die Möglichkeit eines direkten Listings, bei dem keine neuen Aktien emittiert werden. Im Juni des vergangenen Jahres hatte der Bürokommunikationsdienst Slack mittels eines direkten Listings seinen Einstand an der New York Stock Exchange gegeben. Im Jahr davor hatte schon der Musikstreaming-Anbieter Spotify diese Form des Börsengangs gewählt.Die dritte Variante wäre eine Fusion mit einem Spac, eine der zuletzt populär gewordenen, börsennotierten Unternehmenshüllen, die auch als Blankoscheck-Unternehmen bekannt sind. Eine solche Special Purpose Acquisition Company ist ein Akquisitionsvehikel ohne operatives Geschäft, das an der Börse Eigenkapital aufnimmt, um damit andere Unternehmen zu kaufen. Airbnb wurde als potenzieller Kandidat genannt, als der Hedgefondsmanager Bill Ackman kürzlich ein Spac an die Börse brachteMit dem Investmentvehikel Pershing Square Tontine Holdings emittierte Ackman Aktien im Wert von 4 Mrd. Dollar, das bislang größte IPO eines Spac. Diese Konstruktionen hatten einst einen dubiosen Ruf, weil sie häufig von Finanzbetrügern gegründet wurden, die Privatanleger mit der Hoffnung auf lukrative Transaktionen lockten. Mittlerweile sind Spacs aber ein seriöses Finanzierungsmittel der Wall Street. In diesem Jahr sind nach Angaben des Wertpapierhauses Renaissance Capital schon rund 50 Spacs an die Börse gegangen – mehr als in populären Segmenten wie Bio- oder Informationstechnologie. Fusionen mit prominenten Unternehmen gab es auch. Im Juni vollzog der seither an der Nasdaq notierte Elektrolastwagen-Hersteller Nikola die Fusion mit einer Unternehmenshülle.Nach dem pandemiebedingten Stillstand hatten im Juni und Juli das Musik-Label Warner Music Group und das Versicherungs-Start-up Lemonade mit erfolgreichen Debüts für Hoffnung am IPO-Markt gesorgt. Als weitere Kandidaten gelten der Lieferdienst Door Dash und die Datenanalyse-Gesellschaft Palantir. “Die Schleusen für IPOs sind offen”, hieß es bei Renaissance Capital.Die positive Stimmung wird auch am allgemeinen Trend der Aktienkurse von Börsenneulingen deutlich. Der Renaissance-IPO-Index hat im Vergleich zum Jahresbeginn um fast 40 % zugelegt. Der breit gefasste S&P 500, der am Mittwoch im Handelsverlauf auf ein neues Rekordhoch zusteuerte, lag zuletzt um mehr als 4 % im Plus.Auf Airbnb hatten zum Jahresanfang große Hoffnungen geruht, da der geplante Börsengang des Büroraumvermittlers Wework, ein Unternehmen mit ähnlich hohem Profil, nach Kritik an Geschäftsmodell und -praktiken zum Debakel geriet und abgesagt wurde. Dazu kamen die Flops der Fahrdienstvermittler Uber und Lyft, die es zwar an die Börse schafften, aber ihren hohen Bewertungen nicht gerecht wurden. Anleger stellten die Bewertungen von Unternehmen in Frage, die wie Lyft und Uber hohe Verluste machen und dazu keine überzeugende Aussicht auf Gewinne bieten. Uber war mit emittierten Aktien im Wert von 8,1 Mrd. Dollar und einem Börsenwert von 82 Mrd. Dollar dennoch der größte Börsengang an der Wall Street seit dem IPO des chinesischen Internetkonzerns Alibaba im Jahr 2014 gewesen. Buchungen über VorjahrAirbnb litt nach dem Ausbruch der Coronakrise wie der Rest der Tourismusbranche unter dem weltweiten Rückgang von Reisen und der Absage von Großveranstaltungen. Das Unternehmen hatte im vergangenen September ein IPO für 2020 avisiert und wollte eigentlich im März oder April mit den konkreten Vorbereitungen beginnen. Stattdessen brachen die Buchungen um 90 % ein. Airbnb entließ ein Viertel der Belegschaft. Im Mai sah Airbnb bereits eine Erholung. Zahlreiche Städter mieteten Ferienwohnungen auf dem Land, um dort ihr Homeoffice einzurichten und der Pandemie zu entgehen. Bis Mitte Juni lagen die Buchungen von Airbnb dann schon ein Fünftel über dem Vorjahr.