Aluminiumwerte bieten mutigen Investoren Chancen

Privatbank Berenberg rät zum Kauf von Alcoa - Chinesischer Produktionsabbau stützt - Rusal und Norsk Hydro nur mit Halten eingestuft

Aluminiumwerte bieten mutigen Investoren Chancen

Die Chinesen planen, ihre Aluminiumproduktion in den Wintermonaten um knapp ein Drittel zurückzufahren. Einer Studie der Berenberg Bank zufolge wird sich das auf die weltweite Aluminiumbranche positiv auswirken. Größter Profiteur sei der US-Konzern Alcoa.amb Frankfurt – Für die weltweite Aluminiumbranche bleibt China und die Frage, ob es im Reich der Mitte tatsächlich zu den geplanten Produktionskürzungen kommt, entscheidend. Die Privatbank Berenberg hat die Aussichten für den Sektor untersucht und bestätigt den “stabil-positiven” Ausblick. Sie geht in einer Studie davon aus, dass die Kürzungen umgesetzt werden und die Branche davon profitieren wird.Am besten positioniert sei der US-Aluminiumkonzern Alcoa, weltweit die Nummer 6, meinen die Berenberg-Analysten. Sie stufen die Aktien von Alcoa weiter mit “Buy” ein. Nur “Hold” lautet das Votum für den norwegischen Norsk-Hydro-Konzern. Rusal aus Russland wird wegen der zuletzt guten Kursentwicklung auf “Hold” zurückgestuft. Drastischer KapazitätsschnittDer Aluminiumpreis (vgl. nebenstehender Chart) hat bis März dieses Jahres seine 2016 begonnene Aufwärtsbewegung fortgesetzt, seitdem geht es seitwärts. Das hat sich auch in der Kursentwicklung der großen Alukonzerne niedergeschlagen (vgl. nebenstehende Charts).Die moderat positive Einschätzung der Berenberg-Analysten für die kommenden zwölf Monate für Aluminium und ganz besonders Aluminiumoxid beruht auf den erwarteten Produktionskürzungen in China im vierten Quartal 2017 und ersten Quartal 2018. Die chinesische Regierung hat dieses Jahr angekündigt, die Produktion von Aluminium in vier Provinzen in der Region Peking – konkret Hebei, Shanxi, Shangdong und Henan – in der Heizsaison von November bis Februar um 30 % zu reduzieren. Offiziell begründet wird dies mit der Verringerung von Emissionen, die chinesischen Fabriken werden vor allem mit Kohle betrieben, und das Land hat große Smogprobleme. Die Analysten vermuten aber, dass auch die Stützung der Preise und eine Gesundung der Bilanzen der chinesischen Aluminiumkonzerne eine Rolle spielen.Aluminiumoxid wird aus Bauxit gewonnen und zur Herstellung von Aluminium benötigt. China produziert traditionell mehr Aluminium, als es selbst benötigt. Unter den sechs weltweit größten Aluminiumproduzenten finden sich mit Hongqiao, Shangdong Xinfa und Chalco drei chinesische Unternehmen. Aluminiumoxid muss aber importiert werden. Berenberg zufolge stehen die vier Provinzen für 40 % der Aluminiumproduktion Chinas und für 80 % des Aluminiumoxid-Outputs, daher rechnet das Bankhaus mit deutlichen Verschiebungen von Angebot und Nachfrage – und zwar weltweit.So geht sie davon aus, dass China zum Ausgleich rund 5,6 Mill. Tonnen mehr Aluminiumoxid importieren muss. Die Preise für Aluminium und ganz besonders Aluminiumoxid würden daher voraussichtlich steigen. Die größten Auswirkungen werde das für Alcoa mit seinem starken Standbein im Aluminiumoxid-Raffineriegeschäft haben. Ein Preisanstieg von Aluminiumoxid um 10 % wird nach Schätzungen von Berenberg das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Goodwill-Berichtigungen (Ebitda) von Alcoa 2018 um 11,3 % erhöhen, das von Norsk Hydro hingegen nur um 6,7 % und das von Rusal um 5,2 %.Für Alcoa (“Buy”) wird das Kursziel leicht von 40 auf 41 Dollar (aktuell 37,34 angehoben. Alcoa eignet sich den Analysten zufolge vor allem für Investoren, die – mit Hebel – von den chinesischen Produktionskürzungen profitieren wollen. Positiv seien zudem die hohe Free-Cash-flow-Rendite von 12 % bis 13 % 2017 und 2018, der moderate Verschuldungsgrad mit einem Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda von 1,3 für 2017 und der effiziente Kapitaleinsatz.Dazu sei die Aktie günstig bewertet mit einem EV/Ebitda von 5,6 für 2017 (EV: Unternehmenswert inkl. Nettoverschuldung). Nicht so gut kommt bei den Analysten die Dividendenpolitik an. Sie gehen aber davon aus, dass diese, sobald der Konzern das Problem der hohen Pensionslasten in den Griff bekomme, anders aussehen wird. Die Gewinnschätzungen je Aktie werden deutlich erhöht, und zwar um 13,5 % auf 2,70 Dollar für 2017, um 21 % auf 2,95 Dollar für 2018 und um 21,1 % auf 2,80 Dollar für 2019.Alcoa hat im zweiten Quartal ihren Umsatz um 23 % gesteigert, die Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde allerdings reduziert. Gerechnet wird nur noch mit einem Ebitda von 2,1 bis 2,2 Mrd. Dollar, zuvor hatte man 2,1 bis 2,3 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt. Der “alte” Alcoa-Konzern war zum 1. November 2016 in zwei Unternehmen aufgespalten worden: Dabei wurde die klassische Herstellung von Rohmaterialien, die weiter unter dem Namen Alcoa läuft, von den technologisch anspruchsvolleren Produkten getrennt (Aronic). Positives schon eingepreistKein großes Potenzial mehr sehen die Analysten beim norwegischen Konzern Norsk Hydro (unverändert “Hold”), doch auch hier wird das Kursziel leicht angehoben, und zwar von 54 auf 55 nkr (aktuell 49,38). Die vor kurzem bekannt gegebene volle Übernahme des Joint Venture Sapa mit dem norwegischen Mischkonzern Orkla sei zum richtigen Zeitpunkt und Preis erfolgt, heißt es. Die volle Integration von Sapa, erwartet per Ende 2017, werde das Downstream-Geschäft von Norsk Hydro stärken, die Abhängigkeit vom Aluminiumpreis verringern und die Gewinnentwicklung konjunkturunabhängiger machen, heißt es.Die Dividende von 1,30 nkr garantiere eine Dividendenrendite von 2,5 % für 2017 und 2018. Allerdings sei all das schon im Kurs enthalten, daher wird die Aktie auch nicht zum Kauf empfohlen. Sie eignet sich der Studie zufolge aber für langfristig orientierte konservative Anleger und Pensionsfonds, die an laufenden Einnahmen interessiert und wenig risikofreudig sind.Pluspunkte seien das gute Management, der norwegische Staat als Hauptaktionär sowie die in Zukunft stabilere Gewinnentwicklung und der vernünftige Verschuldungsgrad. Die Prognosen für den Gewinn je Aktie werden für dieses Jahr um 13,7 % auf 2,97 gesenkt, für 2018 und 2019 aber um 5,2 % und 15,5 % auf 3,72 nkr und 3,80 nkr angehoben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von Norsk Hydro stieg im zweiten Quartal auf 2,9 Mrd. nkr, allerdings war am Markt mit 3 Mrd. gerechnet worden. Faire Bewertung erreichtVon “Buy” auf “Hold” zurückgestuft wird der russische Aluminiumkonzern Rusal, nach Hongqiao aus China der zweitgrößte Aluminiumhersteller der Welt. Das Kursziel für die auch in Hongkong gelisteten Aktien wird von 4,90 auf 4,70 HK-Dollar reduziert (aktuell 4,77). Grundsätzlich sehen die Analysten in Rusal große Risiken, aber auch große Chancen.Gefahren gingen von der hohen Verschuldung aus mit einem Verhältnis der Nettoschulden zum Ebitda von 4 für 2017 sowie von der Abhängigkeit von Russland und geopolitischen Risiken. Auch die wichtige Rolle der Dividende des russischen Bergbaukonzerns Norilsk Nickel, an dem Rusal mit knapp 28 % beteiligt ist, wird als potenzieller Risikofaktor betrachtet. Attraktiv seien aber die überdurchschnittlichen Free-Cash-flow-Renditen von 14 % bis 20 % und die erwartete Dividendenrendite von 2,9 % für die Geschäftsjahre 2017 und 2018. Positiv sei auch die gestiegene Liquidität der Aktie, nachdem der große Aktionär Onexim seinen Anteil am Markt verkauft hat.Angesichts des deutlichen Kursanstiegs in diesem Jahr sei bei einem EV/Ebitda-Wert von mittlerweile 5 nach 4 im ersten Quartal 2017 jetzt aber kaum noch Luft nach oben da. Die Ergebnisprognosen für das laufende Jahr werden um 17,9 % gekappt auf jetzt 0,06 Dollar, für 2018 und 2019 aber um 3,2 % und 17,1 % angehoben auf jeweils 0,08 US-Dollar.Rusal will ihre Zahlen zum zweiten Quartal am 25. August veröffentlichen, hat aber bereits bekannt gegeben, dass der Umsatz in den drei Monaten um 4,6 % gestiegen ist. Den Analysten der Berenberg Bank zufolge eignen sich die Aktien von Rusal vor allem für risikofreudige Investoren.