Aufholjagd von HeidelbergCement
Aufholjagd von HeidelbergCement
Weder an der Heidelberg Cement noch an LafargeHolcim haben Aktionäre in den vergangenen Monaten viel Freude gehabt. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge wird es bei dem Heidelberger Konzern jetzt aber deutlich aufwärtsgehen. Andere Analysten sind skeptischer.amb Frankfurt – An der HeidelbergCement-Aktie ist der Aufschwung am Aktienmarkt in den vergangenen Monaten vorbeigegangen, seit November 2016 tritt die Aktie auf der Stelle. Nun gibt es aber einige Kaufempfehlungen. So hält die Deutsche Bank die Aktie für attraktiv und votiert jetzt mit “Buy” statt “Hold”. In einer Studie werden als Kursziel 99 statt 89 Euro genannt, deutlich oberhalb der aktuellen Notierung von 86,13 Euro. Kein Potenzial sieht die Deutsche Bank mehr für den Schweizer Zementriesen LafargeHolcim, die Aktie wird von “Buy” auf “Hold” zurückgestuft. Das Kursziel von 63 sfr (zuvor 67 sfr) liegt allerdings immer noch deutlich über der aktuellen Notierung von 56,70 sfr. Große Kurssprünge gab es auch bei LafargeHolcim in diesem Jahr nicht, gegenüber Ende 2016 hat sich die Aktie des Weltmarktführers nur unwesentlich verteuert. Trump-Effekt verflogenBis November war die HeidelbergCement-Aktie, getrieben durch den Amtsantritt Trumps in den USA, auf zwischenzeitlich über 92 Euro geklettert, den höchsten Stand seit 2008. Spekuliert wurde, dass der Konzern mit seinen Werken in Texas und Arizona vom Bau der Mauer zu Mexiko profitieren könne, ebenso von dem erhofften Infrastrukturausbau in den USA. Mit der Ernüchterung bezüglich Trump gab der Kurs dann aber nach.Der Deutschen Bank zufolge bietet Heidelberg Cement nun die attraktivste Cash – flow-Rendite in der Branche. Nach dem Rückgang der Konsensschätzungen sei die Gefahr von Enttäuschungen nun geringer geworden: “Der Aktienkurs spiegelt die Schwäche des Unternehmens in wichtigen Schwellenländern wie Indonesien, Ghana und Ägypten jetzt besser wider, ebenso wie die Tatsache, dass die Branche die steigenden Kosten in West- und Südeuropa nicht ohne Weiteres auf die Kunden abwälzen kann”, heißt es. Für Heidelberg Cement sind die Konsensschätzungen den Analysten zufolge seit Januar um 5 % gefallen und liegen nun auf dem Niveau der Deutsche-Bank-Prognosen. Wende im zweiten QuartalDie Analysten gehen davon aus, dass das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im zweiten Quartal – die Zahlen sollen am 1. August veröffentlicht werden – wieder gestiegen ist. Nach drei enttäuschenden Quartalen sei nun die Wende gekommen. Für das kommende Jahr zeigen sie sich noch optimistischer. Hintergrund sind die erwartete gute Absatz- und Preisentwicklung in West- und Südeuropa und Rückenwind durch die Energiekosten, eine Stabilisierung in den Emerging Markets nach einem schweren Jahr 2017 und die anhaltende Verbesserung in den USA. Auch nach 2018 werde das Ebitda weiter steigen, heißt es. In den USA gebe es noch Chancen, durch den 2016 erfolgten Zukauf des italienischen Baustoffkonzerns Italcementi habe Heidelberg außerdem Zugang zu Märkten mit viel Erholungspotenzial erhalten.Die Analysten halten weitere Zukäufe für sehr wahrscheinlich: Möglich sei zum einen ein Ausbau der vertikalen Aufstellung des Italcementi-Bereichs nach dem Muster von Heidelberg Cement, zum anderen eine Teilnahme an der Konsolidierung in Italien oder Indonesien. Außerdem halten sie den Kauf des marokkanischen Unternehmens CIMAF für denkbar.Für LafargeHolcim rechnen die Analysten ebenfalls mit einer attraktiven Free-Cash-flow-Rendite und einer dynamischen Gewinnentwicklung 2018, getrieben durch eine deutliche Verbesserung beim Ebitda in den USA, der Erholung in Schwellenländern wie Nigeria und Algerien und weiteren Synergieeffekten. Es gebe aber Unsicherheiten wegen des Wechsels im Vorstand, außerdem bemängeln sie, dass die künftige Entwicklung kaum abzusehen sei und befürchten Belastungen durch die Syrien-Affäre. Wegen des Wechsels an der Spitze sei mit einer Strategie über das Jahr 2018 hinaus erst einmal nicht zu rechnen. Ärger wegen SyrienEx-Chef Eric Olsen ist wegen angeblicher Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg zurückgetreten, neuer Chef ist Jan Jenisch. Menschenrechtsorganisationen hatten dem Unternehmen 2016 vorgeworfen, die Extremistenmiliz IS bezahlt zu haben, um den Betrieb eines Werks in Syrien aufrechtzuerhalten. Die Deutsche Bank befürchtet trotz Rücktritt von Olsen, den persönlich keine Schuld treffen soll, weitere negative Nachrichten in dieser Sache.Zum Kauf empfiehlt die Deutsche Bank außerdem noch den italienischen Zementhersteller Buzzi Unicem bei einem Kursziel von 26,50 Euro (aktuell 22,61 Euro) und den französischen Baustoffkonzern Saint Gobain (Kursziel 52,60 Euro, aktuell 47,75 Euro). “Hold” heißt das Votum für CRH aus Irland (Kursziel 32 Euro, aktuell 31,49 Euro) und Titan Cement aus Griechenland (Kursziel 23,90 Euro, aktuell 25,68 Euro). Uneinheitliches BildDie Einschätzungen anderer Analysten bezüglich Heidelberg Cement fallen gemischt aus: So votierte diese Woche auch die Berenberg Bank mit “Buy”, als Kursziel werden ebenfalls 99 Euro genannt. Die Bank geht davon aus, dass sich Osterfest und Ramadan im zweiten Quartal negativ ausgewirkt haben. Auf europäischen Kernmärkten wie Frankreich, Italien, Polen, Tschechien, Ukraine und Russland gebe es allerdings Hinweise auf eine Erholung der Preise. Auch das US-Analysehaus Bernstein Research ist zuversichtlich und stuft Heidelberg Cement auf “Outperform”, die Analysten trauen der Aktie sogar 102 Euro zu. Der Grund: Europäische Zementhersteller würden von einer anziehenden Nachfrage in Frankreich profitieren, der Bausektor in dem Land bleibe auf Erholungskurs. Die UBS, Kepler Cheuvreux und J.P. Morgan setzen die Aktie auf “Neutral” bzw. “Hold”: J.P. Morgan (Kursziel 91 Euro) prognostiziert für das zweite Quartal einen Ebitda-Zuwachs von 3 %. Divergierende MeinungenAuch bei LafargeHolcim gehen die Meinungen der Analysten auseinander: Die UBS votiert mit “Neutral”, als Kursziel werden 56 sfr genannt. Bei dem Schweizer Konzern dürfte im zweiten Quartal vor allem das Wachstum in Indien stark ausgefallen sein, heißt es, kräftige Preiserhöhungen dürften zudem das Mexiko-Geschäft angetrieben haben. J.P. Morgan stuft die Aktie ebenfalls auf “Neutral” (Kursziel 57 sfr). Hier wird ein Ebitda-Plus von 12 % im zweiten Quartal prognostiziert. LafargeHolcim weise allerdings weiterhin ein unattraktives Chance-Risiko-Profil auf. Bernstein Research ist auch hier positiver gestimmt und stuft LafargeHolcim auf “Outperform” bei einem Kursziel von 64 sfr, verwiesen wird ebenfalls auf Frankreich.