Ausgangsbeschränkungen belasten Reifenbranche
Ausgangsbeschränkungen belasten Reifenbranche
wbr Frankfurt – Die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie weltweit und die Arbeit im Homeoffice führen dazu, dass die Menschen immer weniger Auto fahren. Dieses Verhalten belastet die – an sich defensiven – Reifenhersteller und deren Aktien. Die US-Investmentbank Morgan Stanley schätzt, dass durch das geänderte Fahrverhalten der Umsatz mit Pkw-Ersatzreifen 2020 um 11 % zurückgehen wird. Üblicherweise ist die Nachfrage nach Ersatzreifen in wirtschaftlichen Schwächephasen stabiler als die Nachfrage nach Reifen für Neuwagen. Die gefahrenen Kilometer und damit der Reifenverschleiß seien nicht besonders zyklisch. Minus 60 Prozent in China In der Finanzkrise 2008/09 sei der Absatz der Pkw-Ersatzreifen nur um 2 bis 3 % zurückgegangen. Allerdings führen die aktuellen, strengen Ausgangsbeschränkungen in weiten Teilen der Welt zu einem erheblichen Nachfrageschock. Im Februar ging der Absatz an Ersatzreifen in China um 60 % zurück. Aktuelle Daten für andere Regionen sind nicht verfügbar, aber Zahlen für Großbritannien deuten auf einen ähnlichen Rückgang der Nachfrage hin.Morgan Stanley geht davon aus, dass der Absatz bei Ersatzreifen 2020 weltweit um 11 % für Pkw und 7 % für Lkw zurückgehen wird. Die Kapazitätsauslastung der Werke könnte unter 70 % fallen. Die vorläufigen Zahlen von Continental für das erste Quartal 2020 deuten sogar auf eine Auslastung von unter 40 % hin. Der Rückgang des Ebit werde – zumindest kurzfristig – höher ausfallen als erwartet. Zwar helfen fallende Rohstoffpreise, die Kosten zu senken. Die Bank geht aber davon aus, dass die Preise für Reifen sinken werden.Es könnte mehr als drei Jahre dauern, bis die Gewinne pro Aktie bei den europäischen Reifenherstellern wieder das Niveau von 2018 erreichen. Morgan Stanley stuft daher den finnischen Hersteller Nokian Renkaat Oyi auf “Underweight” herab (Kursziel von 25 auf 16 Euro reduziert, aktuell 19,79 Euro) – auch wenn die Bank bei Nokian die besten Margen der Vergleichsgruppe ausgemacht hat. Die italienische Pirelli wird auf “Equal-weight” (Kursziel von 4,50 auf 3 Euro, Kurs aktuell 3,40 Euro) zurückgesetzt. Zu dem Unternehmen heißt es in der Studie, dass Pirelli seine Kosten nur noch schwierig in den Griff bekommen dürfte, obwohl die Aktie gemessen an den Kennzahlen optisch günstig ist. Michelin bleibt der FavoritBezüglich Continental bleibt die Bank bei ihrem Urteil “Overweight” (Kursziel von 100 auf 95 Euro, aktuell 73,04 Euro); das Unternehmen sei sich seiner Probleme bewusst und es seien positive Auswirkungen der Umstrukturierung zu erwarten. Bevorzugtes Unternehmen bleibt aus Sicht der Bank Michelin (“Übergewichten”, Kursziel von 105 auf 90 Euro, Kurs aktuell 87,04 Euro). Für Michelin sprechen die breite Diversifizierung, eine starke Bilanz und die Fähigkeit, Liquidität zu schaffen.