Brent-Preis stürzt um 26 Prozent ab
Brent-Preis stürzt um 26 Prozent ab
Die akute Krise hat nun auch Ölmärkte außerhalb der USA erfasst. Die Angst vor einer Erschöpfung der Lagerkapazitäten hat den Brent-Preis um bis zu 23 % abstürzen lassen auf den tiefsten Stand seit 2001. Mittlerweile erwägen die Länder des Kartells Opec plus weitergehende Förderkürzungen.ku Frankfurt – Nach den schweren Turbulenzen beim WTI-Ölpreis am Montagabend sind am Dienstag auch die internationalen Ölmärkte außerhalb der USA eingebrochen. Die weltweit wichtigste Benchmarksorte Brent Crude verzeichnete einen extremen Preisrückgang um 26 %. Der Monatskontrakt befand sich zeitweise mit 18,10 Dollar auf dem niedrigsten Niveau seit November 2001. Selbst in der durch die Finanzkrise der Jahre 2008/09 ausgelösten Rezession hatte er sich noch besser gehalten.Händler führen die extremen Preisreaktionen darauf zurück, dass aller Voraussicht nach die weltweiten Lagerkapazitäten an Rohöl bald erschöpft sein dürften. Da Ölquellen nicht ohne weiteres und ohne hohe Kosten abgeschaltet werden können, wird der Energieträger damit von einem wertvollen Rohstoff zu einer Belastung: Produzenten bemühen sich zunehmend verzweifelt darum, das produzierte Öl loszuwerden. In den USA ist diese Entwicklung schon weiter fortgeschritten als auf anderen internationalen Ölmärkten. Am amerikanischen Drehkreuz der Ölpipelines in Cushing, Oklahoma, sind bereits jetzt praktisch keine Lagerkapazitäten mehr zu mieten (siehe Artikel unten).Weltweit werden immer mehr Tankschiffe eingesetzt, um Rohöl zu lagern. Dennoch rechnet die Internationale Energieagentur IEA damit, dass die weltweiten Kapazitäten zur Jahresmitte vollständig erschöpft sein werden. In einzelnen lokalen Märkten könnte dieser Extremfall sogar früher eintreffen, wie die Agentur betont. Der Ernst der Lage habe bereits dazu geführt, dass sich die Kosten für das Chartern von sehr großen Tankschiffen seit Februar verdoppelt haben. Aufgrund des Volllaufens der Lagerkapazitäten sei damit zu rechnen, dass extreme Preisbewegungen an den Ölmärkten künftig an der Tagesordnung seien, sagte Louise Dickson vom Marktbeobachter und Beratungsunternehmen Rystad Energy der Nachrichtenagentur Reuters. Extremer NachfragerückgangDie Internationale Energieagentur rechnet mit einem Rückgang der Ölnachfrage um in der Spitze 26 Mill. Barrel pro Tag (bpd), während einige Rohstoffanalysten sogar von bis zu 35 Mill. bpd ausgehen. Demgegenüber fallen die von dem um Länder wie Russland und Norwegen erweiterten Kartell Opec plus vereinbarten Förderkürzungen von 9,7 Mill. bpd eher mickrig aus – zumal diese erst ab Mai gültig sind. Derzeit produziert beispielsweise Saudi-Arabien noch große Mengen, so dass sich US-Präsident Donald Trump am Dienstag bereits veranlasst sah, einen Einfuhrstopp für Öl aus Saudi-Arabien in Aussicht zu stellen.Derweil erwägen inzwischen die führenden Länder der Opec plus weitere Förderkürzungen. So sagte der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow, die führenden Ölländer könnten Gespräche führen über weitere Produktionseinschränkungen. Allerdings sagte Peskow auch, sein Land verfüge über genügend Finanzreserven, um die aktuelle Krise durchzustehen.Die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA zitierte ein nicht namentlich genanntes saudisches Regierungsmitglied, gemäß dem das Land zu weiteren Maßnahmen bereit sei, wenn die anderen Mitglieder der Opec plus und weitere Produzentenländer mitmachten. Die US-Finanzzeitung “Wall Street Journal” berichtete bereits davon, dass es am 10. Mai ein kurzfristig angesetztes Treffen der Länder der Opec plus geben könnte, auf dem möglicherweise weitere Förderkürzungen beschlossen werden.Allerdings nimmt mit den stark sinkenden Ölpreisen der Druck auf die Produzentenländer zu. Diese könnten sich dazu genötigt fühlen, ihre Einnahmen durch Beibehaltung der Fördermengen zu stützen. Zuletzt hatte sich die Opec plus nicht zu noch größeren Kürzungen durchringen können, weil es keinerlei derartige Zugeständnisse von Seiten der Vereinigten Staaten gab, die in den vergangenen Jahren ihre Schieferölindustrie stark ausgebaut hatten. So könnte die Vereinbarung zusätzlicher Kürzungen davon abhängen, ob US-Präsident Donald Trump doch noch Entgegenkommen zeigt.