Chancen mit Vermögensverwaltern

Berenberg hält Aktien für interessant - Kaufempfehlung für Amundi, Anima, Ashmore und Schroders

Chancen mit Vermögensverwaltern

Die Vermögensverwalter in Europa und den USA haben gute Jahre hinter sich. Nun wird befürchtet, dass der Boom mit einem eventuellen Ende der Hausse an den Börsen ein Ende finden wird. Die Berenberg Bank sieht das nicht so und erwartet weiteres Wachstum – speziell in Europa.amb Frankfurt – Die Aussichten für die europäischen Vermögensverwalter sind nach Ansicht der Berenberg Bank besser als gemeinhin angenommen. Die Analysten haben die Assetmanager in einer Studie untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich durch die allgemeine Fehleinschätzung der Branche Kaufgelegenheiten eröffnen. Sie raten bei den Aktien von vier der sieben untersuchten Unternehmen zum Einstieg, bei den anderen zum Halten. Auf der Empfehlungsliste stehen Amundi, Anima, Ashmore und Schroders, “Hold” lautet das Votum für Azimut, Jupiter und Standard Life Aberdeen.Zuletzt lief es sehr gut für die Branche: Laut Studie stiegen die Assets under Management (AuM) in aktiv gemanagten Fonds und Exchange Traded Funds (ETF) in Europa in den vergangenen fünf Jahren um fast 60 %, zur Hälfte getrieben von Nettomittelzuflüssen. Auch in den USA seien die AuM gewachsen, allerdings nicht so deutlich. Zudem sei der Anstieg zu 80 % auf steigende Kurse zurückzuführen. USA nicht gleich EuropaDie Analysten entlarven drei “Mythen”, die sich um die europäischen Assetmanager rankten und für schlechte Laune sorgten. Zum einen werde befürchtet, dass der Branche das Wachstum ausgehen werde. Laut Berenberg kann die Entwicklung auf dem US-Markt aber nicht eins zu eins auf Europa übertragen werden: In den USA sei die Sparquote niedrig, das regulatorische Umfeld schwieriger und die Kannibalisierung durch den Aufstieg der ETF ein viel größeres Problem. “Sorgen, dass die Branche in den USA in einem Umfeld nicht mehr steigender Märkte nicht mehr wächst, haben kurzfristig wahrscheinlich eine gewisse Berechtigung”, heißt es.In Europa seien die Sparquoten viel höher und stiegen noch an, außerdem nähmen die Vermögensverwalter den Banken und Versicherungen immer mehr Marktanteile ab. Die Analysten erwarten für die kommenden Jahre für Europa zwei- bis viermal so hohe Zuflüsse in die Branche wie in den USA.Ein weiterer Mythos sei der Margendruck. Die Gebühreneinnahmen gingen zwar zurück, allerdings nicht so stark wie erwartet. Zudem sänken die Kosten. Auch eine “disruptive” Entwicklung in der Branche, Mythos Nummer 3, sehen die Analysten nicht. Der durchschnittliche Kunde der Vermögensverwalter sei über 60 Jahre alt, nur 6 % der Umsätze würden mit Millennials gemacht. Im Übrigen unterschieden sich neue Kunden gar nicht so stark von älteren. Auch die Gefahr durch Fintechs werde überzeichnet: Die Analysten gehen davon aus, dass sich die Assetmanager mit den neuen Playern zusammentun werden, um die Strukturen noch effizienter zu machen. Vormarsch der ETFDer Vormarsch der ETF bereitet den Analysten ebenfalls wenig Sorgen: In den vergangenen zehn Jahren seien den aktiven Fondsmanagern in den USA 19 % am AuM-Wachstum durch den ETF-Boom verloren gegangen, in Europa aber nur 11 %. Grund sei zum einen, dass ETF in Europa nicht mit den gleichen Steuervorteilen gegenüber aktiven Fonds auftrumpfen könnten wie in den USA. Zudem bedrohten ETF vor allem aktiv gemanagte Aktienfonds, weniger die in Europa so viel wichtigeren Anleihefonds. “Wir gehen daher nicht davon aus, dass ETF in den kommenden fünf Jahren einen signifikanten Einfluss auf das Wachstum der europäischen Assetmanagement-Industrie haben werden”, heißt es in der Studie.Rückenwind könne die Branche auch noch durch einige länderspezifische Faktoren erhalten: So sinke mit der Reform des Investmentsteuergesetzes in Frankreich ab 2018 der Steuervorteil von Lebensversicherungen gegenüber Investmentfonds. In Italien seien nach der Finanzkrise Gelder im großen Stil in Tagesgeldkonten und Bankanleihen umgeschichtet worden, jetzt gehe es wieder in Richtung Investmentfonds. Nicht zuletzt könne der Vorschlag der EU-Kommission zur Schaffung einer europaweiten privaten Altersvorsorge für einen Schub sorgen. Amundi KlassenbesterAmundi und die beiden italienischen Vermögensverwalter Anima und Azimut werden erstmals beurteilt. Amundi wird auf “Buy” gesetzt, als Kursziel werden 84 Euro (aktuell 71,73 Euro) genannt. Amundi ist der Berenberg Bank zufolge nicht nur Europas größter Assetmanager, sondern habe auch auf der Kostenseite die Nase vorn. Verwiesen wird auf das sehr gute Vertriebsnetzwerk und die Zusammenarbeit mit großen Banken in Frankreich und Italien. “Amundi arbeitet effizienter als BlackRock, hat zu mehr Bankfilialen Zugang als Santander und verwaltet ein Vermögen, das größer ist als das von Schroders und Standard Life Aberdeen zusammen”, heißt es in der Studie. Die Ergebnisschätzungen liegen bei 3,82 Euro, 4,78 Euro und 5,67 Euro je Aktie für 2017 bis 2019. Boom in ItalienEbenfalls “Buy” lautet das Votum für Anima, der Aktie wird ein Kurs von 7,90 Euro (aktuell 6,53 Euro) zugetraut. Anima wird den Analysten zufolge stark vom Boom der Vermögensverwaltung in Italien profitieren. Die Übernahme des Rivalen Aletti Gestielle von Banco BPM wird begrüßt, dadurch seien die Risiken gesunken. Die Gewinnschätzungen je Aktie liegen bei 0,37 Euro, 0,48 Euro und 0,53 Euro. Für den auf Emerging-Markets-Anlagen für institutionelle Investoren spezialisierten britischen Assetmanager Ashmore lautet die Empfehlung unverändert “Buy”, das Kursziel wird hier von 3,80 Pfund auf 4,10 Pfund (aktuell 3,80 Pfund) angehoben. Berenberg zufolge haben die Zahlen für das dritte Quartal gezeigt, dass Ashmore von der wieder anziehenden Nachfrage nach Schwellenländeranlagen besonders stark profitiert. Die Gewinnschätzungen werden für 2018 um 3,3 % auf 0,22 Pfund, für 2019 um 7,5 % auf 0,25 Pfund und für 2020 um 3,5 % auf 0,28 Pfund je Aktie angehoben.Auch für Schroders (“Buy”) wird mit 36,40 Pfund nach 35,80 Pfund (aktuell 34,64 Pfund) ein höheres Kursziel genannt. Die Analysten verweisen auf das sehr breite Spektrum an Produkten und Kunden in vielen Regionen der Welt. Chancen könnten durch mögliche Zukäufe erwachsen. Die Gewinnschätzungen werden für 2017 um 1,5 % auf 2,09 Pfund, für 2018 um 1 % auf 2,25 Pfund und für 2019 um 0,3 % auf 2,42 Pfund angehoben. Schon fair bewertetNicht mehr so viel Potenzial sieht die Bank für Azimut (“Hold”), das Kursziel liegt bei 18,70 Euro (aktuell 17,05 Euro). Auch Azimut werde das anhaltende Wachstum der Assetmanagement-Branche in Italien zugutekommen. Mit der Konzentration auf die vermögende Klientel und mit eigenem Netzwerk besetze Azimut eine Nische in einem wachsenden Markt. Die Analysten sind sich aber nicht sicher, ob das Unternehmen die Gebühreneinnahmen angesichts möglicher Eingriffe der italienischen Wertpapieraufsichtsbehörde halten kann, und sehen daher kurzfristig nur begrenztes Aufwärtspotenzial. Die Gewinnschätzungen je Aktie liegen bei 1,48 Euro für 2017, dann 1,61 Euro für 2018 und 1,77 Euro für 2019. Abflüsse aus DachfondsFür Jupiter (“Hold”) wird das Kursziel von 5 auf 5,60 Pfund (aktuell 5,91 Pfund) erhöht. Kritisiert wird, dass sich die Zuflüsse im ersten Halbjahr vor allem auf den Dynamic Bond Fund konzentriert haben, die Abflüsse aus Dachfonds setzten sich fort. Daher sei die Bewertung schon angemessen. Die Gewinnschätzungen werden aber angehoben um 3,1 %, 9,1 % und 9,1 % auf 0,35 Pfund, 0,38 Pfund und 0,41 Pfund je Aktie. Auch für Standard Life Aberdeen (“Hold”), gerade aus dem Zusammenschluss von Standard Life und Aberdeen Asset Management entstanden, nennen die Analysten ein höheres Kursziel, und zwar 4,40 Pfund statt 4 Pfund (aktuell 4,39 Pfund). Die Fusion war ihrer Ansicht nach sinnvoll wegen des harten Wettbewerbs, der zu erwartenden Skalenerträge, der vielen Einkunftsquellen und der nun stärkeren Bilanz. Allerdings sei die Bewertung angemessen. Die Gewinnschätzungen werden hier für die Jahre 2017 und 2018 um 2,2 % und 0,7 % reduziert auf jetzt 0,30 Pfund und 0,32 Pfund, für 2019 werden sie um 1 % auf 0,35 Pfund je Aktie angehoben.