Chinas Bullenmarkt kriegt schweren Dämpfer verpasst
Chinas Bullenmarkt kriegt schweren Dämpfer verpasst
nh Schanghai – Chinas Aktienmarkt muss nach einer wochenlangen vom Enthusiasmus der Kleinanleger getragenen Mega-Rally den offensichtlichen Überhitzungserscheinungen Tribut zollen. Am Donnerstag ist der marktbreite Leitindex Shanghai Composite jäh um 4,5 % eingebrochen, bei den Blue-Chip-Werten des CSI-300-Index der Börsen in Schanghai und Shenzhen kam es zu einem noch heftigeren Rückgang um 4,8 %. Damit sieht man die höchsten Tagesverluste im chinesischen Markt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.Anfang Februar hatte der Shanghai Composite nach einer wochenlangen Feiertagspause die neu zum Vorschein gekommenen Pandemiegefahren mit einem Tagesverlust von 7,7 % quittiert. Auch der von Wachstumswerten geprägte Small-Cap-Markt Chinext, der in den letzten Wochen im Weltmaßstab die beste Performance hingelegt hat, sah seine imposante Hausse plötzlich abgewürgt. Dabei büßte der Chinext-Index in der Spitze 6,7 % ein.Eine Korrektur im chinesischen Aktienmarkt galt zwar als überfällig, allerdings hatten die Experten trotz der berüchtigten Volatilität des chinesischen Marktes für A-Aktien nicht mit einem so plötzlichen Dämpfer gerechnet. Dabei scheinen die Anleger zu befürchten, dass eine Erstarkung der chinesischen Wirtschaft den Elan der Zentralbank zu weiteren Lockerungsimpulsen unterbindet. Paradoxerweise fiel der Börseneinbruch mit der Bekanntgabe relativ positiver Wirtschaftsdaten im Reich der Mitte zusammen.Am Donnerstag zeigte sich, dass die chinesische Wirtschaft rascher als erwartet aus der Coronadelle wieder herausgefunden hat, das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal ist mit 3,2 % unerwartet kräftig in die Höhe geschnellt. Allerdings sieht man eine ungleichgewichtige Entwicklung mit einer kräftigen Belebung der Industrieproduktion bei weiterem Rückgang der Einzelhandelsumsätze. Gewaltiger MarktwertverlustDie anhaltende Schwäche an der Konsumfront hat auf entsprechende Konsumwerte stark abgefärbt, allen voran den chinesischen Spirituosenkonzern Kweichow Moutai, dessen Aktie den marktwertschwersten Titel an den chinesischen Festlandbörsen abgibt. Die Moutai-Aktie stürzte am Donnerstag um 8,4 % ab, was einem Marktwertverlust von fast 25 Mrd. Dollar gleichkommt. Damit erwischte es eine auch gerade von ausländischen Fondsmanagern seit jeher als Barometer für Chinas Konsumklima geschätzte Aktie besonders hart.Stark getroffen wurden aber auch Technologiewerte. Die große Ausnahme bildet die Aktie des Chipherstellers SMIC, dessen 6,6 Mrd. Dollar schwere Aktienofferte mit einem Zweitlisting am Schanghaier Technologiesegment Star Market auf eine furiose Anlegerresonanz stieß. So schoss die Aktie am ersten Handelstag um gut 200 % in die Höhe.