Comeback der Druckmaschinenbauer
Comeback der Druckmaschinenbauer
An Aktien von Druckmaschinenherstellern hatten Anleger viele Jahre wenig Freude. Bei Koenig & Bauer ist das schon länger anders. Einer Studie von Berenberg zufolge ist weiter mit Kursgewinnen zu rechnen, auch für Heidelberger Druck ist die Bank optimistisch.amb Frankfurt – Der Strukturwandel in der Medienbranche und der Aufstieg von Internet und Digitaldruck haben der Druckmaschinenbranche lange heftig zugesetzt. Nach Ansicht der Berenberg Bank sind die Aussichten für die beiden deutschen Druckmaschinenbauer Koenig & Bauer und Heidelberger Druck mittlerweile aber durchaus positiv. Zugutekommen würden den beiden Unternehmen das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die steigende Nachfrage nach Verpackungsdruck, zudem seien beide Unternehmen nach vielen Restrukturierungen nun besser aufgestellt. Die aktuelle Bewertung biete eine gute Einstiegsgelegenheit, in einer Ersteinstufung setzen die Analysten sowohl Koenig & Bauer als auch Heidelberger Druck auf “Buy”.Der Strukturwandel sowie Finanz- und Euro-Krise haben die Aktienkurse der Druckmaschinenbauer in den Keller fallen lassen. Die Koenig-&-Bauer-Aktie hat sich allerdings längst wieder erholt: Der Kurs stieg von 10 Euro Anfang 2015 auf aktuell 76,65 Euro. In diesem Jahr gehört der SDax-Wert zu den wenigen Gewinnern an der Börse. Für Heidelberger Druck sieht es bislang deutlich schlechter aus, nach einem Anstieg auf 3,63 Euro in der Spitze im Oktober 2017 ist die ebenfalls zum SDax gehörende Aktie wieder zurückgefallen und notiert aktuell bei 3,03 Euro.”Die vergangenen 10 bis 20 Jahre waren für die Branche extrem schwierig, der Sektor ist dramatisch geschrumpft”, heißt es in der Berenberg-Studie. Der Grund: Anstelle von Zeitungen, Zeitschriften oder Büchern werde heute lieber zu digitalen Medien gegriffen. Zum Strukturwandel dazugekommen seien Finanz- und Euro-Krise mit generell rückläufigen Investitionen. Nicht zuletzt sei die Nachfrage aus China als Folge schwieriger Kreditkonditionen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Steigende MargenFür die kommenden Jahre rechnen die Analysten für Koenig & Bauer und Heidelberger Druck – die neben dem japanischen Konzern Komori zu den weltweiten “Big Three” der Branche gehören – aber mit steigenden Gewinnmargen. Die Nachfrage nach großen Offset-Druckmaschinen ziehe wieder an. Speziell der Verpackungsdruck, also der Markt für bedruckte Pappen, Dosen und Tuben, gilt als erfolgversprechend. Laut Berenberg Bank wächst der Bereich weltweit um 4 % p.a. – mehr als das BIP also. Berenberg traut Koenig & Bauer einen Kurs von 89 Euro zu. Das Unternehmen, das als “Qualitätsmaschinenbauer” bezeichnet wird, stehe wieder gesund da. Koenig & Bauer sei ein großer Profiteur des boomenden Online-Handels. Das Wachstum werde sich noch beschleunigen, vor allem wegen der steigenden Nachfrage aus der Verpackungsindustrie. Die Abhängigkeit von der Medienbranche sei radikal verringert worden. Mittlerweile würden 90 % der Umsätze in Wachstumsmärkten erwirtschaftet, nämlich im Verpackungs-, Digital- und Banknotendruck. In diesen Bereichen habe Koenig & Bauer zum Teil extrem hohe Marktanteile: So liege der Anteil bei den Verpackungen weltweit bei 45 %, bei Banknoten – einem aufgrund der steigenden Nachfrage von Schwellenländern nach fälschungssicherem Geld ebenfalls wachstumsstarken Bereich – sogar bei 95 %. Die Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz von Koenig & Bauer bis 2020 um 5,3 % p.a. und die Ebit-Marge von 6,7 % 2017 auf 8,6 % 2020 steigen wird – in die Nähe des vom Management genannten Ziels von 9 % für 2021. Für den Gewinn je Aktie werden 5,25 Euro für 2018, 6,03 für 2019 und 6,77 für 2020 prognostiziert. Die Schätzungen liegen nach Angaben der Bank über dem Konsens. Schon 2017 hatte sich positiv bemerkbar gemacht, dass Online-Händler zunehmend bedruckte Lieferkartons einsetzen: Der Umsatz des Unternehmens kletterte auf 1,22 Mrd. Euro nach 1,17 Mrd. 2016 bei einem Gewinn von 81,1 Mill. Euro. Das richtige GeschäftsmodellFür Heidelberger Druck wird ein Kursziel von 4 Euro genannt. Nach 15 Krisenjahren sei das Unternehmen nun auf dem richtigen Weg, heißt es in der Studie. Für sehr vielversprechend halten die Experten das neue Subskriptionsmodell des Maschinenbauers, bei dem Kunden für mehrere Jahre ein Paket aus Maschine, Service, Verbrauchsgütern und Software mieten können. Das neue Modell ermöglicht nach Ansicht der Berenberg Bank gleichmäßigeres Wachstum gegenüber dem traditionellen Verkauf von Maschinen. Außerdem habe das Unternehmen die wichtigste industrielle digitale Verpackungsdruckmaschine auf den Markt gebracht. Diese könne mit weniger Personal betrieben werden, die Flexibilität sei höher, etwa in Bezug auf kleinere Druckaufträge. Im Übrigen gehen die Analysten davon aus, dass die immer noch herrschenden Sorgen wegen der Pensionsverpflichtungen des Unternehmens mit steigenden Zinsen schwinden werden. Sie rechnen mit einem Umsatzwachstum von 1,6 % p.a. bis 2021 und einem Anstieg der Ebit-Marge von 4,3 % 2017 auf 5,7 % 2021. Neue Impulse könnten vom Kapitalmarkttag am 10. April und der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für 2017/2018 im Mai kommen, heißt es. Der Maschinenbauer meldete im März eine wachsende Nachfrage nach Digitaldruckmaschinen für Verpackungen und Etiketten. Heidelberger erwartet für das im März zu Ende gegangene Gesamtjahr 2017/2018 einen Umsatz auf Vorjahresniveau, beim Überschuss rechnet der Konzern wegen Belastungen aus der US-Steuerreform allerdings mit einem Rückgang. Auch bei anderen Analysten herrscht bezüglich der beiden Druckmaschinenbauer derzeit purer Optimismus: So wird Koenig & Bauer auch von Oddo Seydler, Warburg, Hauck & Aufhäuser, Kepler Cheuvreux und Equinet zum Kauf empfohlen. Oddo (“Buy”) hat das Kursziel für Koenig & Bauer deutlich von 54 auf 78 Euro angehoben. Verwiesen wird auf die “herausragende” Auftragsdynamik 2017. Den Ausblick auf 2018 halten die Analysten für konservativ. Hauck & Aufhäuser (“Buy”) nennt sogar ein Kursziel von 82 Euro. Die Telefonkonferenz zu den Zahlen des Druckmaschinenherstellers habe optimistisch gestimmt, heißt es, das Unternehmen mache bei strategischen Projekten gute Fortschritte. Warburg (“Buy”) nennt ein Kursziel von 79,70 Euro, Kepler (“Buy”) 74 Euro.Die Heidelberger-Druck-Aktie wird ebenfalls derzeit fast durchweg positiv beurteilt. So raten neben Berenberg auch die Baader Bank, Equinet, DZ Bank, Kepler Cheuvreux, Independent Research und Warburg zum Einstieg. Die Baader Bank (“Buy”) setzt das Kursziel bei 4,10 Euro an. Nach den Zahlen zum dritten Quartal und jüngsten Unternehmenskontakten sind die Analysten erst recht überzeugt, dass die Aktie derzeit der attraktivste Wert in den deutschen Maschinenbau- und Industriesektoren ist. Die Nachfrage beim Druckmaschinenhersteller beschleunige sich.