"Der Herbst hat auch noch schöne Tage"
"Der Herbst hat auch noch schöne Tage"
sts Frankfurt – Der globale Konjunkturaufschwung und damit der Kursanstieg an den Aktienmärkten werden nach Einschätzung von J.P. Morgan Asset Management noch eine Weile andauern. Trotz des fortgeschrittenen Zyklus sei noch keine Rezession in Sicht. “Konjunktur und Märkte befinden sich im Herbst, aber der Herbst hat auch noch schöne Tage”, sagte Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege des Vermögensverwalters, am Mittwoch in Frankfurt.Für das konjunkturelle Umfeld gilt Galler zufolge: “Alles im grünen Bereich über alle Regionen hinweg.” Dies treffe insbesondere für Europa zu. Da zugleich der Preisauftrieb sich zuletzt etwas abgeschwächt habe, sei auch die Wahrscheinlichkeit für eine restriktivere Geldpolitik gesunken. In einem erneuen Anziehen der Inflation und damit einer deutlichen Straffung der Geldpolitik insbesondere in den USA sieht Galler eines der Hauptrisiken für die Kapitalmärkte, was sich in höher Volatilität äußern würde. Daneben gehen seiner Einschätzung nach mittelfristig Risiken von China aus, wenn die Volksrepublik ihren Verschuldungsanstieg nicht in den Griff bekommt. Seitens der Notenbanken sieht der Kapitalmarktexperte das größte Risiko durch den anstehenden Bilanzabbau der Federal Reserve. “Die Korrelation zwischen der Zentralbankbilanz und dem Aktienmarkt ist stärker als die zwischen Aktienmarkt und Unternehmensgewinnen”, betonte Galler. “Die Fed wird einen Stein in den Teich werfen, und die Wellen werden alle anderen Märkte treffen.” Damit werde die Volatilität ansteigen. Er rechnet infolge einer schrumpfenden Fed-Bilanz mit einer steileren US-Zinskurve. “Damit fällt Rückenwind für Risikoanlagen weg.” Galler rechnet mit einer Entscheidung über den Bilanzabbau in der Fed-Sitzung am 20. September. Ende Oktober werde dann die EZB wohl mit Aussagen zur Rückführung ihrer Anleihekäufe folgen. “Auf Seiten der Notenbanken können in den nächsten Wochen signifikante Dinge passieren.”In China beunruhigt Galler, dass zyklische Indikatoren auf eine Abschwächung des Wachstums hindeuten – allerdings erst nach dem Kongress der Kommunistischen Partei im Oktober. Problematisch sei auch die wachsende Verschuldung. “In vier bis fünf Jahren wird es für China schwierig werden, seinen Schuldenberg zu refinanzieren”, sagte er.Ein Plädoyer für europäische Aktien und mehr Selbstbewusstsein der Europäer hielt Karsten Stroh. “Wir sind in der Eurozone auf einem guten Weg”, sagte der Experte für europäische Aktien bei J.P. Morgan in Frankfurt. “In Europa ist das Glas immer halb leer, auch wenn es gerade überläuft. Wir schauen immer nur auf Probleme.” Dabei sei es sehr positiv, dass inzwischen in der Eurozone das Wachstum “von innen heraus” stamme, also aus steigenden Investitionen und Konsumausgaben. Die Eurozone habe inzwischen 16 Quartale mit Wachstum hinter sich, die vergangenen drei mit für Europa außerordentlich hohen Wachstumsraten von über 2 %. “Es sieht nach einem Heilungsprozess aus. Wir haben noch einen Weg zu gehen, aber wir sind schon viel weiter, als öffentlich noch wahrgenommen wird”, sagte Stroh. “Europa ist die führende Region des globalen Aufschwungs.”In den kommenden Jahren rechnet der Vermögensverwalter bei europäischen Aktien mit einem Kursanstieg von jährlich 6 % bei einer Dividendenrendite von 3 bis 4 %. Stroh zufolge könnte sich in diesem Jahr erstmals seit Jahren die Erwartung erfüllen, dass europäische Unternehmen ihre Gewinne um 10 % steigern. Plädoyer für Europa-AktienVon der jüngsten Euro-Aufwertung sieht Stroh noch keine Gefahr für die Aktienmärkte ausgehen – “wenn wir auf dem jetzigen Niveau bleiben”. Er schließe sich diesbezüglich EZB-Präsident Mario Draghi an, der jüngst den festen Euro als Ausdruck zurückerlangter wirtschaftlicher Stärke bezeichnete. Mit Blick auf die Bewertung sieht Stroh europäische Aktien als “zwischen fair bewertet und leicht zu teuer” angesiedelt. Das Forward-KGV des MSCI Europe lag seinen Angaben zufolge zur Jahresmitte bei 15,2 und damit etwas über dem Durchschnitt von 13,5 für den Zeitraum seit 2001.