Der Primärmarkt brummt
Der Primärmarkt brummt
Von Kai Johannsen, FrankfurtAuch in der neuen Handelswoche wird sich das rege Geschehen am Bondmarkt aller Voraussicht nach fortsetzen. Seit Wochen brummt der europäische Primärmarkt. Ob nun Staaten, SSA (supranationale Emittenten, Sub-Sovereigns, Agencies), Banken oder Unternehmen – sie alle emittieren fleißig und können sich über eine mangelnde Nachfrage seitens der Investoren nicht beschweren. Regelmäßig sind die Emissionen überzeichnet, zum Teil sogar sehr stark. So mancher Staat – darunter etwa Spanien und auch Italien – verzeichnete bei Anleiheemissionen Rekordorderbücher.Spanien geht am Donnerstag der neuen Handelswoche an den Start. Am Freitag gaben die Schuldenmanager bekannt, dass die Laufzeiten 2023, 2025, 2026 und 2030 unter den Hammer kommen werden. Das Volumen für die Auktion werden die Spanier wie gewohnt zum Auftakt der neuen Handelswoche mitteilen. Neben Spanien tritt aber auch noch der Bund am Markt auf. Offeriert wird die neue zehnjährige Bundesanleihe mit Fälligkeit im August 2030 (Volumen: 5 Mrd. Euro). Deutlich engere SpreadsAuch im Primärmarkt der Unternehmensanleihen wird es vermutlich weiter recht aktiv zugehen. Die Firmen haben ebenfalls keine Probleme, neues Material bei den Anlegern unterzubringen. Auch hier sind regelmäßig hohe Orderbücher zu beobachten. Die Spreads haben sich seit der Ausweitung im März in den vergangenen Wochen deutlich eingeengt. Die Experten der Commerzbank bezeichnen es als erstaunlich, mit welchem Tempo sich die Spread-Einengungen vollzogen haben.Verantwortlich dafür sei die Kombination aus Wiedereröffnungseuphorie, der Aussicht auf massive Finanzimpulse seitens der EU und anhaltend starken Zentralbankkäufen gewesen. In Segmenten mit hohem Beta hätten sich die Spreads relativ gesehen noch deutlicher eingeengt als bei stärkeren Ratings, und auch sie hätten den Bereich verlassen, der Anlass zu unmittelbarer Sorge geben würde. Damit sei bereits eine sehr steile wirtschaftliche Erholung eingepreist, und es bestehe kaum Raum für negative Überraschungen.Die fundamentalen Aussichten hingegen hätten sich parallel nur geringfügig verbessert, und Herabstufungs- und Ausfallrisiken seien nach wie vor groß. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass das Ausmaß der wirtschaftlichen Beeinträchtigung durch die Covid-19-Pandemie mit den Zahlenwerken der Unternehmen zum zweiten Quartal sichtbar wird. Die Berichtssaison beginnt im Juli und rückt somit in Sichtweite. Die Commerzbank weist darauf hin, dass S&P etwa im neuen Basisszenario für die nächsten zwölf Monate in Europa bei Speculative-Grade-Papieren eine Ausfallrate von 8,5 % (gegenüber 2,8 % im April) erwartet.