DZ Bank sieht Wirecard und SAP als Übernahmeziele

Fusionstempo wird laut Institut nach Krise steigen

DZ Bank sieht Wirecard und SAP als Übernahmeziele

xaw Frankfurt – Die DZ Bank erwartet nach dem Ende der Coronakrise eine deutlich steigende Zahl der Fusionen und Übernahmen im IT-Sektor. Angesichts der Pandemie seien die Marktrisiken gestiegen. Da zugleich die Gewinnschätzungen für viele Branchenvertreter niedriger ausfielen, hätten die Bewertungen für IT- und Software-Unternehmen deutlich nachgegeben.Gerade die Software AG und Wirecard seien infolge starker Kursrückgänge Übernahmekandidaten. Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim sei technologisch gut positioniert und mit einem für 2020 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,3 günstig bewertet. Zudem wachse Wirecard schneller als die Konkurrenten. Die Software AG hingegen befinde sich im Umbruch, das Ergebnis habe sich zuletzt schwächer entwickelt – dennoch sei das Unternehmen ein attraktives Übernahmeziel, da es als technologisch visionär gelte.Mittlerweile gehöre aber auch SAP in die Reihe der Übernahmekandidaten. Die Aktie des Entwicklers von Unternehmenssoftware hat seit Ende Februar 22,8 % ihres Wertes verloren. Für 2020 erwarten die Analysten der DZ Bank ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,7 – damit läge die Bewertung von SAP deutlich unterhalb denen von vergleichbaren Unternehmen wie Adobe, Microsoft und dem Cloud-basierten kalifornischen Anbieter Workday. Auch beim Umsatz werde der Walldorfer Konzern, dessen Aktie die DZ Bank mit einem Kursziel von 125 Euro (aktuell: 99,87 Euro) zum Kauf empfiehlt, im laufenden Jahr wohl klar hinter diesen Wettbewerbern liegen. Zugleich sei SAP im Hinblick auf Technologie, Marktposition, regionale Aufstellung und die finanziellen Ressourcen für potenzielle Käufer äußerst attraktiv.Zuletzt hat sich das Klima für Übernahmen aber deutlich eingetrübt. Im vergangenen Jahr registrierte der Marktforscher 451 Research, eine Tochter von S&P Global, weltweit noch 1 732 relevante IT-Übernahmen. Laut der DZ Bank gab es seit dem Virusausbruch allerdings keine nennenswerten Transaktionen. Neben den niedrigen Bewertungen der Unternehmen könnten nach dem Ende der Viruskrise auch einige fundamentale Faktoren für Belebung bei den Zusammenschlüssen sorgen. So setzten viele Käufer darauf, nach der Übernahme einen Querverkauf komplementärer Technologielösungen zu starten.Zusätzlich zu den Fusionen innerhalb der IT-Branche seien auch Übernahmen von Software-Anbietern durch Industrieunternehmen zu erwarten. Diese strebten nach neuen Kompetenzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erst im Februar kündigte der schwedische Konzern Atlas Copco an, den Darmstädter Bildverarbeitungsspezialisten Isra Vision zu übernehmen. Schneider Electric greift indes nach dem Stuttgarter Unternehmen RIB Software.