PERSONEN

Ein Spezialist für chinesische Aktien

Von Ernst Herb, Hongkong Börsen-Zeitung, 10.2.2018 Hansrudolf Schmid können größere Börsenturbulenzen, wie sie sich in den vergangenen Tagen gezeigt haben, nicht aus der Ruhe bringen. Seit Jahren steht der Gründungspartner der in Hongkong...

Ein Spezialist für chinesische Aktien

Von Ernst Herb, HongkongHansrudolf Schmid können größere Börsenturbulenzen, wie sie sich in den vergangenen Tagen gezeigt haben, nicht aus der Ruhe bringen. Seit Jahren steht der Gründungspartner der in Hongkong angesiedelten Investment-Management-Boutique HSZ Group der weltweiten Liquiditätsschwemme kritisch gegenüber. Auch das Abebben der von den Notenbanken in den vergangenen zwei Jahrzehnten geschaffenen Geldflut dürfte sich nicht groß auf die Anlagestrategie des auf chinesische Aktien und Versicherungsprodukte ausgerichteten Assetmanagers auswirken. “Gerade die aufstrebende Weltmacht China bleibt dank ihres rasanten Produktivitätswachstums und der nach wie vor günstigen demografischen Verhältnisse ein Zukunftsmarkt”, sagt der gebürtige Basler. Schmid lässt sich dabei auch von Krisen und Rückschlägen nicht vom vorgegebenen Kurs abbringen. Kurz vor dem zehn Jahre zurückliegenden Ausbruch der globalen Finanzkrise schloss er zwei auf Asien ausgerichtete Anlagefonds. Doch hielt HSZ unbeirrt am Kerngeschäft, dem HSZ China Fund, fest. Und im vergangenen Jahr legte der Fonds mit einer Rendite von, in Dollar gerechnet, 67 % in seiner Kategorie die weltweit beste Performance an den Tag. Der Fonds geht dabei sehr selektiv vor. So befinden sich etwa keine Aktien großer, vom Staat kontrollierter Banken, Energiekonzerne oder Telekomunternehmen im Portfolio. “Wir konzentrieren uns auf solide private Unternehmen”, sagt Schmid, der nach einem Rechtsstudium an der Universität Basel einen Master an der Harvard Law School erwarb. Der 2003 gegründete China-Fonds hat seit seinem Start eine durchschnittliche jährliche Rendite von über 13 % erzielt. HSZ vertraut darauf, frühzeitig das Potenzial von Unternehmen zu erkennen, die im Laufe der Zeit zu so bekannten Blue Chips wie die IT-Giganten Tencent und Baidu oder das Assekuranzunternehmen Ping An Insurance werden. Start bei Salomon BrothersNach zwei Jahren Tätigkeit für die US-amerikanische Investmentbank Salomon Brothers in New York war der 1956 geborene Schmid 1989 Partner in Martin Ebners BZ Group geworden. Von dort wechselte er 1992 zu der später von der britischen Großbank HSBC erworbenen Guyerzeller Bank, wo er als Mitglied der Geschäftsleitung den Bereich Asien aufbaute. Diese Herausforderung sei umso interessanter gewesen, als sich mit dem Ende des Bankgeheimnisses auch das Ende des klassischen Schweizer Private Banking abgezeichnet habe, meint Schmid. Im Jahr 2000 konnte er dann im Rahmen eines Management Buy-out die von ihm aufgebaute Asiensparte in die Selbständigkeit führen. Trotz des bisherigen Erfolgs seines Fonds bleibt die große Frage, wie sich China in den kommenden Jahren entwickeln wird. Das ist gerade derzeit ein heißes Thema. Denn so bekannte Auguren wie George Soros oder Jim Chanos haben der mittlerweile weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft angesichts eines hohen Verschuldungsgrades und mangelnder Transparenz längst eine Bauchlandung vorhergesagt. Doch solche Voraussagen sind so alt wie das mittlerweile vier Jahrzehnte anhaltende chinesische Wirtschaftswunder. Schmid ließ sich nie von solchen Untergangsszenarien von seinem Kurs abbringen. Damit hat er auch Recht behalten. China war im Gründungsjahr des Fonds eine kleinere Volkswirtschaft als Frankreich, doch übertrifft das Reich der Mitte mit seinem Bruttoinlandsprodukt von über 12 Bill. Dollar das der Grand Nation inzwischen um beinahe das Fünffache. Auch in der Assekuranz aktivHSZ ist mit ILS Advisers auch in der Versicherungssparte tätig, die naturgemäß geringe Korrelationen zu den volatileren Aktienmärkten aufweist. CEO und Miteigentümer des Finanzhauses ist seit 2014 Stefan Kräuchi, ein ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied der mittlerweile in der Credit Suisse aufgegangenen Clariden Leu. Kräuchi hat schrittweise Fonds aufgebaut, die in Versicherungsverbriefungen investieren. “Aktien sind etwas für Optimisten, während Versicherungen etwas für Finanzpessimisten sind”, fasst Verwaltungsratspräsident Schmid die Geschäftsphilosophie von HSZ zusammen.