Euro kann Marke von 1,20 Dollar nicht halten
Euro kann Marke von 1,20 Dollar nicht halten
sts Frankfurt – Während des Wartens auf die heutige Zinsentscheidung der Federal Reserve wurde der Devisenmarkt am Dienstag gleich zweimal von Spekulationen aufgeschreckt. Den Euro bremste die Diskussion über eine mögliche Verlängerung der EZB-Anleihekäufe, während das britischen Pfund von Medienberichten über eine Rücktrittsdrohung von Außenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson profitierte.Der Euro notierte im späten europäischen Handel nur noch 0,1 % im Plus bei 1,1969 Dollar, nachdem er bis auf 1,2006 Dollar gestiegen war. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters über Uneinigkeit zwischen führenden EZB-Geldpolitikern darüber berichtet, ob sie im Oktober ein Enddatum für ihre Anleihenkäufe nennen sollen. Im EZB-Rat prallten unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, so Reuters unter Bezug auf mehrere nicht genannte Gewährsleute. Demnach streben einige Vertreter im EZB-Führungsgremium an, für das auf rund 2,3 Bill. Euro angelegte Programm ein verbindliches Abschlussdatum festzulegen. Andere dagegen setzten darauf, eine Reduzierung des Volumens der monatlichen Käufe anzukündigen und den Zeitpunkt der Beendigung offenzulassen. Damit werde bei dem anstehenden Beschluss der Europäischen Zentralbank am 26. Oktober eine Kompromisslösung wahrscheinlicher: Diese könne bedeuten, dass sich das Gremium entweder nicht auf ein in Stein gemeißeltes Enddatum einlassen oder aber einen Teil des Beschlusses auf Dezember verschieben werde. Da am Markt für die Oktober-Sitzung mit Details zum Ausstieg aus der quantitativen Lockerung und damit einer Straffung der Geldpolitik gerechnet worden war, geriet der Euro etwas unter Druck. Johnson droht mit RücktrittUnterdessen erhielt das Pfund Sterling etwas Rückenwind von Medienberichten, wonach der britische Außenminister Johnson seinen Rücktritt für den Fall androhte, dass Premierministerin Theresa May seine Forderungen zum Brexit nicht erfülle. May hält am Freitag eine Rede in Florenz, bei der sie möglicherweise die Rolle des Vereinigten Königreichs in Europa nach dessen EU-Austritt thematisieren wird. “Der Anstieg des Pfund Sterling nach Bekanntwerden der Nachrichten fällt im Vergleich zu den jüngsten Rallys zwar bescheiden aus, zeigt jedoch, dass die Märkte die jüngsten politischen Entwicklungen aufmerksam beobachten”, kommentierte David Cheetham, Chef-Marktanalyst des Brokers XTB aus London. “Die jüngsten Wirtschaftsdaten und die Geldpolitik haben in letzter Zeit die Politik als Treiber des Pfundes verdrängt. Aber die jüngsten Nachrichten erinnern uns rechtzeitig daran, dass die politische Lage nach dem, was seit der Brexit-Abstimmung zumindest für einen relativ langen Zeitraum im Vordergrund stand, auch schnell wieder in den Mittelpunkt rücken kann.”Zum heutigen Abschluss der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed wird kein Zinsschritt erwartet. Mit Spannung schauen die Akteure jedoch darauf, ob die Notenbank Details zur Schrumpfung ihrer Bilanz nennt, was ebenso wie eine Zinserhöhung die Geldpolitik straffen würde. Blieben entsprechende Ankündigungen aus, so würde das voraussichtlich den Dollar belasten, der zuletzt wegen sinkender US-Zinserwartungen bereits auf breiter Front verkauft wurde.