Finstere US-Aussichten
Finstere US-Aussichten
Von Alex Wehnert, FrankfurtFür die Märkte geben Experten auch in der neuen Börsenwoche keine Entwarnung. Gerade in den USA ist die Unsicherheit weiterhin hoch, die am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten zeugen vom wirtschaftlichen Abschwung des Landes.Im Berichtsmonat März sind außerhalb des Agrarsektors über 700 000 Jobs weggefallen – der erste Rückgang nach 113 Monaten mit Zuwächsen in Folge. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,5 % auf 4,4 % an und verbuchte damit den größten monatlichen Anstieg seit 1975. “Obwohl der Arbeitsmarktbericht für März bereits deutlich schlechter ausgefallen ist als erwartet, reflektieren die Zahlen die jüngste Entlassungswelle noch nicht annähernd”, kommentieren die Ökonomen der Commerzbank die Ergebnisse. Schließlich seien die Daten in der zweiten Märzwoche erhoben worden.Auch aus Sicht der Nord/LB zeigt der Bericht nur den Anfang des Chaos, das gesamte Ausmaß des Beschäftigungskahlschlags werde erst im nächsten Arbeitsmarktbericht zu sehen sein. Nun müsse mit einem Sprung der Arbeitslosenquote in Richtung der 10-%-Marke und darüber hinaus gerechnet werden.In der verkürzten neuen Börsenwoche dürfte aus Sicht der DZ Bank die Messung der US-Verbraucherpreise für den März spannend werden. Nach den Arbeitsmarktdaten sei noch offen, ob auch die US-Inflationsrate mittelfristig die Folgen des wirtschaftlichen Lockdowns abbilden werde. Momentan sollte jedoch vor allem der rasante Rückgang des Ölpreises die Bewegung der Gesamtinflationsrate überlagern”, prognostizieren die Analysten.Allerdings hatte der Preis für US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate ebenso wie die Brent-Notierung seit der Wochenmitte deutlich zugelegt. Beflügelt werden die Preise aktuell von der Nachricht, dass Saudi-Arabien für den Montag ein Notfall-Meeting der Opec mit dem Verbündeten Russland einberufen hat. Laut Medienberichten könnten auch die USA, Kanada und Mexiko dazu eingeladen werden. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump bereits massive Förderkürzungen in Aussicht gestellt.Die tiefe Rezession, die den Vereinigten Staaten nun droht, dürfte sich nach Meinung der UBS heftig auf die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 niederschlagen. “Der ökonomische Schock durch die Pandemie wird wohl alles übertreffen, was wir in den vergangenen Jahrzehnten gesehen haben”, kommentieren die Analysten der Schweizer Großbank. Da die US-Wirtschaft im ersten Quartal wohl um 2 % und im zweiten Quartal um 10 % schrumpfen werde, senkt die UBS ihre Jahresprognose für die Gewinne pro Aktie im Index von 170 auf 140 Dollar.Zudem passen sie ihre Prognose für das Kursziel des S&P 500 für 2020 von 3 250 auf 2 850 Punkte an. Die Disparität zwischen den Kurszielen verschiedener Analysten für die im Index gelisteten Aktien habe zuletzt ein 20-Jahres-Hoch erreicht, was den Mangel an Prognosesicherheit verdeutliche.Derweil steht die neue US-Berichtssaison für das erste Quartal erst noch bevor. In der kommenden Woche treten nur wenige Unternehmen auf den Plan, in Deutschland sieht die Situation ähnlich aus. Am Dienstag legt der Online-Möbelversand Home24 sein Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr vor, am Donnerstag präsentiert der Verpackungshersteller Gerresheimer Zahlen für das erste Quartal 2020.Interesse dürfte bei Anlegern auch ein Trading Update des österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzerns OMV wecken. Die Wiener kündigten in Reaktion auf die Coronakrise zuletzt bereits ein massives Sparprogramm an, unter anderem wollen sie die Investitionen um eine halbe Mrd. Euro auf unter 2 Mrd. Euro senken. OMV arbeitet aktuell zugleich an einer 4,68 Mrd. Dollar schweren Übernahme des Chemiekonzerns Borealis. Diese wird zum Teil über Anleihen finanziert, wie OMV am Freitag mitteilte. Die Geschäfte des Ölkonzerns leiden unter dem Nachfrageeinbruch am Markt, die Aktie des Unternehmens liegt seit Jahresbeginn mit über 46 % im Minus.