Frankreichs Bankaktien haben Reize

Morgan Stanley sieht Sektor im Aufwind - Schub durch Weltwirtschaft und Präsident Macron

Frankreichs Bankaktien haben Reize

Die französischen Banken gelten eigentlich als gut aufgestellt, besonders entwickelt haben sich die Aktienkurse der Institute zuletzt aber nicht mehr – speziell im Vergleich zu italienischen und spanischen Banken. In einer Studie rät Morgan Stanley bei Société Générale zum Einstieg.amb Frankfurt – Im Gegensatz zu spanischen und italienischen Bankaktien haben sich französische in diesem Jahr unterdurchschnittlich entwickelt. Der US-Investmentbank Morgan Stanley zufolge hat das damit zu tun, dass Frankreichs Banken weniger beziehungsweise erst später von einem Zinsanstieg profitieren würden. Die Analysten sehen aber durchaus Potenzial für die Aktien. In einer Studie verweist das Institut auf die steigenden Kreditvergaben der französischen Banken. Eindeutiger Favorit ist Société Générale.Die wirtschaftlichen Aussichten Frankreichs haben sich nach Ansicht von Morgan Stanley aufgehellt: Die Ökonomen der Bank haben ihre Prognosen für das BIP-Wachstum in der gesamten Eurozone 2017 zuletzt um 10 Basispunkte auf 1,9 % angehoben. Für Frankreich rechnen sie nach dem Plus von annualisiert 2,2 % im zweiten Quartal – dem stärksten Anstieg seit 2011 – mit 1,5 % für das Gesamtjahr 2017 und 1,7 % für 2018. Eine weitere Anpassung nach oben halten sie für möglich. Makroumfeld und MacronAls Treiber sehen sie – schon jetzt – die positive Entwicklung der Weltwirtschaft, aber auch die für Frankreich erwarteten Reformen unter Emmanuel Macron. “Das Programm der neuen Regierung wird eine entscheidende Rolle für einen strukturellen Aufschwung spielen, insbesondere, was Reformen auf dem Arbeitsmarkt und Maßnahmen zur Reduzierung der hohen Staatsausgaben angeht”, heißt es in der Studie.Bisher waren die Analysten bezüglich der französischen Banken skeptischer gewesen: Ein zu großer Kostenblock mit hohen Cost-Income-Ratios, der scharfe Wettbewerb mit Margendruck und ein erst spätes Profitieren von eventuell steigenden Zinsen wurden als Gründe genannt. Auch eventuelle regulatorische Änderungen mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Einnahmen der Banken, etwa die neue EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2, spielten eine Rolle.Die Morgan-Stanley-Analysten räumen aber ein, bislang zu pessimistisch gewesen zu sein. So sei das Volumen neuer Unternehmenskredite seit Jahresanfang (bis Mitte Mai) um 27 % gestiegen – so deutlich wie sonst nirgendwo in Europa und viel stärker als im Eurozonen-Durchschnitt von 5 %. Bislang war man davon ausgegangen, dass das gesamte Kreditvolumen bis 2020 mit 2,1 % im Jahr wachsen wird, jetzt rechnet man hingegen mit 4,1 %, also fast doppelt so viel.Zudem verbesserten sich die Konditionen im Neugeschäft, auch für die Nettozinsmarge sind die Analysten optimistisch, sie gehen davon aus, dass diese ab Mitte 2018 wieder steigen wird. Die Gewinnprognosen je Aktie werden für die Jahre bis 2020 daher um 2 % bis 4 % angehoben. Kreditgeschäft belebt sichBesonders geraten wird zu Société Générale, die Aktien werden auf “Overweight” hochgestuft, das Kursziel liegt bei 59,80 Euro und damit deutlich oberhalb der aktuellen Notierung von 47,39 Euro. Die Großbank profitiere am meisten von der Wiederbelebung des Kreditgeschäfts in Frankreich, heißt es. Kredite an Privatkunden und kleine und mittelgroße Unternehmen im eigenen Land machten nämlich rund ein Drittel der Konzerneinnahmen aus – gegenüber 15 % bei BNP Paribas und 17 % bei Crédit Agricole. Positiv gewertet wird darüber hinaus das Auslaufen teurer Refinanzierungen, Verbesserungen in der Kostenstruktur im Corporate & Investment Banking und die Erholung im internationalen Privatkundengeschäft.Die Analysten halten es daher für möglich, dass sich die Eigenkapitalrendite ROTE (“Return on Tangible Equity”) wieder dem zweistelligen Prozentbereich nähern wird. Die aktuelle Bewertung halten sie jedenfalls für zu niedrig. Die Gewinnschätzungen je Aktie werden um 1 % auf 5,16 Euro für 2018 angehoben und um 2 % auf 5,85 Euro für 2019 sowie um 4 % auf 6,82 Euro für 2020. Die Aktie der Société Générale hatte sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 sehr gut entwickelt, in diesem Jahr tendierte sie aber seitwärts und blieb damit hinter anderen Bankaktien deutlich zurück.Ebenfalls auf “Overweight” gesetzt wird BNP Paribas. Hier wird ein Kursziel von 73,80 Euro (aktuell 64,35 Euro) genannt. Die Gewinnschätzungen je Aktie werden für 2018 um 1 % auf 6,48 Euro je Aktie, für 2019 um 2 % auf 7,19 Euro je Aktie und für 2020 um 2 % auf 8,26 Euro je Aktie hochgesetzt. Natixis nur zweite WahlSkeptischer ist Morgan Stanley bezüglich Crédit Agricole und Natixis, beide Titel werden nur auf “Equal-weight” gestuft. Allerdings haben sich die Kurse beider Banken seit dem vergangenen Sommer bereits verdoppelt. Für Crédit Agricole liegt das Kursziel bei 14 Euro (aktuell 14,89 Euro). Auch hier werden die Ergebnisprognosen hochgesetzt, und zwar um jeweils 1 %. Für 2018 erwarten die Analysten 1,38 Euro je Aktie, für 2019 dann 1,50 Euro und für 2020 1,65 Euro.Für Natixis, die Investmentbank der französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, wird ein Kursziel von 6,40 Euro (aktuell 6,30 Euro) genannt. Natixis profitiere zwar auch von einem starken Inlandsgeschäft, die Aktie sei aber schon mehr oder weniger angemessen bewertet. Die Prognosen für den Gewinn je Aktie werden für 2018 um 1 % auf 0,53 Euro, für 2019 um 1 % auf 0,58 Euro und für 2020 um 2 % auf 0,64 Euro erhöht. Auch andere Finanzhäuser wie HSBC, UBS, Jefferies und J.P. Morgan raten bei Société Générale zum Kauf. Die britische Großbank HSBC hat die Aktien der SocGen sogar in ihr Portfolio “Europe Super Ten” aufgenommen und nennt ein Kursziel von 47,20 Euro. Société Générale sei am besten geeignet, um auf die beginnende Trendwende im heimischen Privatkundengeschäft zu setzen, heißt es zur Begründung. Weitere KaufempfehlungenDie UBS hat die Aktien Anfang August ebenfalls von “Neutral” auf “Buy” hochgestuft und das Kursziel von 48 auf 54 Euro angehoben. Die Konjunktur in Frankreich und Osteuropa nehme an Fahrt auf, begründeten die Analysten den Schritt, zudem sei die Bewertung attraktiv. Goldman Sachs und S & P Capital stufen die Aktie hingegen nur auf “Neutral”. Goldman reduzierte zuletzt die Ergebnisschätzungen und senkte das Kursziel von 50 auf 49 Euro.Auch bezüglich BNP Paribas ist HSBC sehr optimistisch, Goldman Sachs und Kepler Cheuvreux raten hier ebenfalls zum Einstieg. Bei Goldman steht die Aktie sogar auf der “Conviction Buy List”, einer besonderen Empfehlungsliste. Die Analysten bezeichnen das zweite Quartal der europäischen Banken als “mittelmäßig”, BNP Paribas und HSBC hätten den Konkurrenten Deutsche Bank, Barclays und Credit Suisse aber vor allem im Aktienhandel einiges an Marktanteilen abgenommen. BNP habe im Investment Banking mit die höchsten Erträge erzielt und gehöre wegen des nachlassenden regulatorischen Drucks sowie der operativen Dynamik zu den Favoriten.Die Investmentbanken Jefferies, UBS und Morgan Stanley votieren hingegen mit “Hold” beziehungsweise “Neutral” für BNP Paribas. Allerdings hat die schweizerische Großbank nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen von BNP Paribas das Kursziel von 63 auf 67 Euro angehoben. Das zweite Quartal wird als “gut” bezeichnet, es reiche allerdings nicht für eine Neubewertung der Aktie.