Höhere Volatilität nach EZB-Zinsentscheidung

Dax legt um 0,3 Prozent zu - Kursgewinne von Finanztiteln - Thyssenkrupp gesucht

Höhere Volatilität nach EZB-Zinsentscheidung

ku Frankfurt – An den Finanzmärkten haben sich am Donnerstag die Reaktionen auf die ersten konkreteren Hinweise der Europäischen Zentralbank (EZB) auf eine zukünftige Zinswende in engen Grenzen gehalten. Händler führten das unter anderem darauf zurück, dass es mit der Parlamentswahl in Großbritannien und der Aussage des früheren FBI-Chefs James Comey vor dem US-Kongress noch weitere Unsicherheitsfaktoren gab, welche die Anleger zur Zurückhaltung veranlassten.Die EZB strich aus ihrem geldpolitischen Kommuniqué den Hinweis auf möglicherweise noch tiefere Leitzinsen, den es dort zuletzt stets gegeben hatte. Hinweise auf Zinserhöhungen oder eine Verkürzung des Anleihekaufprogramms gab es aber nicht. Zudem sagte EZB-Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz in der estnischen Hauptstadt Tallinn, die Notenbank sei notfalls zu einer Zinssenkung bereit, falls sich die Lage verschlechtern sollte. Ferner hat die EZB ihre Prognosen für die Inflationsrate der Eurozone im laufenden Jahr auf 1,5 % nach bisher 1,7 % zurückgenommen. Für 2018 werden sogar nur 1,3 % erwartet.Der Dax zeigte sich nach der Bekanntgabe der Zinsentscheidung der EZB sowie während und nach der Pressekonferenz Draghis volatiler als vorher. Er büßte allerdings seine leichten Kursgewinne von vor der Zinsentscheidung nicht ein. Aus dem Handel ging der deutsche Leitindex mit einem leichten Aufschlag von 0,3 % auf 12 714 Punkten. Der Euro Stoxx 50 legte um 0,4 % auf 3 564 Zähler zu.Auch der Euro zeigte sich im Verlauf des Nachmittags volatiler als am Morgen. Er neigte bereits im Verlauf des Vormittags zu leichter Schwäche und notierte dann am Abend mit 1,1213 Dollar um 0,4 % unter dem Stand vom Vorabend. Der Goldpreis gab unmittelbar nach der EZB-Entscheidung um rund 10 Dollar je Feinunze nach. Er fiel bis auf 1 272 Dollar, um sich bis zum Abend wieder auf 1 277,11 Dollar zu erholen. Er wies damit gegenüber dem Stand vom Vorabend ein Minus von 0,7 % auf. Europäische Staatsanleihen reagierten mit Renditerückgängen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen gab zeitweise von zuvor 0,26 % bis auf 0,24 % nach.Stark zinsreagible Aktien wie Bankentitel zeigten sich von der EZB-Entscheidung wenig beeindruckt. So kamen Deutsche Bank auf ein Plus von 0,9 % auf 45,63 Euro, während Commerzbank um 0,6 % auf 9,46 Euro zulegten. Allianz verteuerten sich um 0,9 % auf 172,05 Euro. Hinsichtlich des Allianz-Kurses wirkte sich ein Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg aus, gemäß dem der deutsche Assekuranz-Konzern an der Übernahme des französischen Kreditversicherer Euler Hermes interessiert sei. In Paris zogen Euler Hermes zeitweise um 8 % an, um später allerdings in etwa auf Vortagsniveau zu schließen.Fest zeigen sich weiterhin die Versorger, für die es gemäß der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Rückzahlung der Brennelementesteuer in Milliardenhöhe geben wird. Eon kam auf ein Plus von 4,2 % auf 8,83 Euro, RWE legten um 2,3 % auf 19,99 Euro zu.Von einer Studie der Analysten der schweizerischen Großbank Credit Suisse profitierten Thyssenkrupp mit einem Plus von 3,6 % auf 23,79 Euro. Die Analysten halten einen weitgehenden Umbau von Thyssenkrupp zu einem reinen Investitionsgüterkonzern für möglich. Sie rechnen mit “Revolution, nicht Evolution”. Durch den tiefgreifenden Wandel würden verborgene Werte gehoben. Bei einer Einstufung mit “Outperform” wird das Kursziel von 30 auf 33 Euro angehoben.