Im Ausverkauf
Im Ausverkauf
wrü Frankfurt – Am Aktienmarkt hat sich bei nervösem Handel der Ausverkauf fortgesetzt. Dabei findet eine Branchenrotation nach unten statt, Sektoren, die sich bisher noch einigermaßen stabil präsentierten, werden jetzt auch verkauft. Und bei Einzeltiteln führen schlechte Nachrichten oder mitunter auch nur Gerüchte zu massiven Kursverlusten. Eine Bodenbildung scheint aktuell noch nicht in Sicht. Am Nachmittag fiel in New York der Dow Jones, der vor wenigen Wochen noch knapp unter der Marke von 30 000 Punkten gelegen hatte, unter die Schwelle von 20 000 Zählern. Hierzulande schloss der Dax mit einem Tagesverlust von 5,6 % auf 8 442 Zählern.Vom Trendkanal her liegt das nächste Kursziel für den Dax auf der Unterseite bei 7 750 Punkten, so die technischen Analysten von Indexradar. Der Blick auf den längerfristigen Kursverlauf mache nur eingeschränkt Hoffnung: Der Dax sei deutlich unter den am Markt viel beachteten 200-Tage-Mittelkurs gefallen, darauf seien in der Vergangenheit meist Abwärtsepisoden von größerer Dauer gefolgt.Die gesamte Luftfahrtindustrie liegt am Boden. Im Dax brach der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines um 15,6 % auf 108,05 Euro ein. Im MDax stürzten Airbus um 21,6 % auf 49,40 Euro. Deutsche Lufthansa verloren 7,6 % und sind inzwischen gerade einmal für 8,26 Euro zu haben.Auch die durch Produktionsstilllegungen belastete Automobilbranche kennt inzwischen anscheinend nur noch den Rückwärtsgang. Daimler verloren 9,3 % auf 22,08 Euro, Volkswagen-Vorzüge 12 % auf 87,20 Euro und BMW-Stämme 3 % auf 39,14 Euro. Die Analysten der Deutschen Bank sind nach wie vor von VW überzeugt und empfehlen die Vorzugsaktie mit einem von 210 auf 180 Euro reduzierten Kursziel zum Kauf. Das erscheint angesichts der aktuellen Entwicklung extrem hoch, doch mag es durchaus sein, dass sich VW in einer besseren Position als die Mitbewerber befindet.Nun scheint es auch bei den Versicherern ans Eingemachte zu gehen. Befürchtungen wurden laut, dass der gleichzeitige Crash am Aktienmarkt und am Markt für Unternehmensanleihen die Wertpapieranlagen der großen Versicherer treffen dürfte. Allianz ermäßigten sich um 8,4 % auf 119 Euro und Munich Re um 5,6 % auf nun 147,40 Euro. Der Corona-Crash hat inzwischen auch auf Immobilienunternehmen und den Bau übergegriffen, beides Branchen, die bis vor wenigen Tagen noch als stabil galten. So verloren Heidelberg Cement 6,1 % auf 32,90 Euro, Vonovia 4,4 % auf 38,60 Euro und Alstria Office Reit 17,4 % auf 10,57 Euro.Die Aktie der Deutschen Börse rutschte um 9,3 % auf 99,08 Euro ab. Hier wurden Befürchtungen geäußert, dass eine mögliche Schließung auch des Börsenhandels zu erheblichen Umsatzeinbußen für den Börsenbetreiber führen könne. Der Assetmanager DWS Group verlor 10,7 % auf 18,15 Euro.Gegen den Abwärtstrend legte der Kochboxversender Hellofresh 13,1 % auf 22,50 Euro zu.