Luckin erlebt Blutbad an der Nasdaq

Delisting-Drohung der Börse lässt Aktie ins Bodenlose fallen

Luckin erlebt Blutbad an der Nasdaq

nh Schanghai – Die anfänglich vielversprechende Börsenkarriere der chinesischen Kaffeehauskette Luckin Coffee an der New Yorker Nasdaq nimmt ein immer böseres Ende. Nach Aufdeckung eines massiven Bilanzfälschungsskandals zu Anfang April war die Luckin-Aktie wochenlang vom Handel ausgeschlossen geblieben und ist nun nach Wiederaufnahme der Notierung zur Wochenmitte ein weiteres Mal hoffnungslos abgestürzt. Die Titel fielen um bis zu 45 % auf ein Intraday-Rekordtief von 1,99 Dollar zurück, damit wurde Luckins Marktwert auf nur noch 700 Mill. Dollar eingedampft.Die im Mai 2019 zu einem Emissionskurs von 17 Dollar je American Depositary Share (ADS) an die Nasdaq gekommene Luckin Coffee war am ersten Handelstag gleich um 45 % in die Höhe geschossen. Nach einer stürmischen Rally im Winter wurde zur Januarmitte eine Kursspitze bei 51,38 Dollar mit einem Marktwert von fast 18 Mrd. Dollar erreicht. Seitdem hat man davon gut 96 % eingebüßt.Die US-Anleger sehen kaum noch eine Chance für ein Aufrechterhalten der Börsennotierung, nachdem die Nasdaq just einen Tag vor Wiederaufnahme des Handels eine Delisting-Notiz erlassen hatte. Zwar kann die Notierung im Rahmen eines Einspruchsverfahrens noch für 45 Tage bestehen bleiben, die Chancen für eine Rehabilitierung stehen allerdings denkbar schlecht. Dies zumal sich in den USA auch von politischer Seite eine Offensive entfaltet, um chinesischen Firmen den Zugang zum US-Kapitalmarkt zu verwehren. Am Mittwoch erst hatte der US-Senat einen eindeutig auf China gemünzten Gesetzesentwurf gebilligt, der ausländischen Firmen, die US-Regulatoren keinen Zugang zu Bilanzprüfungsverfahren vor Ort geben, mit einem Ausschluss von US-Börsen droht.Luckin allerdings ist abseits von politischen Erwägungen ein besonderes Warnbeispiel für mangelnde Transparenz auf Publizitätsebene, die zahlreichen chinesischen Firmen mit Ambitionen für ein US-Listing anhaftet. Luckin war an der Nasdaq als ein Konsumwert im Gewande eines Technologie-Start-ups vor allem für seine rasante Wachstumsstory gefeiert worden, die sich als trügerisch erwiesen hat. Die Gesellschaft hatte im vergangenen Jahr in einem Zeitraum nach dem Börsengang vom Mai 2019 Umsätze über rund 320 Mill. Dollar (knapp 300 Mill. Euro) und damit rund 40 % der Jahreserlöse fingiert. Zwar hat der Luckin-Board Verantwortliche des Bilanzfälschungsskandals, darunter Chief Executive Jenny Qian, kürzlich gefeuert und verspricht, seine Expansion mit Kaffeeverkaufsstellen in China weiter voranzutreiben, doch dürfte dies kaum ausreichen, um die Regulatoren oder die Nasdaq-Gremien zu besänftigen. Damit bleibt den US-Anlegern nur noch die Flucht aus der Luckin-Aktie.