ROHSTOFFE

Ölpreis stürzt heftig ab

Internationale Energieagentur sagt dem Markt ein katastrophales Jahr voraus

Ölpreis stürzt heftig ab

ku Frankfurt – Nur wenige Tage nach der Einigung der “Opec plus” auf umfangreiche Produktionskürzungen ist der Ölpreis am Mittwoch erneut stark unter Druck geraten. Die Notierung der führenden Nordseesorte Brent Crude sackte um rund 7 % auf nur noch unter 28 Dollar je Barrel ab. US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel unter die vielbeachtete Marke von 20 Dollar je Barrel. Das Tagestief lag bei 19,37 Dollar.Die Internationale Energieagentur IEA teilte in ihrem Monatsbericht mit, dass sie für das laufende Jahr mit einem Rückgang des globalen Verbrauchs um 9,3 Mill. Barrel pro Tag (bpd) rechnet. Damit würde der Anstieg der Ölnachfrage der vergangenen Dekade ausgelöscht. Es würde sich damit um das schlimmste Jahr für den Ölmarkt seit Beginn der Datenerhebung handeln. Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA, betonte, es sei in den kommenden Tagen und Wochen mit weiterem Abwärtsdruck beim Ölpreis zu rechnen. Für den April sagt die Agentur einen Ausfall der Ölnachfrage um fast ein Drittel bzw. 29 Mill. bpd voraus. So niedrig war die Ölnachfrage zuletzt im Jahr 1995, als die chinesische Volkswirtschaft noch wesentlich kleiner war als heute. Im zweiten Halbjahr soll nach Einschätzung der IEA die Erholung graduell und gemächlich vor sich gehen. Selbst im Dezember werde die Nachfrage noch um 2,7 Mill. bpd unter dem Vorjahreswert liegen, erwarten die Analysten.Hinzu kommt, dass die amerikanischen Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche enorm um 19,2 Mill. Barrel zugenommen haben. Damit ist das Anschwellen der Lager noch deutlich größer ausgefallen als gemäß der Konsensschätzung mit 12 Mill. Barrel erwartet. Stark angestiegen sind auch die amerikanischen Lagerbestände an Benzin und an sonstigen Ölprodukten um 4,9 bzw. 6,3 Mill. Barrel. Erwartet wird, dass die weltweiten Lagerkapazitäten bereits im Mai komplett ausgelastet sein werden.Belastet haben den Ölpreis am Mittwoch aber auch enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA. Bereits am Vortag hatte der Internationale Währungsfonds seine Prognose veröffentlicht, gemäß der 2020 das schlimmste Jahr seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre werden dürfte. Kürzungen erst ab MaiDie von der Opec und verbündeten Ländern wie Russland beschlossenen Förderkürzungen, die die IEA auf 10,7 Mill. bpd beziffert, treten zudem erst ab Ende April in Kraft. Bis dahin können sämtliche Anbieter mit voller Kraft produzieren, ohne gegen die Übereinkunft zu verstoßen. Zudem ist es fraglich, ob sich danach wirklich alle Länder in vollem Umfang an die Versprechungen halten, zumal es von amerikanischer Seite keinerlei Zugeständnisse und Förderbeschränkungen gibt.