TECHNISCHE ANALYSE

Ölpreis wieder im Aufwärtstrend

Von Arne Franke *) Börsen-Zeitung, 10.5.2017 Mit starken Schwankungen machte der Ölpreis in den vergangenen Wochen mal wieder auf sich aufmerksam. Gerade der starke Abverkauf zum Ende der vergangenen Handelswoche richtete den Fokus vieler...

Ölpreis wieder im Aufwärtstrend

Von Arne Franke *)Mit starken Schwankungen machte der Ölpreis in den vergangenen Wochen mal wieder auf sich aufmerksam. Gerade der starke Abverkauf zum Ende der vergangenen Handelswoche richtete den Fokus vieler Investoren auf den für den Kapitalmarkt wohl wichtigsten Rohstoff. Grund genug, um einen Blick durch die charttechnische Brille auf das Rohöl der Sorte Brent zu werfen. Nach dem markanten Tief vom Januar 2016 bei rund 27 Dollar konnte sich Brent deutlich erholen und in der Spitze bis etwa 58 Dollar steigen, was mehr als einer Verdoppelung entspricht. Allerdings scheint der Bereich zwischen 57 und 58 Dollar ein markanter charttechnischer Widerstandsbereich zu sein. Denn im Zeitraum von Dezember bis März dieses Jahres konnte Rohöl diese Marke nicht überwinden, was Anfang März zu ersten größeren Abverkäufen führte. Diese konnten im Bereich der 200-Tage-Linie bei ca. 50 Dollar gestoppt werden. Von diesem Level aus gab es einen nochmaligen Angriff auf die oben beschriebene Widerstandszone, die sich wiederum als zu hohe Hürde erwies. Markt bereinigtIm Anschluss daran setzten wiederum deutliche Verkäufe ein, die diesmal auch nicht von der 200-Tage-Linie gestoppt werden konnten. Vielmehr beschleunigte sich der Ausverkauf nach dem Bruch der 200-Tage-Linie in der letzten Handelswoche nochmal deutlich, bis es am Donnerstag und in den frühen Handelsstunden in Asien am Freitag zu regelrecht panikartigen Verkäufen kam. Das Handelsvolumen an diesen Tagen erreichte mehrjährige Hochs, was einem regelrechten Sell-off entspricht und unter diesem Aspekt als gesunde Marktbereinigung interpretiert werden kann. Mit Beginn des europäischen Handels am Freitag zeigte sich allerdings deutliches Kaufinteresse, und so konnte Brent von seinem Tief bei 46,64 US-Dollar bis zum Handelsschluss am Freitag um mehr als 5 % steigen.Im charttechnischen Kontext entstand damit eine markante Reversal-Kerze, die mindestens eine Stabilisierung, wenn nicht sogar den Startpunkt für eine größere Umkehr andeutet. Da das Preistief ziemlich exakt an der unteren Begrenzung des seit Juni 2016 bestehenden Aufwärtstrends auftrat, ist die entstandene Tageskerze vorerst eine klare Bestätigung des oben genannten Trends. Da mit der Korrekturbewegung vom Januar-Hoch zudem eine preislich idealtypische ABC-Formation abgeschlossen wurde, wäre auch von dieser Seite ein Ende der Korrektur seit Jahresbeginn ein wahrscheinliches Szenario. Mut macht, dass sich der Preis für Brent in den vergangenen Monaten immer wieder nach dem Test der unteren Trendkanalbegrenzung deutlich erholen konnte.Interessanterweise lagen auch an all diesen Zeitpunkten quantitative Indikatoren wie die Stochastik im überverkauften Terrain. Das in der Stochastik gerade frisch ausgebildete Kaufsignal sollte daher als weiteres Argument für die Bullen gesehen werden. Im Erfolgsfall stellt die 200-Tage-Linie bei 51,57 Dollar die erste Anlaufmarke dar. Nach einem Überwinden der 200-Tage-Linie wäre die alte Widerstandszone bei ca. 57 Dollar das nächste charttechnische Ziel. Um das positive Szenario nicht zu negieren, sollte ein Tagesschluss unter 46,42 Dollar, was dem 38,2 %-Retracement der ganzen Aufwärtsbewegung vom Januar 2016 entspricht, vermieden werden.Verlagert man den Blick vom Brent hin zum europäischen Ölsektor, so zeigt sich hier ein sehr konstruktives Chartbild. Seit dem Preistief vom Januar 2016 hat der europäische Ölsektor einen Aufwärtstrend etabliert, in dem der Index oszilliert. Mit dem Sell-off im Brent zum Ende der letzten Woche wurde der Trendkanal einer erneuten Belastungsprobe unterzogen, konnte diese aber ein weiteres Mal abwehren. Im Zuge dessen entstand am Freitag eine markante weiße Tageskerze in Form eines “bullish engulfing”. Da die Tageskerze im Bereich von etwa 304 ausgebildet wurde, wo es in den letzten Monaten immer wieder zu Kaufinteresse kam, könnte hier die Grundlage für eine größere Bewegung nach Norden gelegt worden sein. Mit frischen Kaufsignalen in der Stochastik und dem MACD sollten Kursrücksetzer in den kommenden Handelswochen zum Aufbau von Long-Positionen genutzt werden. Gerade mit der markanten Unterstützung zwischen 300 und 304 wären auch klare Stop-Loss-Marken unter charttechnischen Gesichtspunkten abzuleiten. Gelingt der Ausbruch über das April-Hoch bei ca. 323, wäre die Konsolidierung seit Januar dieses Jahres als bullishe Flagge zu interpretieren, die für neue Dynamik auf die Oberseite sorgen sollte.—-*) Arne Franke ist technischer Analyst bei der BayernInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH.