AUSBLICK

Rally der Aktienmärkte hält unvermindert an

Strategen sehen zunehmende Korrekturrisiken

Rally der Aktienmärkte hält unvermindert an

Von Christopher Kalbhenn, FrankfurtAuch in der abgelaufenen Woche sind die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord geeilt. In New York kletterte der Dow erstmals über die Marke von 23 000 Zählern, im Inland nahm der Dax nach der 13 000er Schwelle auch die Marke von 13 100 Punkten in Angriff. Zuletzt verlor der deutsche Aktienmarkt allerdings etwas an Schwung, u.a. weil die Quartalsberichte einiger Unternehmen enttäuschten. Das zeigt, dass angesichts der erreichten Höhen und Bewertungen wenig Spielraum für Enttäuschungen seitens Konjunkturdaten und Gewinnen vorhanden ist. “Sehr viel vorweggenommen”Vor dem Wochenende warnten einige Strategen vor zunehmenden Korrekturrisiken. “Nicht hinterherlaufen!”, hieß es etwa bei der Helaba. “In den Notierungen ist sehr viel Positives vorweggenommen. Die Erwartungshaltung ist extrem hoch. Enttäuschungen scheinen damit vorprogrammiert.” Neben dem Dauerbrenner “extrem lockere Geldpolitik” würden die Kurse vom fortgesetzten Anstieg konjunktureller Frühindikatoren getrieben, die in ihrer Gesamtheit positiv überrascht hätten.Gerade in den USA sei dies aber in erster Linie bei stark stimmungsgetriebenen Indikatoren wie Verbraucher- und Unternehmensumfragen zu beobachten. Die realen US-Daten seien in den letzten Monaten sogar etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Differenz zwischen “soft” und “hard data” sei inzwischen sogar stärker ausgeprägt als im Jahr 2011. Damals habe der S & P 500 von Anfang Mai bis Anfang Oktober um gut 19 % korrigiert. Inzwischen hätten US-Aktien Bewertungsniveaus erreicht, die nur während der New-Economy-Blase überschritten worden seien. Obwohl die Unternehmensberichtssaison positiv gestartet sei, werde die Gewinndynamik die ohnehin hohen Erwartungen wohl nicht so deutlich übertreffen können, dass damit eine Verbesserung der angespannten Bewertungssituation erreicht würde. Auch hierzulande sei die Bewertungssituation alles andere als günstig. Die Trennlinie zwischen “fair” und “teuer” verlaufe für den Dax derzeit bei rund 12 500 Punkten. Indessen schienen vielbeachtete Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima oder der ZEW-Index in die Spitze gelaufen zu sein. Für Aktien bedeute dies erfahrungsgemäß nichts Gutes. Das Institut erwartet den Dax Ende des ersten bzw. des zweiten Quartals 2018 bei 12 500 bzw. 12 300 Zählern.”Übermut tut selten gut”, überschrieb die BayernLB ihren Ausblick. Die Fondsmanager hätten aufgrund verbesserter globaler Konjunkturerwartungen (48 % der Befragten erwarten ein “Goldilocks”-Szenario) ihre Aktiengewichtungen gemäß der monatlichen Merrill-Lynch-Umfrage spürbar erhöht und sind damit wieder ziemlich offensiv positioniert. Ausgeprägt optimistisch zeigten sich auch die US-Börsenberater. Dies müsse angesichts solider fundamentaler Rahmenbedingungen zwar nicht als Übermut angesehen werden. “Eine Eintrübung des zuletzt positiven Datenflusses oder eine Eskalation geopolitischer Risiken (Nordkorea, Iran) würde aber Enttäuschungen bzw. Gewinnmitnahmen hervorrufen und könnte die Aktienmärkte spürbar belasten”, so die Bank, die den Dax in drei und sechs Monaten bei 12 600 und 12 900 Punkten erwartet.