Renditen vor Rückgang
Renditen vor Rückgang
Von Kai Johannsen, FrankfurtDie Stimmung an den europäischen Primärmärkten für Anleihen ist derzeit ausgesprochen gut. In praktisch allen Segmenten, ob nun Staaten, halbstaatliche Emittenten, Banken oder Unternehmen, treffen die neuen Anleihen auf eine sehr gute Resonanz. Das ist an den großen Orderbüchern abzulesen, die fast schon vergleichbar sind mit den Rekordtagen im Januar, als das Geld der Investoren zu Jahresanfang nach Anlage drängte und den Emittenten die Bonds fast schon aus den Händen gerissen wurden. Es ist davon auszugehen, dass sich die gute Stimmung in diesem Markt auch in den kommenden Handelstagen fortsetzt. Die Emittenten dürften damit weiterhin in der Lage sein, recht bequem frisches Fremdkapital einbuchen zu können. Platzierungsprobleme wird es also wohl nicht so schnell geben. Stabileres UmfeldOb gerade Unternehmen aufgrund der zu erwartenden Rating-Entwicklung immer die besten Konditionen vorfinden werden, muss sich noch zeigen. Das Umfeld bei Unternehmensanleihen hat sich nach Einschätzung der Zinsstrategen der Commerzbank derzeit stabilisiert. “Hoffnungen auf eine Rally scheinen hier aber verfrüht. Denn die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie dürften die Unternehmen noch einige Zeit belasten, so dass die Welle von Rating-Downgrades wohl erst an ihrem Anfang steht und es sogar zu einer beträchtlichen Zahl von Zahlungsausfällen kommen sollte”, heißt es in dem Wochenausblick der Experten des Frankfurter Instituts. Darum dürfte ihrer Meinung nach die Nachfrage der Investoren vorerst stark auf defensive Namen ausgerichtet bleiben.Bei den Staatsanleihen dürften die Maßnahmen, die von Regierungen und Notenbanken jüngst ergriffen wurden und die nun weiter ausgestaltet und umgesetzt werden, ihre Wirkung auch in den kommenden Tagen nicht verfehlen. Das betrifft insbesondere auch die Anleihen der Eurozonenperipherie-Länder, deren Spreads zu Bundesanleihen sich in der jüngeren Vergangenheit deutlich eingeengt hatten. Käufe überwiegen”Natürlich wirft der beträchtliche Umfang der bereits beschlossenen oder wohl noch anstehenden finanzpolitischen Unterstützungsprogramme die Frage auf, wie die Märkte auf den daraus resultierenden beträchtlichen Anstieg der Staatsverschuldung reagieren werden”, führen die Commerzbank-Zinsexperten aus. Denn das deutlich höhere Angebot an Staatsanleihen habe für sich genommen durchaus das Potenzial, die Renditen wieder nach oben zu treiben. Allerdings dürften die Käufe der Zentralbanken nach Einschätzung der Analysten den Anstieg des Angebots mehr als kompensieren. Darum rechnen sie damit, dass die Risikoaufschläge europäischer Staatsanleihen wie auch die Renditen von Bundesanleihen und US-Treasuries weiter fallen.Im Blick haben die Akteure an den Renten- und Aktienmärkten weiterhin auch die Konjunkturdaten. Zu Monatsanfang werden wie üblich aus mehreren Ländern Einkaufsmanagerindizes vorgelegt. Auch auf deren Entwicklung wird sich die Corona-Pandemie sicher ausgewirkt haben, so dass mit Rückgängen zu rechnen ist. Zur Wochenmitte kommen die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone für den Monat März. Bei den Indizes für Spanien und Italien wird mit einem deutlichen Minus bei den Ständen gerechnet. Keine neuen StellenMit Spannung warten die Finanzmarktakteure zudem darauf, welche Spuren die Pandemie bereits in der US-Wirtschaft hinterlassen hat, denn die USA wurden erst in den vergangenen Tagen verstärkt von der Corona-Ausbreitung heimgesucht. Einen ersten Eindruck dürften die Arbeitsmarktdaten geben. Derzeit rechnen die Experten nicht damit, dass noch neue Stellen geschaffen wurden. Im Gegenteil, viele Menschen in den USA dürften ihren Arbeitsplatz verloren haben. Bei den neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft gehen Volkswirte im Mittel der Prognosen davon aus, dass es im März ein Minus von 61 000 Stellen gegeben hat nach einem Zuwachs von 273 000 Stellen im Februar. Die Arbeitslosenquote wird mit 3,9 % nach 3,5 % erwartet. Bei den Stundenlöhnen wird mit einem durchschnittlichen Anstieg von 0,2 % gerechnet nach einem Zuwachs von 0,3 % im Februar.