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S & P stuft Venezuela auf "teilweise zahlungsunfähig"

Schuldengipfel ohne Ergebnisse - Bund bringt Zweijahrestitel problemlos unter - Niederländer stocken auf

S & P stuft Venezuela auf "teilweise zahlungsunfähig"

kjo Frankfurt – Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P) hat Venezuela auf “Selective Default” gestuft, d.h. für teilweise zahlungsunfähig erklärt. Seitens S & P hieß es, das Unternehmen habe diese Entscheidung getroffen, nachdem eine Gnadenfrist zur Zahlung mehrerer Gläubigerforderungen in Millionenhöhe abgelaufen war. Demzufolge hat Venezuela die Kuponzahlungen für die Bonds mit den Fälligkeiten 2019 und 2024 innerhalb dieser Grace Period nicht beglichen. Die Ratingagentur sprach zudem eine Warnung aus. Laut S & P gibt es eine große Wahrscheinlichkeit dafür, dass Venezuela in den kommenden drei Monaten weitere Zahlungen nicht leisten würde. Mit Blick auf die ausgebliebenen Kuponzahlungen der beiden Bonds ist von einem Volumen von 200 Mill. Dollar die Rede.In Venezuela sind unterdessen die Gespräche der Regierung mit Gläubigern des Landes ergebnislos zu Ende gegangen. Das Treffen soll am Montag nur etwa eine halbe Stunde gedauert haben und war den Teilnehmern zufolge wirr. “Es gab kein Angebot, keine Konditionen, keine Strategie, nichts”, sagte einer der Geldgeber. Dafür soll es aber bunte Geschenktütchen mit Schokolade und Kaffee aus Venezuela gegeben haben. An dem Schuldengipfel nahmen in etwa 100 Investoren teil. Zahlreiche Geldgeber hatten ihre Teilnahme bereits im Vorfeld abgesagt, weil ihnen nach eigenen Angaben nicht klar war, was Präsident Nicolas Maduro mit dem Treffen erreichen wollte. Maduro hatte angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage des Landes angekündigt, Schulden seines Landes nicht wie vereinbart zurückzuzahlen. Venezuela ist insgesamt mit geschätzten 155 Mrd. Dollar bei ausländischen Gläubigern verschuldet. Das Land verfügt über die größten Erdölreserven der Welt. Die Devisenreserven von Venezuela sind mittlerweile auf weniger als 10 Mrd. Dollar zusammengeschmolzen.Am Primärmarkt trat gestern erneut der Bund auf. Er ging wieder an das kurze Laufzeitenende, dieses Mal aber im Bereich der Kapitalmarktpapiere. Unter den Hammer kamen die zweijährigen Papiere, die Bundesschatzanweisungen. Im Angebot hatte die Deutsche Finanzagentur, die das Liquiditäts- und Schuldenmanagement regelt, ein Volumen von 5 Mrd. Euro. Aus der Bietergruppe Bundesemissionen – dies sind in- und ausländischen Banken, mit denen der Bund sein Primärmarktgeschäft abwickelt – kamen Gebote über 6,144 Mrd. Euro, so dass es ausreichend Nachfrage gab. Von den Geboten entfielen 2,955 Mrd. Euro auf Kursgebote und 3,189 Mrd. Euro auf Gebote ohne Kursangabe. An der Auktion beteiligten sich 30 der 36 Mitglieder zählenden Bietergruppe. Sie gaben 48 Gebote ab, so die Finanzagentur.In die Zuteilung gingen Papiere über 4,01025 Mrd. Euro ab einem Kurs von 101,48 %. Der gewogene Durchschnittskurs lag bei 101,489 %, die durchschnittliche Rendite bei – 0,71 %. Die Überzeichnung war bei 1,5. Titel für 989,75 Mill. Euro gingen in die sogenannte Marktpflegequote. Dies ist der Eigenbestand des Bundes. Die Platzierung der Papiere am Sekundärmarkt übernimmt aber die Finanzagentur.Die Niederlande stockten die zehnjährige Anleihe auf, und zwar um 2,5 Mrd. Euro. Angekündigt war eine Spanne von 2 bis 3 Mrd. Euro. Das Papier ging zu einer Rendite von 0,511 % an die Anleger nach 0,475 % bei der vorigen Auktion.