Storebrand hofft auf Dominoeffekt
Storebrand hofft auf Dominoeffekt
Während in Bonn die UN-Klimaverhandlungen laufen, tun wir unsererseits, was wir für unsere Verantwortung halten: Wir gehen gegenüber der Kohleindustrie noch stärker auf Konfrontationskurs und ziehen aus zehn weiteren Unternehmen, die große Kohleprojekte planen, unser Geld ab.Dabei setzen wir auf einen Dominoeffekt im Finanzsektor. Wir fordern sämtliche Anleger auf, unserem Beispiel zu folgen und so den Ausstieg aus der Kohleindustrie zu beschleunigen. Gleichzeitig ist dies ein Warnschuss für die Planer von Kohlekraftwerken: Wer neue Anlagen baut, muss auf unsere Finanzierung verzichten. Wir verlangen von den Stromerzeugern, saubere Energiequellen zu nutzen – anderenfalls werden sie Kunden und Investoren verlieren. Hohe AbzügeSeit 2010 wurden schätzungsweise 432 Mrd. Dollar aus der Kohlebranche abgezogen. Der Bau neuer Anlagen wurde verschoben oder abgebrochen. Diese Zahl wird immer weiter steigen – denn Kohle hat sich zu einer gefährlichen Investition entwickelt. 41 % der weltweiten CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe und durch die Industrie gehen auf Kohle zurück. Kohle ist die Ursache für schätzungsweise 800 000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in China, Indien, den USA und der Europäischen Union (EU).Die Unternehmen, aus denen wir uns zurückziehen, wollen Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 14 300 MW errichten. Das ist mehr als die Gesamtleistung aller Kohlekraftwerke im Vereinigten Königreich und in Irland und sogar mehr als die gesamte Kohlekraftwerkskapazität in Griechenland, den Niederlanden und Frankreich zusammen. Im Zuge unserer neuen Strategie haben wir unsere Anteile an RWE und an Uniper, der Eon-Tochter für fossile Energien, abgestoßen. Mit ihren andauernden Geschäften und Investitionen im Kohlesektor machen sie unsere Anlagen unrentabel. Erst letzte Woche forderten 52 deutsche Unternehmen den Kohleausstieg und neue Impulse für die Energiewende durch die Förderung von Solar- und Windenergie. Zwar kommt die deutsche Energiewende immer noch nicht schnell genug in Gang, aber sie hat Eon und RWE bereits Verluste von mehreren Milliarden Euro beschert, hauptsächlich durch deren Eigentum an schmutzigen Kraftwerken. Nach einem gewonnenen Gerichtsverfahren gegen Umweltschützer darf die Eon-Tochter Uniper das Kraftwerk Datteln 4 mit über 1 000 MW weiterbauen, das im Jahr 2018 ans Netz gehen soll. Statt in solche Vorhaben investieren wir lieber in vier deutsche Solar- und Windenergieunternehmen – eine sicherere Geldanlage ist kaum denkbar. Syrien tritt beiIn den USA halten wir solide, risikoarme Anteile an acht Solar- und zwei Windenergieunternehmen. In der vergangenen Woche kündigte sogar Syrien den Beitritt zum Pariser Klimaabkommen an – damit sind die USA das einzige Land der Welt, das beim Klimaschutz nicht mitzieht. Das private Kapital für die US-amerikanische Kohlebranche versiegt. Dafür flossen 30 Mrd. Dollar in die dortigen Solar- und Windenergieprojekte, seit US-Präsident Donald Trump den Rückzug aus Obamas Klimaplan anordnete. Mit der Ablehnung des weltweiten Klimaabkommens hat Präsident Trump sich international isoliert, und es gelingt ihm nicht, der sterbenden Kohleindustrie in seinem Land neues Leben einzuhauchen. Der Übergang zu sauberen Energiequellen erweist sich als unaufhaltbar.Auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks, im Vereinigten Königreich, werden kohlefreie Tage veranstaltet. Hier soll die Kohlenutzung bis 2025 auslaufen. Acht weitere europäische Länder werden bis 2030 auf Kohle in ihrem Energiemix verzichten. Als neueste Entwicklung in der EU beschloss auch Italien den Ausstieg bis 2025. Der Rückgang des chinesischen Kohleverbrauchs im Zeitraum 2014 bis 2016 verursachte weltweite Einbußen im Kohlesektor. Auch Indien wird über die bereits im Bau befindlichen Anlagen hinaus mindestens ein Jahrzehnt lang keine neuen Kohleinvestitionen tätigen. Indonesien, wo nach Indien und China weltweit die meisten neuen Kohlekraftwerke gebaut werden, kündigte ebenfalls an, keine neuen Anlagen dieser Art für das Hauptstromnetz mehr errichten zu wollen.Im Jahr 2015, zwei Jahre nach dem Beginn unseres Rückzugs aus Kohleunternehmen, fällte der norwegische Staatsfonds, der 1 Bill. Dollar verwaltet, die historische Entscheidung, Anteile an Kohleunternehmen im Wert von mehreren Milliarden Dollar zu verkaufen, weil diese Anlagen dem Klima schaden. Dem norwegischen Parlament gebührt hohe Anerkennung für diesen Entschluss. Allerdings investiert der Fonds weiterhin in Firmen mit Verbindungen zur Kohleindustrie, beispielsweise RWE. Zudem erhielt das Finanzministerium überraschenderweise die Erlaubnis, Investitionen in hoch rentable erneuerbare Energien zu verhindern. Doch wenn wir erfolgreich in die Zukunft gehen wollen, muss sich dies ändern – und zwar bald. Bereitschaft zu FührungsrolleWir sind bereit, eine Führungsrolle zu übernehmen. Und wir wünschen uns, dass der übrige Finanzsektor mitzieht, damit dieser Schritt spürbare Wirkung entfaltet. Wir müssen der schmutzigen Kohleindustrie vollends den Rücken kehren. Die Kohlenutzung wird als dunkles Kapitel in unsere Geschichte eingehen, das dank der erneuerbaren Energien ein Ende fand.—-Jan Erik Saugestad, CEO bei Storebrand Asset Management