Tech-Ausverkauf schwappt über
Tech-Ausverkauf schwappt über
dm Frankfurt – Der Kursrutsch in den US-Technologiewerten hat am Montag auch die Aktienmärkte in Asien und Europa belastet. Am Freitag hatte der technologielastige US-Index Nasdaq 100 rund 2,4 % verloren, und in den ersten Handelsstunden an Wall Street ging es weiter abwärts, dies bei erneut überdurchschnittlichen Handelsumsätzen. Der Ausgang der Parlamentswahlen in Frankreich, der den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron stärkte, blieb dagegen ein Randthema (siehe Text unten). In Frankfurt geriet der Dax von Anfang an unter Druck und schloss 1 % tiefer bei 12 690 Zählern. Der Sektorindex Stoxx Europe 600 Technology verlor 3,6 % auf 421,96 Punkte.Dazu trugen wesentlich auch Verluste technologienaher Werte bei. Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon rutschte um 4,8 % auf 19,40 Euro ab, und das Schwergewicht SAP fiel um 3,6 % auf 92,56 Euro. Im TecDax verlor die Aktie des Siliziumherstellers Siltronic 4,7 % auf 82,25 Euro, Dialog Semiconductor 6,7 % auf 40,47 Euro und Aixtron 7,8 % auf 5,55 Euro. In Zürich fiel die Aktie des Apple-Zulieferers AMS um 8,3 % auf 62,70 sfr. In Mailand verlor die Aktie des Chipherstellers STMicroelectronics 9,2 % auf 13,93 Euro.Der Ausverkauf ist auch für die weitere Gesamtmarktentwicklung nicht unwesentlich. Der Bullenmarkt läuft seit 2009 beziehungsweise mit einer Unterbrechung 2011 schon lange und hat immer mehr an Breite verloren. So trugen die Tech-Titel zuletzt einen immer größeren Anteil an der Aufwärtsbewegung, wie auch der Vergleich des Sektorindex Stoxx Europe 600 Technology im Verhältnis zum Gesamtmarkt (vgl. Chart) zeigt. In dem nun seit zwei Tagen laufenden Ausverkauf unterschieden die Anleger dabei kaum zwischen spezifischen Geschäftsmodellen. So waren Internetwerte, Halbleiterzulieferer, Siliziumanbieter und Softwareunternehmen quer durchs Band gleichermaßen von Abgaben betroffen, obwohl ihr Geschäftsgang von unterschiedlichen Faktoren geprägt wird.Händler führten die Verkaufswelle auf verschiedene Gründe zurück. Zum einen auf die hohe Bewertung: Der Nasdaq 100 wurde am Freitag mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 26 gehandelt. Zudem hatten Tech-Aktien in den vergangenen Monaten deutlich besser als der breite Markt performt. Ein Hauptschuldiger soll ferner der US-Elektronikriese Apple sein, dessen Aktie am Montag im frühen Handel weiter um 2,7 % auf 145 Dollar nachgab – am Donnerstag hatte sie noch 155 Dollar gekostet. Die Analysten von Mizuho hatten Apple aufgrund der guten Kursentwicklung zurückgestuft, der Kurs nehme bereits viel Wachstum vorweg. Die LBBW verwies darauf, dass der Auslöser für den Sell-off ein Bericht über die mangelnde technische Wettbewerbsfähigkeit von Apples iPhone-Vorhaben gewesen sei. Ein schwacher Ausblick für den Smartphone-Markt in China habe auch zu Verkäufen beigetragen, sagte Steven Liu von China Securities International Financial Holding, einem in Hongkong ansässigen Analyseunternehmen. Am Freitag hatte der globalen Investmentchef der US-Investmentbank Goldman Sachs sich zu Wort gemeldet. Ihm zufolge stellt die geringe Volatilität in US-Tech-Werten wie Alphabet, Apple, Amazon, Facebook und Microsoft eine trügerische Sicherheit dar, da Investoren die Risiken aus Konjunkturzyklen sowie einer sich womöglich verschärfenden Regulierung auf die leichte Schulter nehmen. Andere Analysten verwiesen auf Umschichtungen aus Tech- in Industrie- und Bankaktien.Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten Volkswagen Vz. (+ 1,7 %), Adidas (+ 1,4 %) und Heidelberg Cement (+ 0,8 %) sowie im MDax K + S, die von der Hoffnung auf steigende Kali-Preise getrieben um 4 % auf 24,26 Euro stiegen.