Kapitalmärkte

UBP erwartet Anbruch eines neuen Minizyklus

Die Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée rechnet damit, dass das Gewinnwachstum vor dem Zenit steht. Da auch Änderungen der US-Geldpolitik bevorstünden, beginne an den Märkten ein neuer Zyklus.

UBP erwartet Anbruch eines neuen Minizyklus

kjo Frankfurt

In diesem Jahr sollte im laufenden zweiten Quartal der Höhepunkt beim Gewinnwachstum erreicht werden. Diese Einschätzung vertreten die Kapitalanlageexperten von Union Bancaire Privée (UBP). Sie rechnen nach der großen Erholung mit dem Anbruch eines neuen „Minizyklus“. „Das Jahr 2020 war nicht nur das Jahr der kürzesten und schärfsten Rezession in der Geschichte, sondern auch das Jahr der schnellsten Erholung“, sagt Norman Villamin, CIO Wealth Management und Head of Asset Allocation bei UBP. Wichtige US-Frühindikatoren hätten wieder die höchsten Niveaus seit Anfang der 1980er Jahre erreicht, und die US-Wirtschaft scheine in die Endphase ihrer Erholung nach dem pandemiebedingten Stillstand im vergangenen Jahr einzutreten.

Da die Aufwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen anhielten, er­wartet UBP, dass im zweiten Quartal sowohl in den USA als auch in Europa der Höhepunkt der Gewinnwachstumsraten in diesem Zyklus erreicht werde. „Wir glauben, dass der kombinierte Liquiditätsschub des US-Finanzministeriums und der Fed dazu beigetragen hat, einen stärkeren Anstieg der zehnjährigen US-Renditen seit Februar zu verhindern. Die Benchmark-Renditen sind in den vergangenen Wochen auf bis zu 1,5% zurückgegangen. Das hat die Aktienanleger nach einem volatilen Februar und März wieder beruhigt“, sagt Villamin. Er weist darauf hin, dass es zwar Katalysatoren für eine weitere Stärke von Risikoanlagen gebe, doch sollten Investoren dies im Kontext einer weit vorangeschrittenen Erholung sehen.

Ausgereifte Erholungsphase

Die Erholungsphase des US-Konjunkturzyklus ist Villamin zufolge zunehmend ausgereift und dürfte in den kommenden Monaten in die nächste Phase übergehen. Einen ähnlichen „Minizyklus“ habe es in den langen Expansionsphasen der 1990er Jahre und in der Zeit nach der globalen Finanzkrise gegeben. Diese Minizyklen fielen mit Änderungen in der US-Notenbankpolitik zusammen, die UBP auch in den kommenden Quartalen erwartet. Die Minizyklen dauerten in der Regel vier bis fünf Quartale und führten zu Verschiebungen an den Renten-, Aktien- und Risikomärkten.

Beim Übergang des Zyklus hätten sich die Renditen von US-Staatsanleihen in der Regel stabilisiert oder seien gesunken, wodurch sich das Zinsrisiko für die Investoren verringert habe. Im Gegensatz dazu weiteten sich laut UBP die Credit Spreads während der Minizyklen aus, was die Renditen der Anleger gefährdet. In Bezug auf Aktien sähen Minizyklen einen Übergang von relativ hoher Rendite und abnehmender Volatilität zu einer vergleichsweise bescheidenen Rendite bei steigender Volatilität. Daher könnten Anleger in diesem Umfeld stärker von der Aktienselektion – dem sogenannten Alpha –  als von der breiten Marktrendite – bekannt als Beta – profitieren. In früheren Minizyklen sei das Gewinnwachstum der Haupttreiber für die Aktienrenditen gewesen, was wachstumsorientierte Unternehmen gegenüber Substanzwerten begünstigt habe. Das sei jetzt anders. „Erstens wird das Gewinnwachstum für 2021/22 bei wachstumsorientierten Unternehmen voraussichtlich hinter dem Gewinnwachstum bei Value-Titeln zurückbleiben. Außerdem bilden steigende Steuern ein Hauptrisiko für die Gewinne 2022, was eine unverhältnismäßige Belastung für wachstumsorientierte, multinationale Technologie- und Gesundheitsunternehmen darstellen würde“, führt Villamin aus.

Ausgewogenes Verhältnis

Mit den fiskalischen Ausgaben zur Transformation von Branchen durch IT-Investitionen sei ein gewisser Ausgleich zu einer potenziell höheren Steuerbelastung möglich. Anleger sollten im kommenden Minizyklus ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Wachstums- und Substanzwerten anstreben und bereit sein, eine Prämie für Qualitätsaktien zu zahlen, die ein sichtbares Ertragswachstum in Verbindung mit einer dauerhaften Bewertungsuntergrenze liefern könnten.