USA dominieren den Ölmarkt

Energieagentur rechnet mit starkem Anstieg der US-Produktion auch in den kommenden Jahren

USA dominieren den Ölmarkt

Die Internationale Energieagentur IEA rechnet damit, dass die USA dem globalen Ölmarkt in den kommenden fünf Jahren ihren Stempel aufdrücken und allein für 60 % der Ausweitung des Angebots verantwortlich zeichnen werden. Dies dürfte das Förderkartell Opec weiter in der Defensive halten.ku Frankfurt – Die Internationale Energieagentur IEA rechnet in den kommenden Jahren mit einem sehr starken Anstieg der amerikanischen Rohölförderung. “In den nächsten drei Jahren wird der Anstieg der US-Förderung allein rund 80 % des weltweiten Nachfragewachstums abdecken”, schreiben die Ökonomen der Agentur in ihrem jetzt vorgelegten Jahresbericht für 2018. Bis 2023 soll die Ölmenge von Anbietern außerhalb des Kartells Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) um 5,2 Mill. Barrel pro Tag (bpd) zunehmen. Insgesamt soll die weltweite Ölproduktion bis 2023 um 6,9 Mill. bpd auf 107 Mill. bpd ansteigen. Davon dürften gemäß den IEA-Schätzungen auf die USA rund 3,8 Mill. bpd entfallen, dies sind knapp 60 % der gesamten Angebotsausweitung bis 2023. “Die Vereinigten Staaten befinden sich auf dem besten Weg, dem Ölmarkt für die kommenden fünf Jahre ihren Stempel aufzudrücken”, betont IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.Die USA dürften damit dauerhaft zum weltweit größten Ölproduzenten aufsteigen, zumal die Opec und die mit ihr befreundeten Länder wie Russland gezwungen sein dürften, sich stark zurückzuhalten, um den Ölpreis auf einem für sie akzeptablen Niveau zu halten. “Wir vermuten, dass das Marktmanagement durch die Opec und die Nicht-Opec-Länder in irgendeiner Form erhalten bleibt, zumindest in der näheren Zukunft”, schreibt die IEA, die aber grundsätzlich keine Schätzungen über die Fördermengen der Opec abgibt, weil diese stark von politischen Entscheidungen abhängig sind. Die Ökonomen der Energieagentur weisen in diesem Zusammenhang zudem darauf hin, dass die Kürzungsvereinbarungen durchaus Erfolg hatten. Im Fall Saudi-Arabiens hätten sie zu täglichen Mehreinnahmen von 100 Mill. Dollar geführt, im Fall Russlands zu 117 Mill. Dollar pro Tag. Robustes WachstumWas die Nachfrage nach dem Energieträger betrifft, so geht die Energieagentur von einem weiterhin robusten Wachstum aus. Für das laufende Jahr soll es 1,4 Mill. bpd betragen, bis 2023 soll es sich dann auf 1 Mill. bpd abschwächen. Grundlage der Schätzung ist die Erwartung eines weiterhin soliden globalen Wirtschaftswachstums. Bis 2023 soll der weltweite Ölverbrauch bis auf 104,7 Mill. bpd steigen, ein Plus um 6,9 Mill. bpd gegenüber dem Stand vom laufenden Jahr. Rund die Hälfte des Nachfragewachstums soll dabei auf die beiden Länder China und Indien entfallen. Kein “Peak Oil Demand”Ein “Peak Oil Demand”-Ereignis, also einen absoluten Höhepunkt der Nachfrage, sehen die Ökonomen nicht voraus. Zwar würden Länder wie China mit ihren sehr strengen Verbrauchs- und Abgasvorschriften im Verkehrsbereich dafür sorgen, dass sich der Anstieg der Nachfrage nach Treibstoffen deutlich abschwächt. Allerdings rechnet die IEA mit einem starken Anstieg der Nachfrage aus der Petrochemie, vor allem in den USA sowie in China.Während nach Einschätzung der IEA der Anstieg der Förderung das Nachfragewachstum zumindest bis 2020 übertrifft, seien mehr Investitionen in der Branche notwendig, um in den nachfolgenden Jahren den Anstieg des Verbrauchs zu alimentieren. “Die Ölindustrie hat sich immer noch nicht von dem rekordhohen Einbruch der Investitionen der Jahre 2015 und 2016 erholt”, schreiben die Experten der Agentur, die die Industrieländer in Fragen der Energiepolitik berät.Die IEA sieht kurzfristig auch keine bis wenig Chancen für eine Ausweitung der Upstream-Investitionen außerhalb der USA. Weltweit müssten Jahr für Jahr rund 3 Mill. bpd an Rückgängen der Fördermenge ausgeglichen werden, während gleichzeitig noch die Nachfrageexpansion abgedeckt werden müsse, so Birol. Sollten die Investitionen in diesem Bereich außerhalb der USA nicht auf absehbare Zeit steigen, könnte es also mittel- bis langfristig durchaus wieder zu einer Verknappung bei dem Energieträger und damit zu einem deutlichen Preisanstieg kommen, vermuten Analysten.