Warum Moskau den Ölpreis abstürzen ließ

Rubel sackt nach Absage an Opec deutlich ab

Warum Moskau den Ölpreis abstürzen ließ

Von Eduard Steiner, MoskauAm Montag brauchte sich in Russland niemand groß dafür rechtfertigen, dass durch die Nichteinigung Moskaus mit den Opec-Staaten der Ölpreis um fast ein Drittel auf gut 31 Dollar je Barrel abgesackt war. Gestern war in Russland nämlich Feiertag. Denjenigen jedoch, die die Nachrichten verfolgten, verging die Feiertagslaune. Der Rubel sackte ab, der Euro kostete statt der knapp 76 Rubel das Stück vom Wochenende plötzlich über 83 Rubel. Die Zentralbank teilte mit, den Kauf von Fremdwährungen für 30 Tage auszusetzen, um eine Kapitalflucht abzuwenden. Und das Finanzministerium beruhigte, dass der Staat auch bei einem lange niedrigen Ölpreis seine Aufgaben wahrnehmen könne, da genug Geld im Staatsfonds liege.Hatte Russland, zweitgrößter Ölexporteur, ein solches Szenario einkalkuliert, als es am Freitag dem Vorschlag der von Saudi-Arabien angeführten Opec, die Ölförderung weiter zu drosseln, nicht zustimmte? “Ich glaube, dass Russland die Reaktion auf den Finanzmärkten unterschätzt hat”, sagt Raiffeisen-Ölanalyst Hannes Loacker der Börsen-Zeitung. “Und sie wussten natürlich auch nicht, wie die Saudis reagieren würden.” “Bewusst geplant”Die russische Expertenwelt sieht das anders. “Ich bin überzeugt, dass die Russen das erwartet hatten und ihren Schritt bewusst geplant hatten”, sagt Kirill Tachennikov, Ölanalyst des größten russischen Brokers BCS Global Markets, der Börsen-Zeitung. Die Hauptbotschaft nämlich sei, dass ein Ölpreisverfall die US-Ölförderer, die mit ihrer umstrittenen Förderung aus Schiefergestein den Markt fluten, empfindlich treffe.In der Tat brauchen die hoch verschuldeten US-Förderer zumindest 35 Dollar je Barrel, um rentabel zu wirtschaften. Russische Konzerne kommen mit weniger aus. Und der russische Staat hat sein Budget so geplant, dass er mit einem Ölpreis von 40 Dollar zurechtkommt, während Saudi-Arabien über 80 Dollar braucht.Russland hat laut Tachennikov im vollen Bewusstsein davon agiert, dass die von der Opec vorgeschlagene Produktionskürzung um 1,5 Mill. Barrel das große Überangebot auf dem Markt nicht beseitigt hätte. “Russlands Position ist, dass die Balance nur durch eine Wiederherstellung der Nachfrage erlangt werden kann. Und Russland möchte lieber seinen Marktanteil behalten, als ihn an die US-Schieferölproduzenten zu verlieren.”Der Preis dafür ist hoch, rechnet Leonid Fedun, Vizechef des Ölkonzerns Lukoil, vor: Ein angenommener Rückgang des Ölpreises von 60 auf 40 Dollar werde bei einem Exportvolumen von täglich 5 Mill. Barrel einen Verlust von etwa 100 bis 150 Mill. Dollar pro Tag bedeuten.