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Weimers Understatement kommt gut an

Von Andreas Hippin, London Börsen-Zeitung, 3.2.2018 Theodor Weimer (58) hat bei seinem Antrittsbesuch in London viele Sympathien gewonnen - durch leises Auftreten. Er werde seinem neuen Job "hoffentlich mit einer gesunden Dosis Common Sense"...

Weimers Understatement kommt gut an

Von Andreas Hippin, LondonTheodor Weimer (58) hat bei seinem Antrittsbesuch in London viele Sympathien gewonnen – durch leises Auftreten. Er werde seinem neuen Job “hoffentlich mit einer gesunden Dosis Common Sense” nachgehen, sagte der neue Chef der Deutschen Börse. “CEOs werden im Allgemeinen überbewertet, denke ich.” Die Neugier war groß beim Neujahrsempfang des Dax-Konzerns in der Merchant Taylors’ Hall in der City of London. Und erst als sich der erste Sprecher als “Ted” Weimer vorstellte wurde klar: Der gelassen-freundliche ältere Herr am Mikrofon ist nicht der Conferencier des Abends, sondern der Nachfolger des meist hölzern wirkenden Carsten Kengeter. Es folgte keine Rede von der Stange mit Bonmot zur Einleitung, sondern ein Beispiel dafür, wie man es vermeidet, seine Gäste zu Tode zu langweilen.”Viele von Ihnen kennen unser Geschäft besser als ich”, räumte er gleich zu Anfang ein. Understatement kommt in Großbritannien nach wie vor gut an. Natürlich war es unvermeidlich, etwas zum Platzen der Übernahme der London Stock Exchange zu sagen. “Wir blicken auf ein turbulentes Jahr 2017 zurück”, sagte er – auch so geht Understatement. “Der geplante Zusammenschluss mit der London Stock Exchange hat nicht funktioniert. Es war ein perfekter Merger, konzeptionell das Richtige”, sagte Weimer. “Aber wir müssen zugeben, und wir haben dafür harsche Kritik erhalten, dass wir bei der Ausführung Fehler gemacht haben.” Das schließe das Topmanagement mit ein. So ein Misserfolg sei “unglücklich, kommt aber vor, und damit ist das Leben nicht zu Ende”, hakte er das missliebige Thema ab. “Für mich ist es der Anfang. Und ich blicke nach vorn.” Nach seinem Gefühl sei der Marktinfrastrukturbetreiber auf dem richtigen Weg. Aus seinen Gesprächen mit Investoren nehme er mit, dass “Anleger sehen, was wir erreicht haben, ungeachtet der gescheiterten Fusion”. Er wolle nicht behaupten, bereits völlig vertraut mit dem Geschäft einer Börse zu sein, sagte Weimer. Aber er lerne jeden Tag dazu.Und der nette Herr hat Biss: “Nach dem gescheiterten Deal gibt es ein verständliches Bedürfnis nach Führung”, sagte er. “Und ich bin bereit, meinem Unternehmen diese Führung zu geben.” Nach vielen Meetings habe er das Gefühl, dass das Unternehmen bereit sei, voranzuschreiten. “Shareholder Value ist meine DNA”, betonte er unter Verweis auf frühere Tätigkeiten für Goldman Sachs und McKinsey. Und dann räumte er das Feld für den Gastredner des Abends: Bill Emmott. “Das Schicksal des Westens: Der Kampf für die Rettung der erfolgreichsten politischen Idee der Welt”, lautet der Titel des neuesten Buches des ehemaligen “Economist”-Chefredakteurs. “Was für ein Titel”, entfuhr es Weimer.