IM GESPRÄCH: JOHN WILLIAM OLSEN

"Weniger ist mehr"

Fondsmanager von M & G über langfristige Investments im Aktienmarkt - Linde und Gea im Blick

"Weniger ist mehr"

Ein konzentriertes Portfolio und eine durchschnittliche Haltedauer von sechs Jahren sollen zu einer überdurchschnittlichen Anlagerendite führen, erklärt John William Olsen. Der Fondsmanager bei der britischen Fondsgesellschaft M & G legt im Gespräch mit der Börsen-Zeitung dar, wie er sich durch disziplinierende Strukturen zu Langfristigkeit zwingt.Von Dietegen Müller, FrankfurtWenn Fondsmanager davon sprechen, dass ihre Anlagestrategie “langfristig” ist, stellt sich oft heraus, dass die durchschnittliche Verweildauer von Aktienpositionen oft erstaunlich gering ist. Umso größer die Verblüffung, wenn John Williams Olsen davon spricht, dass in seinem Fonds Aktien im Mittel sechs Jahre gehalten werden. “Wir investieren mit einem Zeithorizont von rund zehn Jahren, so dass die durchschnittliche Haltedauer für einen Titel bei rund sechs Jahren liegt.”Olsen ist seit Juli 2014 Fondsmanager bei der britischen Fondsgesellschaft M & G und verantwortlich für den Global Select Fund sowie den Pan European Select Fund. Im ersten Fonds setzt er nicht nur auf eine ungewöhnlich lange Haltedauer, sondern auch auf ein sehr konzentriertes Portfolio. “Wir investieren in höchstens dreißig bis vierzig Aktien”, so der gebürtige Däne, der von 2002 bis 2014 für internationale Aktienportfolios bei Danske Capital zuständig war. Die Grundlage bilden in Europa 120 Unternehmen, die von Olsen und seinem Team genauer unter die Lupe genommen werden. “Dabei werden verschiedene Szenarien über einen Zehnjahreszeitraum entworfen und dann ins Verhältnis gesetzt zur Bewertung.” Der Kontakt mit dem Management steht dabei nicht primär im Fokus.Aus den genannten 120 Aktien hat der Fondsmanager schließlich fünf Titel gekauft. “Es braucht die richtige Geisteshaltung dafür, lang investiert zu bleiben”, meint Olsen. So geht er auch nach den Lehren der Verhaltensökonomie vor. Die Analysten, welche die Unternehmen analysieren, werden auf Basis der Qualität ihres Research vergütet, so Olsen, und nicht danach, wie sich die Aktienkurse dieser Titel entwickeln. Team ist anders organisiertAls einen weiteren disziplinierenden Faktor hat Olsen eingeführt, dass es in seinem Team kein Schaulaufen der Ideen geben darf. “Sonst kommt ein Analyst alle zwei Wochen mit einer neuen Idee, die dann gekauft wird.” Würden solchen Ideen in einem Team nicht Folge geleistet, entstünden bald Spannungen, die kontraproduktiv seien, so Olsen. Deswegen hat er die “Pitches” abgeschafft und spart dadurch auch gleich mit häufigeren Portfolioumschichtungen Transaktionskosten. “Weniger ist mehr”, sagt der studierte Betriebswirt.Mit Blick auf die Kosten für Investoren ist hier aber noch etwas zu machen: Der Ausgabeaufschlag von 5,25 % und die laufenden Kosten von 1,91 % sind am oberen Ende üblicher Spannen. Gerade mit Blick auf günstige passive Produkte erscheint dies nicht mehr zeitgemäß. Nach Aussage von M & G würden in diesem Zusammenhang noch Überlegungen, weil dies “ein zentrales Thema ist, dass alle aktiven Manager berücksichtigen sollten”, wie es heißt. ESG ist in ModeMit zu den Investitionsentscheidungen zählt auch die Einbeziehung der in Mode gekommenen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Faktoren, die unter dem Akronym ESG (Environment, Social, Governance) zusammengefasst werden. Abgesehen davon, dass durch Recherchen über Nichtregierungsorganisationen manchmal auch interessante Einblicke in Lieferketten oder Marktstrukturen möglich sind, spielen ESG-Faktoren für Olsen auch eine Rolle, weil sie langfristigen Einfluss entwickeln. “Wenn der Wert einer Marke durch negative Medienberichte beschädigt ist, kann dies einen Einfluss auf das Investment haben.”Am deutschen Aktienmarkt gefallen Olsen die Aktien des Industriegasespezialisten Linde. Die Kombination mit US-Branchennachbar Praxair schaffe das beste Unternehmen in dem oligopolistisch strukturierten Sektor. Auch der Prozessdienstleister Gea gehört zum Portfolio, während die Beteiligung am Pharma-, Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern Bayer wegen des Kaufs von Monsanto aufgegeben wird.