Ägyptische Tempel und alternative Mobilfunkmessen
Ägyptische Tempel und alternative Mobilfunkmessen
Madrid ist eine relativ junge Stadt für spanische Verhältnisse. Sie gewann erst ab dem 16. Jahrhundert Bedeutung, als der damalige König Philipp II. dort im Zentrum der Halbinsel den festen Sitz des Königshauses ansiedelte. Anders als viele andere Orte des Landes kann die Hauptstadt nicht mit imposanten archäologischen Ausgrabungen aus der Römerzeit, maurischen Palästen oder einer großen gotischen Kathedrale aufwarten. Doch es gibt ein von Touristen eher weniger beachtetes Bauwerk, das 2 200 Jahre auf dem Buckel hat: Der Tempel von Debod ziert seit fast einem halben Jahrhundert einen Hügel des Parque del Oeste (Westpark), wo man den eindrucksvollsten Sonnenuntergang in Madrid genießen kann. Das kleine Bauwerk mit Haupthaus und zwei Bögen, erbaut zur Zeit des Pharaos Ptolemaios IV., musste 1960 dem Bau des Assuan-Stausees in Ägypten weichen und wurde Spanien als Geschenk für die Hilfe bei archäologischen Arbeiten gegeben. Doch im Gegensatz zu drei anderen Tempeln, die in den USA, Italien und den Niederlanden heute jeweilige Museen bereichern, steht der Templo de Debod im Freien, entgegen den Anweisungen der Unesco.Damit soll nun Schluss sein. Im Rathaus von Madrid stimmten diese Woche alle Fraktionen für den Plan, das Bauwerk zu überdachen. Als der von Ägypten verschiffte Tempel zu Endzeit der Franco-Diktatur 1972 an dieser Stelle aufgebaut wurde, gab Spanien an, nicht genug Geld für eine schützende Hülle zu haben. Seit fast fünf Jahrzehnten ist das Bauwerk aus Sandstein der knallenden Sonne und Hitze im Sommer sowie Kälteeinbrüchen, Feuchtigkeit und sehr gelegentlich auch Schnee im Winter schutzlos ausgesetzt. Hinzu kommt die notorische Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr an einem der Knotenpunkte der Madrider Innenstadt.Letzteres wird nun aber ohnehin besser. Denn die angrenzende monumentale Plaza de España und die Gegend um den Königspalast werden in einem Großprojekt verkehrsberuhigt und in begrünte Fußgängerzonen umgewandelt. Dieser Teil am westlichen Rande des historischen Stadtzentrums wurde während des Spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 besonders stark in Mitleidenschaft gezogen, da dort die Front zwischen den Truppen Francos und den Verteidigern der Hauptstadt verlief. Später wurde die Gegend nach der damals dominanten städtebaulichen Vorliebe für den Autoverkehr wieder aufgebaut. Nun sind im Zuge der Bauarbeiten archäologische Reste zum Vorschein gekommen, freilich längst nicht so alt wie der Templo de Debod. Es handelt sich um Kellergewölbe und die Grundmauern eines Palasts und Stallungen aus dem 16. und 18. Jahrhundert, die einen guten Zustand aufweisen. Diese historischen Bauwerke sollen nach dem Willen der Stadtregierung nun in die neue Stadtlandschaft um die Plaza de España eingegliedert und für Besucher sichtbar sein. Einen Boom ausländischer Touristen wird Madrid mit diesen vergleichsweise bescheidenen Werken jedoch kaum auslösen. *