WERTBERICHTIGT

Beipackzettel für die EZB-Umfrage

Börsen-Zeitung, 25.2.2020 Nicht nur die Geldpolitik an sich, auch die von der Europäischen Zentralbank gestartete Bürgerbefragung hat Risiken und Nebenwirkungen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Einbindung der Bürger ist so überfällig wie der...

Beipackzettel für die EZB-Umfrage

Nicht nur die Geldpolitik an sich, auch die von der Europäischen Zentralbank gestartete Bürgerbefragung hat Risiken und Nebenwirkungen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Einbindung der Bürger ist so überfällig wie der Strategiecheck an sich. Trotzdem gehört ein Beipackzettel zu der Online-Umfrage. Der erste Rat geht an manchen Notenbanker, der lieber heute als morgen Klarheit über den künftigen Kurs hätte: Schafft keine Fakten, bevor die Antworten ausgewertet und im EZB-Rat gewürdigt sind! Das wird Geduld erfordern, mindestens bis Herbst. Der zweite Rat geht an EZB-Chefin Christine Lagarde: So verdienstvoll ihr Reformbestreben ist, ein Plebiszit über die Geldpolitik ist die Befragung nicht! Absehbar ist etwa, dass eine Mehrheit die Folgen des Klimawandels für die Wirtschaft betonen wird. Es wäre falsch, wenn Lagarde daraus einen Automatismus für eine wie auch immer geartete grüne Geldpolitik ableitet. Der dritte Rat geht an die Befragten: Ein schnelles Ende der Dauerniedrigzinsen mag eine Illusion sein. Das ist aber kein gutes Argument, sich nicht zu beteiligen! rec